BG Kritik:

Nur ein kleiner Gefallen


Ein B-Movie Freund, der seit einigen Jahren in Köln heimisch ist und dort erfolgreich Design studiert hat. Seitdem schiebt er u.a. Pixel hin und her.

A Simple Favor (USA 2018)
Regisseur: Paul Feig
Cast: Anna Kendrick, Blake Lively, Henry Golding, Rupert Friend, Linda Cardellini

Story: Zwei oberflächlich betrachtet völlig unterschiedliche Frauen freunden sich aufgrund der aufkeimenden Freundschaft ihrer gemeinsam die Schulbank drückenden Söhne an. Man trinkt, lacht, tauscht kleine Geheimnisse und Frivolitäten aus, und bittet um einen kleinen Gefallen. Dann verschwindet eine von ihnen... Basierend auf dem Buch von Darcey Bell.

Was passiert, wenn der u.a. für Brautalarm und den 2016er Ghostbusters Reboot verantwortliche Paul Feig sich eines waschechten Krimis oder Thrillers annimmt? Kein Schimmer, denn Nur ein kleiner Gefallen ist weder das Eine, noch das Andere. Zumindest nicht so richtig. Und auch wenn gewaschen wird – vor allem schmutzige Wäsche und Geheimnisse - so richtig echt ist auch das nicht, bzw. nicht immer. Denn hier stimmt offensichtlich so einiges nicht, was auch den Reiz für die Zuschauer vom kleinen Gefallen ausmacht, doch dazu gleich.


Zunächst treffen in Nur ein kleiner Gefallen die eher züchtig und zurückhaltende und unlängst tragisch verwitwete Blogger-Mom Stephanie (Anna Kendrick) und die alles andere als züchtig und zurückhaltende und eine offensichtliche Traum-Ehe mit einem Traum von einem Mann und erfolgreichem Schriftsteller führende PR-Chefin Emily (Blake Lively) aufeinander. Und bereits beim Kennenlernen wird klar, Nur ein kleiner Gefallen ist kein völlig ernsthaft gemeinter Film. Kann gar nicht. Völlig überzeichnet, augenzwinkernd, von Humor durchzogen, ja, bis hin zur Satire hin schwingend, lässt Paul Feig hier das Genre-Karussell seine Runden drehen. Oder besser gesagt ist es eher wie eine Achterbahnfahrt voller Schlenker und Wendungen, getoppt von überraschenden Überschlägen in der Handlung, wo auf die ruhigen Streckenabschnitte, unmittelbar hinter der nächsten Kurve ein Looping wartet, der alles wieder auf den Kopf stellt. Und wie das bei Loopings, Kurven und Co. nun mal so ist, manche davon sind haarig. In diesem Fall sehr haarig und eher und öfters etwas an den Haaren herbei gezogen. Denn einige der Wendungen hier haben genug Kraft und Ausdauer in den präsentierten knapp zwei Stunden, um einer durchschnittlichen Vormittags-Seifenoper genug Material für gefühlte zwei Staffeln zu verpassen. Als ernsthafter Thriller dürfte Nur ein kleiner Gefallen daher nicht funktionieren. So gar nicht. Aber im Mix? Ja, erstaunlich gut und unterhaltsam. Nur lieber nicht zu ernst nehmen und zu exakt darüber nachdenken, was Feig hier aus Thriller mit Krimi-Anleihen, Drama und nicht zu knapp flapsig-witziger Comedy mischt und kredenzt.


