Zuletzt gelesenes oder gehörtes Buch

TheReelGuy

Well-Known Member
Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues

Ich habe endlich mal einen Klassiker der Weltliteratur nachgeholt und bin wirklich restlos begeistert. Remarque's Schreibstil ist wirklich überraschend modern und die Welt der Schützengräben ist so eindringlich beschrieben, dass man sich nach ein paar Seiten selbst schmutzig fühlt. Die Handlung ist dabei ein Geflecht aus Fronterfahrungen, Besuchen in der Heimat und den Auszeiten in der Reserve, welches einfach unglaublich effektiv ist, um die Erlebnisse greifbar zu machen. Alles in allem bin ich einfach super begeistert wie wirkungsvoll dieser Roman noch immer ist.
 

Tyler Durden

Weltraumaffe
Teammitglied
Ich fand das Buch auch herausragend. Kann dir auch die Fortsetzung "Der Weg zurück" empfehlen.

Ein weiterer großartiger Kriegsroman ist "Die Nackten und die Toten" von Norman Mailer.
 

TheReelGuy

Well-Known Member
Laurent Binet - HHhH (Himmlers Hirn heißt Heydrich)

Ich habe das Buch gerade erst zur Seite gelegt, aber möchte es jetzt eigentlich direkt noch einmal lesen. Statt die Geschichte der "Operation Anthropoid" (also dem Attentat auf Reinhard Heydrich) in ein starres Sachbuch-Format zu pressen, kann man Binets Buch vermutlich am treffendsten als Versuch eines Romans beschreiben. Ständig dringen Binets Zweifel an seiner Fähigkeit als Autor, seinen Quellen oder seiner Vorstellungskraft in die Geschichte ein. Dann vergleicht er sich mit anderen Autoren, die die gleiche Thematik bearbeitet haben und stellt sich wieder infrage.

Was sich daraus ergibt ist die neurotische, aber gründliche Kontextualisierung eines historischen Ereignisses in eine spannenden Erzählung, die aber auch klarmacht, welche Schwierigkeiten sich auftun, wenn man versucht Weltgeschichte anhand der Biografie von drei Personen zu erzählen. Das Vergnügen an "HHhH" hängt vermutlich ein wenig davon ab, wie sehr man sich an Binets Schreibstil, seinen Neurosen und seiner Freude an trivialen Fakten über historische Ereignisse erfreuen kann. Ich, jedenfalls, LIEBE diese Buch!
 

Presko

Well-Known Member
Gerade lese ich etwas Lokalgeschichte von der schweizer Kleinstadt Usterl, wo ich die Ortsdokumentation betreue. Ziemlich spannend vor allem in Bezug auf die Industriegeschichte. Ansonsten habe ich aber auch noch einige Hörbücher auf der Seite, die ich gerne durchgehen möchte.
 

Tyler Durden

Weltraumaffe
Teammitglied
Douglas Coupland - JPod

Unterhaltsame Nerd/Popkultur-Satire über ein Team von schrägen IT-Leuten, die allerlei verrückte Sachen erleben. Mittendrin werden zum Beispiel die Primzahlen zwischen 10000 und 100000 aufgezählt, später die ersten 100000 Ziffern von Pi und noch ein paar andere Sachen. Ich muss zugeben, dass ich diese Listen nur überflogen habe :biggrin:

Matthew Stokoe - Colony of Whores

Dieser Noir-Hollywood-Roman ist vielleicht das Beste an Noir, was ich in diesem Jahr gelesen habe. Noir im klassischen Sinne, also mit vielen (wirklich vielen) abgewrackten Charakteren, einer sehr (wirklich sehr) verworrenen und undurchsichtigen Handlung und an manchen Stellen ganz schön hart. Ray Bradburys Hollywood-Trilogie in allen Ehren, aber "Colony of Whores" ist in meinen Augen das bessere, schwärzere Noir.
Mit der "Kolonie der Huren" ist natürlich Hollywood gemeint. Ein Zitat, das in dem Buch einen Film beschreibt, beschreibt auch ziemlich treffend dieses Buch selbst: "Der Film, eine glühende Abrechnung mit der Gier und den Exzessen Hollywoods und ein sensibler Blick auf die Auswirkungen der Prostituierung künstlerischer Integrität ..."
Ist auch wieder hervorragend geschrieben. Stokoe braucht immer so ewig lange für jedes Buch, aber seinen Büchern merkt man an, dass es sich gelohnt hat. Sein Erstlingswerk "Kühe" war schon nicht übel, aber noch etwas unausgegoren. Die späteren Bücher "High Life", "Empty Mile" und "Colony of Whores" sind noch viel besser.
Die deutsche Übersetzung erschien kürzlich als gebundene, limitierte, signierte Ausgabe beim Festa Verlag und war noch vor der Erscheinung ausverkauft.
 
