Requiem

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
REQUIEM

Die 70er Jahre. Studentin Michaela verlässt ihr streng katholisches Elternhaus, um in Tübingen ein Studium zu beginnen. Schon bald ändert sich alles für sie, als sie anfängt, Stimmen zu hören. Schließlich soll ein Dämon in ihr leben, und ein blutiger Exorzismus steht bevor.

Der Film vom 23 - Regisseur Schmid ist eine Neuinterpretation desselben Themas, das "Der Exorzismus der Emily Rose" aufgegriffen hat. Es geht um dasselbe Thema, nur angeblich authentischer.

Ohne Schock-Effekte.
 

Joel.Barish

dank AF
Teammitglied
Find ich sehr gut, denn dadurch unterscheidet sich der - von Deutschen massiv unterschätzte - deutsche Film von Hollywoodproduktion. Hier geht man an die richtige Story und verzichtet, zu Gunsten der Authentizität, auf Effekte und Shocks. :top:

Hans Christian Schmidt Filme gehören wahrlich zu den besseren und auch bekannteren deutschen Produktionen. Wie in "23" zu sehen, ist sein Stil zwar recht karg, doch nicht so steril wie andere Regisseure aus Deutschland oder auch dem nahen europäischen Ausland.
 
H

homer

Guest
wie schon wieder so ein Exorzismus Film? Und dazu noch aus Deutschland? Oh nee
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Original von homer
wie schon wieder so ein Exorzismus Film? Und dazu noch aus Deutschland? Oh nee

Hab nen Trailer gesehen und sooo schlecht scheint der gar nicht zu sein.
Ein bisschne mehr Vertrauen in den deutschen Film...
 

Joel.Barish

dank AF
Teammitglied
Ach homer, nur Mut.

Ich fühle mich in meiner Aussage bezüglich des Deutschen Films und seinem Ansehen bestätigt.

Außerdem ist es ja nicht "einer dieser Filme über Exorzismus", sondern ein realistischer FIlm über eine wahre Begebenheit, die "Emily Rose" nur streift und kommt, wie jigsaw sagte, ohne Shockeffekte aus und auch komplett ohne CGI, fliegenden Betten oder Sprüchen wie "Deine Mutter lutscht Schwänze in der Hölle". "Requiem" ist wohl mit keinem "Exorzist" Teil zu vergleichen und auch nicht mit "emily Rose", obwohl es ja der selbe Hintergrund sein soll.
 

Maeth

Member
Ich war gestern drin und kann ihn empfehlen. :squint: Ich zitier mich einfach mal selbst ...:

Requiem


Sehenswerter, toller und nachdenklich machender Film.

Sandra Hüller hat zurecht den silbernen Bären für ihre Leistung gekriegt. Ihr Spiel ist beeindruckend, niemals aufgesetzt oder lächerlich.
Auch die übrigen Darsteller wissen zu überzeugen: Burghart Klaußner als netter, sich um seine Tochter sorgender Vater, Imogen Kogge als unsympathische, aber doch liebende Mutter oder Anna Blomeier als Michaelas Freundin Hanna. Auch der Darsteller des Freundes von Michaela ist solide. Die beiden Pfarrer sind etwas glatt, aber vielleicht ist das ja auch so gewollt.
Auf jeden Fall ist der junge sehr unsympathisch ...

Die Handlungen Michaelas sind immer nachvollziehbar und nicht aufgesetzt oder unlogisch. Außerdem ist er auch schön gefilmt, Musik wird eher selten eingesetzt. Aber z.B. die erste Tanzszene, unterlegt von Deep Purple's "Antheme" ist schön gemacht.

Das ganze ist zwar teilweise eher sachlich und man hat eine gewisse Distanz, ist aber trotzdem irgendwie "mittendrin". XD

Was ich erschreckend finde (gehört jetzt nicht so ganz zum Film, aber egal) ist, dass Exorzismuskurse auch noch heute gelehrt werden ... Und im Frühjahr 2005 kam erst eine Nonne zum Tode, weil sie wegen angeblicher
Besessenheit des Teufels 3 Tage an ein Kreuz gefesselt wurde. :schuettel:

Waren auch zwei Nonnen im Kino. XD

Auf jeden Fall ein potentieller DVD-Kauf, bzw. bin ich mir eigentlich recht sicher, dass ich mir den kaufen werde. o.o Wäre ja toll, wenn ein schön gemachtes Digipak mit viel Bonusmaterial (z.B. auch zum realen Vorfall der Anneliese Michel) erscheinen würde.

8,5/10
 

Joel.Barish

dank AF
Teammitglied
Danke maeth, für deine persönlichen Gedanken und Erfahrungen zu diesem Film. Ungefähr so erhoffe ich mir diesen Film, aber ich weiß nicht, ob ich ihn noch im Kino sehen kann. Will noch "Caché" und "Brokeback Mountain" sehen und "Requiem" läuft nicht direkt in meiner Nähe wenn ich recht informiert bin.

Übrigens: Nettes Bildchen da, vom Donnie!
 

