BG Podcast: Der Justice League SnyderCut!

Joel.Barish

dank AF
Teammitglied

@Shins, @TheRealNeo und @Joel.Barish wollen ein Werk mit Überlänge besprechen, also gibt es zu Beginn erst einmal eine gnadenlose Abschweifung, wenn wir ungeahnt die Mythologie der „Matrix“ hinterfragen. Im „Zuletzt gesehen“ Segment versuchen wir positiv zu bleiben, was nicht immer einfach ist. Oder war. Manchmal muss man einfach „Ja“ sagen, in ferne (fiktive) Länder reisen, aber manchmal muss man angefangene Reihen auch einfach durchziehen.

Im Hauptteil (ab ca. 36:00 Minuten) geht es dann an der SnyderCut. Der Justice League Film, neu und anders und überlang. Wir widmen uns intensiv dem Vergleich mit der einstigen Kinofassung, wo der „echte Snyder“ durchscheint, wie sich die Handlung verändert hat und wo etwas Neues entstanden ist. Es geht um die Figuren, um die Musik, aber auch um den Epilog und das, was mit weiteren JL-Filmen möglich gewesen wäre. Dabei wird mitunter gar ein wenig übereifrig versucht, einen Mehrwert zu finden. Und überhaupt stellen sich zwei Kernfragen: lohnt sich „Zack Snyder’s Justice League“ als Film und ist es eine späte Gerechtigkeit für den Filmemacher Zack Snyder.

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Wie sieht es bei euch aus: den SnyderCut schon gesehen? Wie hat er euch gefallen?
 

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
Schöne Besprechung des ganzen - musste eigentlich konsequent nicken.:w00t:
 

Constance

Well-Known Member
Ich finde die Diskussion ganz interessant. Allerdings habt ihr alle eine ähnliche Sichtweise und wiederholt euch im Langen lauf etwas.

Ich verstehe die Aussage nicht, dass Snyder Superman nicht mag. Er hat den Helden dekonstruiert. Mir persönlich hat das den Helden erstmals zugänglich gemacht.

Ich meine es wurde bspw. gesagt, dass eben diese Voiceovers von Supes beider Väter nicht mit dem korrelieren, was dann in MoS mit dem Charakter passiert. Aber genau dafür gibt es doch jetzt diesen Cut, damit Superman endlich der Held ist, der er im Kern ist. ZSJL schließt die Kreise um den Helden. Und so war es immer gedacht, warum sollte Superman an seinem ersten Tag schon all seine Kernelemente vereinen? Das wurde auch in den Comics immer öfter kritisiert, weil der Held vielen einfach zu öde war. Auch einer der Gründe, warum er auch in den Comics oder Videospielen gerne auf die andere Seite verfrachtet wird, da er als Gegner quasi der Gott der Götter ist.

Warum sollte man Superman in 1-2 der 5 Filme nicht eine andere Rolle geben, die anderen Helden wiederum mehr Raum verschafft? Ich persönlich bin von der postapokalyptischen Justice League kaum abgeneigt, sogar eher sehr neugierig, wie sich Mera, Deathstroke und der Joker in diese "außergewöhnliche" League einfügen würden. Spannungen gibt es ja so schon zu genüge und Superman, ohne Zurückhaltung, gegen die 6? Sofort. Außerdem ist das Interesse am Evil-Superman bei vielen Leuten ja auch gegeben.

Generell stört mich am Podcast dieses ewige Vergleichen. Wenn ihr die beiden Versionen vergleichen möchtet, wären eure Gedanken, während einer kleinen Analyse gewisser vergleichbarer Szenen(Tonalität, Dialog etc.), für mich interessanter gewesen.
 

Joel.Barish

dank AF
Teammitglied
Ja warum denn auch nicht vergleichen? Klar, muss man nicht, aber ihr, Anderson und Constance, lasst es so anklingen, als wäre es total ungewöhnlich und seltsam (und vielleicht sogar falsch?), diese Filme zu vergleichen. Das finde ich wiederum seltsam. :ugly: Es ist nun einmal der SnyderCut, also eine neue/andere/rekonstruierte Version und Überholung eines bereits existierenden Films. Für mich ist es nur logisch, diese Filme zu beschreiben. Das ist doch auch die implizierte Message im Hintergrund seitens Snyder: 'Hey, dies ist meine Version, die eigentliche Version' oder so ähnlich.
Und dass ich dem Film als Ganzes zu wenig abgewinnen kann, um dauerhaft so unterhalten und abgelenkt zu werden, dass ich gar nicht mehr ans Vergleichen denke, hatte ich im Hauptthread ja schon angedeutet.

