Der Fall Collini ~ M'Barek, Lauterbach, Franco Nero

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
Deutsches Justizdrama.

M'Barek aus den Fack ju Schiller Filmen spielt einen Anwalt, der als ersten großen Fall einen merkwürdigen Mord pflichtverteidigen muss. Ein 70jähriger (Franco Nero) hat einen womöglich unschuldigen Mann getötet, der zudem sein Ziehvater war, und Heiner Lauterbach tritt als Anwalt der Gegenseite auf. Basiert auf dem Roman von Ferdinand von Schirach.

Nero war damals der erste DJANGO!

Trailer
 

Puni

Active Member
Allein die Namen Lauterbach und insbesondere Märchenonkel Schirach schrecken dann doch zu sehr ab. :ugly:
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Hab den Film gestern gesehen und muss da doch den Vorurteilen etwas Einhalt gebieten und fange deshalb mal ganz unüblich mit dem Personal vor der Kamera an.

Elyas M'Barek ist zu keiner Sekunde fehlbesetzt oder mit seiner Rolle überfordert. Nach diesem Film wünscht man ihm mehr Angebote ernsterer Rollen und nicht nur die zahlreichen romantischen Komödien, die bestimmt auch ihm Spaß machen, aber ihn wohl selten wirklich herausfordern. Diese Rolle macht das zuweilen und er kann das stemmen.
Heiner Lauterbach mag wohl wirklich nicht die spannendste Filmografie zu haben. Er ist wohl vor allen Dingen ein TV-Gesicht und wenn es ihn in den letzten Jahren mal auf die Kinoleinwand verirrte waren das eben die Mainstream-Komödien oder auch mal eine schmierigere Rolle in einem gelungenen Thriller wie DER BLINDE FLECK. Sein Richard Mattinger nun in DER FALL COLLINI, ist der Gegenspieler von M'Bareks Figur, der frischgewordene Anwalt Caspar Leinen. Gleichzeitig war er auch mal ein Dozent des jungen Leinen, was Heiner Lauterbach die Möglichkeit gibt seine Figur auch ambivalenter und vielschichtiger zu gestalten, als nur der böse Anwalt der Nebenklage zu sein, sondern auch jemand, der es eigentlich anfangs gut meint mit dem Pflichtverteidiger Leinen. Leinen, der wiederum Fabrizio Collini verteidigt, gespielt von der ItaloWestern-Legende Franco Nero.

Und was sich da nun an historischem und gerichtlichen Zündstoff entbrennt, möchte ich gar nicht mehr weiter ausbreiten oder kommentieren, da daraus der Film den Großteil seiner Spannung mit. Und da der Trailer dahingehend auch nicht deutlich wird, soll das wohl wirklich ein Geheimnis bleiben erstmal - wobei nicht der Fall selbst, aber die Umstände auf wahren Gegebenheiten fußen. UNglücklicherweise hatte ich trotz wenig bis kaum Informieren vor dem Film genau die richtigen bzw. eben eindeutigen Hinweise auf die 'Auflösung' des Films schon erhalten.

Der Gerichtsthriller oder das Gerichtsdrama ist ja eigentlich ein genuin amerikanisches Genre, deswegen ist es ja schon fast ein Wagnis so etwas als deutsche Produktion in die Kinos zu bringen. Doch hier darf man nun keine längeren Schlagabtauschs im Gerichtssaal erwarten, denn hochgerechnet hat man hier wohl weniger Laufzeit im Gerichtssaal, als noch im Mittelteil von Fatih Akins AUS DEM NICHTS. Klar geht es getreu dem Autor der Vorlage, Ferdinand von Schirach, auch um gesetzliche Verwobenheiten und Komplikationen, doch der Film ermittelt größtenteils außerhalb der Prozessräume. Ähnlich wie schon Michael Bully Herbig bei BALLON scheint auch Marco Kreuzpaintner als Regisseur das Gefühl zu haben, dass man in solchen größeren deutschen Genre-Produktionen dafür dann aber auch einen durchgehenden, lauten Score braucht, der penetrant die Bildebene unterstützt bzw. doppelt. Da fehlt ihm wie sein Kollege Herbig oder der Constatin Film dann etwas Mut und Eigenheit, auch mal die Musik wegzulassen und nur mit dem zu Arbeiten was einem schon die Bildebene und die Schauspieler anbieten.
Ja so gibt es ein paar käsige Momente und ein, zwei Montagen und inhaltliche Entwicklungen bringen den Kopf in eine leichte Schüttelbewegung, aber unter dem Strich ist das ein spannendes, wichtiges und durch die Bank weg gut gespieltes Justizdrama. Verschenkt ist leider wie so oft in letzter Zeit einzig Alexandra Maria Lara, dagegen werden sich an Jannis Niewöhner weiterhin die Geister scheiden. Der Junge will anscheinend langsam mehr aus sich herausholen, was mal wie in ASPHALTGORILLAS gewollt, aber zu übernommen sein kann oder wie hier dann doch mehr und mehr souveräner.

Also falls ihr AVENGERS: ENDGAME hinter euch habt, schaut doch auch mal wieder eine Produktion aus Deutschland rein, die euch inhaltlich wie auch darstellerisch in euren Vorurteilen unter Umständen umstimmen kann.
 
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