Christians Kolumne: Oscars 2019 – Gewinner, Verlierer, Tokio Hotel

25. Februar 2019, Christian Mester

Die Oscars sind einmal mehr vergeben worden, und dieses Jahr standen unter anderem Marvels „Black Panther“, Lady Gaga, der Freddie Mercury Film „Bohemian Rhapsody“ und zwei deutsche Produktionen im Rennen. Da vielen Filme etwa gleich hohe Chancen zugesprochen worden waren, war es tatsächlich spannend zu sehen, wer  was kriegen würde. Einen klar dominanten Abräumer gab es dann allerdings auch im Ergebnis nicht. Recht gleichmäßig gingen die Statuetten an die rund 8 meistgefeierten Filme, sodass eigentlich jedes Team ganz glücklich sein sollte.

(C) Marvel Studios

Marvel darf feiern, denn mit „Black Panther“ haben sie nun einen mehrfachen Oscar-Gewinner im Kader. Zu Recht gewann die opulente Produktion ‚Bestes Produktionsdesign‘ und ‚Bestes Kostümdesign‘, mit denen das futurisierte Afrika-Setting Wakandas realisiert worden war. Weniger verdient, aber mangels nennenswerter Konkurrenz ebenfalls in Ordnung war die dritte erhaltende Auszeichnung, für ‚Beste Filmmusik‘. Was enttäuschte, war das ersatzlose Fehlen von Kendrick Lamar, der sein ebenfalls nominiertes Lied dargeben sollte. Unsere BP Kritik.

„Green Book – Eine besondere Freundschaft“ erzählt von einem schwarzen Pianisten (Mahershala Ali aus „Luke Cage“) und seinem italienischen Bodyguard (Aragorn Viggo Mortensen), die mit dem Green Book, einem Hotelratgeber für selten zugelassene Farbige, in den 60ern durch den Rassismussumpf der Südstaaten touren. Ali erhielt nach „Moonlight“ aus dem vorletzten Jahr seinen zweiten Oscar, das Drehbuch wurde ausgezeichnet und dann gewann das Ding auch noch ‚Bester Film‘. Schräg ist, dass der Regisseur Peter Farrelly ist, der zuvor u.a. „Dumm und Dümmer“ 1+2 gemacht hat.

„Vice: Der zweite Mann“, in dem Christian Bale im Fettsuit George W. Bushs Vizepräsident Dick Cheney spielt, wurde für sein erstklassiges Make-Up ausgezeichnet, ging aber ansonsten leer aus.

© 20th Century Fox

Den Oscar für den besten Schauspieler musste Bale an Rami Malek abgeben, der mit dem Queen Biopic „Bohemian Rhapsody“ abräumte. Überhaupt war es ein absoluter Queen-Abend, denn die Band selbst trat mit Ersatzsänger Adam Lambert als Intro auf (als Ersatz für Kevin Hart, der an der Stelle eigentlich seinen Eröffnungsmonolog gehalten hätte), der Film gewann zudem noch ‚Bester Schnitt‘ sowie beide Sound Oscars (Soundschnitt und Soundentwicklung). Letzteres war offen gesagt absurd. Die Musik zählt da ja nicht zu, und was ‚Aufbruch zum Mond‘ und ‚A Quiet Place‘ beispielsweise mit Ton gemacht hatten, übertraf das ansonsten anspruchslose Biopic bei weitem.

„The Favourite: Intrigen und Wahnsinn“ Schöpfer Yorgos Lanthimos, der den großartig abstrusen „The Lobster: Hummer sind auch nur Menschen“ gemacht hat, erhielt selbst nix, dafür aber seine Hauptdarstellerin Olivia Colman, die als nervöseste Sprecherin charismatisch auffiel – und sichtlich Lady Gagas Traum zerplatzen ließ, gleich zweimal zu gewinnen. Yep, zweimal, denn der Oscar für den besten Filmsong für „A Star is Born“ war ihr ja eh schon sicher. Toll die Performance des Songs, bei dem ein sichtlich unsicherer Bradley Cooper Lampenfieber hatte.

