Story LII - Rosa Schmetterling

Clive77

Serial Watcher
Teammitglied
Es regnete. Klischeehaft prasselten die Tropfen auf mich nieder. Ich hatte keinen Schirm dabei - schien vor ein paar Stunden immerhin noch die Sonne - und es fehlte mir an Lust und Motivation meinen Körper Richtung Schutz zu bewegen. Fast apathisch blieb ich auf der Bank sitzen und falls Tränen fließen mochten, konnte ich diese selbst nicht mehr spüren.
Ja, wie so ein beschissenes Klischee aus Büchern und Filmen saß ich in mich eingesunken da. Wegen des Regens hatten alle den Park fluchtartig verlassen. Wenn mich Jemand so sehen könnte, würde man mich bloß mitleidig oder ängstlich betrachten.
Doch ich wusste es besser. Wären wir in einem Film, würde es schneien. Flocken würden mein dunkles Haar befeuchten. Es würde alles in leise Kälte getaucht werden. Bewegung würde schwerfallen und mein Puls immer langsamer werden.
Wäre dies hier wirklich ein Klischee, würde ich sanft erfrieren, gepackt von der kalten Hand die mein Herz umschließt. Würde zugeschneit werden, bis ich vollkommen unter dem weiß verschwunden wäre. Doch es regnete. Es war nass. Es war kühl. Ich erfror nur nicht. Irgendwann würde wieder die Sonne scheinen, immerhin hatten wir Hochsommer. Und das machte mich verdammt nochmal wütend.
Ein einzelner rosa Schmetterling flog wie immer durch meine Gedanken. Manchmal wurden es mehr. So viele von Ihnen. Alles drehte sich in meinem Kopf.
Ich kotzte in die Mülltonne neben der Bank. Schnell vermischte sich der Inhalt meines Frühstücks mit Regenwasser, wurde zu einer unappetitlichen Grütze aus grün, blau und gelb.
Der Geruch stieg in die Nase, reizte meinen Magen bloß noch mehr. Ich übergab mich erneut, solange bis es nur noch ein Husten, ein Röcheln war, weil es schon längst nichts mehr zum Entleeren gab.
Ätzender, beißender Geschmack von Alkohol und Magensäure blieb in meinem Mund kleben. Ich wünschte mir Wasser, um den Geschmack wegzuspülen. Ich wünschte mir Wodka, um die Schneeflocken runterzuspülen. Ich wünschte mir Spiritus, um den Schmetterling brennen zu lassen. Doch weder würde bei dem Wetter etwas brennen, noch hatte ich Wodka zur Hand. Auf die Idee, das Regenwasser zu missbrauchen, kam ich nicht.
Noch schwer atmend stützte ich mich eine Weile an dem roten Metall der Tonne ab. Die durchnässten Klamotten drückten mich herab, erschwerten mir das Aufrichten unnötig. So langsam bildete sich der Gedanke, doch vor den ständig trommelnden Tropfen fliehen zu wollen, zurück in die Sicherheit der eigenen vier Wände.
Einen Zombie imitierend löste ich meinen Griff vom Mülleimer. Ich schwankte in dem Tempo einer Schnecke fort, wandelte als Toter durch den Park, hin zu meiner Wohnung.
Wieder blieb mein Körper stehen, tat was er wollte, gelähmt stand ich da.
Langsam ließ der Regen nach, Wolken würden aufbrechen, Sonnenschein kämpfte sich mit aller Kraft hindurch. Die Wolken hatten keine Chance, waren bloß ein Spielball des Windes und lösten sich schnell auf.
*​
„Lass die Sonne doch in dein Herz!“, unweigerlich schaute er grimmig drein. Sonne. Lächeln. Freude. Es widerte ihn an.
„Ey, ich sagte Sonne und kein Gewitter!“, ihre Stimme war glockenhell, klar und wie die Sonnenstrahlen, die sich einen Weg durch eine Wolkendecke bahnten, drang sie durch die Ritzen seiner Mauern.
Er wusste genau, selbst wenn er sich wehrte, am Ende gewann sie. Sie gewann immer. Also lächelte er ihr zuliebe. Zwar gezwungen, aber er lächelte. Ihr reichte das. Und es folgte das entwaffnende Strahlen ihrerseits. Plötzlich fühlte es sich nicht mehr so schlimm an zu Lächeln.