Dabei ungemein stylisch gefilmt, u.a. in Zeitlupe und in einer an Hochglanz Werbe- und Mode-Fotografie erinnernden Art der Inszenierung, zelebriert Feig bereits das erwähnte Kennenlernen der unterschiedlichen Frauen und Mütter. Wenn Blake Livelys Emily vor der Schule der Kinder bei Regen im perfekt sitzenden, mondänen Hosenanzug inklusive lilafarbender Louboutins aus ihrem Porsche steigt, auf Kendricks Stephanie zustolziert - während in Slow-Motion ein Regenschirm die Szenerie durchfliegt – ist es nicht nur um die in letzter Zeit vereinsamte Single-Mum Steph geschehen. Nein, gleichzeitig verleiht die Szenerie Livleys Figur auch eine Aura der Unzerstörbarkeit, welcher weder Regen, noch sonst etwas in ihrer Welt – alle anderen leben nur darin - irgendwas anzuhaben vermag. Sofort verzaubert von der Mischung aus sexy, taff, witzig und erfolgreich, sieht sich Stephanie sichtlich geschmeichelt, als Emily sie auf einen Drink mit zu sich nach hause einlädt. Bei vielen eiskalten Martinis am Nachmittag kommen sich die zunächst ungleich wirkenden Frauen und Mütter näher, man tauscht sich aus, erzählt sich Dinge die man nur der allerbesten Freundin erzählt... und alsbald bittet Emily ihre neue beste Freundin dann um den einen kleinen Gefallen. Stephanie soll schlicht Emilys Sohn Nicky mit von der Schule abholen und ein paar Stunden auf ihn achtgeben. Nur kommt Emily eben nicht wieder. Stephanie nimmt in Eigeninitiative die Ermittlungen auf. So parallel zur Polizei. Logisch.

Schein, Sein und diverse Risse in Fassaden, unterlegt von einem gefühlt ein bisschen weniger von französischem Chanson angehauchtem Soundtrack, als vom Trailer suggeriert, klingt Nur ein kleiner Gefallen charmant, frech, sexy und witzig, schlägt aber ab und an auch düstere Klänge an. Ganz passend zur weiteren Entwicklung der Story um eine vermisste Person(?), Freundschaft(?), Neider(?), Leidenschaft(?), Blogging im Internet... Liebe, Mutterschaft und gar Mord? Um das nochmals klar zu machen, wer beim im Original A simple Favour betitelten Werk einen neuen Film von der Richtung Gone Girl oder auch eines Girl on a Train erwartet, dürfte eher enttäuscht werden. Wer aber auch mit einer eher sardonisch-satirischen Cousine, mit einem Faible für Schimpfwörter und verrückten Wendungen klar kommt, könnte an diesem von zwei wunderbar aufspielenden Hauptdarstellerinnen angeführten Film seinen Spaß haben. Der Rest vom Cast bekommt aber deutlich weniger Aufmerksamkeit geschenkt und bekommt anders als das Duo Kendrick/Lively auch kaum Platz. Sie sind da, erfüllen ihre Zwecke für das was noch kommt. Fertig. Der Film gehört Kendrick und Lively, wobei erstere eben in Eigeninitiative nach ihrer Freundin sucht und dabei auf das eine oder andere Detail aus deren Vergangenheit stört und Hinweis auf Hinweis folgt. Wer hat wem was angetan? Was steckt dahinter? Wessen Geheimnisse werden als nächstes offenbar? Fragen über Fragen, auf die Nur ein kleiner Gefallen eben nicht immer völlig logisch erscheinende Antworten parat hat – wodurch er aber eben auch oft völlig unvorhersehbar bleibt. Mehr will er aber offenbar auch gar nicht, und das sollte man mögen. Stattdessen wollte Feig offensichtlich einen amüsanten Film mit zwei starken Darstellerinnen präsentieren, bei dem der nächste leicht bis mittelmäßig anrüchige Spruch meist nicht weit ist, und der dabei gerne von den perfekt geschminkten Lippen der als gegensätzliche Spiegelbilder inszenierten Lively und Kendrick vorgetragen wird. Dazu eine Prise Kritik an den unterschiedlichen Mutterbildern unserer heutigen Gesellschaft, ordentlich schwarzer Humor und fertig ist ein ausufernd und genüsslich zelebrierter Genre-Mix.

Fazit:

Nur ein kleiner Gefallen ist eine Ménage-à-trois aus Thriller, Drama und Komödie, die sich leidenschaftlich und (mehr oder weniger zumindest) hemmungslos vereinen, um knappe zwei Stunden Spaß miteinander zu haben. Nichts wirklich tiefgründigeres, nichts für die Ewigkeit, aber eine angenehme Möglichkeit der Zerstreuung. Auch für sein Publikum.

6 / 10


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