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Clive77

Serial Watcher

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Dienstag, 7. November 2017, 21:50

Star Trek: Discovery S01E08 - Si Vis Pacem, Para Bellum

Die Folge "Si Vis Pacem, Para Bellum" der US-Serie Star Trek: Discovery startet mit einer Weltraumschlacht. Burnham, Tyler und Saru sind derweil mit einer Außenmission auf dem Planeten Pahvo beschäftigt und woanders treffen wir auf Kol, L'Rell und Admiral Cornwell.

An Bord der Discovery
Direkt nach dem Vorspann werden wir in eine Schlacht geworfen. Die USS Gagarin steckt in der Klemme und wird von mehreren klingonischen Schiffen attackiert. Captain Lorca (Jason Isaacs) eilt mit der Discovery zu Hilfe, kann aber nicht verhindern, dass die Gagarin zerstört wird.
Dieser kinoreife Auftakt zeigt einmal mehr, wie groß das Budget ist, mit dem die Serie arbeiten kann. Angeblich soll eine Episode im Schnitt 8-8,5 Millionen US-Doller kosten und angesichts dieser Szenen mag man das auch gerne glauben. Wobei der Auftakt aber noch nicht alles in Sachen Augenweide ist. Die Szenen auf Pahvo (wo wir gleich noch zu kommen) sind ähnlich beeindruckend geraten.
Handlungstechnisch bekommen wir zunächst zu sehen, dass der Krieg sich keineswegs einem Ende nähert. Im Gegenteil, die Klingonen sind durch ihre Tarnvorrichtung, die Kol (Kenneth Mitchell) langsam aber sicher unter den Häusern verteilt (hat), auf dem Vormarsch. Lorcas aggressive Taktik, um die angeschlagene Gagarin vor der Zerstörung zu retten, geht nicht auf. Wobei das Szenario ein wenig an den Testlauf in Folge vier erinnert, wo die Brückencrew sich einem ähnlich aussichtslosen Kampf gegenübersah. Das Training und Lorcas harte Vorgehensweise, von der er auch nach dem verlorenen Kampf nicht ablässt (trauern kann die Crew später noch), werden hier gerechtfertigt. Übrigens auch mit Blick auf den Titel, der sich mit „Wenn du Frieden willst, bereite Krieg vor“ übersetzen lässt.
Als Randbemerkung sei noch angeführt, dass es in diesen ersten Minuten mehr von der Brückencrew zu sehen gibt als sonst. Aber von einer näheren Charakterisierung fehlt nach wie vor jede Spur. Wir kennen die Gesichter und dürfen ein paar wenige gesprochene Zeilen vernehmen. Mehr nicht. Die eigentlichen Hauptfiguren sind anderweitig beschäftigt.
Womit wir auch direkt zu Lt. Paul Stamets (Anthony Rapp) kommen, der nach dem zweiten Sprung mit dem Sporenantrieb sichtlich verwirrt aus der Kammer kommt und Tilly (Mary Wiseman) als Captain bezeichnet. Obendrein scheint sein altes, grimmiges Selbst wieder zurück zu sein, nachdem sie ihn auf den Fehler aufmerksam gemacht hat.
Orientierungslosigkeit und Stimmungsschwankungen mögen vielleicht nicht direkt in die Kategorie „starke Nebenwirkungen“ fallen, machen uns und Tilly aber einmal mehr deutlich, dass der Gebrauch des Sporenantriebs nicht ohne Folgen für den Navigator bleibt. Ob Stamets Tilly vielleicht deshalb als Captain angesprochen hat, weil er einen Blick in Zukunft werfen konnte? Immerhin war er letzte Woche derjenige, der die Zeitschleifen als solche wahrnahm und wir wissen von unserem Kadett, dass sie eine große Karriere bei der Sternenflotte anstrebt.
Derartige Spekulationen sind jedenfalls interessant, wobei wir in Zukunft aber sicher noch mehr von den Nebenwirkungen zu sehen bekommen werden. Denn Paul hat nicht vor, diese zu melden. Seine Begründung beziehungsweise sein Dilemma liegt darin, dass er entweder als Versuchskaninchen enden wird oder aber Dr. Culber (Wilson Cruz) für das bewusste Auslassen der Folgewirkungen in seinen Berichten belangt werden könnte (falls die Sternenflotte dahinterkommt). Somit wird beschlossen, dass Tilly ihn beobachtet und gehofft, dass die Nebenwirkungen wieder verschwinden (und Tilly sich nicht verplappert).
Wie die beiden hier vorgehen, lässt sich durchaus nachvollziehen, wenngleich es wohl kaum ratsam ist, den Mantel des Schweigens zu wahren. Uns Zuschauern soll es aber nur recht sein. Schließlich bahnen sich dadurch noch einige spannende Geschichten an.