Ich meine es wurde bspw. gesagt, dass eben diese Voiceovers von Supes beider Väter nicht mit dem korrelieren, was dann in MoS mit dem Charakter passiert. Aber genau dafür gibt es doch jetzt diesen Cut, damit Superman endlich der Held ist, der er im Kern ist. ZSJL schließt die Kreise um den Helden. Und so war es immer gedacht, warum sollte Superman an seinem ersten Tag schon all seine Kernelemente vereinen?
Weil es so behauptet wurde. In den Filmen. Weil insbesondere Supermans Tod als große Tragödie für die Menschheit beschrieben wurde, weil Batman Superman als Leuchtfeuer beschrieb usw. Aber für mich (!) ist nie genug in diese Richtung passiert, um diese Gesten, Emotionen und Aussagen nachvollziehen zu können. Es wirkte immer unglaubwürdig. Ja, er soll ein Leuchtfeuer sein, nur sieht man nie viel mehr als ein vorsichtiges Glimmen.

Und Dekonstruktion schön und gut, aber da reicht es mir nicht aus, Superman anderthalb Filme lang zweifeln und hadern zu lassen oder ihn einen folgenschweren Fehler begehen zu lassen. Insbesondere dann nicht, wenn so vieles in den Filmen dennoch das Klassische am Kosmos Superman bedienen will. So Unsinn wie die Erschießung von Jimmy Olsen ist für mich keine Dekonstruktion, allerhöchstens eine Provokation und selbst als solche unbrauchbar. Ebenso finde ich die anti-empathische Verrohung der Kents, insbesondere Jonathan, nicht spannend. Ich teile sie auch schlicht und ergreifend nicht bzw. halte sie für verkehrt (für diese Figur, für Supes und für einen Superman-Film), aber ich hätte mich damit arrangieren können, wenn sie diesen Standpunkt vertieft und wirklich zu einem neuen Grundprinzip seitens Clark gemacht hätte. Darüber hätte Dekonstruktion stattfinden können. Ist es aber nicht, wie ich finde.

Wenn dir persönlich Superman durch Snyders Filme zugänglicher geworden ist, dann herzlichen Glückwünsch. Das meine ich ernst. Gute Sache, für dich. Sei dir gegönnt. Ich würde nie ausschließen, dass es manchen Leuten bei der Auffassung eines Films oder eine Filmfigur anders ergehen kann wie mir. auch wenn ich Kritiken schreibe oder in einem Podcast spreche, ist es ja doch "nur" meine subjektive Meinung. Wie auch sönst? Das geht aber in beide Richtungen. Du sagst, viele Leute hätten Interesse an Evil-Superman. Okay. Aber viele Leute finden Snyders Superman auch total panne. Ich möchte da nicht über Richtigkeit oder Notwendigkeit urteilen.
 

Constance

Well-Known Member
Natürlich könnt ihr vergleichen. Was ich meinte, war aber doch eher, dass man auch andere Aspekte detaillierter vergleichen kann, als sich über das selbe für recht lange Sequenzen zu unterhalten.

Also für mich tat BvS eben genau das, vielleicht hätte der Teil mit der öffentlichen Wahrnehmung des Mann aus Stahl stärker sein können.
Aber welchen klassischen Elemente aus dem Superman Kosmos will man sich auch nicht bedienen? Ihn in seiner Psyche etwas zu begrenzen ist doch fast der einzige Weg. Seine körperlichen Eigenschaften bleiben so oder so. Wie eben auch erfolgreich in den Comics geschehen.
Und gerade das Element der Kent-Eltern hat in meinen Augen etwas übergreifend empathisches. Clark wird die eigene Freiheit zur Entscheidung gelassen und die Reaktionen zu solch einer Figur würden viele Bereiche schlichtweg sprengen sowie Paradigmen verschieben. Damit sollte man wohl auch vorsichtig umgehen. Ich finde das großartig gelöst, also diese Ambivalenz zwischen den beiden Eltern, denn für den Superman-Part ist dann Jor-El als biologischer Vater da und dieser gibt ihm äußerst positive Leitmotive mit.

