BG Kritik:

Castlevania (Season 2)


Der "Snob" unter den BG Redakteuren. Seine Herkunft ist mysteriös. Angeblich besucht er ein Bildungsinstitut in Bielefeld. In Bielefeld!

Castlevania (USA 2018)
Entwickler: Warren Ellis
Ausstrahlung: Netflix, 2018
US-Sprecher: Richard Armitage, James Callis, Graham McTavish, Alejandra Reynoso, u.a.

Story: Unser Heldentrio Trevor Belmont, Magierin Sypha und Alucard machen sich auf, Dracula zu stellen. Dieser hat in seinem Schloss mit den Kriegsplänen und seinen streitenden Generälen zu kämpfen, darunter zwei Menschen und die selbstbewusste Vampirin Carmilla.

Bisher bei „Castlevania“: Dracula hatte eine menschliche Frau. Diese wird von der Kirche hingerichtet. Dracula wird böse und stürzt die Welt (oder zumindest die Walachei) in einen dämonischen Krieg. Auftritt Trevor Belmont, letzter einer Familie von Vampirjägern.


Die so genannte erste „Staffel“ (BG Kritik) zu Warren Ellis‘ „Castlevania“ Adaption für Netflix war unmissverständlich ein Test und eine erste Einführung in die Welt, ihrer Figuren und der Konflikte. Die vier kleinen Episoden waren in gewisser Weise ein eigener Pilotfilm. Die nun 2. Staffel ist sage und schreibe doppelt so lang: ganze acht Episoden je 25 Minuten. Das kommt einem echten Seriengefühl schon deutlich näher, obwohl die Unterbrechungen noch immer eher zufällig gesetzt wurden und man eine Handlungsstringenz innerhalb einer Episode weiterhin vergebens sucht. Nur die wenigsten Zuschauer werden wohl mehr als zwei Abende dafür aufbringen, das Heldentrio um Trevor Belmont, Sypha und Dracula-Sohn Alucard zu verfolgen, wie sie den irre gewordenen Vampirfürsten und seinen Krieg stoppen wollen. Immerhin bekommen wir nun einen richtigen Abschluss statt eine aufgezwungene Erzählpause. Weiter gehen kann es trotzdem noch und soll es wohl auch.

Endlich hat „Castlevania“ die Zeit und den Raum, um zumindest einige Vorzüge einer Serie auszuspielen. Statt die drei Helden schlicht langsam aber sicher an Dracula heranrücken zu lassen, können wir uns nun kleinere Abzweigungen und weitere Nebenfiguren leisten. Ein längerer Aufenthalt in einer Bibliothek erinnert nicht nur im besten Sinne an „Avatar: Der Herr der Elemente“, sondern bietet auch allerhand Spielereferenzen und lässt die Figuren enger zusammenrücken. Wirklich in die Tiefe geht es noch immer noch, doch die fragmentarischen Charakterhintergründe und Persönlichkeitsdetails sind recht spannend. Da wird Dracula als Verkörperung von Weisheit positioniert, als uralte und unsterbliche Macht, die ein schier unendliches Wissen ohne die Fesseln aus Religion, Sterblichkeit und Nationengrenzen angesammelt hat. Tötet man Dracula, geht ein Großteil dieses Wissens verloren. Dieser Aspekt beeinflusst auch Alucards ansonsten etwas unterentwickelte Vater/Sohn Problematik, die zumeist nur an der Oberfläche kratzt. Ähnlich verhält es sich mit den Differenzen zwischen ihm und Trevor Belmont, dessen eigene familiäre Prägung nicht nennenswert weiter geführt wird, als es Staffel 1 bisher getan hat. Auch Magierin Sypha kann höchstens ein paar verbale Stichworte zu ihrer Vorgeschichte geben, ehe sie plötzlich quasi der Avatar in Person wird.


Dennoch, diese nur halb zu Ende gedachten Charakterdetails reichen aus, um einen schick entworfenen Horrorfantasy Actionstoff interessant zu gestalten. Auch in Draculas Schloss tut sich etwas. Mit seinen Generälen plant der Fürst den weiteren Krieg, doch inzwischen haben Trauer und Schwermut von ihm Besitz ergriffen. Dracula scheint angreifbar, auch von Leuten innerhalb seines Zirkels. Verbündete Vampirlords wittern ihre Chance und wettern gegen die zwei Menschen im Zirkel, die die Auslöschung ihrer eigenen Spezies mitgestalten. Und dann ist da noch die kesse Carmilla, als Vampirin so mächtig wie gerissen, die, so scheint es, Intrigen schürt. „Castlevania“ hat dann doch nicht ausreichend Zeit und Raum, um diese spannenden Grundideen als Personen wirklich lebendig werden zu lassen, doch auch hier ist das Zählbare reizvoll genug.

Letztendlich aber ist „Castlevania“ nur eine spannende und unterhaltsame Abenteuergeschichte, die auf einen effektvollen Showdown abzielt. Echte Action ist zunächst wirklich rar gesät und dann auch noch schnell vorbei, doch am Ende geht es mehrfach mitreißend, originell und oft saumäßig brutal zur Sache. Die kaum im Ansatz jemals in der Realität verankerte Action mit Morgensternpeitsche, fliegendem Schwert und wilder Magie trifft auf ähnlich übernatürliche Gegner, so dass man sich hier und da nur zurückfallen lassen kann, um den Irrsinn zu genießen. Die blutigen Ergebnisse der Konflikte überschreiten dabei häufig genug die Notwendigkeit, um Vampire als blutrünstig und den Menschen körperlich überlegen zu zeigen. Es ist ein wenig selbstgefällig und anbiedernd, wie auch die im englischen Original unpassend häufige Verwendung des F-Worts. Stilistisch ist „Castlevania“ einem Netflix Animationspartner wie „Godzilla“ klar überlegen, mit originellen Entwürfen und gelungener Farbgebung. Nur in Bewegungen durch dreidimensionale Räume wird klar, dass man hier nicht endlos Ressourcen zur Verfügung hatte. Treppensteigen und eine Kutschfahrt sehen regelrecht hässlich aus. Doch das ist im Vergleich zum Rest verschmerzbar.

Fazit:

„Castlevania“ Staffel 2 ist immerhin eine richtige Staffel und führt zu einem runden und zufriedenstellendem Seherlebnis. Das ist unterhaltsam, nett anzusehen und hat ein paar nette inhaltliche Ansätze. Doch um wirklich länger in Erinnerung zu bleiben, fehlt der Serie die Finesse und in erster Linie die Zeit. „Castlevania“ ist vielleicht die erste Netflix Serie, die ein paar Episoden mehr vertragen könnte.

7 / 10


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