Rambo 5: Last Blood [Kritik]

Presko

Well-Known Member
Wieso passiert es eigentlich gerade im Film-Feuilleton so oft, dass die Weltsicht der einen Film tragenden Hauptfiguren differenzierungslos als jene der Regisseure/Drehbuchschreiber identifiziert wird?

Ist das basale Grundschulwissen rund um das lyrische Ich wirklich noch nicht bei all jenen, die sich mit Kunstrezeption beschäftigen, angekommen?

Um es einmal zuzuspitzen:
Wenn die Filmfigur John J. Rambo wählen würde, würde sie m. E. als Kriegsveteran geradezu selbstverständlich die Republikaner - und damit auch Trump - wählen. Und es wäre überhaupt nicht abwegig, wenn sie viele Punkte der Trump'schen Agenda teilen würde. So what? Kunst vermag es - und sollte es wohl auch - einem die verschiedensten Weltanschauungen anhand von Filmfiguren zu zeigen.

Aber warum sollte die Weltanschauung der fiktiven Filmfigur John J. Rambo mit derjenigen von Stallone identisch sein?
Vielleicht sind diese Feuilleton-Autoren ja gar nicht so dumm, wie Du meinst und sie wissen durchaus, was ein lyrisches Ich ist und können zwischen den fiktiven Filmfiguren und den Filmmachern unterscheiden, schliessen aber aus der Darstellungsweise, dem Ton des Films oder interpretieren dessen Aussage eben so, als dass eine gewisse Weltanschauung unterstützt vom Film als Ganzes und seiner Aussage unterstütz wird. Ohne den Film gesehen zu haben, kann ich mir dennoch durchaus vorstellen, dass der Film tatsächlich so interpretiert werden kann, dass er Trumps Mexiko-Bild unterstützt. Klar, kann man das auch anders sehen, aber echte Argumente auf den Film bezogen finde ich bei Dir grad auch nicht, weshalb deine Pauschalkritik des sogenannten Feuilletons etwas hohl wirkt.
 

Argento

New Member
Da ich den Film noch nicht gesehen habe, Presko, kann ich auch gar keine "Argumente auf den Film bezogen" ins Feld führen.

Das ist für meine Kritik - an jener Stelle - aber auch nicht nötig gewesen, da ich die in diversen Analysen/Kritiken vorgebrachten Thesen schlicht darauf prüfen kann, ob sie mit plausiblen Argumenten unterfüttert worden sind. Und diejenigen, die ich las, waren es nicht. Stattdessen sah ich mich mit Postulaten und/oder mangelndem Verständnis für das Genre des Actionfilms konfrontiert.

Ich stimme dir zu: Freilich ist es theoretisch möglich dergleichen in einen Film wie LAST BLOOD hineinzuinterpretieren. Aber - und nur darum ging es mir - mir ist in den letzten Tagen nicht ein einziger Text untergekommen, der diesen Standpunkt argumentativ überzeugend dargelegt hätte.

Achja, unter uns: Ich denke, dass es durchaus möglich ist mit weniger Schärfe in ein Gespräch einzutreten als du es getan hast. Statt "hohl" hätte sicherlich auch ein "unplausibel" (o. a.) seinen Zweck erfüllt.
 

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
Um hier mal ein bisschen ins Spoilerterrain zu wildern:

Erstmal, die Rache am ersten Bruder und das ganze Finale waren schon echt klasse. Ich finds bescheuert, dass daraus interpretiert wird, dass Rambo als Eliteamerikaner Freiwildjagd auf Mexikaner machen sollte und Pro Trump sei, mit der Einstellung, alle Mexikaner seien böse. Erstmal ist Sly von italienischer Herkunft, dann ist Rambo als Filmfigur halb indianisch, halb deutsch, und dann werden die Ziehtochter und ihre Ma offensichtlich als gute Mexikaner dargestellt. Und wohl bemerkt - Rambo stört die Mexikaner in Mexiko, die sind aber erst nach Amerika aufgebrochen, als er jemanden einen Kopf abgeschlagen hat. Aus Sicht des anderen Bruders ist es völlig legitim, racheversessen hinter dem mordenden alten Mann herzujagen und dafür US Boden zu betreten.

Eingestreut sei vielleicht noch, dass Menschenrechte meiner Meinung nach bei derartigen Menschenhändlern aufhören. Wer junge Frauen zu sowas zwingt, der darf auch Macheten und Sprengfallen kennenlernen, meiner Meinung nach. Die brauchen keinen fairen Prozess. Also braucht da keiner argumentieren, dass Rambo zu brutal gegen die vorgeht.

