Story LIII - Ein Hauch von Vanille

Clive77

Serial Watcher
Teammitglied
Sie trug dasselbe Parfüm wie damals bei ihrer ersten gemeinsamen Verabredung. Er konnte sich noch gut an jenen Abend erinnern. Nervös hatte er an ihrem Treffpunkt gewartet, und nach ihr Ausschau gehalten. Und dann, wenige Momente bevor sie sich das erste Mal sahen, drang ihm dieser bezaubernde Duft in die Nase. Eine liebliche Mischung, die ihn sofort an eine Blumenwiese im Frühling denken lies, Jasmin und Lilien mit einer subtilen würzigen Note, ein Hauch von Vanille vielleicht.
Es hätte jeder sein können, aber aus einem Grund, den er selbst nicht erklären konnte, wusste er schon damals, dass dieser Duft zu ihr gehörte. Obwohl sie sich noch niemals zuvor gesehen hatten, war es rückblickend dieser eine Augenblick gewesen, in dem er sich bereits verliebt hatte.
Er drehte sich um, und da stand sie, schüchtern umherblickend, mit langen dunklen Haaren und einer flippigen spitzen Brille mit rotem Rand. Als sich ihre Blicke trafen, hielt sie kurz inne. Die eine Sekunde, in der sie sich einfach nur gegenseitig ansahen, schien sich bis in die Unendlichkeit zu ziehen, aber als sie dann zum ersten Mal lächelte, breitete sich sofort eine wohlige Wärme in seiner Brust aus, wie eine Flut goldenen Lichts, das sämtliche Anspannung und Nervosität aus seinem Körper wusch.
Als Torben ihm ihre Nummer gegeben hatte, war er sich zunächst nicht sicher, ob er sich überhaupt bei ihr melden sollte. Zu diesem Zeitpunkt hatte er gerade eine wenig schöne Trennung hinter sich und das Letzte, wonach ihm der Sinn stand, war eine erneute Beziehung. Doch Torbens Unnachgiebigkeit veranlasste ihn letztendlich doch dazu, sie einfach anzuschreiben. Eine einfache unpersönliche Textnachricht, und der Schuldigkeit war Genüge getan. Eigentlich war er davon ausgegangen, sie würde gar nicht erst reagieren, aber zu seiner Überraschung bekam er kurz darauf eine Antwort und es entstand eine rege Unterhaltung. Sie war eloquent, witzig und konnte ihn mit einfachen Worten fesseln. Es dauerte nicht lange, bis er sie unbedingt persönlich kennenlernen wollte.
In unzähligen Büchern und Filmen herrschte jenes Klischee vor, dass es diesen einen Moment gab, in dem man diese eine bestimmte Person traf, die für einen bestimmt war. Rückblickend war jene erste Begegnung damals aber genau dieser Moment, der ihre Leben unlösbar miteinander verwoben hatte.

