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Jay

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Samstag, 10. Oktober 2015, 03:49

Hey Revolver, den beiden Waynes würde ich persönlich je einen Punkt mehr geben. Im Falken ist Waynes Figur oft fragwürdig, aber das war doch auch so geplant. Während es den anderen um Rettung geht, hat sein Charakter doch bloß Blutrache im Sinn.
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Revolvermann

Goodfella

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82

Samstag, 10. Oktober 2015, 13:57

Um es komplett glaubhaft zu machen, war er dann aber an anderer Stelle irgendwie zu heroisch.
Aber sicher war sein fragwürdiger Charakter so angelegt. Allein die großartige Eröfnungs- und Endsequenz (als er allein vor der Hütte bleibt und sich die Tür wieder schließt) sprechen da Bände.
Ich glaube die ersten beiden Dollar Filme waren bei mir 8er und da kommt der "Falke" und auch "Liberty" leider nicht ran. Wenn es auch ganz andere Filme sind. Auch untereinander sehr verschieden.
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Jay

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83

Samstag, 10. Oktober 2015, 15:30

Allein die großartige Eröfnungs- und Endsequenz (als er allein vor der Hütte bleibt und sich die Tür wieder schließt)


Ich wusste, dass du das noch nennen würdest ^^

Also ich find die beiden Dollars ja nicht so unglaublich. Also mit Spiel mir das Lied vom Tod, Erbarmungslos oder Zwei glorreiche Halunken ziehen die für mich nicht gleich. Wo siehst du die?
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Samstag, 10. Oktober 2015, 17:37

Oh, die drei sind auf jeden Fall mit an der Spitze. Ich habe die hier irgendwo auch schonmal bewertet aber es waren alle drei ganz klar 9er oder sogar knapp höher.
Da sehe ich auch alle drei höher als die ersten beiden Dollar Filme. "Zwei Glorreiche Halunken" ist auch mein Favorit der Dollar-Trilogie.

Edit: Ich hab gerade mal in alten Threads gestöbert und hatte der Dollar Trilogie 7,5/7,5/8,5 gegeben. Also heute wäre das wohl jeweils einen halben Punkt mehr. :D
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Argento

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85

Samstag, 10. Oktober 2015, 18:04

"Der Mann der Liberty Valance erschoss"

Gegen ein Remake in neuem Gewand, wie jüngst angekündigt, hätte ich nichts einzuwenden.
Der Klassiker bleibt bestehen wie er ist.
Es hat freilich einen immensen Seltenheitswert zu lesen, dass sich ein Remake eines John Ford Werkes gewünscht wird, bzw. die Idee eines solchen nicht sofort als unmögliches Unterfangen abgetan wird.

John Ford ist einer der Großmeister der Kunstform des Films und man kann ihn in seiner Bedeutung gar nicht überschätzen.

Die Bildsprache, die er entwickelte und etablierte bildet noch heute die strukturelle Basis für das moderne Kino. Er ist - und das darf man sagen, ohne in Verlegenheit, ob einer möglichen Übertreibung zu geraten - einer der Gründerväter des Kinos schlechthin.
Ohne ihn (und natürlich gesellen sich noch ein paar weitere Gesellen in die Reihe der bedeutenden Großmeister des Films) wäre das, was wir als "Film" bezeichnen, größtenteils gar nicht vorstellbar.

Hier eine themenbezogene Anekdote, die Peter Bogdanovich über Orson Welles zum Besten gab:
https://www.youtube.com/watch?v=Tkbx5pAl1xI

Welles sagte nämlich einmal:
"I prefer the old masters; by which I mean: John Ford, John Ford and John Ford."

Jetzt zum Thread selbst:
Schön, dass ein Interesse an den klassischen Western besteht.

Wenn es um amerikanische Western geht, wird man freilich an Zinnemanns HIGH NOON ebenso wenig vorbeikommen wie an Hawks Jahrhundertfilm RIO BRAVO.

