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Kritik:
Anaconda 1-5


von Christian Mester

ANACONDA
(1997)
Regie: Luis Llosa
Cast: Jennifer Lopez, Jon Voight, Ice Cube, Kari Wuhrer

Story:
Bei einem Wissenschaftstrip auf dem Amazonas wird ein Forscher (Eric Stoltz) schwer vergiftet; schnell muss es zurück zur Zivilisation gehen, doch das Team (u. a. Owen Wilson, Jennifer Lopez, Ice Cube) darf sich zuvor noch mit einer monströsen Riesenschlange und einem nicht minder gefährlichen Jäger anlegen... 

Kritik:
Ein bisschen ist es verloren gegangen - die Exotik und das aufregende Erlebnis, in der wilden Welt der Natur unterwegs zu sein, insbesondere in wenig erschlossenen Bear-Grylls-Gebieten wie das der vielen Amazonas-Flussarme, die wer weiß wo hinführen mögen und sogar den legendären Schrecken vom Amazonas beherbergen könnten. Oder Danny Trejo als Floßfischer. Oder halt Danny Trejo, der von einer riesigen Anaconda verspeist wird.

Im Wust der unendlich vielen DVD-Tierfilmschrottfilme häutet sich Luis Llosas formidabler Anaconda mit der damals noch recht unbekannten Jennifer Lopez ins Spotlight und offenbart, dass nicht alles mit angreifenden Tieren ein haistürmender, donaldtrumpiger Trash-Angriff auf den guten Geschmack sein muss. Zwar bewegt sich seine liebenswert mit Animatronics und CGI umgesetzte Riesenblindschleiche überraschend unrealistisch schnell und schlummert nach erfüllter Mahlzeit eben nicht erst wochenlang verdauend vor sich her, um eben praktisch rasch weiter unterhalten zu können, aber all das stellt man in den Dienst heiterer Popcornstimmung, die er gekonnt lebhaft und abwechslungsreich füttert. Geschickt nutzt er typische Genreklischees, um die Reise durch den Dschungel zum action- und horrorlastigen Abenteuer a la Congo werden zu lassen.

Besonders gelungen ist ihm die Vermittlung des Dschungelfeelings, denn statt "Probier's mal mit Gemütlichkeit" heißt das Dauerschwitzerei dank drückender Hitze, lästige Käfer und Insekten an jeder Ecke, kriechende Krankheiten und bissiges, giftiges, oder auch rückratbrechendes Getier. Ein großes Plus ist die durchweg sympathische und namhafte Besetzung, in der Jennifer Lopez als klammschwitzende Forscherin und Oscar-Preisträger Jon Voight als bärbeißiger Schlangenfänger überzeugen und mehr als den Schatz der Sierre Madre finden. Die beiden sind so gut, dass der Film auch ganz ohne Schlange unterhaltsam genug geworden wäre. Ice Cube, der als Rapper, der zum Schauspieler wurde, eigentlich fehl am Platz ist, aber genau das auch als Figur braucht, ist ebenso wie Fast-Marty McFly Eric Stoltz, Owen Wilson, Kari Wuhrer und besagter Trejo passend an Bord.

Zwar gibt es keine Szenen, in denen Jennifer Lopez blümerant und ausgiebig schwimmen geht, doch die Parallelen zum alten Universal Klassiker sind nicht von der Hand zu weisen. Man schwimmt fraglos in ähnlichen Gewässern, und Llosa tut ein Gutes daran, es adäquat in die 90er zu übertragen.

Fazit:
Die Anaconda in "Anaconda" mag sich nicht sonderlich realistisch verhalten, macht dafür aber gehörigen Spaß. Ice Cube, Owen Wilson und Jennifer Lopez schlängeln sich hier durch eine wirklich rasante Abenteuerstory mit einigen guten Horror- und Actionportionen, Jon Voight amüsiert als exzentrischer Schlangenjäger. Sehenswert!

8 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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ANACONDA 2: ANACONDAS - DIE JAGD NACH DER BLUT-ORCHIDEE

ANACONDAS
(2004)
Regie: Dwight H Little
Cast: Johnny Messner, Kadee Strickland

Story:
Von Congo geklaut: Für ein Wissenschaftsunternehmen soll ein Führer eine Gruppe Unternehmer zu einer Blume mit besonderen chemischen Fähigkeiten führen, die nur alle paar Jahre an einem bestimmt Ort zu finden ist. Dumm nur, dass am einzigen Blütenplatz ausgerechnet zur gleichen Zeit Anacondaorgie angesagt ist.... 

Kritik:
Anacondas (man merke den subtilen Verweis auf Aliens, der seinem zweiten Teil ebenfalls ein S anlegte) hatte noch das schleichende Vergnügen, im Kino zu landen, wenn auch mit weniger Budget versehen. Vor der Kamera hieß das ein Wegwürgen sämtlicher bekannter Gesichter, sodass der unbekannte Johnny Messner nun schwer zu stapfen hat, wohl wissend, dass man an den Erstling ohnehin nicht herankommen wird. Und das tut Die Jagd nach der Blut-Orchidee auch jenseits des Castbekanntheitsgrades nicht.