Frech streckte sie ihm die Zunge entgegen. „Du weißt doch genau...!“
*​
Mein Erbrochenes landete im grün des Parks – hatte ich mich nicht vorhin schon übergeben? - mitten auf der Wiese auf der normalerweise Kinder spielten und Leute picknickten. Eine Art Schamgefühl machte sich in mir breit.
Wie pathetisch ich doch war und ausschließlich in Selbstmitleid badete. Ich schrie. Alles raus, einfach alles raus.
Die rosa Schmetterlinge verließen meinen Mund. Ich hörte kein Schreien, aber unzählige flatternde Biester flogen durch meine Eingeweide, legten Staub in meiner Mundhöhle ab, um an die Freiheit zu gelangen.
Freude und Entsetzen vermischten sich miteinander. Ich wollte sie loswerden, nicht mehr von ihnen verfolgt und festgehalten werden, gleichzeitig hatte ich Angst, was es bedeutete, wenn sie verschwanden.
Abrupt schloss ich meinen Mund, versiegelte ihn mit meinen Händen, während ich spürte, wie sie zu entkommen versuchten. Ich durfte sie nicht verlieren.
Ich weiß nicht, wie ich nach Hause kam. Irgendwie trugen meine Beine mich von selbst. Der Körper bewegte sich autonom, getrennt von meinen Gedanken. Meine Hände griffen in meinen Parker, zogen die Schlüssel heraus, öffneten die Tür. Mein Körper hievte sich gegen die blaue Tür, öffnete sie. Eigentlich wollte ich stehen bleiben, doch keine meiner Glieder gehorchte mir. Meine Füße trugen mich in den zweiten Stock. Das Treppenhaus war schmutzig wie eh und je. Putz bröckelte von der Wand und ein paar Bilder, die vor Ewigkeiten zur Verschönerung aufgehängt wurden, waren komplett vergilbt.
*​
Schneeflocken umkreisten ihn. Er beobachtete, wie sie sich in den Schnee fallen ließ, einen Engel nachahmte. Ein Lächeln lag auf seinem Gesicht und bei jedem Atemzug bildeten sich kleine Wölkchen, die in die Nachtluft entschwanden. Seine Hände vergrub er in seinem Mantel, die Handschuhe hatte er nicht dabei.
„Komm zu mir, flieg mit mir“, schnitt ihre Stimme in die Stille hinein. Er schüttelte bloß den Kopf.
„Ich kann deinem Tempo doch eh nicht folgen. Du fliegst zu schnell. Da schau ich von hier unten lieber zu“, selbst seine Augen schmunzelten sanft bei den
Worten, „außerdem ist es mir zu kalt im Schnee. Das weißt du doch ganz genau.“
„Man kann es ja doch trotzdem versuchen“, eine gespielte Trauer lag auf ihrem Gesicht. , „aber dann fliege ich halt wieder allein, rette allein die Welt...“ Es sollte Mitleid in ihm wecken. Erfolgreich.
Gespielt seufzte er, bevor er sich, nicht unfreiwillig, in Bewegung setzte und seinen Körper neben den ihrigen in den Schnee legte. Weiß legte sich auf seine Klamotten, durchnässte seine Mütze. Feuchtigkeit drang an seine Ohrläppchen und er wusste binnen Sekunden, würden sie rot leuchten.
Während er seine Gliedmaßen bewegte, um einen Schneeengel zu formen, hörte man nur das Knirschen des Schnees. Seine und ihre Bewegungen drangen durch die heilige Stille der Nacht. Obwohl sein Körper durch die Temperaturen fror, breitete sich eine angenehme Wärme aus seinem Herzen heraus aus und während er gemeinsam mit ihr über die Stadt flog, das Lichtermeer der Häuser genoss, konnte er das Lächeln kaum unterdrücken.
Selten hatte er sich so gefühlt, doch wenn sie an seiner Seite war, fühlte sich jeder Tag an wie ein Geschenk.

