Was ein geiles Finale.
Perfektion
Die zweite Staffel war für mich noch mal ein ganzes Stück in sich stimmiger als die Erste und das Finale hätte ich gerne einem vollen Kino mit anderen gesehen.
Wie genial war bitte die Dialogszene in der Hütte. Inszenatorisch und vom Drehbuch her. Mark hat als Figur in der Szene so viel Tiefe gewonnen und Klarheit.
Die Feier
für Marks Arbeitsabschluss. Mr. Milchick wieder grandios. Sein Dialog mit der Kyr-Puppe. Wie dieser Dialog die aufgebauten Spannungen zwischen Milchick und seinen Vorgesetzten perfekt auf den Punkt bringt. Später: Mr. Milchick eingesperrt auf der Toilette. Kann sich nicht befreien. Dann sein Aufbäumen, als der Alarm losgeht. Wie er gegen die Tür rennt, kurzer Schnitt zum Snackautomaten, wo die Snacks runterfallen. Dann Milchick durch die Tür. Schnitt - Gegenschnitt - Mr. Milchick vs. Helly R., Dylan und die gesamte Kapelle - ich habs so gefeiert.
Die Fahrstuhlszene:
Wenn der eine Mark Mr. Drummond mit der Bolzenpistole noch bedroht, dann zum anderen Mark wechselt, der ohne es zu wollen, den Abzug betätigt.
Und das Ende der Folge: So auf den Punkt.
Einfach grossartig. Würde für mich auch wunderbar als Serienabschluss funktionieren.
Überhaupt hoffe ich, sie reiten die Serie nicht mit zu vielen Staffeln zu Tode. Eine oder höchstens noch zwei Staffeln - dann Schluss wäre mein Wunsch.
Aber wie toll war dieses Season 2. Für mich auf einer Höhe mit Mr. Robot.
Alleine die Figurenentwicklung. Es sind ja nun gar nicht so wenig Figuren, und alle werden so genial ausgearbeitet. Helly vlt. noch im Moment am wenigsten, aber ich denke, da kommt in dern nächsten einiges auf uns zu.
Wie sie aus dem eher unscheinbaren Dylan, eine so komplexe Figur gemacht haben:
Sei es der Innie- oder Outie-Dylan. Die Beziehung zu seiner Frau und was das in beiden auslöst. Oder auch zu Beginn, wie seine Beziehung zu Irving nochmal vertieft wird
Überhaupt gelingen der Serie gleich zwei der schönsten
Lovestories, die ich seit längerem gesehen habe. John Turturro und Walken zeigen ihr ganzes Können.
Wie sie mit ganz kleinen Gesten eine so zutiefst sanfte und zärtliche Liebe zwischen zwei älteren Männern zeichnen, ist schon echte Kunst. Überhaupt Turturro ist in der Staffel so gut, in seiner Verletzlichkeit, aber auch seiner Verzweiflung und Wut. Eine andere Meisterhafte Szene, als Irving beim Abendessen den Grund erfährt,
warum Burt überhaupt den Severance-Prozess durchlief. Damit sein Partner wenigstens eine Chacne hat, dass Burts Innie ihn in den Himmel begleitet - so genial. Das sagt mit ganz wenig so viel über diese Figur aus. Einfach nur Writing at its best.
Und wie cool war Miss Huang, bitte? Dieses ständige Irritation, wenn sie auftauchte bei allen. Aber auch sie hat ne so geile Entwicklung durchgemacht. Vom reinen absurden Gimmick, zur mysteriösen Figur, von der man mehr wissen will.
Mit ihrem Ringspiel, ihr Duell mit Milchick, als sie sich bei Dylan plötzlich entschuldig.
Und sowieso der heimliche Star dieser Season: Mr. Milchick. Überraschend, widersprüchlich, tiefsinnig, ultrakomisch, aber auch beängstigend und tragisch zugleich.
Wie sie, ohne es einmal klar auszusprechen, das Thema Rassismus einbauen. Die Szene, als er versucht, mit Natalie darüber zu sprechen, und sie ihn auflaufen lässt. Und überhaupt, wie die Spannung ihm immer mehr zunimmt, gegenüber seinen Autoritäten. Das Bewertungsgespräch mit Mr. Drummond und seine Reaktion darauf. Die Spiegelszene, wo er übt, mit weniger Worten zu sprechen - da läuft einem ein Schauer durch den Rücken. Überhaupt, wie es ihm gelingt, beinahe nahtlos zwischen diesen komplett widersprechenden Stimmungen witzig, "der Kasperle" - verunsichert - wütend - bedrohlich, psychopathisch - manipulativ - hin und herzuwechseln ist ne Meisterleistung
Was man der Serie auch anmerkt. Hier hatte man von Beginn weg eine klare Vorstellung, wo die Reise hingeht. Der zweiten Staffel gelingt es erstaunlich gut, das Mysterium um Looman und was da eigentlich passiert, immer ein Stückchen mehr zu lüften. Und vor allem, enttäuscht nicht, was zutage tritt. Denn auch das ist megaspannend und erschütternd.
Zwei Kleinigkeiten, die mich leicht gestört haben:
Die Outdoor-Folge:
Hier fehlte mir völlig das Staunen der Innies über die Welt um sie herum. Ich meine, sie sind draussen! Sie sehen, fühlen Schnee! Mark hat zum ersten Mal Sex. Aber es kommt gar nicht rüber, als wär das alles ne besondere Erfahrung für sie.
Mark vs. Mrs. Cobel:
In der letzten Folge, als Mrs. Cobel Innie-Mark schliesslich überzeugt, ihnen zu helfen, hätte ich es noch überzeugender gefunden, wenn sie ihn auf seine Mittäterschaft hingewiesen hätte. Ich meine, er ist ja ein Rädchen in dem Getriebe, das Gemma foltert. Mit jedem Mal, wenn er ohne Widerstand zu leisten, wieder ein File beendet, geht ihr Martyrium weiter. Klar, weiss er das nicht, er befolgt nur Befehle. Aber ich denke, das hätte ein starker Moment sein können.