Inside Llewyn Davis ~ Coen Brüder [Kritik]

TheGreatGonzo

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BG-Kritik: Inside Llewyn Davis (Skylynx)

Joel & Ethan Coen sitzen seit kurzem endlich wieder an einem neuen Film, der irgendwann nächstes Jahr rauskommen soll und damit ihr erster Film seit True Grit von 2010 wird.
Der neue Film der vielfachen Oscargewinner, The Big Lebowski-Macher und Meister verwirrend-schrägen (Thriller)komödien dreht sich dabei um die Folkrock-Szene im New York der 60er Jahre und basiert in Teilen auf dem Leben des Musikers Dave Van Ronk, der eine wichtige Person des Greenwich Village-Folk-Revivals in der Mitte der 60er war. Mehr ist über die Story noch nicht bekannt, aber die Coens sollten wohl darauf hinweißen, dass wir hier keinen gewöhnliches Musikfilm/Halb-Biopic sehen werden.

In der Titelgebenden Hauptrolle des Llewyn Davis wird Oscar Isaacs (Robin Hood, Sucker Punch) zu sehen sein. Desweiteren Isaacs Filmfrau aus Drive: Carrey Mulligan, die hier die Ehefrau von einem Rivalen Davis' spielen wird, der wiederum von Justin Timberlake dargestellt wird. Desweiteren zu sehen werden sind Garrett Hedlund (Tron Legacy) und Coen-Stammschauspieler John Goodman. Stammkameramann Roger Deakins wurde leider, wahrscheinlich wegen dessen Arbeit beim neuen James Bond, durch Bruno Delbonel ersetzt. Der arbeitete bisher an Filmen wie Die fabelhafte Welt der Amelie, Harry Potter und der Halbblutprinz und Dark Shadows, was trotz Deakins' Fehlen eine weiteren, visuell großartigen Coen-Film verspricht.

Der Film ist ohne Unterstützung großer Studios produziert und damit tatsächlich mal ein "Indie-Film". Oben und hier drunter, erste Setbilder.

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Mehr von den Darstellern hier , mehr vom 60s New York hier .
 

Da_Shnig

New Member
Hört sich doch erstmal ganz interessant an. Auf die Coens ist ja im Grunde immer Verlass, auch wenn es den einen oder anderen Film gab, der etwas schwächelte, wobei sowas ja auch subjektiv ist.

Das Setting klingt auch schon coenmäßig verschroben (60er Jahre Folk Musiker). Die beiden finden bestimmt die richtigen Bilder zu solch einer Geschichte. Nur Justin Timberlake sagt mir jetzt nicht so zu.
 

TheGreatGonzo

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Still und heimlich hat sich schon vor drei Tagen der erste Trailer zum neuen Film der Coen-Brüder (The Big Lebowski, No Country for Old Men) auf YouTube geschlichen. Der Film, sehr lose basierend auf dem dem Leben des einflussreichen Folk-Musikers Dave van Ronk, ist eine Geschichte über den Folk-Musiker Llewyn Davis (Oscar Isaac, Drive) und dessen Versuch seinen Platz im Leben und in der Musikszene zu finden. Spielt in den 60ern. Mit dabei sind außerdem Carrey Mulligan, Justin Timberlake und Coen-Stammdarsteller John Goodman.

Zum Trailer


Sieht äußerst ungewöhnlich für einen Coen-Film aus, macht aber, wie kann man es von den beiden anders erwarten, einen überragenden Eindruck. Während der anscheinend, auch wenn ich das nicht so richtig glaube, in den USA schon nächsten Monat startet, darf man sich in Deutschland noch ein bisschen gedulden. Bisher ist der 2. Januar 2014 als Starttermin angesetzt.
 

Butch

Well-Known Member
Der startet hir erst gut ein Jahr später ? Was soll das denn? :angry:
Trailer fand ich jetzt nicht so berauschend aber es sind die Coens und die haben bis jetzt noch keinen schlechten Film gemacht von daher mach ich mir eigentlich keine Sorgen.
 

Marv

New Member
Gefällt mir recht gut und die Coens sehe ich auch immer gerne. Goodmans Frisur ist ja mal derbe :biggrin:
Kann mir nur irgendwie nicht vorstellen, dass der Film erst etwa ein Jahr später zu uns kommen soll..
 

C@rnaby

Well-Known Member
Passt. Find den gar nicht so abweichend vom ueblichen Coen-Material, aber gut ist auch schon eine Weile her...
Auf jeden Fall gefaellt der Trailer schon mal sehr und wenn die Coens dafuer mit ihrem Naemen stehen, dann ist das was fuer Herz und Seele :attention:
Einziges Dorn im Auge ist, dass es JT mal wieder ins Bild geschafft :facepalm:
 

Tyler Durden

Weltraumaffe
Teammitglied
Die Coens sind gut, das Thema finde ich nicht so interessant, aber die Umsetzung scheint doch ansprechend zu sein. Die Besetzung ist auch nicht übel.

Aber fast 1 Jahr Verzögerung bis zum deutschen Kinostart ist die Härte.
 