Seine Schwingen öffneten sich, beschleunigten, sodass er ihr näher kommen konnte, sie umschlingen und seine Lippen…

Meine Wohnung stank. Wahrscheinlich wurde sie schon seit Tagen nicht mehr gelüftet. Wann war ich zuletzt hier?
Gedankenfetzen, die kaum zuzuordnen waren, überlagerten meinen Kopf.
Gestern, heute, morgen.
Es fiel mir schwer zu verstehen, wann ich nun war.
So sinnlos.
Wozu quälte ich mich eigentlich noch hier?
Ein Gefühl rauschte hoch, überwältigte mich. Ach ja. Deswegen. Ich wartete. Wartete auf meinen Schmetterling.
Meine Schwester sagte immer, ich solle einfach mal fröhlich sein. Aber wie sollte ich fröhlich sein, wenn mein Leben so beschissen war, während irgendwo tief in mir die Hoffnung ruhte, dass es besser sein könnte? Nur wurde es nie besser.
Ich ließ mich auf das Sofa fallen, versuchte meine verkrampften Muskeln zu entspannen. Nur einzeln kamen ein paar Fetzen von Sonnenstrahlen durch die Gardinen herein, sonst gab es keine Lichtquelle. An der Decke hingen noch die Kabel, die Lampe stand an irgendeiner Ecke. Ich konnte nicht einmal sagen in welcher. Ich konnte überhaupt nicht sagen, welche Möbel ich besaß, außer denen in meinem Blickfeld. Es war scheiß egal, wohin ich schaute. Überall war der rosa Schmetterling. Und wenn ich den aus dem Blick verlöre, wäre es, als würde sie nicht existieren.
Fast automatisch griffen meine Hände nach der Flasche neben dem Sofa. Nur noch ein paar Restschlucke waren übrig von der öligen, durchsichtigen Flüssigkeit. Schon alleine der Geruch ließ mir den Magen erneut umdrehen, trotzdem nahm ich einen Schluck nach dem Nächsten, bis die Flasche leer war. Ich wollte in den wohlverdienten Schlaf fallen. Den traumlosen, komatösen Schlaf.
Es dauerte, aber es wurde warm. Ich steckte in Watte, alles entspannte sich. Meine Beine entspannten sich, die Arme, selbst die Couch wurde weicher. Die Decke, die ich am Kopfende fand, zog ich mir über. Schloss die Augen.
Faszinierend, wie schwer es mir fiel einen klaren Gedanken zu fassen und gleichzeitig wünschte ich mir, nicht denken zu müssen. Die einzelnen Schmetterlinge in meinem Kopf setzten sich zu einem Kaleidoskop zusammen. Ein grausames, rosa Kaleidoskop. Es verhieß bessere Zeiten, lullte einen ein, ließ das Herz verkrampfen.
Die Flasche zersplitterte nicht, als sie die Decke traf. In Filmen hätte es funktioniert und Glassplitter wären auf mich herabgeregnet, so aber hörte man nur ein dumpfes Geräusch und vollständig wie sie war, landete sie auf dem Boden neben dem Sofa. Ich schloss wieder die Augen. Versuchte die Bilder zu vergessen.
Es dauerte lange, bis ich endlich eingeschlafen war.
Am nächsten Morgen begrüßte mich wie jeden Tag ein pelziger und widerwärtiger Geschmack auf der Zunge, begleitet von Kopfschmerzen. Höllischen Kopfschmerzen.