Maeth

Member
Original von Joel.Barish
Danke maeth, für deine persönlichen Gedanken und Erfahrungen zu diesem Film. Ungefähr so erhoffe ich mir diesen Film, aber ich weiß nicht, ob ich ihn noch im Kino sehen kann. Will noch "Caché" und "Brokeback Mountain" sehen und "Requiem" läuft nicht direkt in meiner Nähe wenn ich recht informiert bin.

Übrigens: Nettes Bildchen da, vom Donnie!
"Caché" läuft bei uns schon gar nicht mehr (Hab ihn aber gesehen). Hm, na ja, vielleicht schaffst du's ja noch ihn zu gucken.
Irgendwie findet man jedenfalls eher wenige Meinungen zu "Requiem" und das Box-Office soll ja auch eher enttäuschend sein, soweit ich weiß.

Danke. Werde aber wohl später ein eigenes noch nehmen. XD
 
J

jeremybentham

Guest
Mittlerweile auch gesehn... und für gut befunden.
Halt sehr realistisch. Kein Vergleich zu Emily Rose, beides sehr gute Filme, keine Frage, aber ne total unterschiedliche Schiene.

Als Ela dann ihren ersten Exorzismus bekommt, kanns einem auch schon so ein wenig kalt den Rücken runterlaufen.

Schauspieltechnisch ist die "besessene" nich verkehrt.
"Emily Rose" war aber echt verdammt gut bei ihren Anfällen.
Das zu überbieten schafft glaub ich keiner.

Elas Vater hat mir sehr gut gefallen. Der war auch schon in "23" und "Die fetten Jahre sind vorbei" zu sehen. Einfach verdammt sympathisch der Kerl. Und spielen kann er.
Bitte mehr dt. Filme mit ihm.

Auch das Ende fand ich gut. Nich so drastisch, aber es wirkt verdammt gut.

8/10
 

Dr Knobel

Sie nannten ihn Aufsteiger
Habe zuerst žEmily Rose gesehen, fand den auch ziemlich gelungen (7/10), war dann jedoch sehr gespannt auf žRequiem, da dieser die auf Tatsachen beruhende Geschichte gänzlich anders erzählt.

Eines vorweg: žRequiem gefällt mir besser. Der Film verzichtet völlig auf Effekthascherei oder Voyeurismus. Bestes Beispiel dafür sind die Szenen, die den eigentlichen Exorzismus zeigen: Die Kamera hält nicht drauf, sondern entfernt sich sogar. Der Zuschauer muss nur wissen, das es passiert mehr ist für die Geschichte nicht nötig.
Das Ganze wird ergänzt durch wirklich kluge Dialoge, die fern ab von jeglichem Klischee sind gerade in den Gesprächen mit den Priestern

žRequiem ist alles andere als ein Horrorfilm, sondern ein beeindruckend gespieltes Drama.
Regisseur Schmidt, der auch schon mit ž23 bewies, das es nicht unmöglich ist, in Deutschland gute Filme zu machen, nimmt sich Zeit für die Geschichte und seine Charaktere.
Den Mief dieser Kleinstadt und der Wunsch seines Hauptcharakters hier auszubrechen, hat er in zwar kargen Bildern, aber gleichzeitig mit solch einer Intensität eingefangen, das man wirklich mit Michaela leidet und ihr nur das Beste wünscht.

Gerade Sandra Hüller bietet wirklich eine eindrucksvolle Darstellung und kann alle Facetten ihres Charakters Verzweiflung, Trauer, Wut, Freude, Hoffnung, Raserei ausleben und darstellen. Doch nicht nur sie, auch Burghart Klaußner oder Irmgard Kogge, die ihre Eltern spielen, überzeugen voll und ganz. Gerade die Mutter ist für die Geschichte ungemein wichtig:
Schließlich treibt sie ihre Tochter durch ihre christliche Besessenheit und ihre Kälte
in diese Situation.

Der Film bezieht auch ganz klar Position, was mit Michaela passiert und warum sie diese ganzen Dinge durchleiden muss. Das empfinde ich, gerade bei der Art der Inszenierung, als sehr sinnig und erfreulich unspektakulär.
Das Ende ist sehr frustrierend und ließ mich auch Tage später noch nicht los. Gerade durch die Tatsache, das
Michaela wohl selbst keinen anderen Ausweg mehr sah, und schlussendlich selbst daran glaubte, für einen höheren Zweck leiden zu müssen
, hinterließ einen bitteren Nachgeschmack, war aber im Kontext des Films das einzig richtige und logische Ende.

Ich persönlich hätte den Charakter der Michaela gerne früher kennen gelernt. Entweder hätte man sie schon in Kindertagen zeigen oder ihre Entwicklung in Rückblenden aufzeigen können. Meiner Meinung nach hätte das die Konfliktsituation zwischen ihr und der Mutter vertieft und besser erklärt. Auch ihre tiefe Verwurzelung im Glauben und ihr Erschrecken, das sie diesen scheinbar verliert, hätte man hier noch intensiver gestaltet.

Trotzdem: žRequiem ist ein klarer Tipp und sicherlich einer der besten deutschen Filme der letzten Jahre.

Fazit: Ein tolles Drama mit hervorragenden Darstellern, einer betroffen machenden Geschichte und einer sehr zurückhaltenden Regie. Schade, etwas mehr Laufzeit hätte dem Film gut getan.

8/10
 
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