Zuletzt gelesenes oder gehörtes Buch

jimbo

ehemals jak12345
Finde ich echt viel.
Bist also für mich ein Vielleser.

Aber das kann man ja auch Trainieren und ich denke man erkennt dann irgendwann auch immerwiederkehrende Systeme.
 

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
So 150-200 Seiten pro Abend sind eigentlich gut machbar find ich. Man muss nur mal den TV auslassen. :read:

Wie immer interessante Stoffe, Tyler. Der Herzausreißer könnte ein Rammsteintitel sein.
 

Puni

Well-Known Member
Margaret Atwood - Oryx & Crake

Ist der Auftakt zu einer lose aufeinander beruhenden postapokalyptischen Trilogie, und man ist der erste Teil gut. Man erfährt, wie es zur Katastrophe kam und insbesondere wie das Leben kurz vorher in einer nicht allzu fernen Zukunft aussieht.
Ich habe in letzter Zeit recht viel postapokalyptische Romane gelesen und würde sagen, dass dieser hier der bisher realistischste ist. Ohne groß drauf einzugehen ist es sehr erstaunlich, wie Atwood bereits 2003 Szenarien "vorhergesagt" hat, die heute aktueller denn je sind (und die mancher Verschwörungstheoretiker gerade in der heutigen Zeit wohl besser nicht lesen sollte :nene: )
Der Roman handelt dabei von Schneemensch, einem der letzten Menschen auf der Erde, der indirekt mit der Apokalypse zu tun hatte. Hierbei springen wir immer wieder zwischen seiner Vergangenheit und dem Jetzt hin und her, und was sich dadurch für eine Geschichte entfaltet ist wirklich extrem düster, ohne wie andere Genrevertreter auf simples "Survival of the Fittest" zu setzen. Atwood hat sehr viel Gespür für ihre Charaktere bzw das Zwischenmenschliche, wodurch die ganze Geschichte einfach noch düsterer wird, ohne sonderlich brutal zu sein - brutal ist nämlich die Gesellschaft vor der Katastrophe schon, auch wenn sie einem als fortschrittlich verkauft wird. .
Ich kann, ohne zu spoilern, leider sonst nicht viel dazu sagen, und es ist auch besser, unvorbereitet an Oryx & Crake zu gehen. Ich jedenfalls wurde von der Entwicklung sehr überrascht und freu mich bereits auf die nächsten beiden Romane, die wohl in der selben Zeit spielen, aber sehr unterschiedlich sein sollen. Tolles Buch.
 

Presko

Well-Known Member
Die Ladenhüterin von Sayaka Murata

Eine schlanke Novelle über japanische Frau, Keiko Furukura, die nicht recht in die gesellschaftliche Norm Japans hineinpasst. Sie arbeitet Teilzeit in einem japanischen Supermarkt, einem Konbini, ist Single und Jungfrau. Also weder beruflich erfolgreich, noch verheiratet. Etwas, das, wie ihr das Umfeld spiegelt, eigentlich gar nicht geht. Doch auch sonst ist Keiko anders und das schon seit ihrer Kindheit. Insbesondere hat sie Schwierigkeiten sich in andere hineinzufühlen. So gibt es etwa eine Szene, wo sie als Kind ein totes Tier findet und nicht versteht, warum alle anderen deswegen so traurig sind. Sie essen ja auch tote Tiere und sind dann nicht ständig traurig.
Sie lernt aber mit dieser Andersartigkeit umzugehen, indem sie teilweise das Verhalten ihres Umfelds spiegelt oder Ausreden erfindet, etwa dafür, dass sie nur Teilzeit arbeiten kann aus gesundheitlichen Gründen.
In ihrem Job in dem Konbini geht sie voll auf. Dort hat sie einen Platz für sich gefunden und etwas, das ihr Leben eigentlich ausfüllen würde - wenn da nicht das Umfeld wäre, dass sie immer wieder darauf hinweist, dass dieser Teilzeitjob nicht ausreicht.

Irgendwann lernt sie einen anderen Aussenseiter kennen, einen ziemlichen Widerling, und kommt auf die Idee, dass er bei ihr einziehen könnte. Beide würden davon profitieren, weil es für Aussenstehende so ausschauen würde, als lebten sie als Mann und Frau zusammen.