Der alles entscheidende und am meisten stilprägende sowie richtungsweisende Beitrag dürfte aber von John Ford stammen - STAGECOACH aus dem Jahre 1939. Die von Ford im letzten Drittel des Films inszenierte "Verfolgungsjagd" ist - um nur bzgl. eines winzigen Aspekts die Wirkmächtigkeit dieses Werkes zu betonen - dergestalt richtungsweisend, dass selbst ein Vertreter des modernen Films wie Millers MAD MAX: FURY ROAD ohne Fords inszenatorische Pionierarbeit in dieser Form kaum vorstellbar wäre.

Aber auch im von mir sehr geschätzen Bereich der sogenannten Italo-Western gibt es einiges zu entecken:

Neben den allseits bekannten Vertretern von Sergio Leone und Sergio Corbucci (DJANGO, MERCENARIO, LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG, NAVAJO JOE) führt kein Weg an dem dritten großen "Sergio" vorbei - nämlich Sergio Sollima.
Sollima drehte nur drei Italo-Western, aber gleich zwei von ihnen sind Meisterwerke geworden, die die absolute Spitze des Subgenres bilden. DER GEHETZTE DER SIERRA MADRE und VON ANGESICHT ZU ANGESICHT sind gemeint.

Sofern man sich tiefergehender mit diesem Subgenre auseinandersetzen möchte, sei auch noch auf Valeriis DER TOD RITT DIENSTAGS, Goras IL NERO, Tessaris RINGO KOMMT ZURÜCK, Petronis VON MANN ZU MANN, Castellaris wunderbaren Spätwestern KEOMA, Questis surrealen TÖTE, DJANGO oder Damianis TÖTE AMIGO hingewiesen, um ein paar einführende Titel zu nennen.





"Ich spiele lieber fünf Minuten eine interessante Rolle in einem schlechten Film als 90 Minuten eine banale Rolle in einem guten Film."

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Revolvermann

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86

Samstag, 10. Oktober 2015, 18:32

Die Bedeutung John Fords ist mir durchaus bewusst.

Es hat freilich einen immensen Seltenheitswert zu lesen, dass sich ein Remake eines John Ford Werkes gewünscht wird, bzw. die Idee eines solchen nicht sofort als unmögliches Unterfangen abgetan wird.


Naja, gewünscht hätte ich es mir nicht unbedingt. Aber was wünscht man sich schon? Das sich alte Geschichten bewahren um ihrer selbst wegen? Die Idee, die Grundgeschichte in einen neuen, modernen Kontext zu verfrachten, sagt mir allerdings durchaus zu.
Warum soll es neuen, jungen Filmemachern nicht zugetraut werden eine alte Geschichte erfrischende, neue Impulse zu geben? Vielleicht mit dem Augenmerk auf ganz anderen Sachen. Vielleicht aber auch einfach eine moderne Version. Die Ignoranz vieler Leute (ohne das ich das hier irgendjemandem unterstelle, sind es meistens ältere Semester) besteht doch darin, zu denken, ein altes Meisterwerk dürfe nicht erneut kreativ bearbeitet werden. Hinzu kommt die unergründliche Haltung, dass wenn jemand in einem bestimmten Bereich Pionierarbeit geleistet hat, diese Arbeit grundsätlich das Maß aller Dinge in diesem Bereich darstellt. Auch wird es schnell, wie du schreibst, als "unmögliches Unterfangen" abgetan. Was aber auch ganz einerlei ist. Als sei es kreativen Köpfen stets ein Anliegen irgendetwas zu überbieten oder auf eine Stufe mit einem gelobten Original zu kommen. Ist das unmöglich? Vielleicht. Aber das müssen sie gar nicht und es kann ihnen auch herzlich egal sein. Es ist jedem freigestellt eine Geschichte zu bearbeiten. Wie Ford damals die literarische Vorlage von Dorothy M. Johnson benutzt hat um seine Vision zu verwirklichen.

Edit: Ich sollte hier keine Texte mehr zwischen Tür und Angel schreiben. Jetzt habe ich mich 700 mal verschrieben. :D
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Puni

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87

Samstag, 10. Oktober 2015, 19:11

Bei den Diskussionen kriegt man doch direkt wieder Lust auf Western, viel zu lange her, dass ich mich mit dem Genre beschäftigt habe. :D
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Argento

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88

Samstag, 10. Oktober 2015, 20:27

@Revolvermann:

Dass, was gemeinhin als Handlung bezeichnet wird, interessiert mich bezogen auf "Film" meist höchstens sekundär. Mit Handlung meine ich in diesem Falle den Plot, den roten Faden; das, was vorher niedergeschrieben wird, um den groben Rahmen vorzugeben.

