Gespräche über den deutschen Film (formerly known as Die erste Kinoproduktion)

Kurt

Active Member
Gude!

Aus gegebenem Anlass würde mich Euer Input zu Folgendem interessieren:

Was stört Euch am "deutschen Film"?
Was machen alle deutschen Produktionen bisher falsch, was wollt Ihr auf keinen Fall sehen? Abgesehen von Til Schweiger.
Was WOLLT Ihr endlich mal in einem deutschen Film sehen, inhaltlich, wie technisch.
Homagen an vergangene Filmgrößen - Yay or nay? - Sollte es Anspielungen auf bekannte, große Werke geben, oder ausschließlich originell sein?
Wenn Homagen- welche Szenen würdet Ihr Euch wünschen?

Es werden mir sicherlich noch weitere Fragen einfallen, aber das solls für den Anfang erstmal gewesen sein. :thumbup:
 

McKenzie

Unchained
StuntmanMike schrieb:
was wollt Ihr auf keinen Fall sehen? Abgesehen von Til Schweiger.
Matthias Schweighöfer.

Insgesamt weniger "Humor", denn der funktioniert irgendwie in 95% der Fälle nicht so ganz. Lieber ernsthaftere Filme.

Anspielungen und Hommagen können schnell zu bemüht ausfallen, brauch ich nicht so unbedingt.
 

Constance

Well-Known Member
Guden!

Eine interessante Frage, bzw. mehrere!

Was mich am deutschen Film stört:
Mir fehlt die Diversität in der Filmlandschaft. Man hat das Gefühl, es werden überwiegend die selben Inhalte/Genres bedient. Wenn man die Serienlandschaft mit einbezieht, wird es nur bedingt besser:
Mit Dark kam endlich mal ein vielversprechendes Setting, ein guter Look und zudem ein toller Sound. Aber hochwertige Serien wie diese sind die Ausnahme. Zudem hat Netflix, ein amerikanisches Unternehmen, die Produktion erst ins Rollen gebracht.
Der Look ist auch das, was mir an deutschen Produktionen besonders auffällt, denn der ist meistens blass. Natürlich bekennen sich einige Produktionen auch anderer Farbintensivitäten, doch sind das meistens die Filme, die ich interessehalber auslasse. Du sagst es selbst: Schweiger gibt es mir zu oft, aber auch reichlich andere deutsche Schauspieler produzieren gefühlt stets den selben Kram. Es gibt aber auch Ausnahmen... Denn was deutsche Schauspieler in mancher internationalen Produktion leisten ist dann überdurchschnittlich. Da kann mir sogar ein Schweiger gefallen (Inglorious Basterds). Zudem hab ich das Gefühl, eine gewisse Korrektheit und Belehrung, im Sinne unser Vergangenheit vorgesetzt zu bekommen. Es gibt in diesem Genre viele Beiträge, aber selten einen (für mich persönlich) Guten. Auch auffällig ist, dass die "deutschen Themen" auf international produzierter Ebene meistens besser wegkommen (München etc.). Aufgrund der Serien im deutschen TV und dem Verdruss ein altes, gewinnbringendes Schema zu Verlassen, kann ich diesen Teil der Soap und Opera Landschaften nicht als interessant genug betrachten. Wenn unsere Film und Serienlandschaft unsere Kultur repräsentiert, dann sollte ich hier anfangen zu weinen.

Was deutsche Produktionen also falsch machen:
Man investiert in "sichere" Banken und aus dem Grund gibt es wenig Diversität und Innovation. Vielleicht orientiert man sich an globaler Ebene und ist bereit auch mehr, für unsere Verhältnisse, außergewöhnlichen Output zu generieren. Französische, britische, spanische und schwedische Produktionen gefallen mir im Gesamten besser, wenn man es nur mal auf den europäischen Raum reduziert. Um nochmal zu Dark zu gelangen: Ohne Netflix gäbe es dieses "deutsche" Schmuckstück nicht. Ebenso aber auch Haus des Geldes etc. Daher bin ich diesem Unternehmen dankbar, vor allem wenn es jetzt nochmal Milliarden in europäische Produktionen investieren will.