Wenn ich was an Kritik zu seinem Superman lese, dann ist es oft das selbe: "Das ist nicht der Superman, den ich darin sehe." Aber in einem sind sie sich alle einige: Henry Cavill soll bleiben.
 

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
Ich seh es ebenfalls eher schwach umgesetzt.

Zum einen wäre die da der Fakt, dass Supes insgesamt 3x als Gegner auftaucht. In BVS kämpft er gegen Batman u.a. weil Luthor ihn dazu zwingt, in JL nach Wiederbelebung durch das kryptonische Schiff gegen die Liga, für die nächsten Teile war er nach Lois' geplantem Tod als von der Anti Life Equation ausgelösten Beeinflussung als Darkseids Handlanger gedacht. Das kratzt immens an Supermans Bild des Helfers, da er gleich 3x als Marionette des Bösen herhält. Auch bestätigt es Batmans Paranoia aus BVS, dass Superman sich eines Tages gegen die Menschen richten könnte und damit zu gefährlich ist, nicht frei leben darf, oder gar, gar nicht leben darf. Dh Snyder will hier im Grunde, dass man Batmans Meinung zustimmt und sagt, yep, Clark muss weg.

Natürlich sagt Snyder auch, dass Steppenwolf und später Darkseid nur mit Supermans Hilfe zu besiegen ist, aber ist dem so? Steppenwolf besiegt die JL nicht so leichtfertig wie Thanos die Avengers, sondern wird selbst mehrfach schwer getroffen, der finale Hieb kommt sogar eh von Wonder Woman. Dh, mit etwas mehr Taktik würde die restliche JL tatsächlich genügen, um ihn zu besiegen. Und Darkseid wurde bei seinem ersten Besuch auch schon mal besiegt, ohne dass ein Superman gebraucht war.

Auch muss ich Joel zustimmen, dass es völlig unglaubhaft in JL ist, dass Batman Superman plötzlich als wichtig und vorbildlich deklariert und er traurig über dessen Verscheiden ist. Er nennt ihn sogar einen besseren Menschen als sich selbst, was völliger Quatsch ist. Die beiden hatten nach ihrer Streitschlichtung nur ein kurzes Gespräch, ehe Doomsday Superman tötete. Somit gabs überhaupt keine Zeit für Batman, Superman richtig kennen und schätzen zu lernen.

In den Ereignissen von MOS, die in 2 Filmen gezeigt werden, wurde klar, dass Superman ohne Rücksicht auf andere gegen Superwesen kämpft. Die werden durch Häuser geschleudert wie sonstwas, und man darf vermuten, dass auch in zukünftigen Kämpfen ähnliches passieren könnte. Gerade der große Kollateralschaden war ja auch was, was Batman sauer aufstieß... auch wenn er selbst natürlich 0 Chance gegen jemanden wie Zod oder Doomsday gehabt hätte. Aber das wird ja eh nie adressiert - dass Superman in so einer Situation keine andere Chance hat als Sach- und Personenschaden anzurichten, um den Rest der Welt zu retten. Er wird dafür verurteilt, im Zuge dessen Leute getötet zu haben und dass seine Macht allein zu groß ist, als dass er sie unkontrolliert allein behalten sollte. Auch die letzte Szene aus MOS, in der Superman einen Überwachungssatelliten zerstört und der Army sagt, dass sie ihn nicht kontrollieren können ist mit einer gewissen Arroganz versehen, die nicht gerade pro Superman ist.

Wie es schon im Podcast heißt, ist es ja auch ersichtlich, was Snyder von Superman hält, indem er ihn als Held in schwarz kleidet und als Handlanger Darkseids in bunt.

Diese ganze negative Inszenierung Superman gefällt mir schon aus Prinzip nicht, aber ich hätt damit besser leben können, wenns besser gemacht wär. Zb ist Homelander in The Boys zwar weitaus böser und simpler, aber viel interessanter inszeniert. Auch muss Snyder sich dann mal entscheiden, was er will. Superman als Gefahr zu inszenieren passt nicht zusammen mit Zeitlupen- und Jesusposenaufnahmen von Supes als Menschenretter.

Spannungstechnisch wärs wesentlich effektiver gewesen, wenn man Supes erst pur gut lässt und zeigt, dass wir nur so ganz grade mit ihm eine Chance gegen die bösen haben - und dann lassen wir ihn die Seiten wechseln, für den Oh Shit was jetzt Cliffhanger.
 
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