Der andere Rassimustitel des Abends, „BlacKkKlansman“, über einen schwarzen Polizisten, der verrückterweise Mitglied beim Ku-Klux-Klan wird und die Kuttenträger ausspioniert, gewann für ‚Bestes adaptiertes Drehbuch‘. Lustig war, dass Lee am Abend in lila gekleidet war und damit fast aussah wie der Nicholson Joker im ersten Batman Film.

„Spider-Man: A New Universe“ schlug Pixars „Die Unglaublichen 2“ und ist damit nach Raimis „Spider-Man 2“ der zweite Franchise-Teil mit Goldjunge. „Roma“ gewann auch was, die jeweils nominierten Deutschen (Beste Kamera, Bester nicht-englischsprachiger Film, Bestes Make-Up, Beste Kurz-Doku) gingen allesamt leer aus, so wie „Aquaman“.

Generell war es ein relativ… simpler Abend. Keine Skandale, keine besonderen Vorfälle. Die Gewinnerverteilung lässt sich im Detail diskutieren (insbesondere „Green Book“ für Bester Film), geht aber im Großen und Ganzen durchaus in Ordnung und ließ niemanden unfair zurück. Dass es anfangs Ärger gab, weil die Oscars nur 2 der 5 Songs aufführen lassen wollte, lässt sich im Nachhinein fast verstehen: die anderen drei Songs erwiesen sich als außerordentlich langweilig.

(C) Paramount Pictures

Ansonsten sei noch kurz ProSiebens Vorberichterstattung erwähnt, bei der man wie so oft graue Haare kriegen durfte. Steven Gätjen (der ja laut den letzten beiden „Mission: Impossibles“ Rogue Nation Agent ist) hatte in diesem Jahr echt wenig Glück und wurde von den meisten Stars am roten Teppich schlichtweg ignoriert. Brie Larson rief er mit Margot Robbies Namen und auf die Managerfrage, ob er denn mit Jason Blum – dem Produktionschef von Blumhouse Studios, einem der aktuell erfolgreichten Horrorfilmstudios (u.a. „Halloween 2018“ und der mehrfache letztjährige Oscartitel „Get Out“) sprechen wolle – wusste er offenbar nicht, wer das ist. Gesagt werden muss allerdings, dass das halb so wild war, und natürlich, dass Gätjen bei seinem casualigeren Besuch bei den Rocketbeans stets super sympathisch wirkte. Zum Schluss aber? Wer bei Pro7 die glorreiche Idee gehabt hat, Tokio Hotel Sänger Bill Kaulitz als Fashionkommentator zu besetzen, sollte mal direkt zum Wakanda-Duell herausgefordert werden.

Die Liste der Gewinner:

Bester Film:

Gewinner: „Green Book – Eine besondere Freundschaft“
„Black Panther“
„BlacKkKlansman“
„Bohemian Rhapsody“
„The Favourite – Intrigen und Irrsinn“
„Roma“
„A Star Is Born“
„Vice – Der zweite Mann“

Beste Hauptdarstellerin:

Gewinnerin: Olivia Colman („The Favourite – Intrigen und Irrsinn“)
Yalitza Aparicio („Roma“)
Glenn Close („Die Frau des Nobelpreisträgers“)
Lady Gaga („A Star Is Born“)
Melissa McCarthy („Can You Ever Forgive Me?“)

Bester Hauptdarsteller:

Gewinner: Rami Malek („Bohemian Rhapsody“)
Christian Bale („Vice – Der zweite Mann“)
Bradley Cooper („A Star Is Born“)
Willem Dafoe („At Eternity’s Gate“)
Viggo Mortensen („Green Book – Eine besondere Freundschaft“)

Beste Regie:

Gewinner: Alfonso Cuarón („Roma“)
Spike Lee („BlacKkKlansman“)
Pawel Pawlikowski („Cold War“)
Yorgos Lanthimos („The Favourite – Intrigen und Irrsinn“)
Adam McKay („Vice – Der zweite Mann“)

Bester Nebendarsteller:

Gewinner: Mahershala Ali („Green Book – Eine besondere Freundschaft“)
Adam Driver („BlacKkKlansman“)
Sam Elliott („A Star Is Born“)
Richard E. Grant („Can You Ever Forgive Me?“)
Sam Rockwell („Vice – Der zweite Mann“)

Beste Nebendarstellerin:

Gewinnerin: Regina King („Beale Street“)
Amy Adams („Vice – Der zweite Mann“)
Marina de Tavira („Roma“)
Emma Stone („The Favourite – Intrigen und Irrsinn“)
Rachel Weisz („The Favourite – Intrigen und Irrsinn“)

Bester Dokumentarfilm:

Gewinner: „Free Solo“
„Hale County This Morning, This Evening“
„Minding the Gap“
„Of Fathers and Sons“
„RBG“

Bester nicht englischsprachiger Film:

Gewinner: „Roma“ (Mexiko)
„Capernaum“ (Libanon)
„Cold War“ (Polen)
„Werk ohne Autor“ (Deutschland)
„Shoplifters“ (Japan)

Bester Animationsfilm:

Gewinner: „Spider-Man: A New Universe“
„Die Unglaublichen 2“
„Isle of Dogs“
„Mirai“
„Ralph reichts 2“

Bester animierter Kurzfilm:

Gewinner: „Bao“
„Animal Behaviour“
„Late Afternoon“
„One Small Step“
Weekends“

Bester Dokumentar-Kurzfilm:

Gewinner: „Period. End of Sentence.“
„Black Sheep“
„End Game“
„Lifeboat“
„A Night at the Garden“

Beste Kamera:

Gewinner: „Roma“
„Cold War“
„The Favourite – Intrigen und Irrsinn“
„Werk ohne Autor“
„A Star Is Born“

Bester Filmsong:

Gewinner: „Shallow“ aus „A Star Is Born“
„All The Stars“ aus „Black Panther“
„I’ll Fight“ aus „RBG“
„The Place Where Lost Things Go“ aus“Mary Poppins Returns“
„When A Cowboy Trades His Spurs For Wings“ aus „The Ballad of Buster Scruggs“

Beste Filmmusik:

Gewinner: „Black Panther“
„BlacKkKlansman“
„Beale Street“
„Isle of Dogs“
„Mary Poppins Returns“

Beste visuelle Effekte:

Gewinner: „First Man“
„Avengers: Infinity War“
„Christopher Robin“
„Ready Player One“
„Solo: A Star Wars Story“

Bestes Originaldrehbuch:

Gewinner: „Green Book – Eine besondere Freundschaft“
„The Favourite – Intrigen und Irrsinn“
„First Reformed“
„Roma“
„Vice – Der Zweite Mann“

Bestes adaptiertes Drehbuch:

Gewinner: „BlacKkKlansman“
„The Ballad of Buster Scruggs“
„Can You Ever Forgive Me?“
„Beale Street“
„A Star Is Born“

Bester Life Action Kurzfilm:

Gewinner: „Skin“
„Detainment“
„Fauve“
„Marguerite“
„Mother“

Bestes Kostüm-Design:

Gewinner: „Black Panther“
„Ballad of Buster Scruggs“
„The Favourite – Intrigen und Irrsinn“
„Mary Poppins Returns“
„Mary Queen of Scots“

Bestes Produktions-Design:

Gewinner: „Black Panther“
„First Man“
„The Favourite – Intrigen und Irrsinn“
„Mary Poppins Returns“
„Roma“

Bester Schnitt:

Gewinner: „Bohemian Rhapsody“
„BlacKkKlansman“
„Green Book – Eine besondere Freundschaft“
„The Favourite – Intrigen und Irrsinn“
„Vice – Der zweite Mann“

Bestes Make-up und beste Frisuren:

Gewinner: „Vice – Der zweite Mann“
„Border“
„Mary Queen of Scots“

Bester Tonschnitt:

Gewinner: „Bohemian Rhapsody“
„Black Panther“
„First Man“
„A Quiet Place“
„Roma“

Bester Ton:

Gewinner: „Bohemian Rhapsody“
„Black Panther“
„First Man“
„Roma“
„A Star Is Born“

Autor: Christian Mester

Dieser Filmenthusiast (*1982) liebt es, manchmal auch mit Blödsinn, Leute für Filme zu begeistern. Hat BG im Jahr 2004 gegründet und ist dann für Pressevorstellungen, Interviews und Premieren viel rumgereist, hat als Redakteur u.a. für GameStar geschrieben, war dann mal Projektleiter in einer Werbeagentur mit Schwerpunkt dt, Kinostarts und - schaut gerad vermutlich schon wieder was.

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