Was ich sehen möchte?
Mehr Sci-Fi, mehr Horror und diesen möchte ich auch schön "dark & gritty" bestaunen. Vielleicht würde ich auch noch ein paar Thriller diverser Art begrüßen, die mit denkwürdigen Charakteren und interessanten Rahmenhandlungen daherkommen. Technisch reizt mich am meisten doch das Sci-Fi Setting, zudem bietet unsere Geschichte viele Möglichkeiten aus etwas Bekanntem etwas Eigenartiges zu erschaffen. Im Prinzip möchte ich aber mehr hochwertige Produktionen sehen, mit einem stimmigen Setting, Look und einer Prise Kreativität im Design.

Ich würde gerne eine deutsche Produktion über den Klimawandel in der Zukunft sehen, so ab 2,5° globaler Erwärmung - mit einem zur Wüste verkommenen Europa und einen starken Hang zur Dystopie, mit hinterfragenden und sich entwickelnden Charakteren in schweren Situationen, mit einer Elite, die sich in die letzten schönen Gebiete des Planeten zurückgezogen und enklaviert hat, mit zukunftsträchtiger Technologie, verheerenden Klimazonen und vielleicht darf eine kleine Heldenreise mein Herz erfreuen.

Hommagen sind okay, erlangen aber selten mein volles Interesse. Daher wünsche ich mich hier auch besonders wenig.
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Sehr pauschal gefragt...Was machen alle (!) deutschen Produktionen falsch?! Machen alle was falsch? Nö.

Auch die Hommage-Frage finde ich sehr schwammig. In welchem Zusammenhang? Und einzelne Szenen für einen Film wünschen? Wo kommen wir denn dahin?

Constance schrieb:
Ich würde gerne eine deutsche Produktion über den Klimawandel in der Zukunft sehen, so ab 2,5° globaler Erwärmung - mit einem zur Wüste verkommenen Europa und einen starken Hang zur Dystopie, mit hinterfragenden und sich entwickelnden Charakteren in schweren Situationen, mit einer Elite, die sich in die letzten schönen Gebiete des Planeten zurückgezogen und enklaviert hat, mit zukunftsträchtiger Technologie, verheerenden Klimazonen und vielleicht darf eine kleine Heldenreise mein Herz erfreuen.
HELL gesehen?
 

Woodstock

Z-King Zombies
Der ganze Liebeskomödiendreck kann gänzlich in der Tonne verschwinden!

Deutschland und Europa haben so eine reiche Geschichte (abseits vom 20 Jhr.). Wie wäre es, wann man mal daraus was verarbeitet? Und wo steckt die deutsche Science-Fiction? Wo stecken die philosophisch anspruchsvollen Werke und icht rede nicht von Groschenphilosophie im Tatort, ich spreche von tatsächlich schwermütigen, anspruchsvollen Themen. Land der Dichter und Denker, am Arsch! Stattdessen kriegen wir "Fack ju Göhte" :mellow:
 

Constance

Well-Known Member
TheRealNeo schrieb:
Sehr pauschal gefragt...Was machen alle (!) deutschen Produktionen falsch?! Machen alle was falsch? Nö.

Auch die Hommage-Frage finde ich sehr schwammig. In welchem Zusammenhang? Und einzelne Szenen für einen Film wünschen? Wo kommen wir denn dahin?

Constance schrieb:
Ich würde gerne eine deutsche Produktion über den Klimawandel in der Zukunft sehen, so ab 2,5° globaler Erwärmung - mit einem zur Wüste verkommenen Europa und einen starken Hang zur Dystopie, mit hinterfragenden und sich entwickelnden Charakteren in schweren Situationen, mit einer Elite, die sich in die letzten schönen Gebiete des Planeten zurückgezogen und enklaviert hat, mit zukunftsträchtiger Technologie, verheerenden Klimazonen und vielleicht darf eine kleine Heldenreise mein Herz erfreuen.
HELL gesehen?
Ja, einer der soliden Beiträge! Aber wirklich gut oder intensiv hab ich ihn nicht mehr in Erinnerung. Und das Setting ist auch nicht das, was ich mir vorstelle. 2016 war mir zu nah und die Folgen recht einseitig. Aber lieber solch ein Film wie HELL statt der x-ten liebeskomödie.