Mich interessiert, inwiefern ein Regisseur es schafft, seine Bilder sprechen zu lassen. Über seine Bilder zu erzählen, anstatt seine Protagonisten einfach Worte aufsagen zu lassen, welche die Hanldung von A nach B führen. Letzteres ist einfach und etwas, was die Möglichkeiten des Films - also das, was die Filmkunst auszeichnet, nämlich im Idealfall die großen Künste (Musik, Malerei, Bildhauerei, Literatur) vereinen zu können - ungenutzt lässt und aus diesem Grund keinen Mehrwert zu einem Buch lieferte.

John Ford war ein Großmeister darin, Bilder sprechen zu lassen; über eben diese seine Geschichte zu erzählen.

Dieser schöne Beitrag, den ich im Netz fand, verdeutlicht ein wenig meine Position und arbeitet darüber hinaus noch mit hilfreichen Szenenfotos, welche die Akribie und Detailversessenheit eines John Ford wunderbar sichtbar werden lässt:
http://unendlichfilm.blogspot.de/2014/09/ringo.html

Du hast doch völlig Recht, wenn du sagst, dass jeder eine Geschichte beliebig bearbeiten kann. Aber es fällt mir schwer bei einem Werk von John Ford den Plot von seiner meisterlichen Inszenierung zu trennen. Denn WIE Ford Geschichten mittels seiner Bildsprache erzählt, macht seine Werke ja gerade so bedeutsam. Die Geschichte selbst muss dafür noch nicht einmal besonders nahrhaft sein.

Man werfe nur einen Blick auf einen anderen Großmeister - Alfred Hitchcock. PSYCHO war ein schwacher und sich billigster literarischer Kniffe bedienender Roman, der erst durch Hitchocks umwerfende Inszenierung; seine Bildsprache und sein Gespür dafür, dass filmische in dem Grundplot aufzuspüren, schlussendlich zu einem filmischen Meisterwerk wurde.
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Revolvermann

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89

Samstag, 10. Oktober 2015, 21:13

@Argento

Auch wenn ich mich ein paar Mal auf die Handlung bezog, meinte ich diese nicht ausschließlich, sondern ebenfalls die gesammte Cinematographie, mit all ihren Elementen.
Das:
Mich interessiert, inwiefern ein Regisseur es schafft, seine Bilder sprechen zu lassen. Über seine Bilder zu erzählen, anstatt seine Protagonisten einfach Worte aufsagen zu lassen, welche die Hanldung von A nach B führen. Letzteres ist einfach und etwas, was die Möglichkeiten des Films - also das, was die Filmkunst auszeichnet, nämlich im Idealfall die großen Künste (Musik, Malerei, Bildhauerei, Literatur) vereinen zu können - ungenutzt lässt und aus diesem Grund keinen Mehrwert zu einem Buch lieferte.

Ist auch meine Meinung. Auch wenn ich die Handlung nicht unbedingt als sekundär bezeichnen würde, so ist alles andere mindestens ebenso wichtig.
Wie Hitchcock schon sagte, sollte ein Film im Idealfall nur durch seine Bilder sprechen können. Kein Wunder, kam er ja vom Stummfilm. Dem Kindbett des Films. Nichtsdestotrotz können auch beispielsweise raffinierte Dialoge einen Film ohne Frage aufwerten.
Aber ich will auch nicht abschweifen. Ich meine den Film als Gesammtkunstwerk. Kein echter Künstler muss sich weder in der Handlung, noch in der Inszenierung einem unmöglichen Unterfangen gegenübersehen, nur weil der Stoff, auf den er sich bezieht, bei vielen Menschen als Meisterwerk gilt. Wo kämen wir hin, ob im Film, der Musik, der Literatur oder sonstwo,wenn alte Werke nicht neu bearbeitet, zitiert oder manche als Gesetz betrachtete Großtaten, sogar einfach mal missachtet blieben?
Nicht das du das behauptet hättest. Ich wollte nur meine Meinung (mit seltenheitswert) genauer darstellen. :)
Als müsste sich beispielsweise George Lucas für seine Prequels entschuldigen, weil ein Haufen Nerds hinter ihrem Rechner besser wissen, was Star Wars ist. Die Prequels waren sein Werk. Es darf, nein, es muss ihn einen feuten Kehricht scheren was die Leute davon halten. Zumindest in der Schaffensphase. Natürlich scherte es ihn wahrscheinlich schon, weil Herr Lucas nicht nur den kreativen Prozess im Auge hatte, sondern auch immer den kommerziellen Aspekt.