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TheReelGuy

Well-Known Member
Ich mache Jay (und nur Jay) für mein Lese-Erlebnis der letzten Wochen verantwortlich :ugly:

Steve Alten - MEG #2 - The Trench

Die erste Forsetzung zu Steve Alten's Megalodon-Roman ist eine gute Weiterentwicklung der wichtigsten Figuren (namentlich Jonas Taylor und seine Frau Terry), welche allerdings mit einem reichlich hanebüchenen Plot rund um einen durchgedrehten Super-Bösewichten daherkommt. Die anfänglich recht dick aufgetragene Handlung nimmt aber im Laufe der Zeit immer mehr an Fahrt auf, bis das Finale dann ordentlich abliefert. Es ist und bleibt keine große Literatur, aber Alten weiß, wie man einen überdrehten Blockbuster in ein Buch-Format übersetzt.

Steve Alten - MEG #3 - Primal Waters

Im dritten Teil sind nun auch die Kinder von Jonas und Terry mit von der Partie. Während Jonas und Tochter Danielle bei einer TV-Show an Bord eines alten Segelschiffs teilnehmen, um endlich einige lästige Schulden abzubezahlen, schlagen sich Terry und Sohn David mit der Tanaka-Lagune herum, ehe neue Megalodons die Weltmeere unsicher machen. Der wechselnde Fokus und die alternden Hauptfiguren geben dem Roman nochmal einen nötigen Schwung Innovation, um dem Hai-Spaß keinen Abbruch zu tun. Es wirkt schon alles etwas konstruierter als noch in den beiden Vorgängern, aber die wechselnden Settings, gut geschriebenen Set-Pieces und das wirklich rasante Tempo trösten über einigen Schwächen hinweg.

Steve Alten - MEG #4 - Hell's Aquarium

Teil 4 verliert sowohl Danielle, als auch Terry fast vollkommen aus den Augen, wohingegen Jonas und David quasi 0 Charakterentwicklung durchmachen und quasi trotz ihrer Dickköpfigkeit jede Gefahr meistern. Hinzu kommen ein paar neue Nebenfiguren, die leider entweder schneller hopsgehen als einem lieb ist, bös-böse Karikaturen darstellen oder nur für lahme Gags benutzt werden. Dann baut das Buch über 200 (!) Seiten auf ein Finale hin, welches so abrupt und unbefriedigend endet, dass der teasende Epilog schon fast wie eine Frechheit wirkt.

+ + +​

Da ich jetzt schon ein wenig Zeit in das MEG-Universum investiert habe, werde ich mir nun sicherlich auch den Rest früher oder später auch noch zulegen. Ich habe aber selten eine Buchreihe so massiv abbauen sehen wie es diese Reihe tut. Auch nervt mich Alten's Verliebtheit in bestimmte Wörter oder Formulierungen, welche er dann alle paar Seiten verwenden muss. Außerhalb des Sports habe ich selten so oft von Laktat gelesen wie in "Primal Waters" und das ist nur ein Beispiel für die Wörter, in die Steve Alten vernarrt ist. Nichtsdestotrotz schreibt er unterhaltsame Blockbuster-Romane, die mit allerlei Unsinn und spektakulären Szenen aufwaten. Das kann man ihm nicht absprechen.
 

Tyler Durden

Weltraumaffe
Teammitglied
Von den Meg-Büchern habe ich nur das erste gelesen. War schon unterhaltsam und flüssig geschrieben, aber nicht soo gut, dass ich viel Lust auf die Fortsetzungen gehabt hätte. Es gibt einfach zu viele andere Bücher, die mich mehr interessieren.

Zuletzt gelesen habe ich unter anderem:

Shirley Jackson - Wir haben schon immer im Schloß gelebt

Es geht um eine seltsame Familie (zwei Schwestern und ein Onkel; der Rest ist tot) mit Geheimnissen, die neben einem Dorf in einem Anwesen haust und in einem schwierigen Verhältnis zu den Dorfbewohnern steht.
Das Buch hat mir noch etwas besser gefallen als "Spuk in Hill House". Sehr interessante Charaktere, gut geschrieben, atmosphärisch und mit einem doppelten Boden. Die Ansiedlung der Exzentriker außerhalb der Siedlung (und des gesellschaftlichen Treibens) ist eines der Dinge, die ich als symbolisch empfunden habe. Häuser haben im Werk von Shirley Jackson sowieso eine besondere Stellung.
Lässt sich am ehesten als Weird Fiction bezeichnen, wenn man es denn unbedingt einem Genre zuordnen wollen würde.

