Boyhood Regisseur dreht nächsten Film 20 Jahre lang

Joel.Barish

dank AF
Teammitglied
Über zwölf (in Zahlen: 12) Jahre hinweg drehte Richard Linklater, Regisseur hinter der „Before“ Trilogie, seinen gefeierten Film „Boyhood", der 2014 veröffentlich wurde. Natürlich wurde nicht zwölf Jahre lang am Stück gedreht, doch die erste Klappe der Dreharbeiten fiel im Frühjahr 2002, die letzte im Spätsommer 2013. Die Darsteller, darunter Ethan Hawke und Patricia Arquette, wurden vor unseren Augen älter, aus Kinderdarstellern wurden junge Erwachsene. Nun plant Linklater erneut einen Drehprozess dieser Art.

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TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Ein Wagnis auf jedenfall, aber warum nicht? Wenn er das nebenher machen will und vor allen Dingen die Darsteller darauf Lust haben wird ihm da keiner Steine in den Weg legen. In Zeiten der Digitalisierung ist das doch eine charmante wenn auch bei 20 Jahren, riskante Herangehensweise.

Wie war das eigentich bei BOYHOOD? Wurde damals auch schon bei Drehbeginn davon groß berichtet? Ok damals war das Internet noch 'kleiner', aber wurde das auch so öffentlich propagiert?
 

Joel.Barish

dank AF
Teammitglied
Also Linklaters Output, der eine Weile ja überdurchschnittlich war, wird das wohl nicht groß verringern. Dafür sind seine Filme nicht groß genug - was natürlich nicht wertend gemeint ist.
Mir gefällt das als Alternative zu Digitalisierung auch recht gut, aber wie ich in der News anreißen wollte: Es ist eigentlich nciht schwierig - insbesondere bei einem Zeitraum von "nur" 20 Jahren - Darsteller mit Maske, Haaren und Kostümen älter oder jünger zu machen. Ich weiß nicht, ob sich der Aufwand wirklich rechnet.

Aber es ist natürlich nicht ausschließlich eine optische Sache. Zumindest muss es das nicht sein. Linklater und seine Darsteller werden mitwachsen, mitaltern und sich mit dem Film verändern, was dann Auswirkungen auf die Handlung haben wird. Da wäre es fast spannender, das jetzige Shooting Script zu lesen und in 20 Jahren das Final Draft Script. :check:

Und was Boyhood betrifft... ich habe damals nichts davon mitbekommen. Wie du schon sagst, Internet und Film-News waren noch nicht das, was sie heute waren, aber ich habe relativ spät konkret davon erfahren. Als "Before Midnight" gedreht wurde, habe ich das (glaube ich) erstmalig aufgeschnappt. Zumindest erstmalig bewusst. Da stand vermutlich immer schon ein Eintrag für das "12 Year Project" bei Linklater in der imdb, aber ich persönlich habe es lange Zeit nicht bewusst wahrgenommen. :shrug:
 

Revolvermann

Well-Known Member
Zeit ist ja ein fast unvergleichlich wichtiges Element im Medium Film. Die Manipulation von Zeit wird für so ziemlich alles genutzt. Linklater feierte mit Boyhood die Wirkung auf die Figuren, die Geschichte, den Zuschauer Bezugs der Entwicklung, wie es eigentlich nur der Film kann. Und natürlich könnte man einen ähnlichen Effekt auch mit Effekten/MakeUp erzielen aber wie Joel schon anmerkt, geht es Linklater um das Gesamtkunstwerk und nicht um die reine Zweckdienlichkeit irgendwelcher Szenen.
Ob der neue Film dann wie Boyhood in noch extremer wird oder ob er die Zeit vielleicht für einen ganz anderen Ansatz nutzt, wird sich zeigen.
Ob ich dann überaupt noch davon weiß? Allein schon eine so frühe Ankündigung ist, soweit ich weiß, einzigartig (vielleicht abgesehen von dem 100 Jahre Film mit Malkovich aber dessen Ansatz ist nochmal anders). Interessant ist es allemal.
 

Manny

Professioneller Zeitungsbügler
Ich hätt's besser gefunden, wenn Sie das erst in 18 Jahren publik gemacht hätten.
 

TheGreatGonzo

Not interested in Naval Policy
Teammitglied
Ja, wenn er meint. Jeder braucht Hobbies.
Ist es nicht eher ... sein Job?
Dass Linklater größeres Interesse daran hat, reale Zeit auf Film zu bannen, dürfte ja nicht erst seit Boyhood klar sein und ich fands damals schon schade, wie sehr man sich über diesen Aspekt lustig gemacht hat oder abwertend darüber gesprochen wurde. Ist eigentlich eher seltsam, dass sich nicht mehr Regisseure solcher Experimente annehmen, weil es eigentlich schon interessant ist. Bei dem hier klingt es noch ein bisschen wie ein Gimmick, vor allem weil es kein Originalstoff von Linklater ist, bin aber trotzdem gespannt drauf, bisher waren all seine Filme, die sich mit realen Zeitspannen auseinandergesetzt haben großartig.
 

Manny

Professioneller Zeitungsbügler
und ich fands damals schon schade, wie sehr man sich über diesen Aspekt lustig gemacht hat oder abwertend darüber gesprochen wurde.
Habe ich gar nicht mitbekommen und kann ich auch gar nicht nachvollziehen. Ich find's ziemlich beeindruckend, wenn jemand soviel Geduld, so einen langen Atem hat, über einen so langen Zeitraum an so einem Projekt dran zu bleiben. Ich könnte das nicht.
 

Gray_Fox

Member
War Boyhood abseits der Drehdauer ein guter Film?
Es wirkt fast wie "Effekthascherei" bzw. wie ein "Kunstwerk" und nicht wie ein Film (hoffentlich ist es klar, wie ich es meine).
So eine Art Truman Show wäre schon interessanter gewesen, allerdings mit der Zustimmung von allen Beteiligten.

Jetzt wirkt es wie der gleiche "Stunt", nur mit höherem Risiko (er wäre dann 79 und ob er das Alter erreichen wird?).
 

TheGreatGonzo

Not interested in Naval Policy
Teammitglied
War Boyhood abseits der Drehdauer ein guter Film?
Ich denke man kann die zwei Sachen nicht voneinander trennen. Boyhood war ein guter Coming of Age-Film, der seine ganze Besonderheit aber daraus zog, dass er echte Zeit als Film aufbereitet. So wie die Before-Filme sicher auch alle für sich gut sind, aber erst durch ihre Zusammengehörigkeit als Trilogie zu etwas wirklich Besonderem werden.
 

McKenzie

Unchained
Hach ja. ich erinnere mich gut daran, wie meine letzte Freundin zu einem der ersten Dates mit mir Before Midnight im Kino schauen wollte, weil die ersten beiden ja so schön romantisch waren :hae: Well.
 

Manny

Professioneller Zeitungsbügler
Vielleicht hat er ja für den Fall der Fälle einen jüngeren Regisseur mit eingespannt.
 

Jay

hat Lust nen Film zu sehen
Teammitglied
BIn da ein wenig bei Manny - das hätten Sie erst später bekannt geben sollen. Bei solchen Projekten droht sonst der ständige Druck von außerhalb, dass es unbedingt kommen muss.
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Davon wird nach dem ersten Drehtag doch ohnehin keiner mehr sprechen bis kurz vor Release, wenn überhaupt der erste Drehtag groß angekündigt wird.
 
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