Es wird sich heute einfach so viel aufgeregt über Sequels,Prequels,Remakes und Reboots. Viele sehen es ja fast schon als Beleidigung des Originals oder zumindest ihrer nostalgischen Gefühle dafür. Ich sehe es eher als Auszeichnung. Es gibt unzählige Western von denen kein Remake in Planung ist, ganz einfach weil selbst das Original keine Relevanz mehr besitzt.
Was natürlich nicht heißt das nur Filme Relevanz besitzen von denen ein Remake in Planung ist. ^^ Nur ist so ein Remake keine Herabsetzung.
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Argento

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90

Sonntag, 11. Oktober 2015, 18:54

@Revolvermann:
Danke für deine ausführliche Antwort! Ich möchte mir einige deiner Aussagen herausnehmen und auf sie eingehen.

"Kein echter Künstler muss sich weder in der Handlung, noch in der
Inszenierung einem unmöglichen Unterfangen gegenübersehen, nur weil der
Stoff, auf den er sich bezieht, bei vielen Menschen als Meisterwerk
gilt. Wo kämen wir hin, ob im Film, der Musik, der Literatur oder
sonstwo,wenn alte Werke nicht neu bearbeitet, zitiert oder manche als
Gesetz betrachtete Großtaten, sogar einfach mal missachtet blieben?"

Ich könnte dir diesbezüglich so gut wie nicht widersprechen. Die Gedanken an ein mögliches Remake kamen allerdings in einem Beitrag von dir zur Sprache, welcher sich auf DER MANN, DER LIBERTY VALANCE ERSCHOß bezog. Sicher, ich habe mich in meiner Replik dann eventuell ein wenig zu generell geäußert, indem ich sagte, dass ich wahrscheinlich noch nie den Wunsch nach einem Remake eines John Ford Films gehört habe. Es wäre an dieser Stelle erst einmal sinnvoller gewesen, wenn ich mich nur auf LIBERTY VALANCE bezogen hätte. Dies als Vorbemerkung.

Der Punkt ist - neben jenen, die ich bereits in vorherigen Beiträgen aufzählte - dass ich nicht erkennen kann, inwiefern man die Geschichte von LIBERTY VALANCE dergestalt bearbeiten könnte, dass sie einen Mehrwert für die Gegenwart lieferte; beziehungsweise Daseinsberechtigung erlangen könnte. Ein Mehrwert scheint mir geradezu notwendig bei der Legitimierung eines Remakes. Fords Werk kommt aber so kompakt, so geschlossen daher - von der inszenatorischen Brillianz brauche ich nicht noch einmal anzufangen - dass ich - zumindest gegenwärtig - nicht sehe, was dem Werk noch hinzuzufügen wäre.

Meine Vermutung - und dies ist eine generelle Vermutung, die ich nicht in concreto auf dich bezogen wissen will - ist, dass Remakes in vielen Fällen nur gemacht werden; respektive gemacht werden sollen, um einem älteren Film eine optische Auffrischung (was auch immer das genau sein soll) zu verpassen und ihn somit mittels den Möglichkeiten der neuen Technik einer jüngeren Generation schmackhaft zu machen, die - so vermutet man anscheinend - schon von Profanitäten wie ungewohnter Mode, einer Schwarz-Weiß-Optik oder einer "langsameren" Schnitttechnick abgeschreckt werden könnte.