Auf Pahvo
Michael (Sonequa Martin-Green), Ash (Shazad Latif) und Saru (Doug Jones) sind auf Pahvo unterwegs, um einen natürlichen Transmitter unter die Lupe zu nehmen. Daraus verspricht sich unsere Crew, eine Art Sonar zu entwickeln, um getarnte klingonische Schiffe aufzuspüren.
Wie das genau funktionieren soll? Keine Ahnung. Auch wenn der Planet Schallwellen und Vibrationen von sich gibt und diese in den Weltraum sendet, erscheint es doch relativ sinnlos, diese zum Detektieren getarnter Schiffe verwenden zu wollen. Sonar funktioniert mit Schallwellen. Dafür wird aber auch ein Medium (Luft, Wasser) benötigt, welches den Schall überträgt. Im (fast leeren) Weltraum dürfte das ein aussichtsloses Unterfangen sein. Andererseits, bei der Schlacht zu Beginn waren auch Geräusche im All zu vernehmen (die es eigentlich nicht gibt). Verbuchen wir es also unter (fragwürdiger) Serienlogik.
Viel wichtiger sind dann auch wieder unsere drei Figuren, die im Mittelpunkt der Episode stehen und die wunderschöne, fremdartige Welt mitsamt seinen Bewohnern erkunden dürfen. Die Beziehung zwischen Michael und Ash wird weiter vorangetrieben, was sich nach wie vor leicht skeptisch betrachten lässt (die Gründe sind noch immer die gleichen und dürften klar sein). Allerdings winkt den beiden nach Kriegsende kein Happy End entgegen, selbst wenn sie alles überstehen und überleben werden. Das Haus am See mag für Ash Realität werden, aber nicht für Michael, die uns wie ihm erklärt, dass ihr nach den Diensten auf der Discovery erneut schwedische Gardinen bevorstehen werden. Also keine Chance auf Rehabilitation durch neue Verdienste? Oder vermutet sie das bloß?
Die beiden sind zudem unterschiedlicher Meinung, als Saru sich durch die Wesen des Planetens verändert hat. Ash lässt seinen Rang spielen, um das weitere Vorgehen festzulegen - womit Michael keine andere Wahl hat, als den Transmitter für eine Botschaft an die Discovery zu verwenden. So ganz stimmig wirkt das mit Blick auf die vorherigen Szenen zwischen den beiden nicht. Hatte Ash nicht zuvor vorgeschlagen, die Transmitter-Mission abzubrechen, um Michaels „temporären“ Zustand zu verlängern? Ein Haus am See wäre doch auch auf Pahvo möglich, wo ohnehin die Harmonie herrscht. An sich hätten die Rollen hier vertauscht werden und die pflichtbewusste Michael diejenige sein müssen, die darauf besteht, Kontakt zur Discovery aufzunehmen.
Saru hingegen hat seine Entscheidung getroffen, nachdem der Kontakt mit den allgegenwärtigen Bewohnern von Pahvo intensiviert wurde. Das gibt uns einen angenehm ungewohnten Blick auf die Figur, nachdem er Ashs Hinhaltetaktik durchschaut hat. Zuvor angesprochene Eigenschaften seiner Spezies werden plötzlich aufgefahren, als er sich in den Sprintmodus begibt, um Michael aufzuhalten. Andere werden vernachlässigt, denn von Angst fehlt jede Spur. Und kräftig ist er auch noch.
Diese (kurzzeitige) Wandlung ließe sich bestimmt kritisieren, wenn uns am Ende nicht eine überzeugende Erklärung geboten worden wäre. Denn die macht durchaus Sinn. Man stelle sich ein Leben in Furcht vor. Wie schwierig muss es da sein, schwere Entscheidungen zu treffen oder gar - wie vor ein paar Episoden - das Kommando über ein Raumschiff zu übernehmen? Stets ist die Angst des Scheiterns vorhanden, womit es ohnehin schon beachtlich ist, dass Saru sich in der Position des ersten Offiziers halten konnte. Jetzt wird ihm diese Furcht genommen und er ist endlich befreit. Ein Zustand, den er nachvollziehbar behalten möchte und für den er zu kämpfen bereit ist. Das passte großartig ins Bild und zu seinem Charakter.
Zuletzt sei noch angemerkt, dass die Kontaktaufnahme mit der Discovery zwar glückt, aber die einheimischen Wesen keineswegs die Absicht haben, sich auf eine der beiden Seiten des Krieges zu stellen. Sie haben da vielmehr Harmonie im Sinn, als ein Sonar abzugeben und laden Kol zu einem Treffen mit der Discovery ein. Schöne kleine Wendung, auch wenn sie sich bereits angekündigt hatte. Jedenfalls beschert uns der Cliffhanger eine spannende Wartezeit auf das Midseasonfinale nächste Woche.

