Kollektiv - Korruption tötet

Presko

Well-Known Member
P.S. Sorry, hab den Beitrag in der falschen Kategorie gespeichert.

So, ich hab gerade zufällig gesehen, dass der Film derzeit und noch bis am 15.4. in der ARD-Mediathek verfügbar ist. Darum möchte ich ganz dringend empfehlen, sich den Film anzuschauen. Ich habe den vor etwa zwei Jahren im Rahmen des Zürich Filmfestivals gesehen und war danach geschockt (über das Gezeigte) und begeistert ( vom eigentlichen Film).
Der vom MDR koproduzierte rumänische Dokumentarfilm befasst sich mit einem politischen, insbesondere gesundheitspolitischen Skandal, der im Zusammenhang mit einem schweren Brand in Bukarest 2015 zutage kam. Und zwar brach während einem Konzert im Oktober 2015 in dem Club "Colectiv" in Bukarest ein Brand aus, bei dem 27 Menschen starb en und 180 Menschen verletzt wurden. Das Thema des Filmes ist jetzt aber nicht etwa der Brand oder die Brandursache an und für sich sondern die Tatsache, dass noch Wochen später zahlreiche Patienten, an Infektionen, obwohl sie sich längst ausser Lebensgefahr befanden. Journalisten der Sportzeitung Gazeta Sporturilor begannen als einzige der Sache nachzugehen und deckten in der Folge einen der grössten Skandale im Gesundheitswesens in Rumänien auf.

Achtung es folgen leichte Spoiler.

Die Journalisten decken schliesslich auf, dass in den Krankenhäusern Desinfektionsmittel stark verdünnt wurde, so dass diese ihre antibakterielle Wirkung verloren haben. Doch die Aufdeckung dieses Skandals ist nur der Anfang, den nun schildert der Dokumentarfilm, wie Politik, Industrie und das Gesundheitswesen auf diese Aufdeckungen reagieren. Vertuschungsversuche von allen Seiten nehmen ihren Lauf. Immer mehr wird aufgezeigt wie zutiefst korrupt das ganze System ist. Und zwar systemisch. Zum Teil wirklich haarsträubende Details kommen zutage, die man kaum glauben mag.

Neben den JournalistInnen und der Künstlerin Mariana Oprea, die das Feuer mit schweren Brandverletzungen überlebt hat, folgt der Film allerdings auch Vlad Voiculescu, der nach öffentlichen Protesten im Mai 2016 neuer Gesundheitsminister in der Übergangsregierung wurde. Er selbst zeigt sich erschüttert von dem Skandal und scheint aus tiefster Überzeugung den Kampf dagegen anzutreten und bestrebt zu sein, die Situation zu verbessern. Die Dokumentarfilmer hatten das Privileg ihn eng begleiten zu können, allerdings muss auch er bald einmal merken, wie tief im System die Probleme verwurzelt sind und nach einigen Erfolgen folgen die Rückschläge, die ihn immer mehr desillusionieren.

Mich persönlich hat Alexander Nanaus Dokumentarfilm ein wenig an die US-Serie The Wire erinnert, weil es auch ihm ähnlich wie der Serie gelingt, das grosse Bild eines Netzes der Korruption und der Probleme zu zeigen. Es gibt nicht einfach gut und böse, sondern all die Probleme hängen miteinander zusammen. Zudem ist es faszinierend, wie nah er in Echtzeit an allem dran ist und so der Film mit der Zeit wirklich unglaublich spannend wird.

Von daher unbedingte Empfehlung für alle, die auch nur annähernd was mit dieser Art Doku anfangen können.

Link zum Film in der ARD-Mediathek
 
Zuletzt bearbeitet:

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
Da meine Frau Rumänin ist, haben wir den auch gesehen. Du hast das eigentlich recht schön vorgestellt, ja, der Film ist wirklich ein wenig wie The Wire. Eine ruhige Doku, die vor allem wirken lässt und zeigt und weniger stumpf Erklärbär spielt. Ist wirklich erschreckend, wie korrupt das System dort ist, dass Krankenhäuser mehr oder weniger von organisiertem Verbrechen geleitet werden, die natürlich nur gewinnorientiert arbeiten wollen und sich null um Patienten scheren. Meine Frau sagt auch, dass sogar gewöhnliche Hausärzte meistens korrupt sind. Sprich, man muss erst Geld auf den Tisch legen, um einen frühen Termin zu kriegen und nicht Wochen warten zu müssen, oder Geld auf den Tisch legen, um überhaupt Zeit und Tips vom Arzt zu erhalten anstatt einfach nur einen 0815 Kommentar. Die Einkommensverhältnisse sind dort einfach extrem schlecht, und selbst Ärzte verdienen da nach 10 Jahren Studium verhältnismäßig schlecht, und weil es überall Gang und Gebe ist hat sich das so verbreitet.
 
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