Ein Problem das VR hat ist, das es schwierig ist die VR-Welt Spielern begreifbar zu machen die selbst nicht aktiv in diese Welt eintauchen können. Auch Videos können den VR-Effekt nicht mal ansatzsweise rüberbringen, ein sehr gutes Beispiel dafür ist das VR-Spiel Moss - die Spielszenen aus diesem Video...
...erscheinen nicht wirklich beeindruckend. Umso beeindruckender ist es, dies selbst in VR erleben zu können, was die Moss-Reihe zu einen der atemberaubendsten VR-Titel macht. Es hat also wenig Sinn sich Videos von Alyx anzuschauen, da der VR-Effekt so und so nicht erkennbar ist. Es bleibt also nur die Chance dies selbst zu testen oder man beschreibt es so gut es geht - was ich hiermit versuchen möchte. Vor einiger Zeit habe ich Alyx durchgespielt und möchte es demnächst erneut angehen. Im Folgenden schreibe ich über meine Eindrücke:
Spielmechanik
Nach einem kleinen Intro steht man auf einem Balkon, überblickt die Stadt, es kreisen Drohnen, am Himmel thront ein rießiges Objekt zu dem Dutzende von Kabeln/Leitungen aus der Stadt führen. Auf dem Balkon sind verschiedene Gegenstände platziert die man benutzen kann. So etwas kennt man sicher aus diversen Spielen, man schaut sich mit der Maus um und nutzt die Tastatur um Dinge zu benutzen - über Monitor wenig spektakulär.
Der VR-Effekt stellt sich bei Alyx jedoch sofort ein, wenn man auf dem Balkon beginnt. Den eigenen Körper stellt das Spiel nicht dar, nur beide Hände werden dargestellt. Man muß dabei wissen, in VR ist man wirklich Teil dieser Spielwelt. Beim Überblicken der Stadt erkennt man die (Tiefen)Entfernung aus erster Hand, geht man zur Balkonbrüstung und schaut auf die Straße hinunter, kann man beim Anblick in 30m Tiefe schon Höhenangst bekommen. Gewöhnlich drückt man die Benutzen-Taste um mit Gegenständen zu interagieren, in VR führt man dies "händisch" aus: man dreht am Regler um einen Sender am Radio reinzubekommen, nimmt Flaschen auf und wirft diese durch eine Armbewegung weg, wobei die Stärke die Wurfweite bestimmt - mit einem entsprechenden Kontroller kann man sogar Cola-Dosen zusammendrücken, wenn man seine Hand zu einer Faust ballt. So liegt auch ein Stift da, man kann ihn greifen und damit wie mit einem normalen Stift in der Hand schreiben. Da ist es nur noch ein Randnotiz, daß Türen genau wie ich echt zu öffnen gehen.
Nach einigen Spielminuten bekommt man eine Schußwaffe. Normal bedient man diese über einen Maustastendruck und drückt eine weitere Taste um nachzuladen - in VR geschieht das wie in der Realität: man wirft das Magazin aus, greift zum Körper um ein Magazin zu greifen, führt dies in die Waffe ein und lädt durch. Während eines Schußwechsels kann diese Prozedur äußerst hektisch werden. Auch das direkte Zielen über Kimme und Korn funktioniert einwandfrei.
Bewegen / Steuerung
Es gibt verschiedene Arten sich fortzubewegen. Für VR-Einsteiger ist die Teleport-Funktion empfehlenswert, dabei wird man ein paar Meter teleportiert, wobei da weniger Schwindelgefühle beim Spieler entstehen. Erfahrene VR-Spieler nutzen jedoch die normale Steurung die über den Daumenstick auszuführen geht. Dabei bewegt man sich ganz normal vorwärts, wobei man die Drehbewegung in verschiedenen Gradzahlen einstellen kann oder man folgt einfach der Kopfhaltung - in die Richtung in die der Kopf schaut, läuft man auch.
Die immersivste Fortbewegung ist aber diese: durch das sogenannte Tracking, weiß das Spiel zu jeder Zeit wo sich der Spieler in der VR-Welt bewegt. Nutzt man nicht die Kontroller-Steuerung, sondern läuft (in der echten Welt) ein paar Meter, bewegt man sich entsprechend auch im Spiel. Bedeutet, hat man einen sehr großen Raum zur Verfügung, könnte man sich auch so durch die Level bewegen.