Der Geruch ihres Parfüms löste eine Vielzahl von Bildern, Erinnerungen und Gefühlen in ihm aus. Er blieb stehen und wirkte, als hätte er sich plötzlich mitten in der Bewegung in eine Statue verwandelt. Sein Herz raste und unzählige Gedanken jagten durch seinen Schädel.
Er sah zu dem hübschen Mädchen in seinen Armen hinab, das aus großen braunen Augen zu ihm hinaufblickte. Der letzte Schatten ihres eben noch fröhlichen Lächelns lag noch auf ihren Lippen, aber auch wenn sie wohl nicht wusste, was los war, musste sie an seiner Reaktion bemerkt haben, dass irgendetwas nicht stimmte. Sie runzelte die Stirn und legte den Kopf schief.
»Was ist?«, fragte sie.
»Scht«, machte er und wandte den Kopf in alle Richtungen. Das Mädchen schien nicht beunruhigt, aber sichtlich irritiert.
Er atmete tief ein, sog die Luft in seine Lungen als, wolle er jedes einzelne Duftmolekül aus der Luft sammeln. Der Geruch war deutlich und unverkennbar. Sie hatte dieses Parfüm oft getragen, weil sie wusste, wie sehr er es an ihr mochte.
Nun war sie hier, und sie wollte ihn wissen lassen, dass sie hier war.
Seit nun beinahe zwei Jahren hatten sie sich nicht mehr gesehen, und ganz plötzlich war es für ihn, als wäre sie nie fortgewesen.
Die Flut an Emotionen wollte nicht abbrechen und er musste alles Willenskraft aufbringen, um ruhig zu bleiben. Mit einem Mal wurde ihm bewusst, dass er nun wohl schon eine Minute oder länger beinahe völlig regungslos dastand und Löcher in die Luft starrte. Eine Vielzahl von Gedanken rangen in seinem Kopf um die Vorherrschaft. Noch bevor sie hervortrat, konnte er sie im Geiste vor sich sehen. Wie würde er reagieren? Immer wieder hatte der in der Vergangenheit dieses Szenario in seinen Gedanken durchgespielt, hatte sich vorgestellt, was er tun würde, sollte er ihr jemals wieder begegnen, aber nun zeigte sich, das die Wirklichkeit stets anderen Pfaden folgte. Er musste erkennen, dass er trotz allem nicht auf diesen Moment vorbereitet war.
Es durfte gar nicht sein. Sie hätte nicht hier sein können, nicht hier sein dürfen. Es war der falsche Ort, die falsche Zeit.
Dann sah er sie. Sie trug ein sommerliches Kleid, das dem, welches dem ähnelte, welches sie damals getragen hatte, als er sie das letzte Mal gesehen hatte. An jenem Tag, so schrecklich er in seiner Erinnerung auch war, schien die Sonne. Es waren angenehme spätsommerliche Temperaturen, aber nicht zu heiß.
Beinahe wie heute. Obwohl es draußen angenehm warm war, lief es ihm eiskalt dem Rücken hinunter. In dem Augenblick, in dem sie um die Ecke trat, versagte ihm seine Beine den Dienst. Er war außerstande sich zu rühren. Was sollte er tun? Sie ansprechen? Oder vielleicht doch versuchen, die bleierne Schwere in seinen Beinen zu überwinden, um sich dieser Situation zu entziehen? Er wollte auf sie zugehen, er wollte kehrtmachen und so schnell rennen, wie er konnte, und zwar beides gleichzeitig.
»Hallo Schatz.«
Ihre ruhige Stimme riss ihn aus seiner Trance. Das Mädchen in seinem Arm drehte nun ihren Kopf und er spürte, wie sie die Arme hinter seinem Nacken fester zog und sich stärker an ihn drückte. Er mochte sich irren, aber er glaubte, dass es den Atem anhielt.
Er wollte etwas sagen, aber als er den Mund öffnete, kam kein Ton heraus. Sie bemerkte es, schlug den Blick kurz nieder und lächelte.
Sie hatte ein so gewinnendes Lächeln. Vielleicht war es das, weshalb er sich damals in sie verliebt hatte. Doch nun war alles anders.
»Was ... was machst du hier?«, fragte er schließlich, nachdem er endlich seine Stimme wiedergefunden hatte.
Sie kam einen Schritt auf ihn zu. Er blieb stehen.
»Immer wieder habe ich mir vorgestellt, wie es wohl sein würde.«
Sie schob mit einem unsicheren Lächeln auf den Lippen eine herunterhängende Strähne ihres Haares aus dem Gesicht. Eine kurze Woge wohliger Wärme breitete sich in seiner Brust aus, als er daran denken musste, wie er diese kleine Geste unzählige Male an ihr gesehen und geliebt hatte. Aber das war damals, und heute war heute.
Er trat einen Schritt zurück.
Sie kam einen auf sie beide zu.
»Wie hast du uns gefunden?«
Die Worte kamen ihm wie von selbst über die Lippen, ohne dass ihm bewusst war, dass er etwas gesagt hatte. Es war, als hätte jemand anderes an seiner statt gesprochen.
