BG PODCAST: Wie gehen wir mit Filmklassikern um?

Joel.Barish

dank AF
Teammitglied
Mit etwas Verspätung ein neuer BG Podcast. Jay, Joel und Shins versuchen nach anfänglichem Palaver Tipps zum eigenen Erwartungsmanagement zu geben. Filme kommen immer mit einem gewissen Anhang und mit einer Vergangenheit zum Zuschauer. Daduch werden Erwartungen geschürt – positive oder negative. Wir versuchen Möglichkeiten zu finden, wie man sich bejubelten und insbesondere alten Filmen nähern kann. Wie kann man Klassikern so neutral wie möglich begegnen? Wie kann man ihre technischen und erzählerischen Eigenheiten verstehen und einordnen, ohne beim Sehen ausschließlich daran zu denken oder im Vorfeld eine Doktorarbeit zu schreiben? Und lohnt es überhaupt, sich der Vergangenheit zu öffnen und die angeblichen Meisterwerke der Großelterngeneration zu erforschen? (Die Antwort lautet natürlich „Ja.“ Aber warum?)

BG Podcast: Wie kann man sich Filmklassikern nähern? (72 Minuten)
 

Rantman

Active Member
Finde das Thema interessant und würd gern was zu sagen. Aber ich höre mir keine podcasts an. Gibts zufällig n transscript?
 

TheGreatGonzo

Not interested in Naval Policy
Teammitglied
Finde auch dass das ein interessantes Thema ist und hab das Gefühl, da hättet ihr noch locker eine Stunde weiter diskutieren können. Ich hätte es angehört. Zu den genannten Filmen: Ich glaube gerade Citizen Kane und Casablanca sind zwei DER Filme, die man Leuten empfehlen sollte, die gerne ältere Filme aus der Zeit sehen möchten, aber wenig Vorwissen mitbringen. Klar profitieren beide enorm, wenn man sie historisch einordnen kann, aber davon abgesehen sind es vollkommen zeitlose Geschichten, mit großartigen Darstellern, toll geschrieben und inszeniert und haben ein recht flottes Erzähltempo, dass vielleicht nicht mit den großen Actionblockbustern von heute mithalten kann, aber dafür sicher mit vergleichbaren Filmen von heute. Citizen Kane ist sicher schneller und visuell aufregender als zB Spotlight, und ein romantisches Drama wäre heute sicher selten so unterhaltsam, spannend und sogar lustig wie Casablanca. Es hat schon seinen Grund, wieso Casablanca bis heute als der ultimative Hollywood-Film gilt. Ein weiterer Film, der in seinen Sensibilitäten sehr modern ist, ist wie ich finde Sein oder Nichtsein von Ernst Lubitsch, außerdem die meisten Filme von Billy Wilder, sowohl die ernsteren Filme als auch die Komödien, die glaube ich mehr Tempo und Gags pro Minute haben als so ziemlich jede moderne Komödie. Man darf sich da glaube ich oft nicht von den Vorstellungen, die man über alte Filme hat abschrecken lassen, da gibt es viel zu entdecken und viele Überraschungen. Vor allem weil es auch eine Zeit war, in der auch kleinere Geschichten, Dramen und Komödien mit maximalen visuellen Mitteln verfilmt wurden, weil das Filme für die große Leinwand waren.
 

Shins

Moderator
Teammitglied
Ich bin da voll bei dir. Glaube aber, dass es viele Zuschauer gibt, die sich alleine dadurch abschrecken lassen, dass ein "Casablance" noch nicht farbig ist... :check:
 

TheGreatGonzo

Not interested in Naval Policy
Teammitglied
Ja das stimmt, aber bei solchen Leuten ist dann sowieso nichts mehr zu retten. Wer absolut kein Interesse hat, dem kann man es auch nicht aufzwingen, ist ja auch keine Pflicht alte Filme zu schauen (oder gut zu finden), wobei ja noch genug schwarz-weiß Filme Jahr für Jahr herauskommen. Die sind halt selbst schuld, angesichts dem, was sie verpassen. Denke aber, dass den meisten, wenn sie sich tatsächlich drauf einlassen würden, sich kaum dran stören würden. Ich denke kein Mensch schaut Casablanca und sagt: "Guter Film, aber ich wünschte er wäre in Farbe gewesen."
 

Tyler Durden

Weltraumaffe
Teammitglied
Sehr unterhaltsamer Podcast! Eine Empfehlung hätte ich allerdings: Lasst euch gegenseitig ausreden - ihr unterbrecht euch manchmal gegenseitig. z.B.: Shins versucht was zu sagen und muss immer wieder neu ansetzen, weil die beiden anderen Chrisses dazwischen quatschen - so lustig das auch ist :wink:
Ansonsten ist es wieder sehr angenehm zu hören, danke für die gute Unterhaltung :top:

Ist ein sehr gutes Thema, gerade bei Citizen Kane. Ein großartiger Film, der nicht nur wegen seines Status' gesehen werden sollte.
 