David Wong - Das infernalische Zombie-Spinnen-Massaker

Wie der Titel es schon erahnen lässt, ist es ein großer Horror-Spaß - wenn man auf gute Horror-Komödien steht (was ich tue).
Das Ganze ist in einem sehr ironischen Stil geschrieben und wirklich fimreif. Ich hatte das Gefühl, als würde ein Autor Szene für Szene einen Film beschreiben, und zwar einen sehr lustigen.
Das Komische daran ist, dass es der zweite Teil einer Trilogie ist, der bisher als einziger ins Deutsche übersetzt wurde. Aber von Teil 1 ("John Dies at the End") gibt es eine Verfilmung, die ich nicht gesehen habe. Dafür habe ich die russische Übersetzung gelesen. Aber das Zombie-Spinnen-Massaker kann man auch bestens ohne Vorkenntnisse lesen.

Thomas Bernhard - Holzfällen

Der Ich-Erzähler sitzt in einer Ecke und beschreibt mit viel Spott ein "künstlerisches Abendessen" mit alten Bekannten, die er seit zwanzig Jahren nicht gesehen hat.
Ohne Einteilung in Kapitel, ohne Absätze und Zeilenumbrüche, ohne Dialoge, 320 Seiten durchgehender Text (mit sehr vielen sehr langen und gnadenlos verschachtelten Sätzen). Eine wirkliche Handlung gibt es nicht, außer dass vorher eine gemeinsame Freundin Selbstmord verübt hat.
Das Buch ist so gut geschrieben, dass ich es kaum aus der Hand lesen konnte und sehr schnell durch war. War mein erstes Buch von Bernhard, aber da werden definitiv weitere folgen. Die ironisch-verbitterte Art erinnerte mich ein wenig an seine Landsfrau Elfriede Jelinek, wobei deren (ebenfalls hervorragender) Schreibstil viel experimenteller ist.

Außerdem noch zwei Sachbücher von Michel Foucault ("Das Leben der infamen Menschen" und "Bewachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses") gelesen, die ich beide sehr interessant und informativ fand. Erforderte aber schon meine vollste Konzentration - sonst kann man den Gedankengängen des Autors nicht folgen.

Und jetzt lese ich "Voll im Bilde" von Terry Pratchett, den zehnten Teil des Scheibenwelt-Zyklus'. Es ist wieder herrlich unterhaltsam, diesmal geht es um das Filmemachen und Hollywood.
 

Presko

Well-Known Member
Verwirrnis von Christopher Hein

Toller Roman. Berührend, ohne jeden Kitsch. Generationen-, Historienroman und doch sehr persönlich. Ich kannte Hein bisher nicht, und will mich nun unbedingt mehr mit seiner Arbeit auseinandersetzen.
Klappentext:
Friedeward liebt Wolfgang. Und Wolfgang liebt Friedeward. Sie sind jung, genießen die Sommerferien, fahren mit dem Fahrrad die weite Strecke ans Meer, und reden stundenlang über Gott und die Welt. Sie sind glücklich, wenn sie zusammen sind, und das scheint ihnen alles zu sein, was sie brauchen. Doch keiner darf wissen, dass sie mehr sind als beste Freunde. Es sind die 1950er-Jahre, sie leben im katholischen Heiligenstadt, und für die Menschen um sie herum, besonders für Friedewards strenggläubigen Vater, ist ihre Liebe eine Sünde. Käme ihre Beziehung ans Licht, könnten sie alles verlieren. Als sie zum Studium nach Leipzig gehen - Friedeward studiert Germanistik, Wolfgang Musik -, finden sie dort eine Welt gefeierter Intellektueller, alles flirrt geradezu vor lebendigem Geist. Und sie lernen Jacqueline kennen, die ihnen gesteht, dass sie eine heimliche Beziehung zu einer Dozentin hat. Zu viert besuchen sie die legendären Vorlesungen im Hörsaal vierzig, gehen ins Theater, tauchen gemeinsam ein ins geistige Leben der Stadt.Und da reift in den drei Freunden der Plan: Wäre es nicht die perfekte 'Tarnung', wenn einer von ihnen Jacqueline zum Schein heiraten würde
Jetzt habe ich mit Stewart O'Nans Henry persönlich angefangen. Alltagsliteratur at its best.
 