Sie ging nicht auf seine Frage ein, aber er wusste, dass sie ihn gehört hatte. Es war nur ein flüchtiger Moment, ein Ausdruck, der über ihr Gesicht huschte, und dann wieder von ihrem herzhaften Lächeln vertrieben wurde. Dann wich es etwas anderem. Keine Wut, kein Hass, sondern ein zutiefst vorwurfsvoller Blick, der ihn sich fühlen ließ wie ein gescholtenes Kind.
»Wie konntest du nur? Wir sind eine Familie. Wir gehören zusammen. Nur gemeinsam sind wir stark, aber du hast uns auseinandergerissen!«
Sah sich um, ohne genau zu wissen, wonach er gerade Ausschau hielt. Er wollte einfach nur dieser Situation entfliehen.
»Komm her mein Schatz«
Sie breitete ihre Arme aus und sah ihre Tochter strahlend an. Als diese nicht reagierte, nickte sie ihr aufmunternd zu. Das kleine Mädchen warf ihr einen vorsichtigen Blick zu und drückte sich dann enger an ihren Vater. Ihre Umklammerung wurde mit einem Mal so fest, dass er kurz glaubte, keine Luft mehr zu bekommen.
Das Lächeln auf dem Gesicht ihrer Mutter verblasste zunehmend. Sie kniff den Mund zusammen, so dass ihre Lippen nur noch eine schmale weiße Linie bildeten. Ihre Augen verengten sich, als sie ihren Blick wieder auf ihn richtete.
War er anfangs noch beunruhigt, hatte er jetzt regelrecht Angst.
»Du warst das«, sagte sie in einem Tonfall, der ihnen das Blut in den Adern zu gefrieren schien. Ihm lief eine Gänsehaut den Rücken hinab.
»Was hast du ihr angetan? Was hast du ihr gesagt, dass nicht mal ihre eigene Mutter umarmen mag?«
»Ich habe gar nichts getan, das warst du ganz allein.«
Sie verzog das Gesicht, und eine senkrechte scharfe Linie bildete sich zwischen ihren Augenbrauen, die ihr sonst sanftes Gesicht in eine unheimliche Grimasse verwandelte.
»Ich habe immer alles getan, damit es uns gut geht. Ich habe mich aufgeopfert. Und du hast mit deinem Egoismus alles kaputtgemacht. Ich weiß doch, dass du eifersüchtig bist. Du konntest es nie ertragen, dass sie mich mehr liebt als dich. Ich dachte, wir würden für immer zusammen sein. Du und ich, wir sind doch wie geschaffen füreinander. Wieso bist du dann immer gegen mich?«
»Das war ich nie«, sagte er ohne jeden Ausdruck in seiner Stimme.
»Doch, du warst es schon immer. Sie alle waren stets gegen mich. Glaubst du, ich habe nicht bemerkt, wie man hinter meinem Rücken über mich geredet hat? Jeden verdammten Tag musste ich mich gegen diese Heimlichtuereien durchsetzen und sehen, wie man Pläne gegen mich schmiedete. Aber ich hatte immer geglaubt, du würdest auf meiner Seite sein. Weißt du, wie weh es tut, zu erkennen, dass du schon immer zu ihnen gehört hast?«
Er schüttelte den Kopf. Tausend Gedanken kreisten darin, tausend Worte schwirrten umher, aber keines davon wollte ihm über die Lippen kommen. Seine Erinnerungen kreisten um die letzten Jahre, in denen sie diese Unterhaltung immer und immer wieder in allen möglichen Variationen gehalten hatten.
Er wusste nicht, dass sie ein Messer bei sich trug, bis sie es hinter sich hervorzog. Offenbar hatte sie es hinter ihrem Rücken im Gürtel ihres Kleides versteckt.
Plötzlich war es wie damals. In wenigen aufblitzenden Momenten, die alle zusammen kaum mehr als ein Wimpernschlag dauerten, sah er sie vor sich. Über ihn gebeugt mit einem scharfen Küchenmesser in der Hand. Er saß damals in seinem Gartenstuhl und wunderte sich nicht mal als sie plötzlich über ihm stand. Zuerst dachte er allen Ernstes, sie würde sich zu einem Kuss hinabbeugen, wie sie es öfter tat, aber stattdessen spürte er nur einen seltsamen Aufprall, keinen Schmerz. Er hatte in diesem Moment nicht mal registriert, dass sie auf ihn eingestochen hatte. Tatsächlich war er nur überrascht und wunderte sich, was sie da tat. Dann hatte sie das Messer erneut hinabsausen lassen, und erst dann wurde ihm bewusst, dass sie in Begriff war in umzubringen. Was sie letzlich davon abgehalten hatte, ihr vorhaben bis zum bitteren Ende durchzuziehen, konnte er nicht sagen, aber wäre der erste Stich nur einen Zentimeter tiefer gewesen oder zweite ein Stückchen weiter links, hätte er sich darüber nie wieder Gedanken machen müssen.
