BG Kritik:

Plötzlich Familie



Instant Family (US 2019)
Regisseur: Sean Anders
Cast: Mark Wahlberg, Rose Byrne, Isabela Moner

Plötzlich Story: Zu einer echten Familie gehören Kinder. Zumindest sind sich Ellie und Pete dessen immer sicherer, nicht zuletzt, weil die lieben Verwandten gerne mal ihre Idealvorstellungen heraushängen lassen. Also schaut sich das Ehepaar auf einer Adoptionsseite herum, nimmt an einigen Informationstreffen teil – und plötzlich sind sie Eltern der fünfzehnjährigen Lizzy und ihrer beiden jüngeren Geschwister.

Eine BG Filmkritik von Daniel Schinzig!

Mark Wahlberg hieß mal gebürtig Mark Wahlberg


Es gibt so einige „Plötzlich“ Filme: In „Plötzlich Prinzessin“ wurde Anne Hathaway plötzlich Prinzessin. In „Plötzlich Papa“ wurde Omar Sy plötzlich Papa. In „Plötzlich Star“ wurde Selena Gomez plötzlich Star. Das Konzept ist klar. Nun gesellt sich zur „Plötzlich“-Familie „Plötzlich Familie“. Und – Oh Wunder – da wird aus einem glücklichen Ehepaar plötzlich eine fünfköpfige Familie. Ist das schon alles, was man zu der, den Trailern nach zu urteilen, harmlosen Komödie schreiben kann oder bietet der Familienfilm etwa mehr, als man auf den ersten Blick vermutet?

Plötzlich wiedervereinigt: Tatsächlich scheinen sich nicht nur auf der Erzählebene Menschen gefunden zu haben. Auch bei Cast und Crew begegnen sich vor und hinter der Kamera einige Freunde wieder, zwischen denen augenscheinlich die Chemie stimmt. So kann an dieser Stelle sogar eine Brücke zu Michael Bays phänomenal abstrus-gescheiterten Roboter-Explosions-Klamauk „Transformers: The Last Knight“ geschlagen werden, dessen Verrücktheit ja bekanntlich nicht oft genug hervorgehoben werden kann. Aber zurück zum Punkt: Mark Wahlberg und seine „Plötzlich Familie“-Film-Adoptivtochter Isabela Moner durften vor ihrem Vater-Kind-Auftritt gemeinsam nebst Metall-Dinos und Tafelrunden-Kriegsmaschinen als Cade Yeager und Izabella in die Spielzeug-Franchise-Schlacht ziehen. Und auch Regisseur Sean Anders hat mit Wahlberg bereits bei seinen vorangegangenen Komödien „Daddy’s Home – Ein Vater zu viel“ und „Daddy’s Home 2 – Mehr Väter, mehr Probleme!“ zusammengearbeitet. Wichtige Pfeiler des Projekts kennen sich und scheinen sich zu schätzen. Wer weiß: Vielleicht mag das einer der Gründe dafür sein, dass das Ergebnis auf allen Ebenen sympathisch wirkt und wir sehr schnell für die sich erst finden müssende Familie Sympathien aufbauen.

Plötzlich real: Sicher auch nicht unwichtig für diesen Umstand sind die persönlichen Erfahrungen von Sean Anders. Dass sich der Film mit dem Siegel „Nach einer wahren Geschichte“ schmückt, lässt etwas mehr aufhorchen, als es angebracht ist. Denn hinter dem Ganzen steht kein weltveränderndes historisches Ereignis, keine noch nie dagewesene Lebensgeschichte, nicht einmal ein besonders skurriler Zeitungsartikel. Der Schlüssel für diese vollmundige Ankündigung lässt sich beim Filmemacher finden. Denn nicht mehr und nicht weniger als seine eigenen Erfahrungen als Adoptiv-Papa dreier Wonneproppen spielen hier eine Rolle. Anders streut immer mal wieder Momente ein, bei denen er mit Sicherheit in den eigenen vier Wänden gespickt haben mag. Doch „Plötzlich Familie“ soll keine Biografie, keine adäquate Verarbeitung traumatischer Begebenheiten oder sonst etwas Gewichtiges sein. Vielmehr fühlte sich ein Filmemacher durch seine eigene kleine private Geschichte inspiriert zu einer durch und durch gelungenen Feel-Good-Comedy. Und gerade in dieser geringen Größe des „Wir erzählen was Wahres“-Stempels liegt eine große Stärke.