Joel.Barish

dank AF
Teammitglied
@STARTDATUM:
Der kommt in den USA niemals nie am 8. Februar raus. Der Trailer ist erst wenige Tage alt, es gab ansonsten bisher null Promotion, ein Coen Film zieht auch gerne mal durch die Festivals und überhaupt ist Anfang Februar für einen neuen Coen der unwahrscheinlichste und ungünstigste Starttermin, den man sich vorstellen kann. Ich denke, irgendein Depp bei imdb hat den Film mit Roman Coppolas "A Glimpse Inside the Mind of Charles Swan III" verwechselt. Irgendwas mit "Inside" und einem Männernamen. Jaja. Der jedenfalls startet wirklich am 8. Februar. "Inside Llewyn Davis" sicher nicht. Der wird womöglich in Cannes laufen und dann frühestens im September in den USA startet. Ob der Deutsche Termin für Januar 2014 richtig ist und so bleibt, wird sich zeigen.

@Trailer
Sieht irgendwie ungewöhnlich aus, für einen Coen. Liegt sicherlich u.a. auch daran, dass Bruno Delbonnel statt Roger Deakins die Kamera führt. Ist inhaltlich jetzt noch nicht sooo aufregend, sieht aber nicht uninteressant aus. Ein neuer Coen wird eh geguckt, von daher brauche ich mich gar nicht zu sehr zu hinterfragen. Carey Mulligan macht schon mal einen guten Eindruck.
 

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
Inside Llewyn Davis ist der neue Film von Ethan und Joel Coen (Fargo, True Grit. No Country for Old Men, The Big Lebowski) und erzählt die Geschichte eines Folksängers (Oscar Isaac aus Sucker Punch), der eine zeitlang begleitet wird. Mit Carey Mulligan und Justin Timberlake:

Inside Llewyn Trailer
 

Joel.Barish

dank AF
Teammitglied
Der neue (:wink:) Trailer sieht ja nicht wirklich anders aus, als der erste. Optisch gefällt es mir mittlerweile, die Darsteller machen einen guten Eindruck und ich hoffe einfach mal auf spannende Figuren, aber die eigentliche Geschichte finde ich so noch nicht wirklich interessant. Oder mit anderen Worten: Es gab Coen Filme, auf die habe ich mich mehr gefreut.
 

McKenzie

Unchained
Hmja, der war jetzt doch interessanter als ich mir unter dem Titel vorgestellt hätte. Nette Details wie die Spiegelung der Katze im Zugfenster oder das Gekritzel auf der Toilette, aber das sind halt die Coens. Die Geschichte an sich wirkt auf mich jetzt aber auch noch nicht wirklich interessant - Andererseits, Burn After Reading schien Spaß zu versprechen und war meiner Ansicht nach ziemlich scheiße.
 

Tyler Durden

Weltraumaffe
Teammitglied
Der zweite Trailer gefällt mir etwas mehr als der erste. John Goodman sieht ja mal komisch aus mit dem Bart und der Frisur.
Ob ich mir den Film im Kino ansehen werde weiß ich aber noch nicht, vielleicht warte ich doch eher auf die DVD/BD.

Bin mal gespannt, wie präsent die Folkmusic sein wird. Ist nämlich so gar nicht mein Geschmack.
 

Joel.Barish

dank AF
Teammitglied
@Schneebauer
Ich schätze mal, es war eine bewusste Entscheidung. Warum auch immer. Die Coens haben offiziell seit "Fargo" bei jedem Film Final Cut, d.h. das letzte Wort was die Schnittfassung betrifft. Sie haben sich dankdurchgängiger Qualität und anhaltendem Erfolg, bei überschaubaren Produktionskosten, eine Freiheit im Studiosystem erarbeitet, die selten ist. "No Country..." und "True Grit" waren finanziell die erfolgreichsten Coens überhaupt. Die müssen sich so schnell keine Sorgen machen, dass niemand ihnen Geld geben würde.
 

Schneebauer

Targaryen
Moment, offiziell das letzte Wort? Von wem? :smile:Ich glaube du meinst, dass sie in den letzten Filmen von den jeweiligen Studios die 'Macht' über den Final Cut bekommen haben? Klar wird das in Zukunft auch so bleiben, das haben sie sich erarbeitet - aber das heißt doch nicht dass es offiziell und generell in ganz Hollywood gilt.

Auch bei Llewyn Davis hätten Sie zu 100% ein Studio gefunden, dass ihnen die Kontrolle über den Final Cut gewährt. Vielleicht wollen sie einfach ne neue Herausforderung.
 

Joel.Barish

dank AF
Teammitglied
Ja, mit "offiziell" meinte ich, dass es seit Fargo (oder vielleicht schon "Miller's Crossing") heißt, die Coens haben Final Cut. Die haben ja auch ausnahmslos ihren Producer Credit. Von daher, ja, die Coens brauchen sich - wenn sie finanziell nicht plötzlich größenwahnsinnig werden - erstmal keine Sorgen um Finanzierung und gewisse Freiheiten machen. Und zum Rest habe ich ja nicht viel mehr gemeint, als du jetzt sagst.

