BrightBurn: Son of Darkness (Horror mit Nicht-Superman) ~ Elizabeth Banks [BG Kritik]

Diego de la Vega

Not Yet Rated
Teammitglied
BG-Kritik: "Brightburn" (Shins)

Man nehme die Story von Superman, und mache einen Horror-Film daraus. Oder so ähnlich. In "BrightBurn" geht es um einen Außerirdischen, der als Baby auf der Erde landet, bei menschlichen Eltern heran wächst, aber dann nicht den Weg eines Superhelden wählt. So gar nicht.

Mit Elizabeth Banks, David Denman, Jackson A. Dunn, Meredith Hagner, Matt Jones. Produziert von James Gunn, Drehbuch von Mark Gunn, Regie niemand von der Familie Gunn, sondern David Yarovesky (The Hive). Ab Mai 2019 im Kino.

Trailer (OV)
Trailer (deutsch)

Na, da hat wohl offensichtlich wer Man of Steel gesehen und unterstreicht die Ähnlichkeiten der Story auch visuell. Aber funktioniert und schaut auch wirklich ganz gut aus. Spoiler aber auch bisschen, so in welche Richtung das offenbar geht. Tipp: Smallville ist es nicht. Trotz des Alters von dem Jungen.
 

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
Wie können wir möglichst Superman sein, ohne Superman zu sein? :ugly: Und wie können wir möglichst mit James Gunn werben, ohne zu deutlich drauf aufmerksam zu machen, dass er den nur produziert hat? :ugly:

Sieht doch für einen Fanfilm recht brauchbar aus. Böser Clark, böser Clark.

Könnte besser als BVS werden!

Elizabeth Banks sehe ich immer gern.
 

TheRealNeo

Well-Known Member
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Was wäre, wenn man das stärkste Wesen auf der Erde ist? Setzt man die Kräfte für die Menschheit an? Ist man der Verantwortung gewachsen, die bekanntlich aus großer Kraft wächst? Superman beantwortet diese Fragen mit einem klaren Ja. Und auch sonst sind es die meisten Superheden, die sich auf die Seite der Menschen schlagen, um sie vor größerem Unheil zu schätzen. Doch was wäre, wenn sich der Held zum Antihelden entwickelt? Wenn er nicht dafür kämpft, was für die Menschen gut ist, sondern für seine eigene Interessen. Wenn ihn das Wissen, dass er stärker als alles und jeder auf der Erde ist, dazu bewegt auch über allem stehen zu wollen. Dieses Szenario spielen die amerikanischen Comicfilmhelden eher ungern durch (CHRONICLE UND WATCHMEN seien mal nur als Ausnahmen genannt, die die Regel bestätigen). Zu oft gibt es ein Gegenstück für den Helden, der ähnliche Eigenschaften wie der Held vereingt, aber mit einem eigennützigen Haken und deswegen siegt am Ende der eigentliche Held auch über ihn. Die Trailer und der Beginn von BRIGHTBURN machen deutlich, dass man als Gegenthese zu Clark Kent/Superman gelesen werden möchte, doch gelingt dies und welchen Mehrwert hat man dadurch?