Und ja, es machen nicht alle Produktionen etwas falsch, wenngleich man sagen könnte, dass die Wahl des Genres schon ein Fehler ist. Nach den Besucherzahlen im Kino bedient man sich aber offensichtlich an den richtigen deutschen Stoffen...daher hoffe ich einfach, dass Netflix/Amazon mir durch ihre Investitionen den "guten" Stoff liefern. :smile:
 

Danny O

Active Member
Das was Constance sagt stimmt mit meinen Gedanken soweit Überein.

Aber wenigstens in Kurz: "Die Deutschem Filme wirken immer nach einen Schema was sich immer behauptet hat in Deutschland ,und dementsprechend Blass wirken sie, Risiko wäre mal gut für Frischen Wind sowie auch neue Gesichter für die Leinwand :clap: "
 

Måbruk

Well-Known Member
Kein Mut, keine Kreativität, keine Improvisation, keine Wahnsinn, keine Surrealtität, kein stilvoller Humor, keine Träumereien, kein Glanz... - am deutschen Film krankt fast alles! (von löblichen Ausnahmen abgesehen)

Ich kann mich noch erinnern, da gab es Mal ein deutsches Remake von Takeshis Castle im Fernsehen, das war so unlustig, dass es schon fast zum fremdschämen war. Wenn dann die Leute sagen, die deutschen haben keinen Humor, dann ist das damit fast schon belegt.

Interessant fände ich auch die Frage, ob der deutsche Film ein Spiegelbild unser Gesellschaft darstellt oder davon entkoppelt ist? Allerdings fallen mir nur sehr wenige Gründe dafür ein, weshalb das von einander entkoppelt sein sollte.
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Der deutsche Film findet eben nicht in den großen Multiplexen statt. Fernab davon findet man eigentlich alles, was hier als fehlend dargelegt wird.
 

Måbruk

Well-Known Member
90% der Filme die ich schaue laufen nicht in den Multiplexen. Vom deutschen Film ist trotzdem nichts zu sehen - zumindest ausgehend von meinem Filmgeschmack.
 

Kurt

Active Member
Constance schrieb:
Guden!

Eine interessante Frage, bzw. mehrere!

Was mich am deutschen Film stört:
Mir fehlt die Diversität in der Filmlandschaft. Man hat das Gefühl, es werden überwiegend die selben Inhalte/Genres bedient. Wenn man die Serienlandschaft mit einbezieht, wird es nur bedingt besser:
Mit Dark kam endlich mal ein vielversprechendes Setting, ein guter Look und zudem ein toller Sound. Aber hochwertige Serien wie diese sind die Ausnahme. Zudem hat Netflix, ein amerikanisches Unternehmen, die Produktion erst ins Rollen gebracht.
Der Look ist auch das, was mir an deutschen Produktionen besonders auffällt, denn der ist meistens blass. Natürlich bekennen sich einige Produktionen auch anderer Farbintensivitäten, doch sind das meistens die Filme, die ich interessehalber auslasse. Du sagst es selbst: Schweiger gibt es mir zu oft, aber auch reichlich andere deutsche Schauspieler produzieren gefühlt stets den selben Kram. Es gibt aber auch Ausnahmen... Denn was deutsche Schauspieler in mancher internationalen Produktion leisten ist dann überdurchschnittlich. Da kann mir sogar ein Schweiger gefallen (Inglorious Basterds). Zudem hab ich das Gefühl, eine gewisse Korrektheit und Belehrung, im Sinne unser Vergangenheit vorgesetzt zu bekommen. Es gibt in diesem Genre viele Beiträge, aber selten einen (für mich persönlich) Guten. Auch auffällig ist, dass die "deutschen Themen" auf international produzierter Ebene meistens besser wegkommen (München etc.). Aufgrund der Serien im deutschen TV und dem Verdruss ein altes, gewinnbringendes Schema zu Verlassen, kann ich diesen Teil der Soap und Opera Landschaften nicht als interessant genug betrachten. Wenn unsere Film und Serienlandschaft unsere Kultur repräsentiert, dann sollte ich hier anfangen zu weinen.

