Story L - Handyverbot?!

Clive77

Serial Watcher
Teammitglied
„Das kann nicht dein Ernst sein!“, schreie ich meine Mum fast an, „Einen ganzen Monat!“
Ich könnte ausrasten. Okay, ich tue es, aber ich habe halt einfach recht. Wie soll ich einen Monat ohne mein Handy auskommen? Wie? Verzweifelt renne ich in mein Zimmer, ich will sie nicht mehr sehen. Ich kann meiner Freundin nicht einmal Bescheid geben!
Ich werde völlig ausgeschlossen enden. Keiner wird mehr etwas mit mir machen, keiner wird mich mögen, keiner. Wie kann sie mir das antun? Ich schmeiße mich auf mein Bett und schluchze leise in mein Kissen. Ich kann nicht einmal mehr Instagram Storys hochladen, die werden alle denken ich mache nichts mehr!
Wieso muss genau meine Mum so ungerecht sein? Und mein Dad tut nichts dagegen, dabei hängt er selbst ständig am Handy. Ich verstehe es einfach nicht.
Aber irgendwie muss ich meiner Freundin Bescheid geben! Sonst denkt sie ja, dass sie mich erreicht. Ich schleiche mich schnell aus meinem Zimmer und werfe mir wütend eine Jacke über. Meine Eltern bemerken mich glücklicherweise nicht. Leise schließe ich die Haustüre hinter mir und lasse die Stimmen meiner Eltern zurück.
Ich gehe die Straße lang, über die Brücke und komme schließlich in das Viertel meiner Freundin. Die Sonne scheint auf mich herunter, als ich ihr Haus erreiche. Ich höre ihre Stimme über das Fenster.
Es ist das erste Mal, dass sie nicht schon sehnsüchtig vor der Haustür auf mich wartet. Es ist das erste Mal ohne spontane Handyverabredung und das nur wegen meinen Eltern! Ich will schon fast auf die Klingel drücken, ziehe meine Hand aber abrupt zurück, als ich meinen Namen höre. Ich verfalle in eine Starre und beginne zu lauschen. Es ist hinterhältig, aber wir können über alles reden. Sie wird es schon verstehen.
„Und dann hat sie sich mega gefreut, wegen so einer kleinen Sache, pah! Die ist ja so kindisch, als wären wir noch zehn.“, höre ich sie lästern. Über mich!
Mehr will ich nicht hören. Ich renne weg und setze mich in das erste Café, das ich sehe und setzte mich in die hinterste Ecke. Die Tränen rennen mir abermals über die Wangen und ich mache mich ganz klein, als der Kellner mir meinen heißen Kakao bringt. Was soll das? Ich habe mich doch nur gefreut, dass wir in den Zoo gehen am Wandertag. Was findet sie daran so schlimm. Wieso hintergeht sie mich? Sie fand es doch auch gut! Minutenlang schluchze ich vor mich hin.
Dann beginne ich zu überlegen. Hätte ich kein Handyverbot, hätte ich das nie erfahren. Dann hätte sie mich immer weiter angelogen, oder? Und ich dachte sie wäre meine beste Freundin. Will ich noch mit ihr reden? Schreiben kann ich ja auch nicht mehr. Ich schürfe traurig meinen heißen Kakao und bade im Selbstmitleid bis ich ihn sehe. Meinen Schwarm. Wobei, das ist nicht ganz richtig. Ich finde ihn sehr hübsch, aber kennen tue ich ihn nicht wirklich.
Traurig schaue ich ihn an. Über ihn hat sie auch mal gelacht. „Den Schlappschwanz magst du?“, hatte sie gefragt. Ich sehe wie er an meinem Tisch vorbeigeht. Anscheinend zum Klo, der Ausschilderung nach. Ich glaube er ist sogar relativ beliebt bei seiner Skater Gruppe, aber in der Schule eben nicht. Seine braunen Haare fallen ihm ein bisschen über seine blauen Augen, was mich lächeln lässt. Denn er lächelt auch. Dann sehe ich wie er auf mich zukommt. Ist heute mein Pechtag oder doch Glückstag, denke ich verträumt. Denn meine Gefühle fahren nach Achterbahn, als er mich anspricht.
 

Jizzle

Member
Mir gefällt der Effekt, der durch den Bewusstseinsstrom entsteht. Man ist direkt bei der Hauptfigur und dies empfinde ich als sehr gelungen.

Allerdings passiert mir in der Geschichte zu wenig. Die gesellschaftskritischen Ansätze sind gut, aber die Geschichte endet für mich bevor sie richtig anfängt. Viel mehr Stoff wäre möglich gewesen. Ich will mehr!!!

Aber das Thema gefällt mir. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie gerade einer meiner Schülerinnen spricht. Chapeau für diesen Effekt :smile:
 
Zuletzt bearbeitet:

Mr.Anderson

Kleriker
Sehr gut gefiel mir, wie gut du den Leser in die Gedankenwelt der Schülerin hineinversetzt. Allerdings passiert mir in der Geschichte auch zu wenig.
 

Tyler Durden

Weltraumaffe
Teammitglied
Die Geschichte lässt sich flüssig lesen. Hätte ruhig etwas länger sein können, aber ich fand sie auch so recht unterhaltsam.
 
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