The Power of the Dog ~ Jane Campion, Cumberbatch, Dunst

Presko

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Ultra-atmosphärischer Teaser zum kommenden Netflix-Western der grossartigen Regisseurin Jane Campion.

Cumberbatch spielt darin einen fiesen Rancher, der ein Auge auf eine Witwe und ihren Sohn geworfen hat und diesen das Leben schwer macht ( so in etwa jedenfalls).


 

Presko

Well-Known Member
Scheint gelungen:
Ist gelungen, würde ich sogar sagen:biggrin:

ich durfte ihn nun am Zürich Filmfestival sehen und fand ich schon recht stark, wenn auch sehr bedrückend.
Vielleicht erst einmal, noch etwas mehr zur Story. Der Film spielt im Montana der 20er Jahre. Die Brüder Phil und George Burbank führen gemeinsam eine grosse Range. Die beiden Brüder sind sich allerdings sehr unterschiedlich. George, der etwas fülligere, freundliche und gebildet wirkeden Mann von Welt, der ständig schön herausgeputzt rumläuft - Phil hingegen ist der harte Hund, der dem Vergangenen nachtrauert, und sich bei der Arbeit die Hände gerne schmutzig macht.
George verliebt sich in die verwitwete Rose und heiratet sie sogleich. Als sie auf die Ranch kommt, verhält sich ihr Phil gegenüber von Beginn weg feindselig. Er geniesst es geradezu, sie psychisch zu drangsalieren. Rose fühlt sich von Phils Anwesenheit zunehmend in die Enge getrieben und flüchtet sich in den Alkohol.
Eines Tages kommt ihr Sohn für ein paar Wochen auf die Ranch. Ihr Sohn, ein schlaksiger, femininer und seiner Welt entrückter Eigenbrötler, der Medizin studiert, passt so überhaupt nicht in die raue Umgebung. Phil und die anderen Cowboys verachten ihn für sein komisches Auftreten. Doch mit der Zeit beginnt Phil ihn unter seine Fittiche zu nehmen.

Man kann den Film womöglich so zusammenfassen: Er ist Jane Campions Abrechnung mit toxischer Männlichkeit.
Wie meistens bei Campion ist auch Power of the Dog wunderschön fotografiert. Herrliche Panoramaaufnahmen, die allerdings, so habe ich gelesen, grösstenteils am Rechner entstanden sind.
Schauspielerisch ist der Film ebenfalls eine Wucht. Cumberbatch mal endlich ohne seine üblichen Manierismen ist eine Wohltat und zeigt hier, was er eigentlich drauf hat, wenn er sich mal richtig freispielt. Dunst, die ich seit einer gefühlte Ewigkeit nicht mehr im Kino gesehen habe, beeindruckt mit einer Zerbrechlichkeit, die einem als Zuschauer regelrecht Schmerzen bereitet. Und Jesse Plemons gut wie immer. Aber mal ehrlich, wo ist der Mann eigentlich hergekommen. Seit ein paar Jahren scheint Plemons mit schlafwandlerischer Souveränität in einem grossartigen Film nach dem anderen eine wichtige Rolle zu ergattern. Also meinen Respekt hat der Mann, und auch sein Agent.
Kodi Smit-McPhee macht seine Sache auch souverän. Sehr zurückhaltend macht er es dem Zuschauer schwer, seine Figur zu lesen.

Die Geschichte entwickelt eine zermürbende Sogkraft. Kein Wohlfühlfilm, insbesondere, weil einem jegliche Sympathiefigur fehlt. Der Zuschauer ist zu seiner Beobachterrolle verdammt und muss hiflos mitansehen, wie das Unheil voranschreitet. Das zerrt auch schon mal an den Nerven, weil man gerne eingreifen würde, es aber eben nicht kann. Das Ende hat mich ein wenig zwiespältig zurückgelassen. Von mir aus hätte der Film noch gut 5 bis 10 Minuten mehr vertragen können.

8.5/10
 

Puni

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Den Film gibt es ja mittlerweile auf Netflix und ich mochte ihn, nur hab ich etwas völlig anderes erwartet. Der Film ist sehr, sehr ruhig, hat kaum Handlung und es wird nicht ein einziges Mal geschossen. Mehr ist es ein stilles "kleines" Drama mit toller Atmosphäre auf engem Raum, das mit einigen wirklich gelungenen Wendungen aufwerten kann. Ich dachte anfangs noch dass ich wüsste worauf es hinaus läuft, aber dem ist ganz und gar nicht so. Die Schauspieler sind wirklich klasse, vor allem Cumberbatch und Dunst, und auch inszenatorisch ist der Film sehr besonders, die Kameraeinstellungen geben viel her und insbesondere der Score unterstreicht alles ganz wunderbar und sorgt für eine seltsame Sogkraft.

Guter Film, bei dem man aber bloß keinen klassischen Western erwarten sollte - dann könnte man nämlich richtig enttäuscht werden.
 

Presko

Well-Known Member
Ja, da bist Du wirklich mit den falschen Erwartungen rangegangen :biggrin:

Wie fandest Du denn das Ende?
Ich bin ja nicht so ein Fan davon, da es mir zu sehr auf diesen nicht allzu überraschenden Twist hin konzpiert ist und dadurch der ganze Film ein wenig rückblickend so wirkt, als sei alles nur daraufhin konstruiert worden. Hat auch damit zu tun, dass es mit der Revelation direkt endet.
 

Puni

Well-Known Member
Also dass Peter Phil umbringen wird war ja schon von Anfang an irgendwie klar durch den Voice-Over, mehr Angst hatte ich die ganze Zeit eher davor, dass Phil der Familie etwas antut. Ich fand den Weg dahin aber recht spannend, vor allem als gegen Ende Phils Homosexualität ans Licht kommt und er sich nicht als Gefahr rausstellt sorgte das für Facetten, die ich so nicht erwartet hätte. Es war am Ende einfach nicht die Rachestory, die ich am Anfang erwartete, und die Charakterwendungen von Phil, Peter und seiner Mutter taten der Geschichte einfach unfassbar gut.
 

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
Hm, mich hat der Film leidet nicht erreicht, allerdings tue ich mich auch immer recht schwer, wenn alle Hauptcharaktere unsympathisch sind und das ganz Erlebnis bedrückend ausfällt. Ich hab mir schon fast gewünscht, dass Thomasin McKenzies Figur involvierter wird, weil sie als einzige ein wenig nett und nahbar wirkte.

Sonst denke ich aber auch, dass der Film ruhig subtiler hätte sein können. Der erste große Twist wird viel zu stark angeteasert und in seiner Bildsprache akzentuiert, dass man schon wirklich hinter'm Mond leben muss, um da überrascht zu sein. Der zweite hingegen verwässert das ganze Geschehen und wäre meiner Meinung nach viel interessanter, wenn wir die Story aus einer anderen Perspektive erlebt hätten.
Insgesamt auch ein eher kaum eleganter Kommentar auf toxische Maskulinität. Benedict schlägt Pferde, duscht nie und lacht über Weicheier, Jesse Plemons und McPhi tragen adrett Kleidung, lesen, fahren Auto, basteln Blumen und sind höflich. Das ist schon ein bisschen sehr platt kontrastiert.

Verstehe auch nach wie vor die Wahl des Filmtitels nicht. Was er bedeutet, ja, aber dennoch unsinnig gewählt. Nichts im Film hat mit Power of the Dog zu tun.
 
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