Aber wie stumpf war das bitte, dass Rambo im ersten Anlauf völlig unvorbereitet von 40 Leuten umzingelt wird, die ihn dann zu Brei treten.. ihn dann aber am Leben lassen? Als wenn ein 70jähriger das so locker wegsteckt wie er, der nach 4 Tagen (!) wieder völlig geheilt zu sein schien. Als wenn solche Jungs so jemanden überleben lassen würden. Wofür?

Dass die kleine auf dem Weg zurück stirbt, war tatsächlich überraschend. Aber es war emotional recht ungeschickt aufgezogen. Wenn sie schon stirbt, hätte das sein Trigger sein müssen, jetzt auf totalen Krieg umzustellen. mit akzeptiertem Tod am Ende. Wenn er, wie nach dem Abspann gezeigt, doch wieder weiterleben will, dann hätte auch sie weiterleben können. So wär das Ende auch nochmal spannender geworden, wenn die Killer auch sie vielleicht fast nochmal gekriegt hätten.

Es wär auch besser gewesen, hätte Rambo sich zu Beginn in psychatrische Behandlung begeben oder dergleichen, um seine Dämonen ein für alle Mal loszuwerden, nur um einmal mehr gefordert zu werden. Diese ganze letzte Sache als weitere Prüfung für ihn.

Es ist auch nahezu peinlich, wie blöd das ganze aufgezogen wird mit Rambos Hinweis, sie solle da besser nicht hinfahren. Dann tut sies doch und, bei Liam Neeson, wieder ist ein hübsches Mädchen taken. Wieso nicht den Vater des Mädchens zu nem Handlanger für diese Kartellleuts machen? Und wenn sie dann Geld für all die fehlende Zeit fordert, einbehalten und verkaufen. Dann hätte man den Typen auch stärker in den Vordergrund rücken können, der vielleicht von seinem Kartellboss gezwungen wird, die Sache zu lösen, sonst landet sein Kopf auf einem Spieß. Wenn Rambo den Typ schon mal vor 10 Jahren getroffen hat, hat das auch ne ganz andere persönliche Note.

Es wär auch noch spannender geworden, hätt Rambo eine eine verdeckte CIA Ermittlung gestört, die vielleicht den Menschenhandel bewusst hinnehmen, um an die höheren Kartellleuts zu kommen. Das schreibt sich ja fast von selbst.

Was sollte eigentlich der losgelöste Eröffner mit Rambo als mysteriöser Retter von Leuten? Wärs nicht vielleicht interessant gewesen, er rettet zu Beginn jemanden, der sich aber als schlechter Mensch entpuppt (vielleicht auch ein Menschenhändler)... sodass Rambo sich Vorwürfe macht und erst recht meint, er müsse das korrigieren?

Auf jeden Fall sollte man keinem wünschen, in Rambos Tunneln zu landen. Das war schon fies :hae:
 

Ormau

Well-Known Member
Genau, was Jay im Spoiler sagt.

Für mich war der Film jedoch schlechter als der 4. John Rambo. Zu schleppende erste Hälfte, bis sich Rambo nach Mexico aufmacht, dauerste mir eine gefühlte ewigkeit. Zudem sah ich andauernd Ben Parker vor mir.... Dann irgendwie zu viel independent B...C-movie Charm. Vielleicht lag es auch nur an der tristen Location und dem fehlenden Jungle.

Hab vorher nochmal 1-4 gesehen, daher mein Voting:

R1: 6/10
R2: 4/10
R3: 4,5/10
R4: 6,8/10
R5: 5,8/10
 

Dr Knobel

Sie nannten ihn Aufsteiger
Lustig, so unterschiedlich kann man sich Dinge herbeiwünschen. Packe den Rest mal eben in Spoiler.

Jepp, Rambo hätte mehr Zeit benötigt, damit das Ganze etwas mehr Substanz bekommt. Daher kann ich auch überhaupt nicht nachvollziehen, dass vielen die Zeit, bis es nach Mexiko geht, zu lange erscheint. Genau hier wäre es nötig gewesen, sogar noch mehr Zeit verstreichen zu lassen, um der Figur und schlussendlich auch dem Film mehr Tiefe zu verleihen. Da bin ich also bei Jay.
Aber die CIA mit reinzubringen … um Himmels Willen. Lasst es intim, das Ganze hätte weder dem Film noch der Figur geholfen. Überflüssiger geht es in meinen Augen kaum. Und mit der Infragestellung des Openers scheinst du konform mit einigen vom Testpublikum zu gehen, die ja dafür sorgten, dass die Szene rausflog. Stallone bezeichnete die nicht umsonst als "die jungen Kerle haben es nicht verstanden." Das erfüllt doch einen Sinn. Ihm ist langweilig, er will sich einbringen, vielleicht aus Schuldgefühlen helfen. Genau solche Sachen hätten sogar noch stärker ausgebaut werden müssen, weil es die Figur besser erklärt. Dass man das auch entsprechend umsetzen muss, weil es sonst nicht funktioniert, ist dabei klar.
Stallone zieht bei den Tunneln auch interessante Vergleiche zu Dantes Inferno, aber das würde hier zu weit führen, und ich teile das zudem auch nicht komplett.
 

