Ronny & Klaid ~ dt. Komödie von den Schneeflöckchen-Machern

TheRealNeo

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Etwas Etikettenschwindel, denn von SCHNEEFLÖCKCHEN hat Hauptdarsteller Erkan Acar hier auf dem Regiestuh Platz genommen.


Ich durfte den Film bereits für die Deadline rezensieren und teile mit euch mal hier direkt meine Eindrücke.

Es fehlt dem deutschen Film an Mut, Genre, Abwechslung, Diversität, Innovation usw. Die Liste ließe sich ewig weiterführen, doch dabei sind diese Punkte oftmals schon in deutschen Filmen zu finden. Nicht nur Serien, die auf Netflix (DARK, HOW TO SELL DRUGS ONLINE FAST...) oder Amazon Prime (BEAT, YOU ARE WANTED) erfolgreich laufen und auch weltweit ihre Zuschauer finden, nein auch der deutsche Spiel- gar Kinofilm kann in letzter Zeit immer wieder öfters diese Anforderungen erfüllen. Denn vor wie hinter der Kamera ist das Talent nicht geringer als in Übersee, was aber neben den obigen Punkten oft fehlt ist Selbstbewusstsein. Das Selbstbewusstsein sich von den Vorbildern oder Genremustern zu lösen. Nicht zu versuchen zu imitieren oder glauben zu müssen gewisse Standards erreichen zu müssen. Wer sein Urlaubsvideo mit einem Score von Hans Zimmer unterlegt merkt direkt, dass man viele Beurteilungen für diesen künstlerischen Kniff finden kann, aber bestimmt keine wird auf homogen oder innovativ geschweige denn selbstständig kommen. Lange Rede kurzer Sinn? RONNY UND KLAID ist eine Komödie. Komödien sind eines der wenigen Genres, die in Deutschland produziert werden und ein Publikum finden. Die aber die davon nicht abgeholt werden, verteufeln diese auf Schlimmste. Sind doch Vertreter des Genres wie Matthias Schweighöfer oder Til Schweiger diejenigen, die visuell jedes Jahr mit ähnlicher visueller Sauce versuchen das Publikum ins Kino zu locken. Es ist ihnen zu gute zu halten, dass ihnen das auch immer wieder gelingt und das auch ein Til Schweiger im Actionfach zumindest Ambitionen zeigte (urteilen über die Ergebnisse darf jeder selbst), aber ist daran irgendwas selbstbewusst? Ronny und Klaid, gespielt von Franz Dinda und Sahin Eryilmaz, sind einfache Figuren mit einem beschränkten Weltbild. Die beiden besten Freunde haben nur einen Traum: von ihrem Kiez-Kiosk leben zu können und es mit einer Leuchtreklame zu schmücken. Als Ronny auf die Statistik stößt, dass jeder zehnte ein Millionär ist, kommen sie auf die Idee einfach zehn Menschen zu entführen, einer von ihnen sollte ja dann schon Millionär sein. Geld brauchen sie nämlich nun noch dringender, als Klaid, eigentlich Khalid, bei einem Mafiaboss im Glücksspiel verliert, während Ronny gerade versucht das Herz seiner großen Liebe, des Mafiosos Tochter, zu erobern. Warum nun dieser Film funktioniert? Er zieht sein Konzept durch. Man wird als Zuschauer bombadiert mit Wortwitzen, skurrilen Situationen und Gags über Dialekte. Eigentlich glaubt man dabei schon alles gesehen zu haben und doch schafft es der Film einen immer wieder zum Lachen zu bringen. Weil der Film nicht versucht irgendwelche Erwartungen zu erfüllen oder bestimmten Vorbildern nachzueifern. Man verlässt sich auf sich selbst, auf seine Charaktere, die Darsteller und am Ende kann man sich kaum entscheiden wen oder welche Situation man wohl am kultigsten bezeichnen würde. Die Story nimmt noch schier unerwartete Entwicklungen zu scheinbar unlösbaren Aufgaben. Doch irgendwie schaffen es unserer Helden mit ihren Mundwerken doch wieder aus jeder Situation mehr oder weniger heraus.

Bereits letztes Jahr stellte Erkan Acar den Film auf dem Münchner Filmfest vor, aber es zeigte sich kein Verleiher bisher interessiert den Film groß in die Kinos zu bringen. Noch so ein Problem zur teilweise selbstgemachten aktuellen Lage des deutschen Films. RONNY UND KLAID macht einfach verdammt viel Spaß, doch scheinbar traut sich keiner zu das zuzugeben.
 
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