Green Book - Eine besondere Freundschaft ~ Mahershala Ali, Viggo Mortensen, Best Picture Gewinner 20

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
BG Kritik: Green Book (Joel)

Der Film spielt im Jahr 1962: Viggo Mortensen spielt den Italo-Amerikaner Tony Lip, der als Türsteher arbeitet. Er kommt aus der Arbeiterklasse und hat nie die Schule abgeschlossen. Er wird von dem Jazz-Pianisten Don Shirley als Chauffeur engangiert, damit er ihn von New York bis in die Südstaaten bringt. Das titelgebende 'Green Book' stellt dabei einen Reiseführer für afroamerikanische Autofahrer dar, wo die wenigen Unterkünfte, Restaurants und Tankstellen aufgeführt werden, die auch schwarze Kunden bedienen.

Regie? Peter Farrelly. Ja dieser ist ein Teil der Farrelly-Brüder (DUMB & DUMBER, THERE'S SOMETHING ABOUT MARY...). Ist aber nicht sein erster Film alleine, das war MOVIE 43. Also keine Sorgen?

Trailer
 

Revolvermann

Well-Known Member
Eventuell ist hier der moralische Zeigefinger wieder etwas zu ausgeprägt am Werke. Könnte aber auch ein charmanter Roadmovie werden. Mahershala Ali seh ich gern und alles wo Viggo Mortensen drauf steht, schaue ich sowieso.
 

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
Yep, das sieht nach einem wirklich charmanten Roadmovie aus. Ob Mortensen damit so große Chancen auf den Goldjungen hat, weiß ich net. :squint:

Aber für Captain Fantastic gabs ja auch ne Nominierung.
 

Presko

Well-Known Member
Am Zürich Filmfestival gesehen. Habe kaum was erwartet, wurde aber sehr positiv überrascht. Die Hauptdarsteller sind super, die Regie macht ihre Sache auch gut. Von der Story her ist das Ganze sehr konventionell, viele Überraschungen gibt es nicht. Aber irgendwie ist das auch ganz schön. So richtig kitschig wird es auch nie, gerade auch weil der Humor doch ein starkes Gewicht erhält.
Einfach ein sehr schöne Hollywood -Tragikomödie, sympathisch, toll gespielt und am Ende herzerwärmend. Ohne das Rad neu zu erfinden reicht das für einen wirklich schönen Kinoabend.
 

narn5

Elwood Blues
War gestern drin. Auch noch im neu Renovierten Arri Kino in Müchen :thumbsup:

Film war echt ok. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern funktioniert sehr gut.
Mir hat es manchmal echt den Magen umgedreht was den Rassismus angeht. Die Hauptfigur war mir sehr unsymphatisch (ich denke das war so gewollt) und trotzdem habe ich mich aufgeregt wie der man behandelt wurde.
Nochmal muss ich den aber nicht sehen.

7/10 Jadesteinen
 

Joel.Barish

dank AF
Teammitglied
Ich hatte den im nahegelegenen ProgrammSeniorenkino extra noch vor den Oscars geschaut, da der ja durchaus Chancen hatte. So unmittelbar nach dem Film hatte ich kein Interesse auf eine Kritik, da der Kinostart ja auch nicht erst gestern war. Aber als Best Picture Gewinner sieht das natürlich anders aus. :ugly:

BG Kritik: Green Book (Joel)
 

Andi83

Member
Ich hatte den gar nicht auf dem Schirm bis er die Oscars gewann. :smile:

Gestern dann geschautbund ich war sehr positiv überrascht.
Trotz aller Kritik, dass der Film nicht viel kritisiert oder nicht düster
genug ist: er ist ein Feel-good-Film und das auf ganz wunderbare
Art und Weise. Hatte von der Atmosphäre viel von „Ziemlich beste Freunde“.

Von mir 9/10 Fried Chicken
 

<Rorschach>

Active Member
Hätte mir nicht gedacht dass es für den Oscar reicht war aber trotzdem ein sehr guter Film. Tolle Dynamik des ungleichen Duos. Tolle Musik und teils sehr lustig.