»Nein Mami, nicht!«, schrie das Mädchen auf und wand sich vor Angst in seinen Armen. Mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen starrte sie nun ihre Mutter an und versuchte weiter von ihr wegzukommen und sich gleichzeitig enger an ihn zu drücken.
»Es ist alles in Ordnung, Schatz«, sagte ihre Mutter leise und streckte beschwichtigend eine Hand aus. Sie versuchte sich unruhig an einem Lächeln, wirkte dadurch aber furchteinflößender als zuvor. Das kleine Mädchen wich wieder vor ihr zurück. Auch sie hatte die Erinnerungen an jenen Tag von vor zwei Jahren lebhaft vor Augen.
Als auf sie beide zutrat, strampelte das Mädchen vor Angst und glitt vom Arm ihres Vaters. Ohne einen Blick zurückzuwerfen, lief sie aus der Küche in das Foyer. Sofort setzte ihre Mutter ihr nach. Dabei schenkte sie ihm keinerlei Beachtung und wäre an ihm vorbeigelaufen, als wäre er gar nicht anwesend.
Er hätte vieles tun können. Es gab einige Möglichkeiten, wie man sich einem Angreifer mit einem Messer gegenüberstellt. Aber im Grunde lief es stets darauf hinaus, dass es schier verrückt war, sich so jemanden entgegenzustellen. Selbst mit entsprechender Ausbildung sollte man jegliche Konfrontation meiden.
Nun hatte er keine Ausbildung für derartige Situationen, aber wenn jemand mit einem Messer in der Hand und Wahnsinn in den Augen hinter der eigenen Tochter her rannte, blieb auch nicht sonderlich viel Zeit zu überlegen.
Er packte seine Frau in dem Moment, als sie an ihm vorbeilaufen wollte. Hätte er sie geschubst, so dass sie an die gegenüberliegende Wand prallte, hätte sie vielleicht das Messer verloren. Auch hätte er sie, allen ethischen Bedenken trotzend, mit einem Faustschlag niederstrecken können.
Aber er tat nichts von dem und packte sie einfach nur an den Schultern und zog sie zu sich heran. Sie reagierte, wie es zu erwarten war, in dem sie nach einem kurzen Moment der Überraschung die Hand mit dem Messer darin hob und zustach. Aus Reflex hob er den Arm, und die Klinge drang zuerst durch sein Hemd, dann durch die Haut. Der Schmerz hielt sich anfangs in Grenzen, aber sofort zog sie es zurück und versuchte es erneut. Da er sich zur Seite drehte, traf sie diesmal seinen Oberarm, und diesmal tat es weh, als das Metall auf den Knochen traf.
Er wandte sich um, wollte nur noch weg. Kaum dass er einen Schritt getan hatte, spüre er die Klinge erneut in sich eindringen. Weißglühender Schmerz breitete sich hinten in seiner Schulter aus und seine Beine gaben unter ihm nach. Gerade als er den nächsten Stich erwartete, ließ sie von ihm ab. Als sie an ihm vorbeirannte, sah er noch, dass sie das Messer nicht mehr bei sich hatte. Im ersten Moment verspürte er Erleichterung. Wenn sie es nicht dabei hatte, hieß es vielleicht, dass sie nicht vor hatte ihrer Tochter etwas zu tun. Dann wurde ihm die Bedeutung dessen erst bewusst. Es steckte noch immer in ihm.
Mit schmerzverzerrtem Gesicht tastete er hinter sich bis zu der Stelle, die heiß in seiner Schulter glühte. Und da spürte er das nun klebrige Metall. Nicht herausziehen dachte er sich, diesen ersten Impuls niederringend.
Der Schrei seiner Tochter riss ihn aus seiner Starre, aber seine Beine waren kraftlos und jeder Versuch sich zu erheben scheiterte. Sein ganzer Körper zitterte und sein Herz raste, aber als seine Frau dann wieder aus dem hinteren Teil des Hauses zurückkehrte, setzte es für mindestens zwei Schläge aus.
Sie hatte ihre gemeinsame Tochter im Arm, bleich vor Entsetzen, und bevor sie sie aus dem Haus und vielleicht auch aus einem Leben trug, warf sie ihm noch einen letzten verächtlichen Blick zu und sagte: »Du wirst sie mir niemals wieder wegnehmen. Niemand kann mich von meinem Kind fernhalten!«
Und dann verschwand sie. Sie hatte das Haus noch gar nicht ganz verlassen, als die ersten Anstrengungen unternahm sich zum Telefon zu schleppen. Sein Mobiltelefon lag auf der Kommode neben der Haustür, aber das Festnetztelefon stand nur wenige Meter weg von ihm in seiner Basis. Vielleicht hatte es nur eine Minute gedauert sich dorthin zu schleppen, möglicherweise war es aber auch eine Stunde. Der Verlauf der Zeit hatte inzwischen seinen ganz eigenen Willen.
Er wählte die Nummer des Notrufs.
 

