The Last Ship S04E08 - Lazaretto

Clive77

Serial Watcher
Die Folge "Lazaretto" der US-Serie The Last Ship führt die USS Nathan James zur (fiktiven) griechischen Insel Kleos, wo eine Undercover-Mission auf das Außenteam wartet. Fletcher erkennt derweil, mit wem er sich da eingelassen hat und unternimmt Gegenmaßnahmen.

Kleos
Die griechische Mythologie wird in "Lazaretto" mal wieder aufgegriffen, wenn auch etwas dezenter als sonst. „Kleos“ bedeutet so viel wie „Ruhm“ oder „Ehre“ und ist thematisch mit Homers Epen Iliad und der Odyssee verbunden - ähnlich wie „Nostos“ für die Rückkehr eines großen Helden über den Seeweg steht (wie bei Odysseus eben). Diese Woche steuert die James auf eine Insel namens Kleos zu, wo sich ein Kommunikationszentrum befindet, welches einen genaueren Standort von Velleks ([actor=Peter Weller]) Schiff offenbaren könnte.
Die drei Kapitäne Meylan (Emerson Brooks), Slattery (Adam Baldwin) und Chandler (Eric Dane) sind nur am Rande zu sehen. Im Mittelpunkt steht vielmehr das Team aus Miller (Kevin Michael Martin), Green (Travis Van Winkle), Burk (Jocko Sims), Jeter (Charles Parnell) und Wolf (Bren Foster), die sich in das Camp von Giorgios (Jackson Rathbone) ehemaligen Kämpfern einschleichen, welches sich zufällig auch auf Kleos befindet. Die beiden Damen des Teams - Sasha (Bridget Regan) und Azima (Jodie Turner-Smith) - müssen derweil draußen warten. "Boys only".
Das Abenteuer des Teams liefert dabei nichts Neues. Wir bekommen einen kleinen Eindruck davon, was Vellek vorhat und wie die Welt aussehen könnte, sollte er Erfolg haben. Abseits davon darf man mehrfach die Stirn runzeln, weil sich keine der Wachen fragt, wer die fünf neuen Gesichter sind und weshalb die kein griechisch sprechen. Dabei sollte gerade jemand wie Wolf, der zudem noch von einer der Wachen herausgepickt wird, deutlich auffallen.
Sieht man über derartige Ungereimtheiten hinweg, wird die wenige Spannung dieses Teils der Episode daraus generiert, dass unsere Jungs sich trotz aller Provokationen zurückhalten müssen und Jeter jeden Augenblick aufgrund seiner inneren Blutungen zusammenbrechen kann. Das ist mehr als dürftig. Auch die Informationen, die man aus Ares (John Hennigan) herausholen kann, bestätigen bloß, was Vellek vorhat und liefern keine neuen Beiträge. Das haben sich unsere Figuren ohnehin schon aufgrund des Videos von letzter Woche zusammengereimt. Hier nochmal eine Bestätigung zu liefern, ist lahm und füllt bloß die Folge unnötig auf.
Obendrein verläuft alles nach Schema F. Natürlich ist die Mission erfolgreich und natürlich entkommt unser Team am Ende. Wenigstens muss Jeter sich nun untersuchen lassen, was er gleich hätte machen sollen. Was aber diesen ganzen Einsatz redundant macht: Hinterher wird der Aufenthaltsort von Vellek bloß ein wenig eingeschränkt. Die wichtige Information um sein nächstes Ziel - Malta - erhalten unsere Haudegen derweil von Fletcher (Jonathan Howard).

