BG Kritik:

Robin Hood



Robin Hood (US 2018)
Regisseur: Otto Bathurst
Cast: Taron Edgerton, Jamie Foxx, Ben Mendelsohn

Story: Haltet eure Kapuzen fest und Flitzebögen bereit, denn ein neuer Superheld ist in der Stadt. The Hood ist kein Rapper und auch kein verirrter Comic-Con-Besucher, sondern der einzig wahre Hood. Also der Robin. Nur dass keiner weiß, dass er der Robin ist, weil er seine Identität ja unter einer Kapuze versteckt. Der Film dürfte also gar nicht „Robin Hood“ heißen, weil „Batman“ ja auch nicht „Bruce Batman“ heißt. Leider geht es hier aber nicht um dieses Mysterium, sondern um eine belanglose Variante der ikonischen Geschichte über den Mann, der von den Reichen stiehlt und den Armen gibt. Und – in diesem speziellen Bullshit-Fall – nach einem Betrug durch den Sheriff vier Jahre Krieg überstehen muss, um schließlich heimzukehren, sich zu rächen und seine geliebte Marian zurückzuerobern.

Eine BG Filmkritik von Daniel Schinzig!

Kein Remake des Russell Crowe Films


Es gibt in Otto Bathursts „Robin Hood“ diese eine Szene, die für Gänsehaut sorgen soll, stattdessen aber voll auf’s Zwerchfell geht. Robin von Loxley und Marian besprechen sich, es geht um nicht weniger als um ihr Schicksal, um Rache, um Gerechtigkeit. Marian versucht Robins Zweifel an seinen Taten zu zerstreuen, drückt in pathetischer Stimmlage aus ihren Lungen: „Wenn nicht du, wer sonst?“ Es herrscht ein paar Augenblicke lang Schweigen, damit sich die Wirkung der Worte auch ja entfalten kann. Marian setzt nach: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ In nicht wenigen Köpfen, zumindest der deutschen Zuschauer, wird nun vermutlich der friedlich schlummernde Ohrwurm erwachen und nervig grölen: „Wenn nicht hier, sag mir wo und wann!“ Was war das? Mit etwas Glück, mag man in diesem Moment eventuell denken, hatte der für die Synchronisation verantwortliche Dialogbuchautor einfach einen Rainer Brandt zum Frühstück und ist Fan der Höhner. Doch wenn im Abspann genau diese Worte noch einmal im Original auf der Leinwand erscheinen – „If not you, who? If not now, when?“ – wird klar, dass das nichts mit einer schnoddrigen Synchronisation zu tun hat, sondern von den Drehbuchautoren Ben Chandler und David James Kelly tatsächlich ernst gemeint ist. Und dass diese Paradebeispiele austauschbarer Zeilen in absoluter Reinform offenbar sogar einen zentralen Handlungspunkt des Films markieren sollen.

Scheiße fabrizieren und damit in den Credits sogar noch stolz angeben, damit beim Zuschauer zwei Kopfschüttler zum Preis von einem erzeugt werden. Das gab es auch noch nicht oft, macht aber hoffentlich keine Schule. Zugegeben, dieses pompöse Aufblasen verschwörerisch dahergeschwabelter Nicht-Sätze ist ein Extrembeispiel. Doch dieser döfste aller doofen Robin-Hood-2018-Momente ist symptomatisch für den gesamten Film. Oder anders gesagt: Der „Wenn nicht jetzt, wann dann“-Dialog mag mit das bemerkenswert dümmste an der gefühlt tausendsten Verfilmung des Strumpfhosenträgers sein, doch viel schlauer – oder gar besser – sind die anderen Minuten filmischen Brechreizes auch nicht.