Durch das geschlossene Fenster hörte man den Müllwagen, was mich wohl geweckt hatte, denn als ich auf den Wecker schaute, war es erst sechs Uhr morgens. Noch etwa zwei Stunden hatte ich Zeit, um aufzustehen, vielleicht etwas zu essen. Ich drehte mich einfach um, deckte mich vollständig zu, bis ich kaum noch Luft bekam, um mich vor der Helligkeit und dem Lärm zu verstecken. Bei jedem Piepen des großen Wagens stach mir ein Messer in den Kopf, ein Sägemesser, fest und gezielt. Das Kissen sollte die zweite Schutzmauer bilden, es half nur leider gar nicht.
Eine Weile blieb ich so liegen, versuchte noch einmal in die angenehme Schwärze zu fallen, scheiterte an dem Versuch. Der Schmetterling hinderte mich daran. Gefühlte hundert Umdrehungen später gab ich mich geschlagen, schaute mich halb abwesend im Zimmer um.
Die Flasche lag noch immer auf dem Boden, eine kleine Pfütze hatte sich unter ihr gebildet. Auf dem Tisch in der Ecke lag nicht mehr frisch aussehendes Obst, um das sich einige Fliegen zu streiten schienen. Dabei war doch genug für alle da? Daneben stand noch geöffnet eine Packung Milch, keine Ahnung ob es noch einen Inhalt gab, würde aber zusammen mit dem Obst den süßlichen Geruch erklären.
Ich würde lüften und aufräumen müssen. Wahrscheinlich auch mich waschen und rasieren, wie meine rechte Hand ertasten konnte. Und noch während ich das dachte, vergaß ich die Hälfte wieder. Mein Magen lenkte den Blick auf den summenden Kühlschrank.
Ächzend hievte ich mich hoch, kämpfte gegen die Schwerkraft an. Jeder Zentimeter Bewegung schmerzte, der Magen rebellierte immer stärker. Es stellte einen großen Kraftakt dar, die weiße Tür zu öffnen, um an den Inhalt zu gelangen. Gestank kam mir entgegen. Wahrscheinlich hatte ich den Kühlschrank schon seit Wochen nicht mehr geöffnet. Ich ernährte mich fast ausschließlich von Fastfood und Alkohol, seit ich an sie dachte. Ich verrottete von innen.
Meine Nase ertrug die Geruchsschwaden nicht mehr, also schloss ich die Tür. In einer der Kisten neben dem Bett kramte ich ein kariertes Hemd heraus, tauschte es mit meinem grünen Pullover aus. Nach ein paar Minuten fand ich sogar eine saubere Unterhose.
Ich merkte, wie der Schmetterling erwachte und an meiner Schädeldecke kratzte.
Als nächstes hob ich die umgeworfene Flasche vom Boden auf, trank die letzten Schlucke der brennenden Flüssigkeit, bis kein Tropfen mehr übrigblieb.
*
Kinder lachten, spielten in ihrem gemeinsamen Garten, während er am Grill stand, sich mit gesichtslosen Menschen unterhielt, ganz natürlich, selbstverständlich.
Er lachte, lugte immer wieder zu ihr hin.
„Ist das Essen bald fertig?“, sanft umarmte sie ihn von hinten.

