Wir ~ vom Get Out-Macher und mit Lupita Nyong'o [Kritik]

Cimmerier

Active Member
Ist mir erst heute morgen klar geworden. Hab da nie drüber nachgedacht. :biggrin: Gut, ohne den Film zu sehen, kommt man da auch vermutlich nicht drauf.
 

Mr.Anderson

Kleriker
"I don’t see myself casting a white dude as the lead in my movie. Not that I don’t like white dudes. But I've seen that movie. It really is one of the best, greatest pieces of this story, is feeling like we are in this time - a renaissance has happened and proved the myths about representation in the industry are false."

In US Foren streitet man sich gerade darüber ob seine Einstellung rassistisch ist. Kommt für mich ehrlich gesagt auch nicht gerade positiv rüber. Das sollte sich ein weißer Regisseur trauen, zu sagen er würde in seinen Filmen keine Hauptrollen an PoC vergeben. Der Shitstorm wäre perfekt. Könnte nach der Äußerung allerdings gerade auch auf ihn zuschwappen.
 

TheRealNeo

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Wenn man auch alles auf die Goldwaage legen muss.
Wird er schon nicht so gemeint haben...

Naja..
 

TheReelGuy

Well-Known Member
Nur würde die gleiche Aussage aus dem Mund eines weißen Regisseurs auch einfach keinen Sinn machen! Es geht Peele hier sicherlich um die Repräsentation von PoC-Darstellerinnen und Darstellern, die leider in der Vergangenheit nicht so stattgefunden hat, weil Studiobosse argumentierten, dass diese Filme dann nicht funktionieren würden. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Filme wie "Us" oder "Black Panther" an der Kinokasse so gut funktionieren, weil sie zeigen, dass diese Argumentation der Studiobosse falsch ist.

Und nein, diese Aussage ist nicht rassistisch, weil er einerseits unterstreicht, dass er ja nicht gegen "white dudes" und andererseits, weil er schon in anderen Interviews gesagt hat, dass es ihm bei seinen Filmen darum geht, die Filme zu machen, die ihm als kleines Kind gefehlt haben, weil die Repräsentation von PoC in größeren und kleineren Filmen eben nicht gut war. Mir würden auch nicht viele (Horror-)Filme aus den 70ern / 80ern einfallen, die PoC in Hauptrollen hatten und dabei eben nicht nur auf eben diese Publikum zugeschnitten waren.​
 

TheGreatGonzo

Not interested in Naval Policy
Teammitglied
Geht das wieder los... ReelGuy hat eigentlich schon alles gesagt, was dazu zu sagen ist, als kleine Ergänzung: Weiße Regisseure mögen das so, andersrum, vielleicht nicht aussprechen, aber die Realität sieht bei den allermeisten genau so aus. Außerdem: Jordan Peele hat eine weiße Frau und eine weiße Mutter, wie lange will man ihm jetzt wirklich noch "Rassismus gegen Weiße" vorwerfen. :facepalm:
 

McKenzie

Unchained
Wollt auch grad sagen, Peeles Mutter ist weiß, allein damit erübrigt sich der Vorwurf meiner Ansicht nach recht schnell. Ja, "Ich caste keine weißen Hauptdarsteller" klingt rassistisch, aber er erklärt es ja nachvollziehbar.
Witzigerweise meinte meine Freundin nach dem Kinobesuch vorgestern noch, dass es ihr sehr gefallen habe dass bei einem derartigen Genrefilm mal eine schwarze Familie im Mittelpunkt steht. Finde das auch erfrischend. Muss man sich so fix für die Zukunft einschränken wie Peele das tut? Natürlich nicht, in kreativer Hinsicht finde ich die Haltung auch ein wenig diskutabel, aber er sieht sich halt in seiner Position wohl in einer gewissen Bringschuld. So á la er hat die glückliche Position das machen zu können, also macht er es auch.
 

HurriMcDurr

Well-Known Member
@TheReelGuy:
Kann deinem Post fast in Gänze zustimmen, aber den Folgenden Satz muss ich dir trotzdem ankreiden:
TheReelGuy schrieb:
Und nein, diese Aussage ist nicht rassistisch, weil er einerseits unterstreicht, dass er ja nicht gegen "white dudes" [ist.]
Hier zieht nämlich in meinen Augen ausnahmsweise der Heucheleivorwurf, denn ich hoffe doch mal, dass du die Einleitung "Ich habe ja nichts gegen Schwarze..." nicht als Indiz für fehlenden Rassismus des Sprechers heranziehen würdest. :tongue:
 

TheReelGuy

Well-Known Member
Das war tatsächlich sehr unglücklich formuliert. Natürlich sollte das eben nicht die typische „Ich habe auch schwarze Freunde“ in umgekehrt sein. Mir ging es um seine offensichtlich nicht rassistische Intention des gesamten Statements. Danke, dass du das angesprochen hast :top:
 

Mr.Anderson

Kleriker
Danke an alle für die erhellenden Einblicke!