Bambi

hat verrückte Rehkitzideen
Gregg Hurwitz - Die Spur der Orphans ( Evan Smoak 4) Einen Evan smoak wie man ihn liebt, rasant, viel Action gut beschrieben. Leider war für mich das Ende etwas unrund...
 

Tyler Durden

Weltraumaffe
Teammitglied
Terry Pratchett - Voll im Bilde

Der zehnte Band des Scheibenwelt-Zyklus ist wieder sehr unterhaltsam. Diesmal geht es um das Filmemachen und Hollywood (bzw. Holly Wood).

David Lynch & Kristine McKenna - Traumwelten

In dieser Mischung aus Biografie und Autobiografie geht es sowohl um das Privatleben von Lynch (also wo und wie er aufwuchs, mit wem er so alles verheiratet war usw.) als auch um seine Filme und deren Entstehungsgeschichten. Manches wusste ich schon, anderes war mir unbekannt oder nur in groben Zügen bekannt. Zum Beispiel wusste ich, dass Anthony Hopkins und Lynch beim Dreh von "Elefantenmensch" einigen Stress hatten, aber erst hier habe ich die genaueren Details erfahren. Sehr interessant fand ich auch die Projekte, die mal geplant waren, aber nie zustande gekommen sind. Wie gern hätte ich den Antilopen-Film oder Kafkas "Verwandlung" in der Interpretation von Lynch gesehen.
Das Besondere an diesem Buch ist die Kombination Biografie/Autobiografie. Jedes Kapitel ist zweigeteilt - Kristine McKenna schrieb die biografischen Daten und wie diverse Mitwirkende das Ganze miterlebt haben; Lynch fügte seine eigenen (subjektiven) Erinnerungen hinzu und ging dabei manchmal auch auf den einen oder anderen Punkt in McKennas Part ein.
Vor allem für Fans von Lynch und seinen Filmen ist das Buch quasi ein Muss.

Raymond Chandler - Der große Schlaf
Raymond Chandler - Leb wohl, mein Liebling
Raymond Chandler - Das hohe Fenster

Die ersten drei Romane aus der Marlowe-Reihe machen insgesamt einen ordentlichen Eindruck, wobei der erste mir am besten gefiel. Ich würde das Ganze aber nicht unbedingt als "Noir" oder "Hardboiled" einstufen, sondern eher als Kriminalroman oder als Pulp. Soll jetzt auch keine Abwertung sein, nur ist es für Noir oder Hardboiled nicht hart genug und die Hauptfigur ist zu anständig. Abgesehen von seinem obligatorischen Faible für Alkohol ist Marlowe kein hartgesottener Privatdetektiv und könnte fast schon eine Figur aus einem Agatha-Christie-Krimi sein.
Die restlichen Bücher der Reihe werden vermutlich im Lauf des kommendes Jahres gelesen.
 

Tyler Durden

Weltraumaffe
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Roland Topor - Memoiren eines alten Arschlochs

Eine fiktive Autobiografie, die mittels Übertreibung alle selbstbewundernden Autobiografien durch den Kakao zieht. Die Hauptfigur ist ein Maler, der davon erzählt, wie er in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Karriere machte und jeden kannte, der Rang und Namen hat. Mehr noch, alle kamen zu ihm, um in schwierigen Fragen seinen weisen Rat zu suchen. Das Namedropping wird bis ins Absurde geführt, denn es gibt eigentlich keine bedeutende Figur aus der genannten Epoche, die hier unerwähnt bleibt. Der Erzähler gewinnt gegen Einstein beim Poker, bringt ale möglichen Künstler auf die Ideen ihrer Meisterwerke usw. Eigentlich waren alle wichtigen Entwicklungen durch ihn in die Wege geleitet worden :biggrin:
Sehr lustig und unterhaltsam.

Bentley Little - Die Universität

Gehört zu den Frühwerken des Autors und gefiel mir zwar überdurchschnittlich gut, aber schwächer als andere Bücher von Little. Zum Beispiel "Der Berater", "Verderben", "Böse", "Unheil" und "Schemen".

Sascha Sokolow - Die Schule der Dummen

Ein russischer Kultroman aus den 70ern: Der Erzähler besteht aus zwei Persönlichkeiten, die hier eine reichlich verworrene, aber herrlich geschriebene Geschichte erzählen und dabei gelegentlich auch in einen Dialog miteinander verfallen. Ist aber größtenteils ein durchgehender Text, bei dem die Dialoge nicht gekennzeichnet sind und man ein bisschen rätseln muss, wer nun was sagt. Ich fand es großartig, weiß aber nicht, wie die deutsche Übersetzung ist.

 
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