HurriMcDurr

Well-Known Member
Sauber geschriebener kleiner Einblick in das (gepeinigte) Leben des lyrischen Ichs. Ich mochte den Twist als die Stimmung von himmelhoch jauchzend auf zu Tode betrübt wechselte und wir erfuhren was nach dem Kennenlernen so alles schiefgelaufen ist. Mit dem Ende habe ich kein Problem, das kann man in meinen Augen schon so stehen lassen weils auf ner thematischen Ebene gut passt - kann aber gut verstehen wenn man Probleme damit hat.
Momentan rangiert die Geschichte für mich auf Platz 1/3, mal schauen wies nach den verbleibenden zweien aussieht.
 

CasaPietra

Well-Known Member
Kreativster Ansatz zur Themenstellung und schöne Innensicht. Vermutlich gewollter harter Cut von Einleitung und Ende, für mich jedoch etwas zu abrupt.
 

Rantman

Formerly known as Wurzelgnom
Ich hatte im Diskussionsthread ja geschrieben, dass mir persönlich hier zu wenig konstruktives Feedback gegeben wird. Insofern möchte ich gerne damit anfangen. Ich möchte vorwegnehmen, dass ich niemanden verletzten möchte, sondern gut gemeinte Kritik geben möchte um in Zukunft etwas besser zu machen. Und natürlich alles, was ich schreibe, immer subjektiv ist und meine persönliche Meinung darstellt.
Wer daran kein Interesse hat, kann das auch gern ignorieren.

Für mich sind bei der Bewertung einer Kurzgeschichte folgende Punkte relevant:

- Inhaltliche Umsetzung / Interne Logik
- Idee / Bedeutung & Interpretation
- Sprache / Stil


Inhalt:
Ich bin ja ein großer Freund von Happy Ends und mag keine negativen Enden. Daher ist meine Einschätzung absolut subjektiv. Und mein Geschmack ist bei Mamochan, das Ende gefällt mir nicht. Selbst wenn ich es neutral betrachte, verstehe ich nicht, was das Ende für einen Zweck haben soll. Was die Geschichte letztlich aussagen soll. Es sind zu viele Dinge offen.
Er liegt glücklich auf dem Stuhl und sie messert ihn plötzlich? Warum hat die Frau ihn angegriffen? Warum ist sie wahnsinnig geworden? Die Tochter hat zugesehen und was ist danach passiert? Ging die Mutter einfach weg? Kam sie ins Gefängnis? Irrenanstalt? Warum läuft sie frei rum? Wo sind die beiden gerade? Werden sie seit Jahren von ihr verfolgt? Klar, eine Geschichte kann Fragen offen lassen und der Interpretation des Lesers überlassen. In diesem Fall fehlen mir einfach wichtige Punkte, um die Geschichte glaubhaft zu machen. So, wie es geschrieben ist, passt es für mich nicht zusammen. Es wird mir nicht genug vermittelt, um mitzufiebern. Und das ist ein Problem. Es wird zwar mit Worten beschrieben, wie zum Beispiel die Tochter furchtbare Angst hat. Aber da ich als Leser zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, wieso, kommt die Emotion bei mir nicht an. Ich bin neutraler Zuschauer, statt tief investiert zu sein. Daher nur 3/10

Idee:
Wenn ich die Idee zusammen fasse, komme ich auf:
"Mann lernt Frau kennen. Die will ihn eines Tages umbringen, er überlebt knapp. Zu einem späteren Zeitpunkt jagt die Frau ihn und die gemeinsame Tochter. Er wird erneut angestochen und ruft den Notruf, während die Mutter mit der Tochter abhaut".
Ich mag die Interpretation der Aufgabe, Parfum zu tragen. Leider spielt das in der Geschichte keine Rolle. Wäre es so gewesen, dass er durch den Geruch die Gefahr erkannt hatte und rechtzeitig abgehauen wäre, fände ich das super. So wie es ist, ist für mich die Aufgabe verfehlt. Das Parfum spielt einfach keine Rolle. Dass die Geschichte letztlich einfach darum geht, wie er erstochen wird, erneut, ist für mich auch eher langweilig. Daher nur 2/10