Das liegt nicht nur an dem geistigen Unterflieger-Niveau der meisten Dialoge, sondern auch an vielen weiteren Dingen. Und so leitet das Wort „Brechreiz“ perfekt über zu einem der vielen anderen Störfaktoren. Denn Trailer und generelle Vermarktung des Ganzen schreien uns ja quasi an, dass da ein neuer, hipper, krasser Action-Abenteuer-Blockbuster auf uns zu kommt, der das Robin-Rad so smooth zum Rollen bringen soll wie nie zuvor. Und so eine Art Film steht und fällt zum großen Teil mit seinen Schauwerten. Nun, eventuell sind Schauwerte enthalten, eventuell ist die Action-Choreografie sogar ganz ordentlich, doch der permanente Einsatz epileptisch-wackelnder Kotz-Kamera-Bewegungen und hyperaktiv gesetzter Schnitte lässt kaum erkennen, was passiert, wenn gekämpft, gerannt und geschossen wird. Dabei ist das, was wir zum Beispiel bei einer Pferdekutschen-Verfolgung auf wackeligen Holzbrücken erkennen können, gar nicht verkehrt. Doch das Wiehern der Pferde wird bei zu langem Blick auf das wabbelig-wobbelnde Wackelmassacker zum schmerzhaften Wiehern in den Köpfen der Zuschauer. Autsch. An dieser Stelle eine Gedenkminute für die gute Arbeit der Stunt-Leute, von der aufgrund miserabler Kamera-Arbeit leider niemals jemand irgendwas zu sehen bekommen wird…

Taron Egerton war der Kingsman


Hin und wieder beeindruckt uns Otto Bratwurst aber mit Money Shots in Slow-Motion. Robin Hood im Zeitlupenflug einen Pfeil Richtung Kamera schießend: Da sabbert jeder Studiochef, denn damit lässt sich gut Werbung machen. Und das kommt auch fraglos im fertigen Film cool rüber. Doch ein Teil dieser kurzen Aufnahmen im verlangsamten Tempo scheinen kurioserweise aus der Zufallsmaschine zu stammen und zeigen beispielsweise während einer sich am aktuellen Zeitgeschehen orientierenden Massenschlacht auch mal nur einen wahllos zutretenden Fuß. Das in Verbindung mit auffallend vielen handwerklichen Fehlern wie verwirrenden Achsensprüngen in hektischen Szenen sowie der unpassend modernen Kleidung und Maske der Darsteller ergibt einen der wenigen Fälle von hochbudgetierten Event-Filmen, bei dem tatsächlich objektiv von schlechter Arbeit gesprochen werden kann.

Da ist es fast schon egal, dass die Story auch großer Murks ist. Die grundlegende Idee, aus dem bekannten „Robin Hood“-Stoff ein Superheldenabenteuer zu machen, ist nicht besonders pfiffig, aber hat fraglos Potenzial für spaßigen Action-Quark. Doch Bratwurst nimmt sich und sein Werk so ernst, dass der Film auch „Ernst Hood“ hätte heißen können. So wirkt es nicht nur lächerlich, wenn der von den Kreuzzügen heimgekehrte von Loxlay als Tarnung den unnahbaren Playboy, der sich in den oberen Reihen der Gesellschaft bewegt, gibt, und zu anderer Zeit wie eine billige Kopie des CW-Arrows mit maßgeschneiderter Kapuze auf dem Kopf den Superhelden raushängen lässt. Es erinnert auch an einen uns allen wohlbekannten Capeträger mit Fledermaus-Ohren. Und wie Batman bei „Batman Begins“ darf sich The Hood ebenfalls anhören, dass die Kapuzenidentität doch sein wahres Ich sei, und Robin von Loxlay doch eigentlich die Maske. Bei solchen Erkenntnissen ist es fast schon kein Wunder, dass Taron Edgerton eine furchtbar gelangweilte Vorstellung gibt und auch Jamie Foxx als Mentor John eher zweckdienlich ist. Immerhin Ben Mendelsohn hat an seiner Rolle als fieser Sheriff von Nottingham Spaß und darf einige herrlich bedrohlich vorgetragene Reden schwingen.

Fazit:

„Robin Hood“ tritt an, um sich bereits im Januar unter den schlechtesten Blockbustern des Jahres zu positionieren. Und zumindest in dieser Disziplin trifft der Kapuzen-Mann mit seinem verwackelten Pfeil voll ins Schwarze. Aber hey: Wenn nicht er, wer sonst? Ist das nicht wunderbar…

2,5 / 10


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