Der Geschichte selbst wird in den wenigsten Fällen um einen echten Mehrhwert bereichert. Wie du merkst, rückt nun, je tiefergehender sich eine Diskussion Pro- oder Kontra Remake entspinnt auch die Handlung, die Geschichte als solche, immer mehr in den Mittelpunkt der Betrachtung. Denn ich gehe davon aus, korrigiere mich, wenn ich falsch liege, dass die Gedanken an ein Remake erst einmal etwas mit der Handlung von LIBERTY VALANCE zu tun gehabt haben. Ich vermute, dass die Überlegungen nichts mit der Inszenierung zu tun gehabt haben, da diese auf Grund von Ford wahrscheinlich einer perfectio sehr nahe kommt.

LIBERTY VALANCE ist ja schon von seiner Prämisse her völlig in seinem Genre verhaftet. Es fällt mir schwer mir vorzustellen, dass die Handlung in eine andere Zeit verfrachtet werden könnte, da Ford mit seinem Werk ja gerade eine gewisse Entmythologisierung des Western selbst abliefert und die Kraft von Legendenbildungen thematisiert. Ich sehe nicht - Pardon, ich wiederhole mich - wo man ansetzen könnte, um ein gerechtfertigtes Remake mit Mehrhwert abliefern zu können. Gerade auch, weil Fords Werk ja zu einem Zeitpunkt veröffentlicht wurde, in welcher der Western eine nicht gerade geringe Rolle im amerikanischen Kino zukam. Dies ist ja heute obendrein nicht gegeben.



"Es wird sich heute einfach so viel aufgeregt über
Sequels,Prequels,Remakes und Reboots. Viele sehen es ja fast schon als
Beleidigung des Originals oder zumindest ihrer nostalgischen Gefühle
dafür. Ich sehe es eher als Auszeichnung. Es gibt unzählige Western von
denen kein Remake in Planung ist, ganz einfach weil selbst das Original
keine Relevanz mehr besitzt. [...] Nur ist so ein Remake keine Herabsetzung."

Auch hier möchte ich dir größtenteils zustimmen!

Meist scheint es tatsächlich so zu sein, dass die bloße Erwähnung eines möglichen Remakes von Film X, den Person Y sehr schätzt, zu einer emotionalen Abwehrreaktion der Marke "Das darf nicht sein. Wie können sie nur. Blasphemie!" führt, die oftmals argumentativ nicht unterfüttert wird. So etwas ist freilich menschlich, aber trägt nicht viel zu einer fruchtbaren Diskussion bei.
Ebenso möchte ich dir zustimmen, wenn du sagst, dass ein Remake freilich keine "Herabsetzung" ist.

Ich bin übrigens niemand, der Remakes in toto ablehnte. Es gibt da nämlich zwei - zumindest bei der großen Mehrheit, wenn ich mich nicht grob irre - viel gescholtene Neuinterpretationen eines Klassikers von einem gewissen Herren namens Rob Zombie, welche ich sehr, sehr schätze: HALLOWEEN I und II.

Für mich stellt Zombies Herangehensweise an Carpenters Klassiker eine wunderbare dar, da er zu keinem Zeitpunkt versucht das Original zu kopieren, sondern stattdessen Grundelemente aufgreift und diese mit seiner ganz eigenen Vision unterfüttert. Seine Filme fühlen sich gleichsam an, wie echte Rob-Zombie-Filme, lassen aber die HALLOWEEN-Grundstimmung ebenfalls aufkommen.

Groß war die Empörung von Carpenter-Liebhabern (ich bin übrigens selbst einer) darüber, dass man Myers auf unerhörte Weise entmythologisierte und der Film ja obendrein eh kein HALLOWEEN-Film sei. Wie konnte Zombie nur den Namen HALLOWEEN verwenden, anstatt einen eigenständigen Film daraus zu machen? Freilich kann man das so sehen, mich überzeugen die meisten ins Feld geführten Punkte aber nicht.

Zombie zeigt mit seinen Filmen einen anderen HALLOWEEN. Einen Rob-Zombie-HALLOWEEN, der von den für ihn typischen hochinteressanten Charakteren bevölkert und geprägt wird, die sich in einer ganz besonderen Gesellschaft subkultureller Prägung bewegen, welche eine ganz eigene Atmosphäre erzeugt. Seine typische Bildsprache ist jederzeit sehbar, aber hier und da lässt Zombie auch Carpenter durchblitzen; etwa wenn er mit der Kamera kurz vor dem Sonnenuntergang stehende Herbsttage und das mit ihnen einhergehende zart braune - die tristen Straßen säumende - Laub geruhsam mit der Kamera betrachtet. Darüber hinaus erzählte er aber eben seine Geschichte von Michael Myers und generierte somit ein Remake - ich finde das Prädikat "Neuinterpretation" an dieser Stelle allerdings sinniger - dass Mehrwert besitzt und den HALLOWEEN'schen Kosmos um eine neue Sichtweise bereicherte.