7,5/10 Fried Chicken
 

squizo

Zillion Dollar Sadist
Kann mich der Kritik von Andi83 anschließen. Für mich der bisher beste Film des Jahres.
9/10 Joe Pans
 

Presko

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Der Film kriegt ja nun echt sein Fett weg. Da wird ganz schön drauf rumgetrampelt, allen voran der liebe Spike Lee. Der Film ist für mich definitiv auch kein Meisterwerk, aber die Kritik ist schon recht unverhältnismässig meiner Meinung nach. Gerade beim Punkt Realitätsnähe. soll man mal über den Film In the Name of the Father lesen. Wahnsinnig guter Film, wahnsinnig weit weg von der realen Geschichte seiner Figuren.

Was genau fandest Du denn jetzt am Ende des Films so schlimm; Joel? Du bleibst mir da etwas gar vage.
 

Joel.Barish

dank AF
Teammitglied
Presko schrieb:
Was genau fandest Du denn jetzt am Ende des Films so schlimm; Joel? Du bleibst mir da etwas gar vage.
Ich bleibe vage, da ich in einer Filmkritik nicht lang und breit über das Ende diskutieren will, obwohl ich (bekanntlich?) der Meinung bin, dass Filmkritiken idR nach der eigenen Filmsichtung einen Nutzen für den Leser haben. :shrug: :smile:
Jedenfalls:
- Schon die Szene auf der Rückfahrt, mit dem Polizisten, ging mir ein wenig gegen den Strich. Sie war ganz offensichtlich als bewusste Doppelung bzw. Parallele zur vorherigen Szene gedacht, in der beide von Polizisten angehalten werden und kurz darauf im Gefängnis landen. Doch nun auf der Rückfahrt treffen sie auf einen netten Polizisten, denn sie sind nicht mehr im Süden, sie sind praktisch schon in New York. Hier sind die Menschen schon weiter und netter, scheint der Film zu sagen. Also entweder wird hier kommuniziert, Rassismus in den USA sei (damals) nahezu ausschließlich ein Problem der Südstaaten gewesen. Oder es ist eine dieser lästigen #NotAllCops bzw. "Beide Seiten" Relativierungen, die den Diskurs um die zahlreichen Erschießungen von schwarzen Jugendlichen und jungen Männern durch weiße Polizisten in den USA so oft verwässern.
- Ein anderer Aspekt ist vielleicht noch subjektiver als diese Dinge ohnehin meist sind, aber ich hatte das Gefühl, am Ende sollten wir als Zuschauer ganz bewusst und gezielt an "Ein Ticket für Zwei" ("Planes, Trains & Automobiles") denken. Der Grundplot ist vergleichbar und dann eben das Weihnachtsfest (bzw. bei "Ticket" Thanksgiving), die Roadtrip Weggefährten trennen sich an dieser Stelle eigentlich, aber weil sie eben durch die gemeinsame Reise gewachsen sind, lädt der eine den anderen zu sich ein. Das erschien mir sehr gezielt als Anspielung gewählt worden zu sein. Liegt ja auch irgendwie nahe. Und dann fand ich es zunächst eigentlich überraschend gut und passend, dass Shirley ablehnt. Als würde er und durch ihn der Film sagen: "Tony und Don mögen nun Freunde sein, aber ihre Freundschaft kann nicht das ganze Land von heute auf morgen ändern." Oder so ungefähr. Doch dann ging der Film plötzlich noch weiter und Shirley tauchte doch noch bei Tonys Familienweihnachtsfest auf. Und die "harten" Italoamerikaner, die zuvor noch in mehr als abfälligen Worten über Schwarze reden (und die eben nicht Tonys Erfahrungen geteilt haben) gucken nur einmal überrascht und sind dann super nett und gastfreundlich, als wäre Don Shirley nun ein Teil der Familie. (Und nicht falsch verstehen, ich mag Optimismus. Paddington, insbesondere Teil 2, ist einer der besten Filme der Dekade. Aber das hier wirkt auf mich unglaubwürdig, unverdient und im Kontext der realen Situation zum Thema geradezu gefährlich, zumindest aber naiv.)
- Und ganz nebenbei argumentiert auch dieser Film, ganz egal wie sehr er eben "nur" eine Geschichte zweier Personen erzählen wollte, dass Rassismus mehr oder weniger der Vergangenheit angehört. Denn Schwarze dürfen nun auch in beste Restaurant, sie gewinnen sogar Oscars. - Dass dem nicht so ist, dürfte mindestens durch die letzten 2,5 Jahre US-Politik eigentlich klar sein.
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Es ist nicht Erbsenzählerei, aber gerade bei GREEN BOOK neigt man doch schon sehr dazu alles politisch zu lesen oder politischer zu lesen als bei vielen Filmen sonst.
Gerade das Ende des Films würde ich nicht gezwungenermaßen als absolute Aussage nehmen, dass die Macher auch glauben oder glauben lassen wollen, dass das "Problem" heute nicht mehr besteht.
 

