Three Billboards outside Ebbing, Missouri ~ vom Regisseur von Brügge sehen und sterben [Kritik]

Måbruk

Dungeon Crawler
Wirklich toller Film, absolut schwarzhumorig und dennoch sehr feinfühlig, eindringliche Charaktere, die in den meisten Fällen Grauzonen abdecken, während Stereotypen gekonnt aufs Korn genommen werden. In gewisser Weise schafft es McDonagh dieses schwierige Thema sogar kurzweilig und unterhaltsam rüberzubringen, ohne damit irgendetwas abzuschwächen. Einige Charakterentwicklung sind aber vielleicht etwas zu realitätsfremd. 9/10

Persönlich hoffe ich jedoch, dass Shape of Water den Oscar für den besten Film gewinnt, da ich dort oben Mal einen Genre Film sehen möchte und Del Toro hier eine Vielfalt an Einflüßen meisterhafte miteinander verwoben hat, während Billbords eher die sichere Oscar Schiene fährt.

Bzgl. Bills Suizid muss ich aber sagen, dass diese Message mir doch etwas zu krass rüberkommt. Sind jetzt alle kranken Menschen, die Ihren nahen Verwandten das Leid nicht mit einem Suizid erleichtern, schwache Menschen, die Ihre Verwandten unnötig belasten? Persönlich fand ich diese Message schon sehr krass und wahrscheinlich auch unpassend.
 

Måbruk

Dungeon Crawler
Weiß nicht, wahrscheinlich nicht.
Meinte das auch nicht direkt als Kritik an den Film, aber so kleine, unscheinbare Filme, die grandios und feinfühlige gemacht sind, sind wahrscheinlich eher Oscar konform, als irgendwelche "Fantasy" Streifen. Wenn man sieht, dass Die fabelhafte Welt der Amélie keinen einzigen Preis diesbzgl. absahnen konnte und meiner Meinung nach noch Mal einen Stufe höher anzusiedeln ist, als Shape of Water...
Aber meine Aussage war eher flapsig gemeint. :wink:
 

narn5

Elwood Blues
Gut. sehr gut sogar!
Alle Schauspieler sind sehr gut, bis in die kleinsten Nebenrollen. Starke Bilder zwischen einfacher tristes. Lacher neben Schock. Verständnis bis Unglauben.
Moralisch fragwürdig? ja. Nachvollziehbar? Ja!

Ich bin begeistert.

Wenn man etwas Negatives finden will dann das schlechte CGI Getier und manche überzogene Comedy Nummer die so nicht hätte sein müssen (Krankenhaus)

9/10 Rehen
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Måbruk schrieb:
aber so kleine, unscheinbare Filme, die grandios und feinfühlige gemacht sind, sind wahrscheinlich eher Oscar konform

Aber das ist doch gerade das schöne an den Oscars, dass diese Filme eine große Plattform bekommen. Heißt aber nicht, dass ich THE SHAPE OF WATER nicht dazu zähle.
 

Butch

Well-Known Member
Von 7 Bewertungen 5 mal die 9, einmal 8,5 und einmal 9,5...der kommt ja hier echt gut an. :top:
Sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen, wer den noch nicht gesehen hat, rein da!
 

TheRealFlamel

Well-Known Member
Habe noch keinen Beitrag in diesem Thread gelesen, möchte erst einmal meine Gedanken äussern.
Zuerst, verdammt guter Film. Zieht sich gegen Ende ein klitzeklein wenig aber die Charaktere und deren Entwicklung (vorallem Rockwell liefert hier verdammt gut ab) sind wirklich spannend und packend.

Zum Ende:
Ich hatte mit MissK nach dem Film ein langes "streitgespräch" da sie
das offene Ende scheiße fand, vorallem, dass der typ nicht der Mörder war.

Ich hingegen hab 2 Gedanken. Erstens, ist halt so. Kann ich mit leben dass das nicht der gesuchte vergewaltiger war. So ist das im Leben, nicht alle Morde werden (so schnell und so ZUFÄLLIG aufgeklärt. hier wurde wirklich toll mit der erwartung des Zuschauers gespielt.