Die spannendste oder interessanteste Frage, die man sich womöglich vorab stellen am mag ist, wieso sich der potentielle Held in diesem Film, er 12-jährige Brandon Breyer (der Darsteller von Superman/Clark Kent in Bryan Singers SUPERMAN RETURNS von 2006 hieß übrigens Brandon Routh, Zufall?), dafür entscheidet, seine Kräfte gegen die Menschen um ihn herum einzusetzen. Leider, und da liegt die Krux des Filmes, wird das nie so wirklich erzählt. Der Film ist ja auch vom Genre her mehr ein Horrorfilm, bzw. präsentiert sich mit ein paar Jumpcuts auch gerne so, und deshalb wirkt der Antiheld mehr wie besessen, als wirklich logisch hergeleitet in seinem Handeln. Mit knapp 90 Minuten geht der Film flott voran, hat aber trotzdem seine Längen, und hat nicht viel Zeit zum Durchatmen oder für Charaktertiefen oder Dynamiken zwischen den Figuren. Anstattdessen genießt er mehr sein R-Rating durch blutige, teilweise kreative, Kills, wer aber hier wie dran glauben nimmt man hier aber egal bei welcher Figur relativ teilnahmslos wahr. Dies liegt an den bereits genannten Dingen. Weder baut man zur Familie Breyer, noch spezifischer zu Brandon selbst, eine besondere Bande auf, die die weiteren Entwicklungen des Films irgendwie emotional an einen mehr ranlassen würde. Der Film spart sich das leider aus und baut sich lieber in das Drehbuch ein paar Irrungen und Wirrungen, damit auch ja alles so passieren kann, wie man sich das vorgestellt hat...und der Zuschauer auch. Somit bleibt man etwas enttäuscht zurück, denn wegen der zurückgenommenen bzw. simplen Charakterzeichnungen, läuft hier vieles auf Handbremse und etwas wirklich spannendes wird aus der reizvollen Idee eigentlich zu keiner Sekunde gemacht. Schade.
 

Joel.Barish

dank AF
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Habe den Film noch nicht gesehen, aber zum allergrößten Teil - glaube ich - kann man Shins' Ausführungen sehr gut folgen bzw. darauf reagieren, wenn man nur mit dem Konzept Superman vertraut ist.

Was wäre, wenn das Kind, das im Raumschiff vom Himmel fiel, im Kern böse wäre? [...] Die Geschichte verkaufte uns die Kents als Vorzeige-Mama und -Papa, doch waren sie nicht eigentlich beispiellose Naivlinge, die geblendet von dem Wunsch, eigene Kinder zu haben, das Schicksal des gesamten Planeten aufs Spiel setzten? War es nicht einfach nur Glück, dass sich Kal El als gutmütig entpuppte?
Aber die Breyers entlarven ein stereotypisches inhaltliches Element, das seit jeher Teil der Superhelden-Literatur ist, zumindest in seiner Eindeutigkeit als fragwürdig: Wenn gute Menschen dem Unverständlichen, dem nicht fassbaren Fremden Vertrauen entgegenbringen, wird etwas Gutes dabei herauskommen.
Es ist diese uralte Frage, wie sehr wir "Opfer" unserer Veranlagungen sind. Das klassische "Nature v(s) Nurture" Prinzip: ist das Böse in Menschen angeboren und damit unvermeidlich oder sind sie Opfer ihrer Umstände? (Game of Thrones Spoiler folgen, ggfs. zum nächsten Absatz springen...) Das ist nicht zuletzt ein Punkt, der die finale Staffel GoT so frustrierend gemacht hat. Sieben Staffeln lang bewegte sich Daenerys auf der Klinge, versuchte, ihr Familienschicksal zu vollenden und es gleichzeitig zu verbessern ergo zu verändern. Aber am Ende "beschlossen" Leute wie Tyrion und Varys einfach, dass Daenerys niemals eine rechtschaffende und gemäßigte Herrscherin sein könnte, denn ihre gewalttäige und zerstörerische Targaryen Abstammung sei zu dominant (spielt aber offenbar bei Jon keine Rolle).

So wie es bei Shins klingt, schlägt "Brightburn" auch eher in die "Nature" Kerbe - was für mich in der Regel die langweiligere Kerbe ist. Aber ich will da nicht zu vorschnell urteilen; vielleicht hat der Film ja noch ein paar Details auf Lager. Aber im Gegenzug dazu ist Superman in seiner Geschichte nicht unbedingt das positive Gegenstück, also der "gute/friedliebende" Determinismus. Supermans bzw. Klarks Güte ist ganz klar ein "Nurture" Aspekt, also eine anerzogene Güte und zwar durch den klassischen "All American Way" personifiziert durch die Kents. In diesem Sinne ist ein neugeborener Mensch (sicherlich nicht vollkommen, aber doch zu großen Teilen) form- und beeinflussbar. Die Kents haben aus Kal-El den Helden Superman gemacht. Nicht ohne Grund sagt Clark über sich selbst so etwas wie "I'm from Kansas." (Und vielleicht ist Kansas als allegorischer Ort der amerikanischen Popkultur wirklich eine Art Knotenpunkt, denn das berühmte "We're not in Kansas anymore" aus dem "Zauberer von Oz" beschreibt ja auch eine Grenzverschiedung zu bzw. in einer neue Welt.)
Deswegen schien z.B. die seltsame Deutung Supermans am Ende von "Kill Bill Vol. 2" in meinen Augen immer irgendwie verkehrt. Und ich bin mir bis heute nicht sicher, ob Quentin nur Bill mit dieser Äußerung charakterisiert oder ob er selbst Superman so sieht. :shrug:

Den Kents bzw. den Breyers Naivität vorzuwerfen halte ich für schwierig. Das ist diese "Man kauft die Katze im Sack" Denkweise, die so viele Adoptionshorrorfilme so problematisch erscheinen lassen. Nach dem Motto: "Finger weg von anderer Leuts' Kindern; wer weiß was in denen drinsteckt." Natürlich ist der Mensch bei der Geburt keine vollkommen leere Hülle, die man komplett gestalten kann (und vieles liegt im Folgenden außerhalb des Einflussbereichs der Eltern), aber kein Hitler, kein Ed Gein, kein Brightburn Supermonster ist bei der Geburt unrettbar in seiner vermeintlichen Vorbestimmung gefangen.
 

Shins

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Aaaaaaaaber: Würdest du ein abgestürztes Alien in menschlicher Babyform finden, würdest du es behalten und aufziehen oder nicht doch eher Behörden verständigen? :check:
 

Joel.Barish

dank AF
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Ich würde ein gefundenes Kind so oder so erst einmal den Behörden übergeben, denn vielleicht wird es von seinen richtigen Eltern vermisst. Und wenn dieses Kind in einem seltsamen Flugobjekt bei mir im Garten landet, würde ich erst recht die Behörden hinzuziehen. :ugly:

Aber darum geht es doch bei Superman nicht und, so scheint es, auch nicht bei "Brightburn". Wir wissen, dass Kal-el von seinen biologischen Eltern nicht vermisst wird, also sind wir froh, wenn dieses verwaiste Kind Eltern findet. Und wie gesagt, das alles ist bei Supes nur ein Platzhalter, um eben dieses amerikanische Nurture Konzept vorzustellen.
"Brightburn" ist jetzt nicht "realistischer", weil man diese negativen Möglichkeiten vorstellt, sondern - habe ich im Gefühl - zynischer. Und insbesondere wenn es wirklich keine Alternative zum Bösen in diesem Kind gab, volluzieht sich auch keinerlei Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Superman Mythos. Das hat Zack Snyder - ob bewusst oder unbewusst - fast schon stärker gemacht. Ist wohl auch mit seiner "Objektivistischen Ideologie" zu erklären.
 

Shins

Administrator
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Joel.Barish schrieb:
Ich würde ein gefundenes Kind so oder so erst einmal den Behörden übergeben, denn vielleicht wird es von seinen richtigen Eltern vermisst. Und wenn dieses Kind in einem seltsamen Flugobjekt bei mir im Garten landet, würde ich erst recht die Behörden hinzuziehen. :ugly:
Siehst du. Also ist das Verhalten der Kents naiv. Ob es nun darum genau geht oder nicht: Durch seine Handlung teigt "Brightburn" genau das auf.

Joel.Barish schrieb:
"Brightburn" ist jetzt nicht "realistischer", weil man diese negativen Möglichkeiten vorstellt, sondern - habe ich im Gefühl - zynischer.
Jupp. Da hast du Recht. An sich will der Film vor allem Horror und äußerst brutale Bilder liefern und nutzt den Superman-Aufhänger, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Joel.Barish schrieb:
So wie es bei Shins klingt, schlägt "Brightburn" auch eher in die "Nature" Kerbe - was für mich in der Regel die langweiligere Kerbe ist.
Das noch kurz aus deinem Beitrag zuvor: Eigentlich ist es nicht einmal die "Nature"-Kerbe, sondern die "Besessen-sein"-Kerbe :shrug:
 
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