Joel.Barish

dank AF
Teammitglied
Man liest "Green Book" politisch, da er unweigerlich politisch ist. Meiner Meinung kann man diese Geschichte nicht a-politisch lesen und daher auch nicht a-politisch inszenieren. Umso mehr noch, da es eben eine wahre Geschichte ist. Und noch mehr-mehr, da die wahren Beteiligten noch immer (und in den letzten Tagen und Wochen mehr denn je) ihren Senf hinzugeben. Jetzt haben z.B. Vallelonga und Farrelly auf die kritischen Äußerungen der Shirley Familie reagiert und doch tatsächlich in etwa gesagt, sie seien sich nicht bewusst gewesen, dass noch enge Familienmitglied Shirleys am Leben wären. So als Argument, warum der Film eine doch recht deutliche Vallelonga Perspektive einnimmt, wodurch Shirley immer mal wieder in den Hintergrund gerückt wird. Siehe auch Farrelly bei den Oscars, der explizit und mit vielen Worten Mortensens Einfluss hervorhob, statt Alis oder Shirleys oder eines allgemeineren Einflusses.

Und was das Ende betrifft: Ich würde Farrelly und Vallelonga sogar glauben, wenn sie die von mir erwähnte Aussage eben selbst nicht tätigen würden. Aber das Ende ist, für mich, so naiv und gewollt herzlich-kitschig inszeniert, lässt so viele Elemente bewusst aus und positioniert seine Figuren auf eine solche Weise, dass es zwangsläufig zu diesem Eindruck führt.
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Ja das will ich auch nicht dem Film und der Diskussion absprechen, aber natürlich bietet der Film und sein Drumherum auch an, dass man sich alles etwas gegen den Film zurechtbiegt.
Siehe Farrellys Erwähnung von Viggo Mortensens Einfluss. Vielleicht lag dies auch daran, dass eben Mahershala Ali schon auf der Bühne war und seinen Oscar erhalten und damit Anerkennung? :wink:
Also man kann sich alles etwa so zurechtargumentieren, wie es passt.
 

Joel.Barish

dank AF
Teammitglied
Ich will mir das nicht zurechtargumentieren. Ich will nur darstellen, dass hier viele Aspekte sehr unglücklich gemacht und gehandhabt wurden von den Machern - innerhalb und außerhalb des Films. Die Sache mit Vallelongas damaligen Tweets wurde ja z.B. auch gekonnt ignoriert. Mir jetzt vorwerfen zu müssen, ich wollte den Film unbedingt schlecht finden und kritisch sehen, gefällt mir nicht. U.a. da es nicht der Wahrheit entspricht. Ich war schon im Vorfeld skeptisch, ja. Aber ich war von der sympathischen ersten Hälfte auch positiv überrascht und wäre diesen Weg gerne bis zum Ende gegangen. Doch das war zumindest mir nicht möglich.
Und es ist eben das leidliche Schicksal eines Best Picture Gewinners, dass er - gerade unmittelbar nach der Verleihung - besonders kritisch unter die Lupe genommen wird. Das traf auch auf "Moonlight" zu.
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Ich will dir da persönlich auch nichts vorwerfen, aber du erwähnst es ja auch richtig. Bei einem Best Picture-Gewinner muss man das eben erwarten. Aber es sind doch eben immer wieder dieselben (zurecht) genannten Vorwürfe/Kritiken.
 