Fletcher
Vellek ist es gelungen, den Red Rust zu besiegen, womit er das Nahrungsmittelproblem gelöst hat. Fletcher könnte sich nun entspannt zurücklehnen, aber es gibt da ein paar Dinge, die berechtigten Anlass zur Sorge geben. So wurde Dimitrios (Costas Mandylor) durch Stavros (Christos Vasilopoulos) ersetzt, die Kommunikation mit seiner Heimat wird ihm untersagt und Giorgio erwähnt etwas von „mind control“. Fletcher ist also gut beraten, in James Bond Modus überzugehen und ein wenig nachzuforschen. Erste Anlaufstelle: Dimitrios, von dem er den unheilvollen Plan Velleks veranschaulicht und erklärt bekommt.
Dieser Teil der Episode weiß etwas besser zu gefallen. Zwar sind Fletchers Versuche, Giorgio gegen seinen Vater aufzubringen, zum Scheitern verurteilt. Aber seine Wandlung vom Verbündeten zum Gegner Velleks ist nachvollziehbar und recht unterhaltsam gestaltet und lässt obendrein gut mitfiebern. Zuletzt gelingt es ihm sogar, die James über die Vorgänge zu informieren und wenngleich unsere Crew ohnehin schon über die Ziele des verrückten Wissenschaftlers Bescheid weiß, gelingt es Fletcher am Ende doch, sich zumindest ein wenig zu rehabilitieren (obwohl der Tod von O'Connor (Paul James) natürlich nicht vergessen wird).
Fletcher bezahlt die Episode mit seinem Leben, was sich aber auch nicht anders erwarten ließ. Vielleicht hätte er gegen Ende, als Papa Vellek in der Tür steht, noch einen Angriff mit anschließendem Fluchtversuch wagen sollen. Das Gelingen einer solchen Aktion wäre aber dennoch unglaubwürdig gewesen, von daher ist der Schlussstrich unter dem Kapitel Fletcher hier ganz angemessen gewählt.

Familie Vellek
Die Familienverhältnisse der Velleks spielen auch diese Woche wieder eine größere Rolle. Das Ausmaß von Velleks Wahnsinn wird aber erst zum Ende mit einer kleinen Überraschung deutlich gemacht, denn Lieblingssohn Christos (Drew Roy) ist schon lange tot und bloß eine Halluzination des Vaters. Obendrein hat der Tee, den Paul sich da am Ende zubereitet, eine verdächtig rote Farbe.
Äh, Moment, was? Die Offenbarung, dass Christos bloß im Kopf des Vaters existiert, wird zwar ganz ansprechend an uns herangeführt. Es lässt sich auch problemlos akzeptieren, dass Lucia (Sibylla Deen) und Giorgio diesen Knacks ihres Vaters verinnerlicht haben und sich nicht über die imaginären Gespräche mit dem Lieblingssohn wundern. Aber was ist mit den ganzen anderen Figuren, die neben Paul und Christos in den gleichen Szenen zu sehen waren? Da hat nie einer mitbekommen, dass Christos überhaupt nicht anwesend ist? Komisch, wenngleich Christos auch nie viele Dialoge bekommen hat.
Zu Gute halten kann man dieser Entwicklung allerdings, dass Velleks Motive für die Verbreitung der Droge ein wenig nachvollziehbarer werden. Christos verstarb durch eine Gewalttat, da ergibt es Sinn, dass Paul jegliche Form von Aggression aus der Welt haben will. Das wirft auch ein etwas anderes Licht auf das Verhältnis zu Giorgio, der für die Ausübung von Gewalt zuständig ist. Vellek benötigt diese Fähigkeit von Giorgio, um seine Ziele zu erreichen. Gleichzeitig verabscheut er sie aber auch. Ein Dilemma.
Aber der Twist, dass Paul nicht auf Weltherrschaft aus ist, sondern (wie durch den Tee angedeutet) selbst die eigene Droge nimmt, lässt sich durchaus positiv werten. Immerhin verleiht man dem Staffelgegner damit ein weniger typisch böses Motiv und lässt ihn trotz des verrückten Plans menschlicher wirken.

Fazit: Zu großen Teilen eine Füllfolge, die die Handlung nur begrenzt weiterbringt. Den ganzen Teil um die Insel hätte man sich sparen können. Fletcher bekommt allerdings einen recht guten Handlungsstrang und die Offenbarung am Ende um Velleks Sohn Christos wirft einen neuen Blickwinkel auf den verrückten Wissenschaftler, der jetzt nicht mehr ganz so wahnsinnig wirkt.

5/10
 
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