Was deutsche Produktionen also falsch machen:
Man investiert in "sichere" Banken und aus dem Grund gibt es wenig Diversität und Innovation. Vielleicht orientiert man sich an globaler Ebene und ist bereit auch mehr, für unsere Verhältnisse, außergewöhnlichen Output zu generieren. Französische, britische, spanische und schwedische Produktionen gefallen mir im Gesamten besser, wenn man es nur mal auf den europäischen Raum reduziert. Um nochmal zu Dark zu gelangen: Ohne Netflix gäbe es dieses "deutsche" Schmuckstück nicht. Ebenso aber auch Haus des Geldes etc. Daher bin ich diesem Unternehmen dankbar, vor allem wenn es jetzt nochmal Milliarden in europäische Produktionen investieren will.

Was ich sehen möchte?
Mehr Sci-Fi, mehr Horror und diesen möchte ich auch schön "dark & gritty" bestaunen. Vielleicht würde ich auch noch ein paar Thriller diverser Art begrüßen, die mit denkwürdigen Charakteren und interessanten Rahmenhandlungen daherkommen. Technisch reizt mich am meisten doch das Sci-Fi Setting, zudem bietet unsere Geschichte viele Möglichkeiten aus etwas Bekanntem etwas Eigenartiges zu erschaffen. Im Prinzip möchte ich aber mehr hochwertige Produktionen sehen, mit einem stimmigen Setting, Look und einer Prise Kreativität im Design.

Ich würde gerne eine deutsche Produktion über den Klimawandel in der Zukunft sehen, so ab 2,5° globaler Erwärmung - mit einem zur Wüste verkommenen Europa und einen starken Hang zur Dystopie, mit hinterfragenden und sich entwickelnden Charakteren in schweren Situationen, mit einer Elite, die sich in die letzten schönen Gebiete des Planeten zurückgezogen und enklaviert hat, mit zukunftsträchtiger Technologie, verheerenden Klimazonen und vielleicht darf eine kleine Heldenreise mein Herz erfreuen.

Hommagen sind okay, erlangen aber selten mein volles Interesse. Daher wünsche ich mich hier auch besonders wenig.
Das ist mal ne Antwort! Besten Dank dafür.

Netflix ist ein Thema das wir ggf. angehen werden, aber frühestens wenn das "finale Skript" oder wahrscheinlich der erste Film komplett abgedreht ist und es an die nächsten 3 geht.

Ohne zu viel preisgeben zu wollen, kann ich sagen, dass es nicht in den Sci Fi Bereich geht, sondern im aktuellen Elend spielen wird. Ein Horrorstreifen wird es aber auch nicht. Die ein oder andere Szene, die sich bereits auf dem Papier befindet, hätte aber Potential dafür.

Der Produktionsanspruch richtet sich zwar an Hollywood, aber ein eigener Stil, der sich so weit wie möglich vom bleichen, trockenen und toten Look der üblichen deutschen Produktionen abhebt, ist angestrebt.


Måbruk schrieb:
Kein Mut, keine Kreativität, keine Improvisation, keine Wahnsinn, keine Surrealtität, kein stilvoller Humor, keine Träumereien, kein Glanz... - am deutschen Film krankt fast alles! (von löblichen Ausnahmen abgesehen)
Da sind wir uns einig.

All das, was Du genannt hast, sind auch unsere Kritikpunkte und denen werden wir entgegen wirken!
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Ich finde du kehrst einfach zu viel über einen Kamm.
Klar hat der deutsche Film seine Probleme, aber die hat jedes Filmland. Das liegt dann aber nicht an fehlender Kreativität o.ä.
Es gibt ja genügend Leute, die andersartige Projekte realisieren (wollen).
Und einen Produktionsanspruch an Hollywood zu haben ist da nicht nur utopisch, sondern untergräbt auch jegliche Form der Handschrift direkt.
 