Bei den Klingonen
Wir haben schon länger nichts mehr aus dem Lager der Klingonen gesehen, was sich diese Woche glücklicherweise ändert. Neben Kol gibt es auch Admiral Cornwell (Jayne Brook) und L'Rell (Mary Chieffo) zu sehen. Kols Pläne liegen weiterhin auf der Hand und bedürfen keiner weiteren Erklärung. Klare Linie, die er da (bislang erfolgreich) fährt. Ein bisschen simpel gestrickt vielleicht, aber wenigstens wissen wir bei ihm genau, woran wir sind.
Bei L'Rell ist das schon schwieriger und diese Folge macht das leider nicht besser. Generell gibt es zu viele Lücken, um sie richtig einordnen zu können und selbst wenn man die als gegeben hinnimmt, kann man durch die Figur nicht so recht durchblicken. Erst bietet sie Kol an, seine Geisel zu „befragen“ und hätte als Belohnung gerne die Tarnvorrichtung. Dann erweckt sie den Eindruck, zur Sternenflotte überzulaufen und Cornwell befreien zu wollen. Als das nicht gelingt, begibt sie sich wieder in Kols Lager und schwört ihm Treue. Hin und her, je nachdem, aus welcher Richtung der Wind gerade bläst. Resultat: Weder wir noch Kol können ihr am Ende vertrauen.
Jetzt kann es ganz interessant sein, einen Charakter in der Serie zu haben, dessen Loyalitäten fraglich sind und der als wandelndes Fragezeichen daherkommt. Dafür muss aber eine gewisse Basis geliefert werden, auf der man aufbauen kann. Die fehlt hier schlicht und das ist nicht gut. Storytechnisch hätte da etwas mehr (beziehungsweise weniger Hin und Her) aufgefahren werden müssen.
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Clive77

Serial Watcher

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Dienstag, 7. November 2017, 21:50

Abseits davon liefert uns L'Rell kaum neue Informationen. An einer Stelle gab es kurz Hoffnung, dass wir einen Hinweis bezüglich Voq (Javid Iqbal) erhalten würden. "He was … chased away. Forever gone." ist aber nicht gerade das, was uns weiterhilft. Ihr Zögern könnte für eine bestimmte Theorie sprechen, kann aber auch etwas anderes bedeuten. Offensichtlich soll das „Geheimnis“ aufrechterhalten werden. Okay, müssen wir wohl so hinnehmen. Fragen dürfen wir uns außerdem, woher sie vom Antrieb der Discovery weiß. Allgemeinwissen unter den Klingonen scheint es noch nicht zu sein, sonst hätte sie es Kol nicht angeboten. Vermutlich war tatsächlich sie es, die Harry Mudd (Rainn Wilson) auf die Discovery angesetzt hat. Eine kleine Bestätigung dafür wäre nett gewesen.
Was Admiral Cornwell angeht, könnte das ihr letzter Auftritt gewesen sein. So ganz eindeutig ist ihr Tod jedoch nicht, obwohl sie kaum eine Chance haben dürfte, im Überlebensfall aus den Fängen von Kol zu entkommen. Ach Moment, mit dem anstehenden Treffen der beiden Schiffe ergibt sich da vielleicht doch eine Möglichkeit. Aber wie dem auch sei, der zunächst anvisierte Handlungsstrang, bei dem L'Rell Cornwell befreit und überläuft, hätte hier mehr Potenzial gehabt. Schon alleine wegen Lorca. Man stelle sich mal vor, die beiden wären entkommen, hätten ein Notsignal ausgesendet und die Discovery hätte sie aufgegriffen. Cornwell will ihn außer Dienst stellen und L'Rell hat ihn gefoltert. Das wäre mal ein interessantes Treffen gewesen.

Fazit: Optisch ist die Folge durchgehend gelungen, an vielen Stellen sogar kinoreif. Handlungstechnisch bereitet vor allem der Strang bei den Klingonen leichte Bauchschmerzen, denn da ging einiges an Potenzial flöten. Das Abenteuer auf Pahvo konnte sich aber (mit minimalen Abzügen) sehenlassen, wobei vor allem Saru großartig war. An Bord der Discovery dürfen wir uns weiterhin um Paul sorgen, dessen Nebenwirkungen langsam aber sicher gefährlich werden.

7,5/10
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