Als Rapper hieß Mark Wahlberg Marky Mark


Plötzlich unbeschwert: Alles fühlt sich leicht an, unbeschwert, und doch nie belanglos. Wahlberg und Rose Byrne als eingespieltes Pärchen nehmen uns mit auf eine regelrechte Spielzeugrutsche der Gefühle, stecken uns erst mit ihrer großen Freude über die drei neuen Familienmitglieder an, lassen uns dann ihre Überforderung und ihre Zweifel spüren. Die frisch gebackenen Eltern machen einen überdeutlichen Prozess durch, dem wir als Zuschauer unerwartet emotional involviert beiwohnen. Wenn die zuerst charmant-taffe Lizzy zur Rebellin mutiert, überfordert durch eine traumatische Vergangenheit, nie gekannter Eltern-Liebe und Pubertätsproblemen, ihr kleiner Bruder Juan mit krankhaft niedrigem Selbstwertgefühl zu kämpfen hat, dazu noch Themen wie Verlust, Enttäuschung und Vorurteile angerissen, Zusammenhalt und der Wert von Familie zelebriert werden, kann es dem ein oder anderen Zuschauer zu viel werden und er wird mitunter kotzend das sich drehende Gefühls-Karussell verlassen, vielleicht sogar mit dem Schrei nach „Kitsch“ auf den Lippen. Doch festzuhalten bleibt: Das Karussell mag einigen zu poppig daherkommen, aber es läuft fabelhaft. Und bei nicht wenigen werden einige Szenen in Verbindung mit dem simpel effektiven Score von Michael Andrews für Gänsehaut, vielleicht sogar für Tränen sorgen.

Plötzlich gelacht: Natürlich drückt Sean Anders nicht nur auf die Tränendrüse. In erster Linie ist „Plötzlich Familie“ eine Komödie. Mit wenigen Ausnahmen wie einem herrlich chaotischen Weihnachtsessen wird auf Slapstick verzichtet, ein Großteil der Komik geht von den Charakteren, den Dialogen und der für alle ungewohnten Situation aus. Vor allem Julianna Gamiz als Lita, der Jüngsten des adoptierten Dreiergespanns, sorgt mit ihrer süß-trockenen Art für einige besonders herzlich-komischer Momente, und auch Nebencharaktere wie Grandma Sandy (Margo Martindale) haben Sympathien und Lacher auf ihrer Seite. Am spannendsten aber ist „Plötzlich Familie“ immer dann, wenn gleichzeitig unsere Lach- und Denkmuskeln angeregt werden. Denn in den überspitzt dargestellten Eltern-Vorbereitungs-Sitzungen des Adoptionsunternehmens lässt sich leicht ein kritischer Blick auf den Umgang mit elternlosen Kindern erkennen: Zu Stereotypen degradierte Erwachsene, die aus den belanglosesten und oberflächlichsten Gründen Mädchen und Jungen adoptieren wollen, treffen auf mit der Zeit zynisch gewordene Beamte, die mitunter die Funktion von Marktverkäufern erfüllen müssen.

Plötzlich Fazit:

Alle, die ihre Freude an einem gut gemachten, sympathischen, gleichermaßen emotionalen wie komischen Familienfilm mit einigen satirischen Elementen haben, werden plötzlich mit einem breiten Grinsen das Kino verlassen.

7 / 10


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