Dieses Mal gibt es zwar mehr als eine Schlange, aber nicht merklich mehr Schlangenszenen, geschweige denn qualitativ ähnliche. Die meisten Szenen stammen mittlerweile aus dem Rechner, und den Machern fiel offensichtlich weniger Aktionsspielraum für die Schlangengegner ein. Langweilig ist der Ausflug zwar nicht, dafür sorgt der routinierte B-Movie Macher Dwight H Little (Halloween 4+5, Zum Töten freigegeben, Free Willy 2?) mit brauchbarer Regie, doch stände sein Werk auf der Kippe zwischen Kino- und DVD-Release, hätte er eher als DVD-VÖ auftauchen sollen. So wäre er das in gelungen, statt ein eher mauer Kinostreifen. Aus unbekannten Gründen spielt der Film nicht mehr länger am Amazonas, sondern in Südostasien.

Fazit:
Aliens war so gut wie Alien, aber Anacondas ist nicht so gut wie Anaconda. Keine bekannten Gesichter mehr, weniger und mauere Action, doch brauchbare Regie und okaye Produktionsmittel lassen ihn akzeptable B-Ware sein.

4 / 10

ANACONDA 3: OFFSPRING (2008)
Regie: Don E. FauntLeRoy
Cast: David Hasselhoff, John Rhys-Davis, Crystal Allen

Story:
Als der reiche Geldgeber von Experimenten an Riesenanacondas (eine lange Geschichte) eine solche mit einer Taschenlampe mobbt, bricht sie unverhofft aus und macht sich auf die Suche nach Frischfleisch. Also muss Großwildjäger David Hasselhoff ran, damit er mit einer jungen Kollegin Gürtel aus ihr macht.... 

Kritik:
War es Vorgabe, dass jedes Anaconda Sequel von einem Steven Seagal Regisseur inszeniert werden muss? Nach 2, der vom Regisseur des sehenswerten Zum Töten freigegeben inszeniert worden war, legt Don E. FauntLeRoy nach, der für Seagal Mercenary for Justice inszeniert hat. Mit seinem ilm schlug der Anaconda Franchise jedoch auf einmal gehörig andere Bahnen ein, denn er erschien als Low Budget TV-Film auf dem Sci-Fi Channel. Tatsächlich wurden in Rumänien sogar gleich zwei Filme auf einmal gedreht, da es offensichtlich Bedarf an weiteren Anacondas gab (wenn auch nicht im Kino).

Der erste der beiden Billigschüsse kommt mit David Hasselhoff und "Gimli" John Rhys-Davis daher und ist ein recht laienhafter Predator-Verschnitt. Der Großteil der Handlung besteht daraus, wie Soldaten waffenbepackt durch Wälder rennen und versuchen, eine Schlange mit ähnlichem Thermalblick zu erwischen. Die zuvor schon überdimensionierten Tiere sind mittlerweile doppelt so groß, bewegen sich mit einem Affenzahn und haben erstmals ein Faible für Blut entdeckt. Yep, der Blutfaktor wurde für den Heimkinomarkt aufgebretzelt, und so werden Köpfe und Arme abgerissen, als wär's Sommerschlussverkauf. Eine recht seltsame kreative Entscheidung, wo Würgeschlangen doch eigentlich gerade wegen ihres Nichtabbeißens derartig heißen.

Hasselhoff schaut akzeptabel grimmig drein und markiert den Harten, Rhys-Davis derweil den geldgierigen Befehlsgeber, doch beide "Stars" spielen eher untergeordnete Rollen. Im Mittelpunkt steht die blonde junge Crystal Allen, die zwar fit und motiviert, dafür aber nicht sonderlich talentiert ist und in den meisten ihrer Szenen unter Reality-Soapniveau agiert. Damit steht sie den übrigen Soldatendarstellern in nichts nach, die Schwarzeneggers Dutch gar nicht erst ins Bootcamp gelassen hätte.

Anzumerken ist noch, dass die Computereffekte allerunterster Rammsch sind und so selbst aus einigen PS1-Spielen geflogen wären. Vorbei die Zeit, dass aufwändige Animatronics eingesetzt wurden, hier gibts nur noch Billig-CGI aus der Kombüse.

Fazit:
Restmüll für die Papiertonne. Mit Anaconda 3 ist diese Reihe da angekommen, wo manch einer sie von Anfang an vermutet hätte. Schnellschussschrott wie Python, Dino Shark oder Mongolian Death Worm, in den sich irgendwie noch Hasselhoff und der Zwerg aus Herr der Ringe verirrt haben, und den man lediglich schauen sollte, ist man zwecks eigener Anaconda-Umarmung nicht mehr in der Lage, umzuschalten.