Sprache:
Schwierig. Die Geschichte fängt wunderbar an. Ausschmückend, stilvoll und mitreißend. Der Schreibstil gefällt wirklich gut. Doch irgendwann ändert sich das. Es wirkt eiliger und es treten vermehrt vermeidbare Fehler auf. Wörter fehlen, teilweise sind ganze Nebensätze doppelt:
" Sie trug ein sommerliches Kleid, das dem, welches dem ähnelte, welches sie damals getragen hatte, ..."
Das sind Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten, wenn man seinen eigenen Text überarbeitet. Ich gebe Mr.Anderson recht, es sieht so aus, als wäre da der Abgabetermin näher gerückt und es hat die Zeit gefehlt, den Feinschliff zu machen. Das ist schade, weil zumindest für mich der Lesefluss immer wieder unterbrochen wurde. Normalerweise wäre das für mich 8 oder 9 von 10, jetzt kann ich leider nur 6/10 geben.

Fazit:
11/30 Punkten.
Sprachlich tolle Ansätze, Story nicht mein Geschmack und mit zu vielen offenen Fragen
 

vampireMiyu

Well-Known Member
Als ich die Geschichte angefangen habe, dachte ich relativ schnell, dass das mein Favorit werden könnte. Ich fand den Stil großartig, ich fand die Umsetzung der Idee schön, und es hat mich wirklich interessiert, was hier noch weiter passieren wird.
Leider hat die Qualität des ganzen relativ schnell abgenommen und hinterlässt so den ganz starken Eindruck, dass Jemand keine Zeit mehr hatte nochmal drüber zu lesen und es zu überarbeiten.
Die Story wurde wirr, mir fiel es zumindest noch schwer zu unterscheiden, was seine Erinnerungen waren und was die Gegenwart, wo er ihr begegnet, sodass ich am Ende mit einem ziemlich unbefriedigten Gefühl zurück geblieben bin. Die Fehler sind wirklich störend geworden, wären aber Fehler, die beim korrigieren des Textes recht schnell auffallen würden (und ich sag mal pi mal Daumen, die erste Hälfte hatte diese ganzen Mängel nicht).

Ich würde mich sehr freuen, wenn der Autor diese Geschichte doch nochmal überarbeitet und vielleicht in "vollständig" postet! Weil in meinen Augen hat die wirklich Potential und könnte sehr cool sein! Dass es kein Happy End hat, stört mich jetzt nicht unbedingt, eher im Gegenteil :wink:
 

Tyler Durden

Weltraumaffe
Teammitglied
Stilistisch ist die Geschichte wirklich gut geschrieben und die Grundidee gefällt mir auch. Bin leider auch über einige Tippfehler und fehlende Buchstaben/Wörter gestolpert, aber das wurde hier ja schon genannt und muss nicht weiter vertieft werden.
Mit dem Ende komme ich eigentlich gut klar, nur hätte ich den letzten Satz weggelassen oder einen anderen Satz als Abschluss gewählt.

Alles in Allem ist es für mich eine gute Geschichte mit leichten (Tipp-)Fehlern. Kommt zumindest in die engere Auswahl.
 

Sittich

Well-Known Member
Ich habe es leider nicht geschafft, die Geschichte ein zweites Mal zu lesen, wie ich es bei den anderen Geschichten gemacht habe. Das heißt nicht, dass sie schlecht ist. Aber zum einen finde ich geschilderte Messerattacken persönlich einfach sehr unangenehm und zum anderen bin ich auch kein Fan des Endes. Wobei ich mir bei der Geschichte auch kein Happy Ende vorstellen kann.

Den Bruch nach dem ersten Teil fand ich auch sehr interessant und gelungen. Auch das Thema ist auf mehrere Weisen umgesetzt (Parfüm tragen, Messer bei sich tragen, Kleid tragen, schlussendlich das Kind wegtragen), das gefälllt mir.

Insgesamt war mir die Geschichte einen Hauch zu deprimierend.
 

MamoChan

Well-Known Member
Diese Geschichte ist von mir. Ja, ich steckte unter Zeitdruck und am Ende wurde mir irgendwann bewusst, dass ich es nicht schaffen würde, die Geschichte so fertigzustellen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Eigentlich hätte noch mehr passieren sollen, aber auch mit einer Woche mehr Zeit wäre ich ich wohl nicht dazu gekommen, alles so umzusetzen. Außerdem hatte es irgendwie nicht gepasst. Das Tempo ging flöten. Darum habe ich einen Schnitt gemacht um wenigstens irgendwas abgeben zu können. :smile:
 
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