TheUKfella

Active Member
Es gibt nicht viele deutsche Werke von denen ich positiv erzählen kann.


- Das Boot
- Der Untergang
- Das Versprechen
- Biikenbrennen - Der Fluch des Meeres (Ein sehr packender Horrorthriller)
- Bang Boom Bang
- Lammbock
- Wir sind die Neuen

Das wären so die Filme die ich einer anderes Person empfehlen würde.

Was aus meiner Sicht so garnicht geht, das sind Deutsche Dramakomödien ala Till Schweiger.

Was mich an vielen Filmen aus der heutigen Zeit stört, das ist irgendwie der ständige hartnäckige Versuch Filme aus den USA zu kopieren. Zumindest was den Humor und das setting angeht.
Till Schweiger ist da ja praktisch ein Pionier was das angeht. Er hat zwar in diversen amerikanischen Produktionen mitgewirkt und lebt auch irgendwie dort. Aber seine Art der Vermischung mit deutschem Liebeskitsch und Slapsticks amerikanischer Komödien sind irgendwie sowas ähnliches wie Ananas auf Pizza - > Macht keinen Spass (mir zumindest nicht) In den Trailern gibts zuvor mit positiven Balladen als Musikuntermalung dann die mittlerweile bekannten 1liner, in denen es Ziel ist, die einfach zu beeindruckenden Kinozuschauer zum lachen zu bringen. Irgendeine vermeintlich witzige Übersetzung vom deutschen ins englische oder irgendein frech-lustiger Spruch von einem Kleinkind. "Jaahahaha ist das nicht witztig" und ich sitze dann da neben meiner Frau im Kino, höre den Saal auflachen bei Szene XY und frage mich nur was zum Teufel denn jetzt so lustig daran war :huh:

Deutsche Dramakomödien funktionieren für mich einfach nicht.
 

TheReelGuy

Well-Known Member
StuntmanMike schrieb:
Was stört Euch am "deutschen Film"?
So pauschal kann man das gar nicht so sagen. Ein nerviger Trend ist halt, dass sich quasi alle deutschen Produktionen scheinbar in nur drei Kategorien einteilen lassen: Komödien, (trockene) historische Dramen & TV-Filme

Natürlich ist da noch eine ganze Welt von kleineren Produktionen darunter, aber es sind halt kleinere Produktionen und dementsprechend ist da auch nicht das große Budget am Start. Klar, auch in anderen europäischen Ländern gibt es nicht wirklich die Blockbuster, wie man sie aus den Staaten kennt, aber zumindest gibt es etablierte Genre-Namen wie Alex de la Iglesia, Pascal Laugier, Matteo Garrone oder Gaspar Noe. Solche Namen fehlen mir persönlich in Deutschland derzeit.​

StuntmanMike schrieb:
Was WOLLT Ihr endlich mal in einem deutschen Film sehen, inhaltlich, wie technisch.
Ich wünsche mir – natürlich auch aus späterem beruflichen Interesse – einen größeren Mut zu Genre-Produktionen. Klar, es gibt auch heute schon deutsche Genre-Filme, aber mit Ausnahme einiger weniger Filme (wie z.B. „Der Samurai“, „Der Nachtmahr“ oder „Victoria“) schaffen die es ja kaum aus dem Festival-Zirkus heraus in die Kinos.

Auch muss man natürlich sagen, dass viele dieser Filme den schlimmen Fehler machen, sich visuell und inhaltlich zu sehr am großen Vorbild zu halten und eröffnen damit Tür und Tor dafür, belächelt zu werden, weil die Imitation eben mehr als dürftig ist.