Ihr goldenes Haar hatte sie wieder mit ihrer Lieblingsspange zurück gebunden, einem rosa Schmetterling. Es schimmerte in der Sonne, blendete ihn. Alles war zu hell, aber langsam gewöhnte er sich an das Licht in seinem Leben.
*
Ich stockte kurz.
Hatte ich die Flasche nicht gestern schon leer getrunken?
Träume und Visionen eines schöneren Lebens verfolgten mich und ich hasste die Sehnsucht, die sie in mir auslösten.
Alkohol, du süßer Alkohol.
Ich wollte, dass der rosa Schmetterling verschwand, wollte ihn aber doch immer im Blick behalten. Dieses wunderschöne Geschöpf rückte in den Hintergrund, schwirrte nicht mehr um meinen Kopf herum.
Ich verließ meine Wohnung auf dem Weg zur Arbeit. Nicht ahnend, dass ich Sie unterwegs endlich kennenlernen würde.
 

Rantman

Formerly known as Wurzelgnom
Ich mag den emotionalen Schreibstil und finde es super, dass man hier selbst mitdenken muss. Dass man beim ersten Lesen nicht sofort checkt, was jetzt eigentlich los ist. Dass die Szenen keine Erinnerungen an vergangene Momente sind.
Wenn eine Geschichte es schafft, dass man über sie nachdenkt, hat sie eine Menge richtig gemacht.
Kann mir aber auch vorstellen, dass die Geschichte bei vielen nur Fragezeichen auslösen wird. Dass man unterschiedliche Dinge interpretieren kann. Und das wiederum Diskussionen auslöst. Und das finde ich toll.
 

Jizzle

Well-Known Member
Also der Schreibstil und die Inszenierung sind großartig. Auch die Wortwahl ist imposant. Ich könnte so etwas nie schreiben. Chapeau!

Außerdem hätte ich nie gedacht, dass "Schlucke" der Plural des gesuchten Wortrs sein könnte. Ich würde immer "Schlücke" sagen. Kann das bitte jemand recherchieren?

Inhaltlich hat mich das ganze leider nicht abgeholt. Es passiert in meiner Interpretation zu wenig. Vielleicht kann die Schöpferin und der Schöpfer mich belehren, falls hier doch mehr dahinter steckt als depressiver Mensch, der sich später neu verliebt. Wenn dem so ist: Schönes Design, aber mir persönlich reicht die Funktionalität nicht.

Thematisch sind die Farben für mich nur Füllelemente. Ich erkenne die Bedeutungen kaum. Könnte der Schmetterling nicht jede Farbe haben?

Also hier ist, was die Technik anbelangt, eine Könnerin oder ein Könner am Werk. Das sollte am Ende der Kritik hängen bleiben!
Aber für mich persönlich passiert viel zu wenig!
 

Rantman

Formerly known as Wurzelgnom
Vielleicht kann die Schöpferin und der Schöpfer mich belehren, falls hier doch mehr dahinter steckt als depressiver Mensch, der sich später neu verliebt. Wenn dem so ist: Schönes Design, aber mir persönlich reicht die Funktionalität nicht.

Thematisch sind die Farben für mich nur Füllelemente. Ich erkenne die Bedeutungen kaum. Könnte der Schmetterling nicht jede Farbe haben?
Ich interpretier das in der Tat anders.

Im Text heißt es, Träume und Visionen plagen den Protagonisten. Die Szenen mit der Frau sind also keine Erinnerungen an die Ex, sondern womöglich Visionen der Zukunft.
Die Person schnallt das natürlich nicht, seherische fähigkeiten zu haben und wird von diesen Fähigkeiten verfolgt. Sieht immerzu eine andere Version von sich, die glücklich ist, während er es halt nicht ist.
Der Rosa Schmetterling, der ihn verfolgt, ist eine Metapher auf die Frau (mit rosaner Brosche im Haar).
Egal wo er ist, er muss immer an die Person denken, die nur in seinem Kopf existiert.
Und das Ende sagt uns, dass er sie nun endlich wirklich treffen wird und seine Visionen wahr werden.
Im Grunde ist das also ein klein bischen Fantasy.
Zumindest in meiner Interpretation :shrug:
 

Tyler Durden

Weltraumaffe
Teammitglied
Die Geschichte ist echt gut geschrieben. Mir gefällt auch der Kontrast zwischen den depressiven und den kitschigen Passagen, wobei die depressiven fast schon zu depressiv sind ("Ich kotzte in den Mülleimer") und die kitschigen eigentlich zu kitschig für meinen Geschmack. Aber man merkt, dass die Autorin oder der Autor mit Worten umgehen kann und ein gutes Rhythmus-Gefühl hat.
Hier und da haben sich ein paar kleinere Fehler eingeschlichen, die meinen Lesefluss minimal gestört haben, aber es hält sich zum Glück in Grenzen. Nur würde ich unbedingt "Parker" in "Parka" umändern :wink:

Bin mir auch nicht sicher, welche Frau mit "sie" im letzten Satz gemeint ist. Sind die markierten Passagen Flashbacks oder Flash Forwards? Ich tendiere zum Letzeren.
Unter dem Strich: Daumen hoch.
 