Zweitens, er war es doch.
Ich empfand die Szene zwischen Rockwell und dem Polizeichef so komisch gedreht, da stimmte einiges nicht. es klang eher danach, dass der Typ durch irgendetwas geschützt wird.
"wissensie wenn der Obersbefehlshaerguy sagt dass der typ nicht zu dem zeitpunkt im land war, dann ist das so."
Bestimmt ist das ein Kriegsheld oder sonstwas der durch wen geschützt wird. Ansonsten würde es für mich keinen sinn ergeben, dass er in der stadt wo er di etat begannen hat damit in einer Bar prahlt :plemplem:
Auch war die reaktion (die man an der Handgestik des Polizeichef sah) als Rockwell die Marke ablegte komisch. Wirkte so als wolle er ihn wieder einstellen. Aber rockwell der kapierte,
dass der Chef den Mörder deckt bzw aufgrund von Anweisungen nicht weiter verfolgt legt er die Marke ab und denkt sich, das kläre ich selbst.
Welchen Sinn ergab es sonst, dass der Typ in den Laden der Mutter gegangen und ihr gedroht hat? Er war jawohl eindeutig kein Freund von Harrelson UND ZUFÄLLIG ein kriegsheld vergewaltiger.
ne ne.

Meinungen?
 

McKenzie

Unchained
Ich stimme euch beiden zu.

Deine Interpretationen teile ich und finde das so als Ende an sich auch gut. Viele Fälle werden halt nicht aufgelöst, und wenn man unbedingt mag, kann sich auch zusammendenken dass die beiden zu Killern werden und den tatsächlich von der Polizei gedeckten Mörder umnieten. Von der Umsetzung her war mir das Ende aber einfach ein wenig zu abgehackt und unrund.
 

Deathrider

The Dude
Hatte ich vor Trailersichtung im Kino so gar nicht auf dem Schirm, landete aber augenblicklich auf der Must-See-Liste. Kann es kaum erwarten den zu sehen.
 

<Rorschach>

Well-Known Member
McKenzie schrieb:
Ich stimme euch beiden zu.

Deine Interpretationen teile ich und finde das so als Ende an sich auch gut. Viele Fälle werden halt nicht aufgelöst, und wenn man unbedingt mag, kann sich auch zusammendenken dass die beiden zu Killern werden und den tatsächlich von der Polizei gedeckten Mörder umnieten. Von der Umsetzung her war mir das Ende aber einfach ein wenig zu abgehackt und unrund.

Das der Polizeichief den deckt bzw. von "oben" eins auf den Deckel bekam find ich eine Interessante Theorie. Wär mir garnicht aufgefallen. Wobei ich die Handbewegung des Chiefs auch komisch fand. Hab Sie als Filmfehler/geschnittene Szene abgestempelt.
Ich fand das offene Ende aber genau passend, weil der Film genauso schnörkellos aufhört wie er beginnt. Da gibt es kein langes Vorgeplenkel oder ähnliches. Man sieht die Billboards und als nächstes geht die Mutter zur Marketingabteilung der Stadt. Punkt. Und genauso empfand ich das Ende. Klar hätte man nun den Film um noch eine halbe Stunde in die Länge ziehen können, aber für mich hats gereicht.
 

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
Måbruk schrieb:
Wirklich toller Film, absolut schwarzhumorig und dennoch sehr feinfühlig, eindringliche Charaktere, die in den meisten Fällen Grauzonen abdecken, während Stereotypen gekonnt aufs Korn genommen werden. In gewisser Weise schafft es McDonagh dieses schwierige Thema sogar kurzweilig und unterhaltsam rüberzubringen, ohne damit irgendetwas abzuschwächen. Einige Charakterentwicklung sind aber vielleicht etwas zu realitätsfremd. 9/10

Bin ganz deiner Meinung. Man, ist Frances McDormand klasse in diesem Film. Hat mich oft an Clint Eastwood erinnert :ugly:

@Flamel
Ja, ich wär dafür. So ergibt vor allem der komische Besuch bei ihr im Laden Sinn. Anders gäbe es überhaupt keinen Zusammenhang.

Dennoch find ichs durchaus passend, dass nicht konkreter geendet wird. Das ist kein konventioneller Film, also braucht es auch kein gewöhnliches Ende.

Manche stören sich ja daran, dass die Tochter, Dinklage, die schwarze Freundin oder Hawkes jüngere Geliebte nicht näher portraitiert wurden, aber ich finde, darum gings auch gar nicht. Alles dreht sich um die Mutter und Rockwell (bzw Harrelson) und aus deren Sicht sind diese Figuren interessante Tangenten.