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
Mich hats eher an Vietcong Tunnel erinnert.

Ich stimme zu, die Idee mit der CIA ist unnötig. Auch wär eine bessere Figurenzeichnung wichtiger als mehr Action.

Mittlerweile denke ich, die hätten den Film Death Wish/Ein Mann sieht Rot nennen sollen. Mit Krieg hat der nichts wirklich am Hut - und alle 4 vorherigen Teile hatten eine Verbindung. Plottechnisch lehnt er sich extrem nah an den alten Bronson Filmen an, auch wenn die Verbrecher da heimisch agierten.

Was meint ihr, ein besserer als der mit Bruce?
 

Presko

Well-Known Member
Achja, unter uns: Ich denke, dass es durchaus möglich ist mit weniger Schärfe in ein Gespräch einzutreten als du es getan hast. Statt "hohl" hätte sicherlich auch ein "unplausibel" (o. a.) seinen Zweck erfüllt.
da gebe ich dir absolut recht. habs nicht nochmal durchgelesen und so das ‚hohl‘ nicht auf dem Schirm, es war nicht im Sinne vondumm, sondern als ohne richtige Grundlage. Aber hast recht, war nicht gut ausgedrückt, sorry.
 

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
Ich will an dieser Stelle nur kurz drauf hinweisen, dass dieser Film - siehe Startpost - hier schon seit 12 (!) Jahren besprochen wird. Hut ab an alle, die von Anfang an oder seit mittendrin dabei waren. Eine lange Reise.
 

Clive77

Serial Watcher
Teammitglied
Okay, dann versuchen wir das mal zu ordnen.

Im Grunde war das Ende von Teil 4 perfekt, da sich ein Kreis schloss. Das Stallone selbst nicht so ganz wusste, was der richtige Weg ist, um das Franchise fortzusetzen, wird ja alleine schon daran deutlich, dass er verschiedene Ideen ankündigte, die in völlig unterschiedliche Richtungen gingen, bevor er dann doch seinen Abschied von der Rolle ankündigte. Warum er sich dann doch anders entschied, und auf die ursprüngliche Idee einer mexikanischen Menschenhändlerbande setzte, hat sicherlich einige interessante Gründe, soll dabei an dieser Stelle jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Die Unentschlossenheit ist jedoch ein Kernproblem von RAMBO 5 – denn er fühlt sich nur bedingt wie ein „echter“ Rambo-Streifen an und würde auch problemlos als alleinstehender Actionfilm funktionieren. Vielleicht hätte er als klassischer Revenge-Streifen sogar besser funktioniert, da man auf den „Ballast“ der Figur und der Reihe keine Rücksicht hätte nehmen müssen.
Der Film besteht dabei im Grunde aus zwei Hälften: Einmal eher das ruhige „Drama“, das nur durch einige Gewaltspitzen unterbrochen wird. Und zum anderen das knüppelharte Finale. Diese Elemente passen jedoch nicht komplett zusammen, weil RAMBO 5 inhaltlich und dramaturgisch zu schlicht und simpel ist. Die erste Hälfte ist alles andere als langweilig – auch wenn man das immer wieder liest – sondern nötig und wichtig, allerdings leider zu kurz. Man würde gerne mehr von dem heimkehrenden Wrack sehen und beobachten, wie er sich in den letzten Jahren „erholte“, ohne jemals wirklich anzukommen. Da hätte es mehr Zeit benötigt, um das Gerüst etwas stabiler aufzustellen. Doch all das wird nur angedeutet, man gönnt den Figuren keine Entwicklung, sondern „hetzt“ sie durch die vorhersehbare Story, um den Fans das zu geben, was sie wollen. In der Hinsicht wurde da eine Chance vertan, weil die Story das grundsätzlich hergab.
Das Finale als hart zu bezeichnen, ist untertrieben. Da die Kills eher im 1:1 Modus umgesetzt wurden, und Rambo nicht wie in Teil 4 ganze Heerscharen von Gegnern auf einmal erledigt, wirkt der Film noch einmal eine Spur heftiger als der auch nicht zimperliche Vorgänger. Ehrlich gesagt, kann ich mir nicht vorstellen, dass das Ding so auf DVD/BD erscheint. Subjektiv betrachtet ist er mir bisweilen sogar zu hart. Gewalt als Selbstzweck ist im Genre normal und für mich auch kein Problem, aber man kann schon den Eindruck bekommen, dass man hier ganz bewusst an der Gewaltschraube drehte, um die Fans zufriedenzustellen und von anderen Dingen abzulenken.