Gefiel mir sehr gut. Es ist eine leise Erzählung für das Anders-Sein in einer streng normierten Gesellschaft, wo jedes Gesellschaftsmitglied dauernd bewertet wird. Das ist sehr zurückhaltend geschrieben, die LeserInnen nehmen dabei die Perspektive Keikos ein und man fühlt immer stärker mit ihr mit. Das Ende fand ich ebenfalls sehr gelungen.
 

Puni

Well-Known Member
Bisschen Horror gelesen:

Nick Cutter - Das Camp
Sehr sehr fieser Bodyhorror rund um eine Gruppe Pfadfinder auf einer abgeschiedenen Insel. Dadurch, dass die Protagonisten Jugendliche sind und durch die Rückblicke schon eine gewisse King-Atmosphäre aufkommt rechnet man anfangs noch gar nicht damit, wie blutig und böse sich die Geschichte noch entwickelt. Hätte durchaus etwas kürzer sein können, aber was hier stellenweise abging ließ mich mit einer gleichzeitigen seltsamen Anziehung und Ekel zurück. Hat mir gefallen.

Ryan C. Thomas - Der Sommer als ich starb
Der Roman geht hingegen mehr in eine Jack Ketchum Richtung, ist aber auch eingebunden in eine doch überraschend tiefer gehende Freundschaft zweier junger Männer, die im Wald auf einen sadistischen Killer stoßen. Das Buch ist wirklich sehr sehr explizit in seinen Folterszenen, hat durch die Hintergrundgeschichte der Jungs aber mehr zu bieten als simplen Gewaltporno. Dafür waren die besagten Stellen dann auch doch irgendwie noch zu "gut", als dass sie auf simplen Voyeurismus setzen. Hat mich zeitgleich fasziniert und geschockt, und ich bin noch nicht sicher ob ich die Fortsetzungen dazu noch lesen will. :biggrin:

Shirley Jackson - Wir haben schon immer im Schloss gewohnt
Wurde als Psychothriller beworben, ist aber viel mehr eine seltsame, bizarre Charakterstudie über zwei junge Schwestern, die nach dem Mord an ihrer (adeligen) Familie abgeschieden und von der Dorfbevölkerung verhasst in ihrem Schloss leben und nicht wirklich viel von der Welt mitkriegen, bis ein Verwandter auftaucht und das Unheil seinen Lauf nimmt.
Ist wirklich ein merkwürdiger, faszinierender Roman, der es in 150 Seiten trotzdem schafft, dass man die schrulligen Charaktere lieben lernt. Es ist nicht sonderlich spannend, dafür hat es aufgrund der Weirdness eine ziemliche Sogwirkung, und auch die Hilflosigkeit, mit der der Leser hier einfach in dieses Szenario geworfen wird und man sich ständig fragt, was wohl als nächstes Seltsames im Leben der Schwestern passiert, tut ihr übriges. Das Ende passt dann auch wieder perfekt, auch wenn man sich immer noch fragt, was hier eigentlich verdammt nochmal los ist. :biggrin:

Dann noch:

Adrian J. Walker - Am Ende aller Zeiten (Originaltitel ist deutlich cooler: The End of the World Running Club)
Natürlich durfte auch etwas postapokalypstisches nicht fehlen. :biggrin: Die Welt wird von Meteoriten größtenteils zerstört, es haben aber einige Menschen überlebt, die Hoffnung im Süden Englands auf Schiffen suchen, die sie zu einem besseren Ort bringen sollen. Hierbei wird der Protagonist von seiner Familie getrennt und muss die 500 Meilen bis zur Abfahrt der Schiffe irgendwie hinter sich bringen und fängt an, mit einer Gruppe an glaubwürdigen Charakteren zu laufen, denn viel Zeit bleibt nicht mehr.
Der Roman war gar nicht schlecht, da es bei diesem Lauf sehr viel um die Gruppenmitglieder sowie das Innenleben des Protagonisten geht. Dazu trifft die Gruppe unterwegs immer wieder auf neu aufgebaute Gesellschaften, Verrückte und Gefahren, sodass es wirklich sehr abwechslungsreich ist.