"Inside Llewyn Davis" ist ja neben den Coens selbst zusätzlich von Scott Rudin produziert, wie übrigens u.a. "True Grit" auch. Das ist aktuell so ziemlich DER Produzent in den USA. Ich schätze einfach mal, dass ILD nach "True Grit" einfach eine Nummer kleiner werden sollte und nicht das große Budget braucht. Aber die Coens drehen streng genommen keine Indies und mit Scott Rudin erst recht nicht.
 

TheGreatGonzo

Not interested in Naval Policy
Hang me, oh hang me and I'll be dead and gone. Denkbar makaber eröffnet die titelgebende Figur Llewyn Davis mit einem Song, der ursprünglich von Dave van Ronk, dem geistigen Vater Llewyn Davis', stammt, den neuen Film von Joel und Ethan Coen. Das die beiden Brüder ein wunderbares Gespür für Musik besitzen, beweißen sie schon als sie unter anderem den Dude zu Bob Dylan über das nächtliche Los Angeles fliegen liesen oder drei flüchtige Verbrecher mit mehr Talent als Verstand zu Countrystars in den US-Südstaaten der 30er Jahre machten. Ein reiner Musikfilm war da nur eine Frage der Zeit.

Die Coens nahmen sich nun der Folkszene der frühen 1960er Jahre an und schicken den unbestreitbar talentierten, aber erfolglosen Folksänger und Gitarristen Llewyn Davis auf eine Suche nach Erfolg und Geld, Anerkennung und dem Platz im eigenen Leben. Die Coen Brüder inszenieren diese introspektive Sinnsuche als, dank Bruno Delbonnels umwerfend blauchstichig-winterlichen, aber nostalgisch-gemütlichen Bildern, als visuell herausragende Oddysee durch über Nacht in Anspruch genommene Sofas, Bars, das winterliche New York und abgelegene Straßen, trifft dort auf die unterschiedlichsten, mal mehr, mal weniger merkwürdigen Charaktere und landet am Schluss doch, und das ganz buchstäblich, dort wo es angefangen hat. Eine wirkliche Geschichte oder Story gibt es nicht, dafür nehmen die Coens den Zuschauer mit auf eine tief- wie feinsinnge Reise mit Llewyn Davis, auf deren Verlauf sie uns mit leiser Melancholie und bissigem Humor über die trist und aussichtlos erscheinenden Seiten des Lebens erzählen, aber auch darüber wie diese Abschnitte die eigene Leistung inspirieren können.

Das Ganze funktioniert nicht zuletzt wegen Oscar Isaac perfekt, der diesen eindringlichen Charakter wunderbar spielt (und nebenbei auch noch eine sehr gute Singstimme hat) und sowohl in den nachdenklichen Momenten als auch in den großartig komischen Dialoggefechten mit Carey Mulligan, die als fiese, aber doch irgendwie liebenswerte "Bekannte" Davis' eine ebenfalls tolle Figur macht. In kleineren Nebenrollen kann man außerdem über Justin Timberlake, Adam Driver, Garret Hedlund und selbstverständlich auch den immer sehenswerten John Goodman nichts schlechtes sagen. Aber das alles sind nur, mal mehr mal weniger wichtige (und merkwürdige), Figuren in diesem gezeigten Lebensabschnitt Llewyn Davis' der hier in erster Linie die einzige Hauptfigur ist und, wie sollte es bei diesem Titel auch anders sein, derjenige ist über dessen Innenleben als auch Hintergrund wir am meisten und eindringlichsten erfahren. Wie so typisch für die Erzählweiße der Coens wird aber vieles nicht definitiv, sondern recht vage erzählt. Aus Botschaften auf Klowänden und Filmpostern kann sich der geneigte Zuschauer erstmal mitnehmen was er möchte, aus dem erst recht verwirrenden Erzählkniff am Ende oder der Funktion des Katers ebenfalls (Mal ganz davon abgesehen, das dieser beweißt wie einfach man das Publikum manipulieren kann :biggrin: ). Es ist kein Film, der schwierig zu verstehen oder wirklich zu entschlüssen ist (ganz im gegensatz zu ihrem A Serious Man, den ich immer noch nicht verstanden habe), aber es ist einer, und dafür schätze ich die Coens, aus dem man auch und gerade bei wiederholtem Sehen mehr und mehr mitnehmen und meinen zu entdecken kann. In erster Linie ist der Film ein sagenhaft gefilmter, tragikomischer mit einem fantastischen Soundtrack versetzter Blick auf einen fiktionalen Musiker im Jahr 1961, der aber durch die Art in der er Figuren und Themen aufgreift und behandelt durchweg zeitgemäß ist.

Oder kurz: Meisterhaft erzählt, großartig gefilmt, umwerfend gespielt, fantastische Musik. Ein weiteres Meisterwerk der vielleicht besten Filmemacher unserer Zeit. Inside Llewyn Davis - Oder: Wie das Kinojahr auf der Zielgeraden doch noch interessant wird.

9/10
 
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