Supernatural S11E14 - The Vessel

Clive77

Serial Watcher
In der Folge "The Vessel" der US-Serie Supernatural suchen die Winchesters nach einer Waffe, die sie gegen Amara einsetzen können. Ein waghalsiger Plan mit Zeitreisen, Engeln und Teufeln erwartet den Zuschauer. Obendrein erfahren die Brüder noch ein kleines Geheimnis.

Hölle
Diese Woche nimmt Casifer (Misha Collins) eine größere Rolle in der Handlung ein. Ein Teil davon spielt in der Hölle, wo Lucifer ziemlich gelangweilt die Berichte seiner Dämonen entgegen nimmt. Oh, und wir erfahren natürlich, wie es Crowley (Mark Sheppard) in der Zwischenzeit ergangen ist.
Dabei scheint der neue alte King of Hell noch keinen genauen Plan zu haben, wie er Amara (Emily Swallow) beikommen soll. Er weiß von Deans (Jensen Ackles) Verbindung zu Gottes Schwester, aber er gibt uns zu verstehen, dass das damalige Ereignis, was zur Verbannung der Dunkelheit führte, Teamarbeit gewesen ist und er alleine noch keine Aussicht auf Erfolg hat. Im Grunde genommen sitzt er also ähnlich ratlos in der Hölle herum, wie die Winchesters in ihrem Bunker. Darauf wartend, dass sich etwas ergibt. Da kommt der Anruf von Dean, dass die Brüder seine Hilfe bei der Auffindung einer möglichen Waffe gegen Amara brauchen, gerade recht.
Ein bisschen mehr hätte man vom Teufel an dieser Stelle sicher erwartet. Es war zwar recht witzig mit anzusehen, dass er seinen Job nicht besonders ernst nimmt und die Dämonen ihn eher langweilen (bloß bei der Erwähnung von Amara wurde er kurz hellhörig), aber – um mal einen Vergleich zu ziehen - bei Crowley kamen derlei Szenen eine ganze Ecke besser herüber.
Apropos Crowley. Gut zu wissen, dass er noch da ist und noch nicht aufgegeben hat. Seine jetzige Lage ist zwar nicht gerade gut und er scheint bloß zur Unterhaltung von Lucifer noch anwesend zu sein, aber wer weiß, vielleicht ergibt sich ja demnächst für ihn eine neue Chance, um das Blatt zu wenden. Die Dämonen scheinen ihm gegenüber zwar abgeneigt zu sein (die wissen halt, wer momentan das Sagen hat), aber mit Blick darauf, dass die Winchesters nun über Casifer Bescheid wissen – mehr dazu später – kommen sie vielleicht auf den alten Bekannten zurück, wenn es darum geht, den Teufel wieder in den Käfig zu stecken. Ob und wie sie das anstellen werden, steht zwar noch in den Sternen, aber Crowley dürfte die beste Wahl sein, wenn es darum geht, Lucifer wieder aus dem Weg zu räumen.