Clive77

Serial Watcher
Teammitglied
Ich interpretiere es auch so, wie Rantman im Spoiler schreibt. Eine andere "Lösung" sehe ich auch erstmal nicht, wobei der Autor oder die Autorin gerne nach Ablauf des Wettbewerbs noch ausführen kann, ob das richtig ist.
Der Schreibstil ist wirklich sehr gut und ich konnte mich auch verdammt gut in den Protagonisten hineinversetzen und war gespannt, worauf es hinausläuft. Würde meinen, dass mich diese Geschichte auch gut aus den Socken gehauen hat.
 

Sittich

Well-Known Member
Ich interpretiere die blauen Passagen als tatsächliche Einblicke in die Zukunft des Protagonisten. Ich habe sie aber nicht als Visionen verstanden, auch wenn der rosa Schmetterling und das
Träume und Visionen eines schöneren Lebens verfolgten mich und ich hasste die Sehnsucht, die sie in mir auslösten.
natürlich schon dafür sprechen.

Mir hat die Geschichte gut gefallen und ich mag auch die Idee, die Zukunftspassagen in blau zu halten. Damit wird schön die Farbe demonstriert, die in sein Leben kommt, und der schwarz-weiße Rest wirkt umso deprimierender.

Ansonsten schließe ich mich Tyler mit dem hier an.
Die Geschichte ist echt gut geschrieben. Mir gefällt auch der Kontrast zwischen den depressiven und den kitschigen Passagen, wobei die depressiven fast schon zu depressiv sind ("Ich kotzte in den Mülleimer") und die kitschigen eigentlich zu kitschig für meinen Geschmack. Aber man merkt, dass die Autorin oder der Autor mit Worten umgehen kann und ein gutes Rhythmus-Gefühl hat.
 

vampireMiyu

Well-Known Member
Aaalso. In der Geschichte behandele ich mehrere Gedankenspiele - einige davon offensichtlicher, andere weniger offensichtlich, andere wären nur noch reine Interpretationssache.

Insgesamt sind die blauen Stellen Visionen und Träume, die ihn verfolgen, die eine Zukunft darstellen. Da er nicht versteht, dass das seine Zukunft ist, aber versteht wie glücklich er sein könnte, es aber nicht ist, reißen diese Visionen ihn in tiefe Depressionen. Häufig wird der Stellenwert von Hoffnung und der Aussicht auf eine bessere Zukunft als etwas positives in unterschiedlichen Medien dargestellt. Dass es manchmal den umgekehrten Weg gehen kann, und die Hoffnung auf etwas besseres, der Auslöser für Depressionen sein kann, eher nicht. Wenn man sich zu sehr auf ein "was wäre wenn" konzentriert, statt auf die Gegenwart. Oder wenn es egal ist, wie es mir in fünf Jahren geht, weil ich heute nicht sehen kann, bis morgen zu überleben. Da gibt es unterschiedliche Ausprägungen von. Das dann noch gepaart mit Visionen, die einen verfolgen und nicht aufhören, auch wenn man möchte, macht es, denke ich, schwer, ein normales Leben zu führen.
Deswegen: eine bessere Zukunft verspricht nicht, dass es einem in der Gegenwart besser geht, kann, muss aber nicht. Gleichzeitig schwingt ein wenig das "Happy End" mit, weil die Zukunft ja viel schöner aussieht.
Das Ende habe ich dann noch bewusst offen gelassen, da man da noch viel mehr Gedankenspiele rein stecken kann, wenn man mag. Z.B. ob das seine Zukunft ist, oder eine alternative Zukunft. Seine Depressionen und der Alkoholismus sind zum Großteil daraus resultiert, dass er diese Visionen der vermeintlichen Zukunft hat. Ob er die Frau von sich überzeugen kann in seinem Zustand, kann auch eine Frage sein, und damit auch aufwerfen, ob alleine das Wissen über die Zukunft, diese nicht schon verändert (je nachdem in welchem Rahmen man Zukunft versteht :wink: ).