Ich gebe auch 9/10 und würd mich freuen, wenn der bei den Oscars was abräumen könnte.
 

Måbruk

Dungeon Crawler
Gegen den Trend zu schwimmen scheint im Trend zu sein...
Jetzt weisst Du, wie ich mich bei Blade Runner 2049 fühle. :wink:
 

McKenzie

Unchained
Ich kann einige deiner Punkte durchaus nachvollziehen. Gerade das aufpoppen von Themen, Figuren und Handlungssträngen, die dann wieder fallengelasen werden führte zu meinem Fazit eines leicht unbefriedigenden Endes. Allerdings überwiegen die positiven Aspekte des Films für mich klarer.
Da mit dem Pulp Fiction -Trittbrettfahrer empfinde ich aber keinesfalls, für mich hat der Film keinerlei Ähnlichkeiten mit Tarantinowerken.
 

Woodstock

Verified Twitter Account ☑️
Ich erkenne mehr Ähnlichkeitein mit den Filmen von Eastwood als mit Tarantino. Um ehrlich zu sein, ich musste bei diesem Film nicht einmal an Tarantino denken.
 

Butch

Well-Known Member
Ne, mit Tarantino hat der Film wirklich nix gemein. Vielleicht der Humor in den Dialogen ein wenig, das wirkte auf mich aber nicht kopiert, die beiden Filmemacher haben halt einen ähnlichen Humor. Mich hat der Film in seiner Art mehr an die Coens errinert.

Ein anderer Punkt den ich in der Kritik nicht verstehe ist, warum kritisiert wird das der Priester der einzige Repräsentant der Kirche oder der Religion ist und nach seiner Szene nie wieder auftaucht. Wieso sollte er? Seine Szene diente doch nur dazu die Hauptfigur weiter zu Charaktarisieren und ihren Standpunkt zum Thema Religion klar zu machen, damit ist das Thema durch und brauch auch nicht weiter vertieft werden. Es hätte natürlich auch so wie in Eastwoods Gran Torino weiter gehen können, das er immer mal wieder auftaucht und versucht die Hauptfigur zurück zur Kirche und zum Glauben zu führen, dabei wären.sicher auch noch ein paar interssante Dialoge entstanden aber hätte der Film das gebraucht? Ich finde es müssen in Filmen nicht immer alle Themen die angeschnitten werden vertieft werden, nur wenn sie wirklich wichtig für die Story oder Charaktere sind.
 

TheGreatGonzo

Not interested in Naval Policy
Ich glaube gemeint ist hier weniger, dass der an Tarantino erinnert, sondern an die Filme, die nach Pulp Fiction versucht haben mit einem nur auf den ersten Blick ähnlichen Stil (aber ohne den Feinsinn) auf der Tarantino-Erfolgswelle mitzureiten. Bei den Coens ist eigentlich ganz ähnlich. Ich finde McDonaghs andere zwei Filme kann man ebenfalls sehr gut in diese Sparte einsortieren, mit dem Unterschied, dass der eine trotzdem sehr gelungen, der andere nahezu unerträglich ist.
 

Woodstock

Verified Twitter Account ☑️
TheGreatGonzo schrieb:
Ich glaube gemeint ist hier weniger, dass der an Tarantino erinnert, sondern an die Filme, die nach Pulp Fiction versucht haben mit einem nur auf den ersten Blick ähnlichen Stil (aber ohne den Feinsinn) auf der Tarantino-Erfolgswelle mitzureiten. Bei den Coens ist eigentlich ganz ähnlich. Ich finde McDonaghs andere zwei Filme kann man ebenfalls sehr gut in diese Sparte einsortieren, mit dem Unterschied, dass der eine trotzdem sehr gelungen, der andere nahezu unerträglich ist.
Kann ich ebenfalls nicht zustimmen.

Ich sehe hier auch keinen Versuch auf der Tarantino-Erfolgsschwelle mitzureiten. Dieser Film hat wesentlich mehr mit Brügge, Gran Torino und True Grit gemein als mit irgeindeinem Tarantino. Ich sehe hier auch keine Ähnlichkeiten im Stil oder sonstige, gewollte Parallelen.

Tarantino guckt selbst ständig woanders ab. Warum der Mann ständig hochgelobt wird, entgeht mir auch die meiste Zeit.
 
Oben