Manny

Professioneller Zeitungsbügler
Ein Problem, dass ich schon vor dem starten des Podcasts sehe:
Beim Hauptthema (ab 00:28:00 Min) geht es dann um weitreichende Fragen zum eigenen Erwartungsmanagement.
Die 28 Minuten davor, mögen nicht uninteressant sein (ich werde sie mir gleich jedenfalls anhören), aber wenn man einen Podcast zu einem bestimmten Theme macht, sollte es nicht so lange dauern, bis man zu eben jedem Thema kommt.

[/mecker]

P.S. Das zu Wrestlern in Filmen hab ich immer noch nicht gehört.....
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Nun auch gehört.

Also fand das etwas längere Vorgeplänkel nicht schlimm. Klar wird ein Thema angekündigt, aber deswegen muss man ja nicht gleich dahinkommen. Wenn es einen stört und man die Timecodes kennt, kann man das ja aber auch einfach überspringen. Aber gerade so ein Vorgespräch dient ja auch dazu die Sprechenden in ihren Ansichten und ihren Geschmack besser einzuschätzen.
Aber wieso lag denn der Podcast so lange auf Halde?

Ja auf jedenfall ein spannendes Thema und etwas, wo ich ja hier schon desöfteren gegen Windmühlen gelaufen bin. Ich finde stets, dass wenn für einen die Filmwelt mit den 80ern oder 70ern endet, man nicht nur viel verpasst, sondern das Medium, die Kunst des Films, schlichtweg ignoriert und nicht verstanden hat.
Tendenziell kann ich euch deshalb in vielen Punkten Recht geben, würde aber ein paar Dinge noch etwas mehr differenzieren.

Klar, es war früher ein anderes Erzähltempo und zuweilen eine andere Bildsprache gängig, doch ist das ja heute nicht anders. Je nach Genre bzw. besser Land gibt es da ja immernoch eklatante Unterschiede, die gewisse Gewohnheiten in Frage stellen oder zumindest herausfordern. Eine gewisse Offenheit ist aber selbstverständlich unabdienglich.
Ich glaube auch nicht, dass man als 'Neuling' sich zu sehr in Thematiken vorab einlesen muss, als dass die Sozialisierung von Filmen doch am besten mit (!) dem Film funktioniert. Klar schadet ein Hintergrund nie, aber man muss ja die Leute auch nicht direkt überfordern. Klar sind die Vorschusslorbeeren für Filme immer eine Gefahr, da die Filmgeschichte ja oftmals eine Kanonisierung mitbringt, die gleichzeitig wertend ausfällt und einiges unter den Tisch fallen lässt, aber es besteht ja auch kein Zwang etwas gut zu finden. Nur bei so allgemein als Klassiker gehaltene Filme wie die genannten CITIZEN KANE oder CASABLANCA kann es ja dann trotzdem spannend sein, wenn man sie nicht mochte, wieso sie denn diesen Status errungen haben.

Das von Daniel vorgeschlagene Herangehensmodell mit Steven Spielberg ist nicht unbedingt als vorsichtige Annäherung schlecht, doch muss man auch mal schauen, dass viele der aktiven und erfolgreichen Regisseure ja bald schon nur noch die sind, die eben vom Kino der 80er-Jahre kommen. Über die alten Herren zu stolpern ist dann für die Jüngeren im Publikum gar nicht mehr so einfach. Aber prinzipiell ist das eine Herangehensweise, die funtkionieren kann. Über Martin Scorsese ist das beispielsweise auch ein gewinnbringender Fundus.

Was man ja mal anfangen könnte zu sammeln, sind gute Einstiege in Genres oder Epochen, falls es so etwas nicht gibt. Wenn es Spektakel sein sollte, kann das auch erstmal über Filme von Buster Keaton (THE GENERAL) oder Harold Lloyd (SAFETY LAST) funktionieren. Stummfilme, aber wo dann eben im Bild einiges passiert und der Handlung leicht zu folgen ist. Immer in Tipp wert ist auch Fritz Lang. Seinen ersten Tonfilme M und DAS TESTAMENT DES DR: MABUSE zeigen sehr schön, wie der plötzliche Einbau von Ton die Inszenierung schärfte und vor allen Dingen das Tonelement zu einem klaren narrativen Bestandteil des Films werden ließ. Damals war das eben noch nicht so selbstverständlich wie heute...Oder auch ein Tipp ist die zweite Verfimung von BEN HUR aus dem Jahr 1925. Allein das Pferderennen dort ist eine Wucht und insgesamt steht der Film der Verfilmung mit Charloten Heston in nichts nach. Er ist eben stumm, aber allein die Filmmusik ist eine Klasse für sich.
Das lässt sich alles auch weiterführen bei Interesse. :smile:
 
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