Soviel zu den Problemen.

Unabhängig davon funktioniert der Film als simpler Reißer wunderbar. Natürlich sind die Bösewichter eindimensional, aber bei aller Liebe: Das waren Rambos Gegenspieler in allen Fortsetzungen auch. Wer nun eine gänzlich andere Ausrichtung erwartet hat, kann und darf enttäuscht sein, hätte aber bereits nach den Trailern Bescheid wissen müssen. Sie funktionieren als hassenswerte Gegenspieler, und mehr sollen sie auch nicht sein.
Politische Einflüsse a´la Pro-Trump sind ebenfalls herbeifantasiert und wirklich nur dann relevant, wenn man es so sehen will. Natürlich sind die Mexikaner hier die „Leidtragenden“, aber in Teil 2+3 waren es eben die Russen, in Teil 4 burmesische Soldaten. In anderen Actionfilmen waren es Japaner, Russen, Vietnamesen …. sucht euch was aus. Das ist natürlich grundsätzlich diskutabel, aber jetzt eine Nähe zu Trump zu suchen, muss echt nicht sein. Dass es jetzt ausgerechnet Mexiko traf, liegt einfach in der Story begründet, nicht mehr, nicht weniger. Dieses Pro-Trump ist in meinen Augen ehrlich gesagt auch nicht mehr diskutabel; das ist dann gewollt und wird instrumentalisiert.
Die Actionszenen sind gut und temporeich inszeniert. Die teilweise kritisierten schnellen Schnitte rühren überwiegend aus der begrenzten Location her, da eine eher statische Kameraführung in diesem Fall auch recht behäbig wirken kann. Zudem ist es auch Stallones Alter angemessen, da er mit 73 Jahren lange Action-Sequenzen nicht mehr glaubwürdig darstellen kann und sollte.
Man darf jetzt aber kein Spektakel erwarten, im Gesamtpaket ist das als „Blockbuster“ eher ein kleiner Film, wobei er trotzdem aufwändiger wirkt, als ich vor einigen Monaten noch dachte.
Dazu ist er erfreulich ernst und wird nicht durch Sprüche oder Ironie aufgelockert. Das gibt es ja heute kaum noch.

Ja, es gibt CGI. Und wie immer bekommt Millennium es nicht hin. Das ist deutlich unter Durchschnitt, aber es wird jetzt nicht so inflationär eingesetzt, dass es wirklich stört, auch wenn es nicht sein muss.
Neben der zwar simplen aber funktionierenden Rachestory und den gut umgesetzten, harten Actionszenen ist es jedoch vor allem Stallone, der den Film trägt und prägt. Trotz seines Alters ist er in den – zugegeben auch clever aufgebauten – Actionszenen absolut präsent und glaubwürdig. Dazu ringt er der Figur tatsächlich neue Facetten ab, und transportiert den Zorn und die Enttäuschung seiner Paraderolle darstellerisch absolut glänzend und vielschichtig. Ein Grund mehr, warum man ihm gerne mehr Zeit hätte geben sollen, um Rambo noch weiter zu entwickeln. Den Rest wuppt er mit seinem nach wie vor ungebrochenen Charisma und seiner Leinwandpräsenz. Grandiose Darstellung und besser als sein Auftritt in CREED 2, wo er auch schon toll war.

Ein Wort zur Synchro: Danneberg ist nach wie vor nicht zu ersetzen, doch Prochnow wirkt als Rambo passender als noch als Rocky Balboa. Nicht ideal, aber hinnehmbar.

Fazit
Solider Action-Reißer, der seine Schwächen durch seine Kompromisslosigkeit und einem überragenden Stallone zumeist überspielen kann.
7/10
:thumbup:
Genau das unterschreibe ich und vergebe auch die gleiche Punktzahl.
Sehr schön ausgeführt und trifft den Kern des Ganzen sehr gut.
 
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