Da kann man mal sehen wie schnell man auch selbst von Social Media in die falsche Richtung gelenkt werden kann.
 

TheGreatGonzo

Not interested in Naval Policy
Teammitglied
Der hat mir sehr gut gefallen. Ich mag es, wenn man aus einem Film kommt und noch ewig darüber sprechen kann und will. Viel von dem was Get Out gut gemacht hat, ist auch hier wiederzufinden: ein inhaltlich extrem dicht geschriebenes erstes Drittel, das einem eigentlich schon alle Hinweise in die Hand gibt, um das Geheimnis der Geschichte im späteren Verlauf des Films zu entschlüsseln, clevere und große Ideen, Humor, und trotzdem könnten die Filme inhaltlich wie stilistisch kaum weiter auseinander liegen. Während Get Out sich klar zu seiner Auflösung hinarbeitet, wo alle Ideen und Themen des Films aufgehen, ist Wir chaotischer, sich seinem Thema gar nicht mehr ganz so klar und wirft zwar mit großen Ideen um sich, greift dann aber gar nicht unbedingt alles auf, oder gibt allem einen zufriedenstellenden Abschluss. Und das ist auch irgendwie gut so. Wir ist kein Film, der sich zurückhält, erst im besten Sinne ausufernd und verrückt. Das heißt andererseits auch, dass man sich nicht zu viele Gedanken über manche Elemente des Films machen sollte. Jordan Peele hat einige Horrorfilme genannt, die er besonders gerne mag, und die er den Darstellern in Vorbereitung zu Wir ans Herz geleget hat, darunter war auch It Follows, der Wir finde ich recht ähnlich ist. Auch da sollte man nicht zu viel über die zentrale Bedrohung des Films nachdenken, die Logik beider Filme ist filmisch, und nicht realistisch. Das heißt, dass nicht alles unbedingt Sinn macht, es sich aber innerhalb des Films richtig anfühlt, Hauptaugenmerk liegt auf den Ideen und der Stimmung. Und wie It Follows, macht Wir das großartig. Peele hat so einen originellen Stil, der zwar Elemente von älteren Werken aufgreift, die verrückten Ideen und gesellschaftlichen und politischen Allegorien der Twilight Zone, das Setting und, noch wichtiger, das Gefühl für Setting eines Alfred Hitchcock (die kalifornische Bay Area war das letzte mal bestimmt bei Die Vögel so unheimlich wie hier) und der Ton und die Ästhetik der 80er, aber sie in so eigenem Gewand neu verpackt, dass man nur seine helle Freude daran haben kann. Jordan Peele ist schon ein sehr aufregender Filmemacher, und gleichzeitig möchte ich wissen, wie er sich weiterentwickelt, vor allem wie viele originelle, eigene Horrorstoffe er noch im Ärmel hat. Ein bisschen schade ist es, dass Wir am Ende etwas sehr in die Expositionsfalle tappt und zu viel zu ausführlich erklärt, wo das Meiste, wenn man aufgepasst hat, sowieso schon mehr oder weniger klar war. Stört angesichts des sonst sehr gelungenen Films nicht besonders, vor allem weil die Schlussaufnahme, wie man im englischen so schön sagt, "one for the Ages" ist. Hab definitiv Lust den Film nochmal zu sehen, ein faszinierender, aufregender Horrorfilm, der länger im Gedächtnis bleiben dürfte.
 

Cimmerier

Active Member
TheGreatGonzo schrieb:
Das heißt, dass nicht alles unbedingt Sinn macht, es sich aber innerhalb des Films richtig anfühlt,
Das ging mir leider gar nicht so. Muss dem Film aber zu Gute halten, dass er mich doch stärker beschäftigt hat, als andere Filme, weil ich irgendwie das Gefühl nicht los geworden bin, mit der falschen Erwartungshaltung ran gegangen zu sein. Die zusätzlich gesammelten Informationen ändern aber leider nicht viel daran, dass mich Wir nicht vollständig überzeugt hat.
 

McKenzie

Unchained
Bei mir schaltete sich bei der Auflösung auch das Hirn dazwischen und meinte so "Ääähm..also ich hab da ein paar brennende Fragen..". Entweder das Ende wird wirklich knochentrocken aufgeklärt, oder es geht mehr in eine ambivalent-verschwurbeltere Richtung, aber meinem Gefühl nach wollte man beides und da spießte sich das irgendwie.
 

Cimmerier

Active Member
Mit Auflösung meinst du vermutlich
die Erklärung für die Tethers und nicht den Platztausch von Adelaide und Red, oder? Letzteres war in meinen Augen eigentlich recht deutlich vorzusehen.
 