In den letzten Jahren habe ich immer mal wieder einen deutschen Film gesehen, der möglicherweise ein Vorreiter für eine Trendwende hätte sein können, aber es ist leider nicht dazu gekommen. Schade!​

StuntmanMike schrieb:
Homagen an vergangene Filmgrößen - Yay or nay? - Sollte es Anspielungen auf bekannte, große Werke geben, oder ausschließlich originell sein?
Wenn Homagen- welche Szenen würdet Ihr Euch wünschen?
Es gibt großartige Hommagen, aber ich wäre da sehr vorsichtig, weil es auch hier recht schnell dazu kommen kann, dass man den Zuschauer mit solchen Anspielungen an Filme erinnert, die er oder sie lieber gucken würde, als deinen Film. Habe schon einige Studentenfilme in meinem Leben gesehen und glaub‘ mir, nichts tötet mein Interesse an einem Film mehr als Dinge wie „Carpenter Street“, „Dr. Romero“ oder „Spielberg GmbH“

Hommagen sollten subtil sein, wie z.B. die Szene in „Goodfellas“, in der Joe Pescis Figur quasi auf den Zuschauer schießt. 1-zu-1 aus „Der große Eisenbahnraub“ kopiert, aber eben für den eigenen Film passend. Es sollten Liebesbekundungen für die Filmkunst sein, aber eben auch losgelöst von dem Wissen funktionieren. Ansonsten hast du es wie in allen Marvel-Filmen, dass ein Viertel des Publikums extra laut lacht, um auch dem Letzten mitzuteilen, dass man die Referenz verstanden hat, weil man ja ein „ach so belesener Fan“ ist.

Es gibt natürlich auch plakative Hommagen, die funktionieren können, aber ich würde speziell am Anfang der Karriere darauf verzichten, wenn es nicht der Punkt des Films ist, eine Hommage zu sein.​

TheUKfella schrieb:
Es gibt nicht viele deutsche Werke von denen ich positiv erzählen kann.

- Das Boot
- Der Untergang
- Das Versprechen
- Biikenbrennen - Der Fluch des Meeres (Ein sehr packender Horrorthriller)
- Bang Boom Bang
- Lammbock
- Wir sind die Neuen
Also für mehr als hundert Jahre des deutschen Films sind das erschreckend wenig Filme, wenn ich mal so ehrlich sein darf. Die Herren Herzog, Wenders und Fassbinder waren / sind dafür viel zu produktiv (gewesen), um die hier unter den Tisch fallenzulassen.

Mal ganz davon abgesehen, dass wir auch mal weiter zurückgehen können, als nur in die 70er Jahre. So Meisterwerke wie „Das Cabinet des Dr. Caligari“ oder „Nosferatu“ sollte man als deutschen Filmemacher schon mal gesehen haben, um sich der Ursprünge des Mediums mal bewusst zu werden. Aber es gibt auch noch eine viele andere großartige deutsche Filmemacher. Ich nenne mal: Max Ophüls, Ernst Lubitsch, Fritz Lang

Aber auch wenn man nichts mit „alten Filmen“ anfangen kann, gibt es immer noch einige deutsche Filmemacher aus den letzten Jahren, in deren Filme man zumindest mal reinschauen sollte. So Leute wie Christian Petzold Maren Ade, Andreas Dresen oder Fatih Akin machen richtig tolle Filme und werden ja glücklicherweise auch immer mal wieder für diese ins Oscar-Rennen gebracht, auch wenn es in den letzten Jahren nicht soooo gut lief.

Was ich sagen wollte: es gibt unglaubliche viele gute, sogar fantastische deutsche Filme, aber diese sind halt auf knapp 100 Jahre deutsche Filmgeschichte verteilt. Kann gerne noch ein paar konkrete Filme empfehlen, aber hier würde das vielleicht etwas den Rahmen sprengen.​
 

Kurt

Active Member
@TheUKfella und @TheReelGuy

Top Beiträge! Danke.

Zwecks der Hommage-Idee, was ich Dümmling natürlich falsch geschrieben habe-

Angenommen das Thema Drogen würde eine Rolle spielen und man würde die Heroinszene aus Pulp Fiction https://www.youtube.com/watch?v=3QAXDMOVamI in abgeänderter Form, aber mit der gleichen Musik zeigen, oder in sehr änlicher Art und Weise zeigen, aber die Musik passend ändern- würde das eher als "wannabe, try hard, Fehlschlag" gewertet werden, oder mit einem "wissenden Nicken und leichtem Grinsen" wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Das war meine Frage.

