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Creed 2


Kritik von Christian Mester
Ein unermüdlicher Fighter mit einem weißen Gürtel in Karate, der alle Karate Tiger Filme gesehen hat - und alle Bloodsports - und alle American Fighters.

Creed 2 (2019)
Regie: Steven Caple jr
Cast: Michael B Jordan, Dolph Lundgren, Sylvester Stallone

Story:
1985 stand Rocky bereits ein erstes Mal als Trainer am Ring, als er zusehen musste, wie der zur höchsten menschenmöglichen Leistung getriebene Ivan Drago seinen Freund Apollo Creed vor lauter Kraft erst zu Brei, dann erschlug. 34 Jahre später droht ein gruseliges DejaVu, als der erwachsene Sohn Dragos seinen neuen Schützling, den verstoßenen Sohn Creeds und aktuellen Champion im Schwergewicht zu einem Titelkampf herausfordert…

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Kritik:

Obacht: beinhaltet leichte Spoiler.

Yep, die Rocky Saga geht noch immer weiter. Nachdem „Creed“ so ein toller Film wurde, der Rockys Kampf gegen den Krebs und Creed Juniors Selbstfindung für sich und auch als Avatar des ewigen rockyesken Underdog Fighters vortrefflich kombinierte, geht es nun ins nächste Kapitel … und wisst ihr was? Eigentlich hätte der Film seinen ursprünglichen Arbeitstitel „Drago“ beibehalten sollen, denn überraschenderweise sind Drago und sein Sohn im Film gefühlt wesentlich wichtiger als Team Balboa.

Das Problem auf Seiten Balboas ist, dass der Film ihrerseits fast nichts zu erzählen hat. Rock geht’s wieder gut und er ist meistens bei den Kämpfen und beim Training dabei, um wieder mal mitzufiebern und zu motivieren, doch der Film reduziert seine Relevanz doch deutlich. Dabei müsste er wichtiger sein, kehrt mit den Dragos doch ein Geist aus seiner Vergangenheit zurück. Dass das erste Aufeinandertreffen von Lundgren und Stallone spannend ist, ist gar keine Frage. Lundgren gibt den gealtertern, noch immer recht wortkargen stolzen Russen passend, doch „Creed 2“ interessiert sich nur wenig dafür, was diese Begegnung für Balboa bedeutet.

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Michael B. Jordan indes hat erneut sensationell trainiert, doch in Sachen Script bekommt der Black Panther Gegenspieler nicht allzu viel zu tun. Als Fighter darf er seine Wunden und Blessuren lecken, sich fragen, ob er hinsichtlich seiner Familie nicht besser aufhören soll, doch im direkten Kontrast mit dem alten Film fehlt zweierlei. Rocky stürzte damals in ein seelisches Loch, musste für die Ehre seines Freundes fighten und noch viel lustiger, für Amerika. Er musste extra nach Sibirien fliegen, um im Schnee Kutschen zu hieven und bei Minusgraden zu joggen, um den Ultrakampf gegen den Überkämpfer zu bestehen und um eine käsige lange „Heal the World“ Abschlussrede zu halten. „Creed 2“ ist natürlich weniger käsig, ist cooler,dezenter, ohne jegliche Überstilisierung. Damit aber auch weniger unterhaltsam.

Wie klasse war es damals aufgezogen, Apollo Creed zu, nein sogar mit James Brown tanzend im Yeah USA Patriotenoutfit gegen den vermeintlich tumbdummen russischen Terminator antreten zu lassen? „Rocky 4“ mag ein dümmlicher Film sein, aber ein herrlich unterhaltsamer, der das letzte Stück Mais aus seinem Popcorn herausholt. „Creed 2“ will ernster sein, hat dafür aber nicht die benötigten Dramenqualitäten in der Ringecke. Dafür Dragoqualitäten.

Was die Dragos betrifft, kriegen sie zwar weniger Szenen als Team Balboa, aber die sind interessanter. Drago Junior, gespielt von dem in Deutschland aufgewachsenen Rumänen Florian Munteanu, ist kämpfertechnisch ein absolutes Tier, aber mit emotionalen Ballast. Er will seinen Vater ehren, der ihn ohne Ende pusht und die Familienreputation revitalisieren will (die Dragos verloren nach dem alten Kampf alles und die Eltern trennten sich). Drago Junior kämpft also um Erlösung, um und für seine Familie - Brigitte Nielsen ist sogar ebenfalls im Film – und damit mit triftigeren Gründen als Creed junior, der lediglich seinen Weltmeistertitel behalten will. Zwar könnte er Drago junior als Phantom sehen, das ihm indirekt seinen Vater genommen hat, aber der Film weiß, dass es nach dem letzten Film wenig Sinn machen würde und geht da auch nicht hin. Handwerklich leistet Steven Caple jr (auch ein Junior) solide bis gute Arbeit, wenn er auch nicht in einer Liga mit Vorgänger Ryan Coogler steht, der sein Rocky Kapitel wesentlich stilvoller, mitreißender und emotionaler inszenieren konnte. Die Konfrontationen zwischen den beiden Juniors sind heftig und man fühlt mit, wird einer schwer getroffen. Kommt man dafür, darf man mit einem ruhigen Nicken nach Hause gehen. „Creed 2“ ist definitiv ein brauchbarer guter Boxfilm.

Sofern Sly es sich übrigens nicht anders überlegt, wird „Creed 2“ das Ende der Rocky Saga sein. Er sagte bereits, dass er die Rolle endgültig an den Nagel hängt. Vielleicht wird noch in weiteren Filmen weitergeboxt, dann aber ohne ihn.

Fazit:
„Creed 2“ fühlt sich wie ein ordentliche Zugabe an – und wie eine klassische Zugabe, nicht wie eine geplante Zugabe mit dem größten Hit am Ende. Bei weitem nicht so packend und stark wie die beiden Filme davor, liefert Sly dennoch noch einmal etwas Rocky-Feeling und zuckert es mit ein klein wenig Nostalgie. Ob es damit ein unnötiges Sequel oder ein verdientes Bonus-Dankeschön für Fans ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wichtig ist, dass dieser achte Rocky Film nichts am Mythos schädigt oder in schlechte Bahnen zieht, auch hat man nicht das Gefühl, dass Rocky hier bloß Marketing für eine Creed Reihe macht. Schade ist es jedoch ein wenig, weil Creed junior mit diesem Film offenlegt, dass er keine weitere eigene Reihe ohne Rocky stemmen können wird. Muss er auch nicht, da diese beiden Filme trotz ihrer Titel für alle eh Rocky 7 und 8 bleiben werden, doch hatte der letzte Film eigentlich noch genug Herz, dass er es eventuell hätte schaffen können. Auch wenn es ein Adonis Creed, ein Michael B. Jordan selbstredend niemals mit einem Rocky Balboa, mit einem Sylvester Stallone aufnehmen kann. Bei allen Qualitäten fehlt ihm einfach das Charisma des nuschelnden Rockys, der mit seiner niedlichen, gewöhnlichen Adrian ein Date auf der Schlittschuhbahn hat.

6 / 10
10 - Meisterwerk
8-9 - sehr gut
6-7 - gut
5 - mittelmäßig
3-4 - ausreichend
1-2 - miserabel
0 - Inakzeptabel 

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