2 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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ANACONDA 4: ANACONDAS - TRAIL OF BLOOD (2008)
Regie: Don E. FauntLeRoy
Cast: John Rhys-Davis, Crystal Allen

Story:
Hasselhoff ist zwar raus, aber Rhys-Davis' Figur hat noch immer böse Absichten, die genetisch veränderte Superschlangen beinhalten. Also muss Crystal Allen erneut ballernd durch Wälder joggen, um Pixelschlangen zu erledigen... 

Kritik:
Wer sich beim dritten Teil über den Spotlight raubenden Hasselhoff geärgert und sich gnädig gewünscht hat, mehr von Newcomer-Schauspielikone Crystal Allen zu sehen (übrigens nicht zu verwechseln mit Kari Wuhrer Lookalike Krista Allen), der kommt hier womöglich auf seine Kosten. Jetzt steht bzw. joggt sie im Mittelpunkt, denn sie muss ihren zweiten Film ganz allein tragen.

Warum auch immer ist das S im Titel erneut zurück, nachdem es bei 3 wieder futsch war, doch Parallelen zu Anaconda 2: Anacondas gibt es eigentlich keine. Da der Film gleichzeitig und von und mit den gleichen Leuten von Anaconda 3: Offspring gedreht worden ist, hätten sie ihn fast besser Anaconda 4: Anaconda 3 2: Offspring 2 nennen können.

Auch für 4 hatte man tatsächlich wieder neue Einfälle, und so sind die Schlangen nun derart genverändert, dass sie sich wie Wolverine komplett neu heilen können, selbst wenn man ihnen die Rübe abschnippelt. Sonstige Neuerungen gibt es allerdings keine, und so streunt Allen mit einer neuen Schar gesichtsloser C-Darsteller wie mit einer Pfadfindergruppe zum wiederholten Male durch ewig gleich aussehende Wälder, um immer wieder von den PS1-Pixelschlangen angegriffen zu werden. Dass Hasselhoff fehlt, fällt kaum auf, doch nach abgeschlossener Laufzeit fällt dann doch ins Auge, was für ein Quark 3 und 4 eigentlich sind.

Fazit:
Anaconda 4 ist das, was Schlangen wieder ausspucken, wenn sie den Rest nicht verdauen können.

1,5 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

LAKE PLACID VS. ANACONDA (2015)
Regie: A. B. Stone
Cast: Corin Nemec, Yancy Butler, Robert Englund

Story:
Bei dem Versuch, ein großes Krokodil in eine fahrende Forschungsstation zu bringen, bricht dieses aus und befreit gleichzeitig zwei große Monster-Anacondas. Ein Sheriff versucht daraufhin, die Tiere zu erledigen, bevor sie dem Schülertreffen seiner Tochter gefährlich werden können... 

Kritik:
Na schön, Anaconda 3 und 4 waren bereits liebloser Schubladenschrott, also wieso überhaupt noch weitere Zeit in weitere Anaconda Filme investieren? Weil es sich gegen Ende doch noch lohnen mag. Lake Placid vs Anaconda ist ebenfalls C-Schund, aber das erstmals mit Stolz und voller Eigenüberzeugung. Schon der Filmtitel ist behämmert - im Film tritt kein See gegen eine Anaconda an (der Titel verweist stattdessen debil auf die Krokodilfilmreihe Lake Placid) - und mit ähnlich grinsender Blödheit ist auch der gesamte restliche Film gestaltet.

Corin Nemec, früher mal "Parker Lewis - der Coole von der Schule" (Uhrenvergleich), mittlerweile durchaus charismatischer Trash-Dauergast in Oscar-Titeln wie Sea Beast, Robocroc, Dragon Wasps oder Jurassic Attack, tritt hier neben Yancy Butler (früher Witchblade) und Robert Englund (für den es nicht das erste VS ist) auf, die sich zwar alle nicht viel Mühe geben, jedoch mit sichtlichem Spaß bei der Sache sind.

Löblich ist ein hoher Actionanteil, denn die PS1-Anacondas und -Krokodile mampfen gleich reihenweise Menschen (u.a. Teenager!) und sich auch gegenseitig, mit zahlreichen herrlich blödsinnigen Ideen und allerlei B-Movie Gekreische, dass man mit etwas mehr Budget und sinnloser nackter Haut schon beinahe in Piranha Gewässern gepaddelt hätte.

Fazit:
Der fünfte Anaconda ist immer noch günstiger Trash, aber humorvoller und genrerstolzer als seine beiden maroden Vorgänger. Hätten sie sich 3+4 besser mal gespart, Hasselhoff dafür in das VS gepackt und das Gesamtbudget der letzten drei in mehr Effektqualität investiert, hätte der bisherige Anaconda Zyklus positiver finalisiert werden können. So bleibt es ein ledriges letztes Aufbäumen, das die Qualitäten des Erstlings tief aus dem Schlangendünndarm missen lässt.

3 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

 

 

 

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