Das Ding mit "So schlecht sind deutsche Filme doch garnicht" usw. ist 1.- doch, sind sie. und 2. muss man einfach mal das Verhältniss der Menge an produzierten Filmen und den davon wirklich bekannten Weken sehen, die eben bekannt sind, weil sie gut sind. Ein guter deutscher Film- wie auch immer man "gut" definieren mag, ist immer noch eine Ausnahme. Punkt. Bei der Menge an Filmen die die Amis auf den Markt schmeißen, ist es nicht verwunderlich, dass da auch viel Müll bei ist, aber das Verhältnis zum deutschen Kino ist einfach außerhalb jeder Relation. Und umso bitterer ist es, dass Deutschland einst das international anerkannteste Studio hatte. Größen wie Tarantino haben sich einen Ast gefreut, in Deutschland drehen zu können. Nur wirklich großartig genutzt haben die Deutschen das nie. Außer für Nazifilme. Aber ist ja auch egal, das sollte hier nicht das Thema sein.

Die Fragen, die für mich relevant sind werden hier teilweise extrem ausführlich beantwortet und dafür bin ich dankbar! Gerne mehr davon. :thumbup:

Achso- und für Filmempfehlungen bin ich immer offen!
 

TheGreatGonzo

Not interested in Naval Policy
Teammitglied
Ich finde es immer schade, wenn man sich zu sehr dem internationalen Markt anpassen möchte, Filme dann direkt auf Englisch dreht und sich nur an Hollywood orientiert, was den Look oder gegebenenfalls die Spezialeffekte angeht. Was umgekehrt oft genau das ist, was die Leute wollen, die meinen, es gäbe keine guten deutschen Filme. Am Ende sind dann aber die Filme, die ihr eigenes Ding machen die, die auch international Anerkennung bekommen, wie zum Beispiel Toni Erdmann vor ein paar Jahren. Ich denke das einzige große Problem des deutschen Films ist, dass er nach den 80ern etwas seinen Charakter verloren hat und man zu sehr auf platte Komödien und Historienstoff setzt. Es gibt sicher auch noch einige gute deutsche Filmemacher, aber so Leute wie Werner Herzog und Co. fehlen vielleicht einfach, oder sind dann etwas zu speziell um überhaupt beim größeren Publikum anzukommen.
 

Kurt

Active Member
TheGreatGonzo schrieb:
Ich finde es immer schade, wenn man sich zu sehr dem internationalen Markt anpassen möchte, Filme dann direkt auf Englisch dreht und sich nur an Hollywood orientiert, was den Look oder gegebenenfalls die Spezialeffekte angeht. Was umgekehrt oft genau das ist, was die Leute wollen, die meinen, es gäbe keine guten deutschen Filme. Am Ende sind dann aber die Filme, die ihr eigenes Ding machen die, die auch international Anerkennung bekommen, wie zum Beispiel Toni Erdmann vor ein paar Jahren. Ich denke das einzige große Problem des deutschen Films ist, dass er nach den 80ern etwas seinen Charakter verloren hat und man zu sehr auf platte Komödien und Historienstoff setzt. Es gibt sicher auch noch einige gute deutsche Filmemacher, aber so Leute wie Werner Herzog und Co. fehlen vielleicht einfach, oder sind dann etwas zu speziell um überhaupt beim größeren Publikum anzukommen.
Dem stimme ich zu.

Nur sollte man unterscheiden, zwischen einer Produktion ala Hollywood und "typischen" Hollywoodfilmen. Inhaltlich und stilistisch kann man immer noch einen, vom "Hollywood-typischen" Film komplett losgelösten Film machen, auch wenn man eine vergleichbare Produktionsqualität anstrebt. Oder primitiver ausgedrückt: Ein Film der hochwertig aussieht und klingt, aber etwas Neues, Kreatives und interessantes darstellt, das nicht einem Hollywoodsstereotypen entspricht.

Ich hoffe man versteht, was ich sagen will.

Skandinavische oder malaysische Produktionen zum Beispiel haben einen komplett eigenen Stil. Sie sehen meist absolut hochwertig aus, aber man erkennt, dass es keine Hollywoodproduktionen sind.
 
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