Auch die Schußwechsel zeigen sich in VR erstaunlich real. Man kann hinter Mauern (oder ähnlichem) Deckung suchen, dazu kniet man sich (in echt) und bewegt seinen Körper um über die Deckung zu schauen und aus dieser zu schießen - funktioniert einwandfrei!
Spielinhalt
Alyx ist wie die ganze Halflife-Reihe sehr linear aufgebaut, Abzweigungen oder alternative Wege gibt es nicht wirklich. Das schöne ist jedoch, daß Schußwechsel nur vereinzelt vorkommen, so kann man also die Spielwelt in Ruhe erkunden. Später im Spiel folgt eine Schleicheinlage, dabei ist man in einem Keller und muß sich den Weg an einer Kreatur vorbeibahnen ohne jedoch seine Waffe zu benutzen. Man hat lediglich die Möglichkeit Flaschen zu greifen, diese zu werfen um die Kreatur abzulenken. Eigentlich hasse ich in Spielen solche Passagen, aber in VR treibt das den Puls in die Höhe. Rätsel gibt es in Form von "Stromleitung manipulieren", dazu hat man ein Werkzeug dabei und muß Stromleitungen so umleiten um damit Türen oder Vorratsbehälter zu öffnen.
Das Speichersystem ist auch gut, man hat jederzeit die Möglichkeit zu speichern, hat man das Spiel durchgespielt kann man über das Hauptmenü auf die einzelnen Kapitel zugreifen. Eine dt. Vertonung gibt es nicht, allerdings sind die dt. UTs gut ins Sichtfeld platziert, sodaß man diese jederzeit lesen kann - das schaffen andere Spiele nicht.
Fazit - Sollte man zu VR wechseln?
Ich war jahrelang ein VR-Muffel und bin eher durch Zufall auf den VR-Zug aufgesprungen, aber das ist eine andere Geschichte die ich an anderer Stelle mal erwähnen werde. Glaubt es mir oder nicht - VR ist schlichtweg der Hammer!!! Besonders Alyx trumpft dabei voll auf, die Immersion in VR, wo praktisch alles händisch ausgeführt werden muß, ist schlicht unglaublich. Mit der ersten Sekunde fühlt man sich in diese VR-Welt hineinversetzt, natürlich kommt die Grafik nicht an die Realität heran (das schafft nur Street View mit seinen HD-Bildern in Google Earth VR...), trotzdem sieht die Grafik fantastisch aus. Ich muß aber auch betonen, daß Alyx grafisch das deutlich schönste VR-Spiel ist - da kommt kein anderes Spiel heran! Manche kritisieren, daß VR einen Tauchbrillen-Blick mitsichbringt. Ja, das stimmt, ist das Sichtfeld der VR-Brille nicht groß genug sieht man die Ränder der Brille, allerdings stört mich das nicht, da man in einem Spiel zu abgelenkt ist, daß einem das gar nicht auffällt. Ich nutze die Pico Neo 3 Link, wer bsw. eine Pimax nutzt hat den Vorteil eines sehr großes Sichtfeldes.
Die Frage ob sich VR lohnt, kann ich aus meiner Erfahrung nur mit einem DEUTLICHEN ja beantworten. Das liegt zum einen daran, daß VR Technick heutzutage gut bezahlbar ist, andererseits die Immersion der Spielwelt einfach nur unglaublich ist - selbst simple Spiele wie Walkabout Mini Golf VR machen super-viel Spaß und sie wahre Zeitfresser. Wer allerdings ein Grafikfetischist ist und unbedingt Spiele in 4K spielen muß, dann wird dieser wenig Spaß an VR haben. Wie gesagt ist Alyx das weitaus schönste VR-Spiel, andere VR-Tiel bieten zwar auch die Immersion an Steuerung und Bewegunsgfreiheit, allerdings mit stark reduzierter Grafik - solche Spiele gehe ich inzwischen gar nicht mehr an.
Zum Abschluß komme ich noch mal zu meinem eingangs erwähnten Problem - leider kann man nicht so einfach in ein Computergeschäft gehen und VR mal auf die Schnelle ausprobieren, Brillen dieser Art liegen leider nicht zum Testen aus. In meinem persönlichen Umfeld bin auch ich die Einzigste die VR aktiv nutzt, was so jeden auf die Idee brachte "...gehen wir mal zu Jennifer und probieren es aus." Alle die bei mir bisher in die VR-Welt eingetaucht sind waren hinterher völlig begeistert - selbst die, die zu Hause nicht mal was am PC machen.
Jennifer