Sicher, du magst mir jetzt entgegen, dass man sich ebenso einen LIBERTY VALANCE vorstellen könnte, der von der Vision von X geprägt ist. Das will ich gar nicht einmal abstreiten.

Aber ich sehe den Ansatzpunkt schlicht nicht. Carpenters HALLOWEEN ist in seiner Thematik "offener", zugänglicher und eher geeignet dazu - wie andere Horrorfilme auch - auf sinnvolle Weise einer Neuinterpretation unterzogen zu werden, als ein Werk wie LIBERTY VALANCE, welches sich in concreto in seiner Form als Spätwestern auf die Filme bezieht, die in den Jahren unmittelbar vorher entstanden waren und obendrein von John Ford mit Hilfe seiner ganz eigenen Bildsprache erzälht wurde.
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Sonntag, 11. Oktober 2015, 19:59

Der Punkt ist - neben jenen, die ich bereits in vorherigen Beiträgen aufzählte - dass ich nicht erkennen kann, inwiefern man die Geschichte von LIBERTY VALANCE dergestalt bearbeiten könnte, dass sie einen Mehrwert für die Gegenwart lieferte; beziehungsweise Daseinsberechtigung erlangen könnte. Ein Mehrwert scheint mir geradezu notwendig bei der Legitimierung eines Remakes. Fords Werk kommt aber so kompakt, so geschlossen daher - von der inszenatorischen Brillianz brauche ich nicht noch einmal anzufangen - dass ich - zumindest gegenwärtig - nicht sehe, was dem Werk noch hinzuzufügen wäre.

Meine Vermutung - und dies ist eine generelle Vermutung, die ich nicht in concreto auf dich bezogen wissen will - ist, dass Remakes in vielen Fällen nur gemacht werden; respektive gemacht werden sollen, um einem älteren Film eine optische Auffrischung (was auch immer das genau sein soll) zu verpassen und ihn somit mittels den Möglichkeiten der neuen Technik einer jüngeren Generation schmackhaft zu machen, die - so vermutet man anscheinend - schon von Profanitäten wie ungewohnter Mode, einer Schwarz-Weiß-Optik oder einer "langsameren" Schnitttechnick abgeschreckt werden könnte.

Genau das ist meistens der Grund eines Remakes.


Der Geschichte selbst wird in den wenigsten Fällen um einen echten Mehrhwert bereichert. Wie du merkst, rückt nun, je tiefergehender sich eine Diskussion Pro- oder Kontra Remake entspinnt auch die Handlung, die Geschichte als solche, immer mehr in den Mittelpunkt der Betrachtung. Denn ich gehe davon aus, korrigiere mich, wenn ich falsch liege, dass die Gedanken an ein Remake erst einmal etwas mit der Handlung von LIBERTY VALANCE zu tun gehabt haben. Ich vermute, dass die Überlegungen nichts mit der Inszenierung zu tun gehabt haben, da diese auf Grund von Ford wahrscheinlich einer perfectio sehr nahe kommt.

LIBERTY VALANCE ist ja schon von seiner Prämisse her völlig in seinem Genre verhaftet. Es fällt mir schwer mir vorzustellen, dass die Handlung in eine andere Zeit verfrachtet werden könnte, da Ford mit seinem Werk ja gerade eine gewisse Entmythologisierung des Western selbst abliefert und die Kraft von Legendenbildungen thematisiert. Ich sehe nicht - Pardon, ich wiederhole mich - wo man ansetzen könnte, um ein gerechtfertigtes Remake mit Mehrhwert abliefern zu können. Gerade auch, weil Fords Werk ja zu einem Zeitpunkt veröffentlicht wurde, in welcher der Western eine nicht gerade geringe Rolle im amerikanischen Kino zukam. Dies ist ja heute obendrein nicht gegeben.

