Nomadland (Oscar für bester Film) [Kritik]

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
BG Kritik: Nomadland (Joel)

Bevor mit Chloé Zhao (The Rider) womöglich ein weiteres Talent im Blockbusterbei versandet - 2021 erscheint THE ETERNALS aus dem MCU - erscheint mit NOMADLAND noch ein Film von ihr, der jüngst erst in Venedig für viel Lob sorgte und dort auch den Hauptreis prämiert bekam.
Stand Jetzt soll der Film am 4. Februar 2021 in die Kinos kommen und Frances McDormand spielt darin eine Art ihNomadin, die ohne Bleibe durch das Land streift und hier und da ihr Geld verdient, abseits der normalen Gesellschaft. Neben McDormand sind auch viele Nicht-Schauspieler*Innen dabei, die quasi sich selbst und ihr Schicksal spielen.


 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

Puni

Well-Known Member
The Rider war super (Notiz an mich, dass ich den unbedingt noch mit meiner pferdeverrückten Schwester, die mich trotz meiner Pferdehaarallergie schon auf das ein oder andere Reitabenteuer mitgenommen hat, gucken muss), und der hier sieht auch gut aus.

Aber was soll denn der Seitenhieb in der News, dass sie bald einen Film für Marvel dreht? Vielleicht ermöglicht ihr das ja auch die Finanzierung weiterer kleinerer Filme?
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Das wünscht man den Filmemacher*Innen ja immer, die vornehmlich aus dem Indie-Bereich kamen bzw. für die es der erste Ausflug in den Blockbustersektor ist, aber desöfteren bleiben Sie in der Schublade stecken, was völlig in Ordnung ist (Colin Trevorrow, Jon Watts, Ryan Coogler), aber nicht mehr so wirklich spannende Projekte hervorbringt oder bekommen danach nicht mehr wirklich in die Spur (Marc Webb). Ausnahmen bestätigen die Regel (Taika Waititi).
Gibt natürlich auch Extrembeispiele wie Josh Trank, wo da noch ganz andere Komponenten mitreinspielten.
Oder ohne den neuen CANDYMAN zu kennen, aber wer freut sich, dass Nia DaCosta danach erstmal CAPTAIN MARVEL 2 macht. Wie viel eigenes wird sie da stilistisch einbringen können oder Zeit und Energie für ein kleineres Projekt haben? Manch einer schafft es schon auch mal seine Handschrift dem Ganzen zu geben (James Gunn, Shane Black, Taika Waititi), aber das ist meiner Meinung nach die Ausnahme.

Es spricht wie gesagt nichts dagegen, wenn sie mal einen Blockbuster machen, aber das bedeutet oft auch, dass die Filmographie im Anschluss droht eintönig oder uninteressant zu werden, wie die Filme selbst.
 

Presko

Well-Known Member
Ich werd mir den Film voraussichtlich in zwei Wochen im Rahmen des Zürichfilmfestivals anschauen können. Was ich bisher gelesen habe, hat jedenfalls Vorfreude geweckt.
 

Presko

Well-Known Member
Diese Woche gesehen.

Kurz und bündig: Sehr schöner, ruhiger Film.

Lang und ausführlich:

Karge Landschaften, schier unendliche Weiten. Und mitten darin Männer und Frauen teilweise weit über sechzig, die wie Nomaden in ihren Vans und Wohnwagen durch die USA ziehen, von Teilzeitjob zu Teilzeitjob. Viele von ihnen haben durch die Wirtschaftskrise ihre Altersvorsorge verloren. Eine von ihnen ist Fern, gespielt von Frances McDormand. Die sechzigjährige Witwe hat ihren Van zu ihrem Lebensmittelpunkt gemacht und reist dort hin, wo sie gerade arbeitet findet - Pakete packen bei Amazon, Klos putzen Campingplätzen oder Gerichte servieren in einem Burgerladen.
Auf ihrem Weg begegnet Fern vielen Menschen, die sich wie sie in wirtschaftlich prekären Situationen befinden. Auf ihrer Reise ohne Ziel erfährt sie irgendwann von Bob Wells, einer Art Guru des Mobile Living, der in der Wüste ein jährliches Event für Gleichgesinnte organisiert. Dort treffen sich die Nomaden, um sich auszutauschen, über alternative Lebensmodelle zu diskutieren und einfach für einander dazu sein. Nach erfolgreicher Suche nach einem neuen Arbeitsplatz besucht Fern das Nomadentreffen und fühlt sich schnell wohl unter den manchmal mehr, manchmal weniger schrägen Außenseitern, die aus unterschiedlichen Gründen ihren alternativen Lebensweg gewählt haben.
Auf ihrer Reise wird Fern immer wieder mit der Frage konfrontiert, ob eine Rückkehr in die bürgerliche Lebenswelt nicht eben doch langfristig die bessere Wahl darstellt, als ständig alleine unterwegs zu sein. Ihre Schwester und ehemalige Kollegen und Kolleginnen jedenfalls können nicht verstehen, wie Fern so leben kann und begegnen ihr mit Mitleid.
Als Grundlage für den Film der Regisseurin Chloé Zhao diente das Sachbuch Nomadland: Surviving America in the Twenty-First Century der Journalistin Jessica Bruder. Herausgekommen ist ein Spielfilm mit stark dokumentarischen Zügen. Die meisten Figuren werden nicht von professionellen Schauspielern verkörpert, sondern von Menschen, die sozusagen als sich selbst auftreten und oft in kleineren Monologen an verschiedenen Stellen des Films einen Einblick in ihre Lebensgeschichte bieten. Insbesondere die erste Hälfte des Films wirkt so über weite Strecken fast mehr wie ein Dokumentar-, denn ein Spielfilm. Das ändert sich in der zweiten Hälfte, wenn die eigentliche Filmdramaturgie und damit Ferns persönliche Reise und Entwicklung stärker in den Vordergrund treten. Davor ist Fern eher eine Art Reisebegleiterin, welche die Zuschauer durch das Nomadland führt.
Frances McDormand erweist sie als Idealbesetzung. Einerseits gelingt es ihr, ein differenziertes Bild einer starken, eigenständigen Frau zu zeichnen, die nach dem Tod ihres Mannes keinen Fixpunkt mehr im Leben hat. Sie glänzt mit einer zurückhaltenden Darstellung, mit der sie den unterschiedlichen Figuren neben sich stets genug Platz einräumt. So kommt auch nicht das Gefühl auf, ein Hollywoodstar teile hier seine Screentime mit Laiendarstellern.
Neben Frances McDormand spielt mit David Strathairn ein weiterer ausgewiesener Charakterdarsteller eine größere Rolle und macht seinen Job ebenfalls toll. In der zweiten Filmhälfte entspinnt sich zwischen ihm Fern eine wunderbar feinfühlige und zerbrechliche kleine Liebesgeschichte zweier Menschen, der man in ihrer Unbedarftheit gerne folgt.
Die große Qualität des Films besteht insbesondere darin, wie er aus den verschiedenen Aspekten ein harmonisches Ganzes schafft, in dem sich jedes Element positiv einfügt. Eine große Portion Menschlichkeit, die aufrichtige Sympathie für seine Protagonisten, sowie die feine Figurenzeichnung prägen den Film. Auf formaler kommen eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen dazu, die von einem ruhigen sich perfekt einfügenden Soundtrack begleitet werden.
Ein durch und durch sympathischer Film, dem vielleicht an der einen oder anderen Stelle noch etwas mehr Mut zur kritischen Betrachtungen gutgetan hätte. Zu einer eigentlichen System- oder Gesellschaftskritik kann oder will sich der Film nicht durchringen. Wenn der Film an einigen Stellen Bob Wells und seine Botschaften ins Zentrum rückt bekommt das Ganze zudem ein bisschen den Impetus einer Predigt geführt von einem Guru, der hier unhinterfragt auf einen Sockel gehoben wird.
Chloé Zhao interessiert sich also weniger für eine kritische Betrachtung, sondern für die Menschen. Ihnen gehören ihre Sympathien.
 

Dr. Akula

Well-Known Member
Nomadland ist von der National Society of Film Critics mit den Preisen für den Besten Film, Inszenierung, Kamera und Hauptdarstellerin ausgezeichnet worden.
Vorgänger im letzten Jahr war Parasite...
Klick
Damit nun Oscar-Favorit?

Ich durfte Nomadland letztes Jahr schon beim Filmfest Hamburg sehen und ich war ähnlich begeistert.
 

Puni

Well-Known Member
Während man ihn auf Amazon US schon für 5€ leihen kann. Einerseits gönne ich als Kinofreund es dem Film natürlich, dass der hier noch im Kino ausgewertet wird, aber andererseits ist das auch ein bisschen gaga alles.
 
Oben