Tom Franklin - Die Gefürchteten
Western über zwei Brüder, die durch einen gescheiterten Überfall dafür sorgen, dass sich eine raubende Gang formt, die einen ganzen Landstrich terrorisiert - mittendrin die beiden Brüder sowie ein alternder Sheriff, der Herr der Lage werden muss.
Die Gefürchteten ist ein sehr ungeschönter, recht brutaler Blick auf die damalige Landbevölkerung kurz nach dem Bürgerkrieg. Jeder Charakter kriegt hier seine Tiefe, und Franklin schreibt in der Hinsicht stellenweise sehr ausschweifend, was aber auch wieder nur dafür sorgt, dass man jeden einzelnen umso besser in seinen Handlungen nachvollziehen kann, seien sie auch noch so verwerflich. Ich mag solche Bücher, die einem das Leben von vor hundert Jahren in den USA näher bringen, gerade hinsichtlich der ärmeren Bevölkerung sowie der Gesetzlosen. Hat mich gut unterhalten.
 
Zuletzt bearbeitet:

Tyler Durden

Weltraumaffe
Teammitglied
Nick Cutter habe ich mir vor kurzem gekauft, Ryan Thomas fand ich nicht so gut, Shirley Jackson hat mir sehr gefallen.
Wenn du gute Weird Fiction oder anspruchsvollen Horror lesen willst, kann ich dir Thomas Ligotti, Robert Aickman und Greg F. Gifune empfehlen.
 

Bud

Well-Known Member
Momentan lese ich auf meinem E-Book-Reader "Das Silmarillion". Die Stellen mit Melkor bzw. wo es sich um das Böse dreht faszinieren mich am meisten. Gegen eine Verfilmung/eine Serie des ersten Zeitalters hätte ich nichts dagegen.

Mich wundert das sich das Silmarillion so gut lesen lässt. Der Herr der Ringe habe ich schon viermal gelesen, aber jedesmal nach dem ersten Buch aufgehört zu lesen weil mir Tolkiens Schreibstil zu komplex und verschachtelt ist und er sich manchmal zu sehr in Nebensächlichkeiten verliert.
 

Presko

Well-Known Member
John Hart Redemption Road

Ein wegen Mordes verurteilter Mann wird aus dem Gefängnis entlassen. Der Sohn seines vermeintlichen Opfers macht sich auf den Weg, um sich an ihm zu rächen. Eine Polizistin, die in den verurteilten Mann, der früher ein Cop war, verliebt ist, hat gerade ein Mädchen aus der Gefangenschaft von Vergewaltigern befreit und dabei alle Verdächtigen erschossen. Nun steht sie unter Anklage. Dann werden weitere Frauen umgebracht und der freigekommene Excop gerät wieder unter Verdacht.

John Hart will hier ein großes Drama von Schuld, Rache und Vergebung sowie einen spannenden Thriller erzählen, was so mittelprächtig funktioniert. Am Anfang war ich von den Vorgängen recht überrascht, aber mit der Zeit wurde alles etwas langweilig und nicht alle Figuren in dem Roman machen so wirklich Sinn. Da gibt es so richtig böse und korrupte Leute, die in dem örtlichen Gefängnis die Oberhand haben und die sind so böse, dass sie auch als Schurken in einem James Bond Roman durchgehen könnten.

Dann macht er nebenbei noch das Fass Political Correctness auf. Denn weil die Vergewaltiger, welche die (weiße) Polizisten erschossen hat, schwarz waren, werde sie jetzt besonders heftig unter Beschuss genommen. Fand ich recht unnötig und hatte für mich so ein bisschen ein "Gschmäckle".

Teilweise war mir auch seine Sprache etwas zu schwülstig, das alles soll halt großes Drama sein und das unterstreicht er mit seiner Sprache auch deutlich.
Die Auflösung der Mordserie ist dann auch ziemlich unsinnig.

Insgesamt sicher nicht schlecht. Aber dann doch zu viel gewollt.
 

Tyler Durden

Weltraumaffe
Teammitglied
Jean Ray - Malpertuis

Ein belgischer Grusel-Klassiker von 1943 über eine seltsame Verwandtschaft, die laut dem Testament eines verstorbenen alten Mannes in einem Schloss hausen muss, wenn sie das Erbe bekommen will.
Hat mir recht gut gefallen und hat wahrscheinlich Neil Gaiman zu seinen "American Gods" ein wenig inspiriert (hat aber doch eine ganz andere Atmosphäre und Prämisse). Nichts, was ich unbedingt ein zweites Mal lesen wollen würde, aber ganz nett für zwischendurch.