Hand of God
Sam (Jared Padalecki) recherchiert unermüdlich in den Akten der Men of Letters nach einem Gegenstand, mit dem die Brüder Amara beikommen können (und konsumiert dabei den letzten Kaffee, womit ein bisschen amüsanter Stress mit seinem Bruder vorprogrammiert ist). Statt Fall der Woche wird er tatsächlich fündig, dabei gibt es bloß ein kleines Problem: Die angebliche Wunderwaffe gilt seit dem zweiten Weltkrieg als verschollen. Aber wie die Rückblicke am Anfang der Folge bereits preisgaben, sind Zeitreisen eine mögliche Option und ein gewisser Engel erweist sich sehr bereit, den beiden da weiterzuhelfen.
Die ganze Prämisse weist dabei ein gutes Stück „Indiana Jones“-Feeling auf. Ein Bruchstück der Bundeslade soll dazu in der Lage sein, die Dunkelheit zu bändigen und obendrein geht es dabei für Dean ins Jahr 1943 zurück, wo der Kampf gegen die Nazis in vollem Gange ist. Ein durchaus vielversprechendes Setting, auch wenn der Handlungsort ein wenig „eingeschränkt“ wirken mag.
Vorweg sei angemerkt, dass die Brüder sich in diesem Abenteuer trennen, was an sich nicht weiter schlimm wäre – schließlich gehen die beiden des Öfteren mal getrennte Wege, auch wenn sie ein gemeinsames Ziel vor Augen haben. Etwas sauer stößt aber auf, dass Dean sich für entbehrlich hält und deshalb das Risiko der Zeitreise alleine auf sich nehmen möchte. Außerdem stellt sich noch die Frage, wie es wohl gewesen wäre, wenn Casifer ihn begleitet hätte. Wäre Dean in der Lage gewesen, Lucifer zu erkennen? Er schien in einer der Vorfolgen schon des Öfteren die Stirn gerunzelt zu haben, wenn Cas sich leicht abnorm verhalten hat. Aber der ursprüngliche Plan, dass Castiel ihn begleitet, fiel ohnehin ins Wasser.
Die Szenen im U-Boot waren durchaus o.k., aber leider nicht viel mehr. Spannung kam zwar auf, vor allem, als der deutsche Zerstörer zum Angriff überging und uns offenbart wurde, dass Gumprecht (Richard Stroh) nicht so einfach kleinzukriegen war, wie Delphine (Weronika Rosati) es sich vorgestellt hatte. Aber es bleibt das Gefühl zurück, dass sich aus alledem mehr hätte herausholen lassen.
Zu einfach ist es für Dean, sich zu behaupten, nachdem er entdeckt wurde. Zu wenig Screentime bekommt Delphine, ehe sie sich schon bereit erklärt, umgebracht zu werden, damit der Mann aus der Zukunft mitsamt Wunderwaffe entkommen kann. Sie ist zwar eine Woman of Letters, aber sehr viel mehr erfahren wir nicht über sie. Gut möglich, dass sich bezüglich des letzten Punkts noch was ändert. Wer weiß, vielleicht sehen wir sie noch einmal wieder, weil sie durch die Berührung des verheißungsvollen Gegenstands jetzt selbst zur Waffe geworden ist. Bezeichnend ist jedenfalls, dass von dem U-Boot nach wie vor jede Spur fehlt, während das Wrack des deutschen Zerstörers gefunden wurde – das Schicksal von Delphine und der Besatzung bleibt somit noch offen.
Ein weiterer Punkt, der sich je nach Gemütslage kritisch oder positiv sehen lässt, ist die Hand of God selbst. Es ist schon enttäuschend (nicht nur für Lucifer), dass das „Stück Holz“ bloß eine einmalige Wirkung zu haben schien. Die ganzen Strapazen also für nichts und wieder nichts? Die Winchesters sind am Ende der Folge jedenfalls keinen Schritt weiter, was ein Mittel gegen Amara angeht. Andererseits lässt sich natürlich sagen, dass man so die Spannung aufrecht erhält und eben nicht eine plötzliche Wunderwaffe aus dem Hut gezaubert wird. Der Rezensent ist sich da noch nicht sicher, welchen Ausgang er lieber gehabt hätte.
Bezüglich der Zeitreise-Problematik: Man hätte es schon gerne gesehen, wenn Dean das Blatt für die Besatzung hätte wenden können. Ehrlich gesagt hätte sich durchaus damit rechnen lassen, obwohl es dann möglicherweise einen Widerspruch gegeben hätte. Aber an sich war es schon gut gelöst, wie das Abenteuer ausging. Das U-Boot bleibt (vorerst?) verschollen und die Geschichte läuft mehr oder weniger genau so ab, wie Sam es anfangs nachgelesen hat. Kein Paradoxon und somit kein Anlass, sich über etwaige Logikfehler auszulassen.

Derweil im Bunker
Besonders viele Schauplätze gab es diese Woche nicht. Aber der Schauplatz, der wohl am meisten Spannung hergab, stellte der Bunker dar, wo Sam und Casifer gemeinsam die Episode beschritten.
Die meiste Arbeit hatte dabei Misha Collins, der abermals in seiner (Doppel-)Rolle überzeugen kann. Sam mag zwar manchmal etwas naiv wirken, wenn er nicht wegen Castiels Verhaltensweise zumindest mit der Stirn runzelt, aber andererseits dürfte die Sorge um Dean ihn abgelenkt haben, so dass er erst erkennt, wen er da wirklich vor sich hat, als es fast um ihn geschehen wäre.
Gut zu wissen, dass Castiel noch immer präsent und mit Mühe und Not auch dazu in der Lage ist, an die Oberfläche zu kommen. Etwas kritisch beäugen lässt sich zwar, dass er nicht gewillt ist, Lucifer wieder hinauszuwerfen – er glaubt scheinbar immer noch, dass Lucy über Mittel und Wege verfügt, mit dem Amara-Problem fertig zu werden – aber vielleicht liegt er ja richtig und der Teufel trägt tatsächlich zur Lösung des Staffelproblems bei.
Für die Winchesters ist die Offenbarung, dass Lucifer wieder auf freiem Fuß ist und dazu noch in Castiels Körper, jedenfalls eine neue Aufgabe auf ihrer Liste. Wie können sie Cas helfen und nebenbei den Teufel wieder in seinen Käfig schicken? Oder werden sie sich dazu entscheiden, ein Bündnis einzugehen, um erstmal die größere Bedrohung (Amara) aus dem Weg zu schaffen? Und können sie letzteres überhaupt in Erwägung ziehen, nachdem Lucifer versucht hat, Sam umzubringen?
Unterm Strich bleibt es spannend, wohin die Reise gehen wird. Die Brüder wissen jetzt, dass sie neben Amara noch einen weiteren großen Gegner haben und dass Castiel gerettet werden muss. Fortschritte in Sachen Lösung gibt es bisher nicht. Was also tun? Weiterhin recherchieren, ob sich noch irgendwo eine andere Waffe auffinden lässt? Vielleicht Crowley oder Metatron (Curtis Armstrong) in Erwägung ziehen? Bezeichnend ist jedenfalls, dass die Lage für die Winchesters nicht gerade rosig aussieht.

Fazit: An sich eine sehr gute Folge, zumal es diese Woche für die Winchesters eine Offenbarung gab, die sich gewaschen hatte und neue Probleme nach sich ziehen wird. Allerdings ließen Deans Abenteuer in der Vergangenheit noch eine Menge Luft nach oben und an der Gastfiguren-Front blieb es auch eher mau. Am spannendsten waren da dann doch die Szenen im Bunker, die sich wirklich sehen lassen konnten.

7,5/10
 
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