Der Schmetterling hätte in der Theorie natürlich jede Farbe haben können, aber ich mache mir sehr viel Gedanken um Wirkung und wähle fast jeden einzelnen Satz sehr bewusst. Dementsprechend auch über die Farbe des Schmetterlings. Rosa ist eine weiche Farbe, die mit schönen Momenten und Liebe in Verbindung gebracht wird. Es soll einerseits die Frau symbolisieren und damit seine Hoffnung auf ein besseres Leben voll mit dieser Liebe, andererseits den Kontrast zu seiner doch sehr negativen Gedankenwelt darstellen. Ein blauer, grüner oder gelber Schmetterling würde einfach anders wirken und ganz andere Symboliken und Bilder transportieren :smile:

@Sittich Das mit den Farben finde ich eine sehr schöne Interpretation! Muss aber zugeben, dass das ein Fehler meinerseits war, da ich bei der Überarbeitung mit der Gegenwart angefangen hatte und mir dementsprechend alle kursiven Stellen farblich markiert hatte, um nicht zu vergessen, dass diese ebenfalls bearbeitet werden müssen. Sonst hätte ich mich wahrscheinlich für einen anderen Farbton entschieden. Wahrscheinlich einen gut leserlichen rosa Farbton ;D Aber find ich sehr nett die Idee. Vielleicht baue ich das bei einer, nochmal überarbeiteten Version, ein :smile:

@Jizzle Du hattest nicht hier, aber woanders gepostet, ob die Geschichte die gute Verpackung brauchte, da nicht viel passiert, oder ob die einfach gut verpackt war. Möchte da gerne kurz darauf eingehen:
Wieso sollte ich etwas schlechter verpacken, wenn mehr passiert? :biggrin:

Insgesamt nochmal danke an alle, die sich die Zeit genommen haben, die Geschichte zu lesen, und über diese nachzudenken. Ich schreibe schon Ewigkeiten, habe aber Ewigkeiten nichts mehr außerhalb des engen Freundeskreises veröffentlicht. Die Geschichte hier abzuschicken, hat mich doch einiges an Überwindung gekostet, mir aber auch gezeigt, dass es vielleicht gar nicht so schlimm ist. Dafür ein wirklich ernst gemeintest (und mit absicht großgeschriebenes) Danke!
 

Clive77

Serial Watcher
Teammitglied
Die Geschichte hier abzuschicken, hat mich doch einiges an Überwindung gekostet, mir aber auch gezeigt, dass es vielleicht gar nicht so schlimm ist.
Ich glaube, so denken viele zuerst, ehe sie mal hier mitmachen. Und zumindest ich bin immer etwas nervös, wenn irgendwo einer meiner Texte gepostet wird - ganz egal, wie oft ich schon etwas geschrieben habe, sei es nun hier (was ich unbedingt wieder in Angriff nehmen muss, ist schon zu lange her, dass ich teilgenommen habe) oder bei den Serienjunkies, wo ich zu diversen Serien wöchentliche Reviews liefere (und wo man teilweise tatsächlich ein sehr dickes Fell braucht). Aber ganz egal, ob eine Geschichte, ein Review oder sonstwas nun gut aufgenommen wird - wenn man nicht mitmacht, weiß man nie, was einen möglicherweise erwartet hätte und verpasst in jedem Fall die Chance, Erfahrungen zu sammeln - gute wie schlechte.

Würde mich jedenfalls freuen, wenn du auch bei zukünftigen Wettbewerben mitmachst. Wir brauchen ohnehin mehr Teilnehmer und jeder Beitrag bereichert die Auswahl. :smile:
 
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