Terry Pratchett - Total verhext

Im zwölften Teil des Scheibenwelt-Zyklus' geht es um Hexen/Feen und eine alternative Version von "Aschenputtel". Typisch lustige Pratchett-Unterhaltung.

William Gibson - Idoru

Der zweite Teil der Idoru-Trilogie (nach "Virtuelles Licht") war nicht schlecht und hatte ein paar gute Ideen, aber der Vorgänger war deutlich besser und spannender.

Elmore Leonard - Heidengeld

Ein Kriminalroman vom Fließband, der zwar nebenbei die Ruanda-Massaker in den 90ern thematisiert, mich aber nicht wirklich überzeugt hat. Ruanda ist ein zu großes Thema für so ein Buch und auch schreibtechnisch war Leonard mal besser. Ein Buch, das man schnell vergisst.

Eduard Limonow - Fuck Off, Amerika

Ein autobiografischer Kultroman aus den 70ern über einen russischen Untergrund-Dichter/-Schriftsteller, der in die USA auswandert und dort in ärmlichen Verhältnissen lebt. Nachdem seine Frau ihn betrogen und verlassen hatte, entdeckt er seine homosexuellen Neigungen.
Der Autor lebte auch eine Zeitlang in Europa und hat danach noch die halbe Welt bereist und ein ziemlich wildes Leben geführt. Später kehrte er nach Russland zurück und mischte ein bisschen in der Politik mit (mit seiner neobolschewistischen Partei), veröffentlichte dann fast nur noch politisch-polemische Schriften und saß eine Zeit lang im Gefängnis. Aber in seinen Anfängen, in den 70ern und 80ern, da war er noch gut, vor allem durch seinen ironischen Schreibstil und seine absolute Offenheit. Als russischer Autor zu seiner Homosexualität zu stehen ist jetzt noch sehr gewagt, und damals war das noch ein echter Skandal.
Ich mag seine frühen Bücher - schade, dass er danach so ins Politische abdriftete.

Catherine Colomb - Zeit der Engel

Der letzte Roman der schweizer Schriftstellerin über eine seltsame Familie. Vom Schreibstil her fand ich es recht gut, aber inhaltlich konnte ich damit leider nichts anfangen, weil die dünne Handlung irgendwie ziellos ist und nicht so schräg, dass es als surreales Werk interessant wäre.

Colson Whitehead - Underground Railroad

Die Handlung ist im Amerika des 19. Jahrhunderts angesiedelt und erzählt die Geschichte von Cora, einer entlaufenen Sklavin, die mit Unterstütung einer Untergrund-Organisation aus dem Süden in den Norden flieht. Eine solche Organsiation hat es auch wirklich gegeben, aber hier wird die Bezeichnung "Underground Railroad" buchstäblich genommen - es gibt ein Schienennetz und Züge, die für die Flucht benutzt werden.

Ich fand die Grundidee und den Schreibstil gut, nur leider konnte sich der Autor, der ein solches Buch gegen die Sklaverei und den Rassismus schreibt, selbst rassistische Äußerungen nicht verkneifen. Wenn das Buch komplett aus der Sicht von Cora als Ich-Erzählerin geschrieben wäre, könnte ich es ja noch verstehen, aber hier ist es der allwissende Erzähler, der pauschale Aussagen über Menschen mit dieser oder jener Hautfarbe von sich gibt. Finde es deswegen auch etwas fragwürdig, ein solches Buch mit Auszeichnungen zu überhäufen, u.a. dem Pulitzer Preis. Der stand für mich sonst für eine gewisse Qualität und nicht für so ein Schubladendenken ...
Das Buch ist nicht unbedingt schlecht, hat für mich aber einen unangenehmen Beigeschmack, weil ich Rassismus nicht unbedingt lobenswert finde. Egal gegen wen er gerichtet ist und welche Hautfarbe der Autor hat. In einem Interview (ist auch vorne im Buch) nennt er sein Motto: "Halte dich nicht an die Tatsachen, sondern an die Wahrheit", was für mich ein bisschen nach Trumps "Alternativen Fakten" klingt. Schade.

Als Sachbuch habe ich "Im Zeichen des Saturn" von Susan Sontag gelesen, eine Sammlung von Essays über Walter Benjamin, Leni Riefenstahl, Roland Barthes u.a. Wie immer sehr interessant geschrieben mit vielen anregenden Überlegungen.
 
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