TheGreatGonzo

Not interested in Naval Policy
Teammitglied
McKenzie schrieb:
Entweder das Ende wird wirklich knochentrocken aufgeklärt, oder es geht mehr in eine ambivalent-verschwurbeltere Richtung, aber meinem Gefühl nach wollte man beides und da spießte sich das irgendwie.
Ja ich finde auch dass das irgendwie etwas halbgar war, kann mir aber auch vorstellen, dass das auch so ein bisschen das Zugeständnis ans Publikum ist. Wir ist kein Indie/Arthouse etc.-Film, sondern ein relativ großer Studiofilm, der sich an ein Mainstreampublikum richtet. Und ich glaube dafür ist der Film größtenteils schon ziemlich abgefahren und surreal, auch wenn ich finde, dass man da noch hätte weitergehen können (wie beim bereits erwähnten It Follows, dessen Plot-Ungereimtheiten man schnell vergessen kann, weil der Film einfach in einer jugendlichen Märchenwelt spielt). Was arg geschwätzig aufgelöst wird, sind ja nur so Plotsachen, und was Plot-Holprigkeiten angeht, sind mir die meistens egal, wenn der Film gut genug ist, um sie zu überspielen. Rein inhaltlich ist Wir finde ich genau richtig in seiner Ambivalenz, vielschichtig und auf viele Arten lesbar, ohne in so David Lynch-eske Sphären abzudriften, dass man gar nichts mehr verste. Das gefiel mir sehr gut. Für einen Horrorfilm dieser Größenordnung, wo sonst meistens nur auf Geister/Dämonen-Jumpscares geboten werden, fand ichs ziemlich cool, wie "weird" der Film wird, und viel Interpretationsfreiraum er lässt, auch wenn der reine Plot sicher hier und da seine Schwierigkeiten hat und man die Antworten die man da bekommt, nicht zu viel hinterfragen sollte (Genauso Sachen wie: Wo haben die ihre roten Overalls und Scheren her?). Aber wie gesagt, das stört mich selten.
 

TheReelGuy

Well-Known Member
Wenn "Wir" ähnlich in die Popkultur eingeht wie "Get Out", dann kann ich es nicht erwarten, dass bei irgendwelchen Demonstrationen die ersten roten Overalls in Kombination mit goldenen Scheren auftauchen. Ich sehe da ein ähnliches Potenzial wie bei der Guy-Fawkes-Maske aus "V wie Vendetta".​
 

Edward Nygma

ehemals Eric Draven
Ich mach es mal kurz.
Es ist wirklich schon sehr langer her dass ich so einen Schwachsinn gesehen habe :facepalm:
Anfangs noch ok, aber
ab der "Wohnzimmer Familiensitzung" ging es nur noch bergab.
Bitte was sollte sie Szene
Als sich der Vater hüpfend bis ins Boot zurück fallen lässt um dort auf den lächerlichen "Zombie" mit der Leuchtpistole zu schießen :headbash:
Ich könnte hier bestimmt 10 richtig Idiotische Szenen aufzählen :read:

2,5/10
 

Måbruk

Active Member
Oha... was für ein Quatsch.

Das einzigige was diesen Film reizvoll erscheinen lässt ist die gelungene, seltsam mystische Inszenierung. Inhaltlich aber derart unsinnig und leider viel zu überambitioniert, keine Ahunng was ich damit anfangen soll. Für mich war das Ganze plottechnisch dann doch zu gewollt, aber nicht gekonnt. Hoffe dass Peele sich beim nächsten Stoff an eine nachvollziehbare Geschichte hält, seine Inszenierung selbst ist schon einizigartig genug, da muss er nicht auch noch inhaltliche Purzelbäume schlagen. Schade, aber ich habe mich gelangweilt. Ging ja teils auch eher in die Richtung Slasher, damit kann ich ohnehin selten etwas anfangen, schon gar nicht mit Kindern.
 

Beckham23

Active Member
Ich fand den Film und die Idee dahinter ganz gut. Vor allem jagt es mir mehr Angst ein, wenn irgendwelche Typen vor einem Haus rumlungern, als wenn SAWmäßig irgendjemand zersägt wird - das ist einfach nur eklig.

Das Ende war ganz gut, jedoch habe ich einiges nicht verstanden:
1. wurden alle Menschen auf der Welt geklont, oder nur in diesem Ort?
2. wer hat die denn geklont? In der unterirdischen Anlage hat man doch nur die Klone gesehen.
3. was sollte die Menschenkette der Klone am Schluß?

Ach ja, und Luniz´ I got 5 on it mal wieder zu hören, war auch der Hammer - ein Klassiker, wie der Typ im Film gesagt hat!!!

Becks
P.S. der eine Spruch des Hauptdarstellers...
...als die Klone den Zweitschlüssel für das Haus gefunden haben war auch geil: "blöder WEIßER Scheiß" :biggrin:
Schwarze verstecken wohl keine Zweitschlüssel...???
 
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