Presko

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Ich finde das Thema "Green Book" doch recht spannend. Als ich damals den Trailer sah, dachte ich: "Fade Tragikomödie a la Hollywood". Als ich den Film sah, war ich positiv überrascht. Die Figuren und die Dramaturgie holten mich ab und ich ging positiv gerührt aus dem Kino. Und das "Green Book" als solches fand ich wahnsinnig spannend. Und dann las ich von den Oscar-Nominationen. Bester Film, Bestes Drehbuch. Beides wirkte auf mich nicht ganz nachvollziehbar. Der Film war besser als gedacht, berührte mich, ich fand ihn gut, aber der beste Film des Jahres? Never. Bestes Drehbuch? Gehts noch? Von der Story her klassische Hollywood-Dramaturgie!. Von den teilweise erheblich negativen Kritiken und Kommentaren war ich dann aber nicht weniger überrascht als von den Nominationen selbst. Ein rassistischer Film? Was heisst das denn für mich, der den Film mochte?

Ich habe viel darüber nachgedacht, auch Joels Argumentation hat mir einige Denkansätze geboten und inzwischen bin ich zum folgenden Schluss gekommen. Am Film kann man einiges kritisieren.

White-Saviour-Syndrom? Von mir aus. Wobei ich das gar nicht mal so extrem finde. Ich denke, beide Figuren bekommen ähnlich viel Raum.
Rassismus scheint nur in den Südstaaten zu existieren- Der Film konzentriert sich definitiv darauf und macht es sich damit sicherlich einfach.
Am Anfang mag Viggo Mortensen Gläser, die Schwarze anfassten kaum berühren - am Ende lädt er den Schwarzen zu sich zum Weihnachtsessen ein und alles ist palletti. ich finde die Entwicklung von Mortensens Figur gar nicht so schlecht dargestellt. Am Anfang des Films hatte er keinen Kontakt zu farbigen Personen. Danach hat er Stunden um Stunden mit einem Schwarzen zusammen in einem Auto verbracht und erlebte hautnah wie dieser trotz seiner Genialität ausgegrenzt wird. Das veränderte ihn. Ich finde, das ist durchaus nachvollziehbar. Weniger nachvollziehbar ist, dass auch sein ganzes Umfeld mit ihm den Rassismus und Vorurteile innerhalb weniger Sekunden ablegt.
  • Der Film, der vorgibt, auf einer wahren Geschichte zu beruhen, erzählt eine ziemlich unwahre Geschichte: Das ist doch nichts Neues! Lest mal die Hintergründe von "In the Name of the Father" durch. Grandioser Film. Hat aber kaum was, mit den realen Hintergründen zu tun, auf die er sich beruft.
  • Eine der interessantesten Kritikpunkte las ich in einer Kritik. Don Shirley wird ja als Aussenseiter gegenüber allen portraitiert. Auch unter der Black-Community. Die "Weissen" akzeptieren ihn nicht, weil er schwarz ist, die "Schwarzen" akzeptieren ihn nicht, weil er zu gebildet ist. Äh, Moment mal, er ist zu gebildet? Tatsächlich scheint der Film davon auszugehen, dass anno dazumals die "Black Community" schwarze Personen ausstiess, wenn diese höher gebildet waren, wie Don Shirley. Höhere Bildung und "Schwarz-Sein" habe sich ausgeschlossen, so die implizite These. Und das ist für mich das grösste Problem der Story, jetzt, wo ich auf diesen Punkt aufmerksam gemacht wurde.

Trotzdem, ist der Film als Film schlecht? Nein, wirklich nicht. Ich glaube, das Problem vieler liegt eher darin, dass ein Film, der so wenig zum besten Film des Jahres taugt, eben gerade als solcher von einer mehrheitlich weissen Jury erkoren wird. Eine mehrheitlich weisse Jury, ein mehrheitlich weisses Filmteam - feiern sich als Gruppe, die ein bedeutendes Zeichen gegen Rassismus und für Versöhnung gesetzt haben, ohne selbst davon betroffen zu sein, Rassismus erlebt zu haben. Ich glaube, das ist es, was die Wogen so hoch schlagen lässt Denn seien wir ehrlich, Green Book ist ein schöner Film, aber der Beste des Jahres 2019? Nun wirklich nicht.
 
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