Genau da besteht bei mir Interesse weil sie die Geschichte aus dem bisherigen Kontext reißen. Über Inszenierung usw. kann man natürlich, wie du richtig anbemerkt hast, kaum sprechen da der Film noch nicht vorliegt. Auch ich bezweifle erstmal das ein Remake die gleiche Klasse des Ford-Films erreichen würde.
Da die Handlung, wie du ebenfalls anmerkst, aber ziemlich in dem Genre verhaftet ist, gehe ich davon aus, dass sie diese reichlich ändern werden. Allein schon die Wahl einer anderen Epoche macht mir das Ganze schmackhaft. Nun kann man natürlich schnell bemerken, dass ein Film, welcher in einer anderen Epoche spielt und dessen Handlung auch mindestens diesbezüglich einige Änderungen aufweisen wird (wahrscheinlich auch einige mehr), schon so verschieden ist, dass man den bekannten Namen auch weglassen könnte und somit einem Vergleich gänzlich entgehen würde. Das wäre auch meine Wahl. Aber wie du oben bereits geschrieben hast, ist der Name bekannt und soll idealerweise ein großes Publikum anlocken.
Das ist in der Geldmaschine Hollywood nunmal Gang und Gäbe, weshalb ich da schon lange keine Brührungsängste mehr habe und auch nach keiner Legitimität eines Remakes suchen brauche.
Was natürlich nicht heißt, dass die mit dem Vorhaben nicht auch grandios scheitern könnten. Sollte es sich wirklich nur um eine optische Auffrischung handeln, ist das Scheitern ziemlich wahrscheinlich.
Wie, um ein Extrembeispiel zu nennen, es mit Van Sants "Psycho" geschah.
Das eine relative Abkehr vom Original, ohne einen ganz anderen Film zu drehen, aber durchaus auch wunderbar gelingen kann, sehe ich z.B. bei Sturges "Die glorreichen Sieben", Carpenters "The Thing" oder Scorseses "The Departed".
Alles Filme, die super neben dem Original funktionieren.

Zombies Halloweenfilme mag ich ebenfalls, wenn sie bei mir nicht so gut wegkommen wie bei dir.
Aber ich sah am Anfang des Jahres mal die ganze Reihe hintereinader (in mehreren Tagen) und du hast schon recht. Nach Teil 8 wird es, nach verschiedenen Variationen desselben Themas, (ausgenommen Teil 3) wieder interessant.


Aber ich sehe den Ansatzpunkt schlicht nicht. Carpenters HALLOWEEN ist in seiner Thematik "offener", zugänglicher und eher geeignet dazu - wie andere Horrorfilme auch - auf sinnvolle Weise einer Neuinterpretation unterzogen zu werden, als ein Werk wie LIBERTY VALANCE, welches sich in concreto in seiner Form als Spätwestern auf die Filme bezieht, die in den Jahren unmittelbar vorher entstanden waren und obendrein von John Ford mit Hilfe seiner ganz eigenen Bildsprache erzälht wurde.

Die Freiheit sehe ich in diesem Fall allerdings schon. Weil sie im Grunde immer besteht.
Ich sehe es so: Behandeln sie die Vorlage zu götzenhaft, werden sie sich in ihrer Version dem Original zu sehr nähern und somit im Vergleich wahrscheinlich unterliegen. Wird es ein Film, der sich vor allen Dingen ganz anders anfühlt, hat es in meinen Augen eine Berechtigung und kann daneben bestehen. Ob auf Augenhöhe oder weit darunter ist egal.

Allein herauszufinden ob es scheitert oder nicht, weckt in mir schon das Interesse. :)
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Mittwoch, 28. Oktober 2015, 20:19

@Revolvermann:
Ich möchte noch einmal die Gelegenheit nutzen, mich für die schöne und äußerst luzide Diskussion zu bedanken, an deren Ende zwei Standpunkte verdeutlicht und gut begründet wurden. Weiterführen könnte man sie wohl nicht ohne in die Verlegenheit zu kommen, den jeweils anderen missionieren zu wollen.
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Mittwoch, 28. Oktober 2015, 20:56

Den Dank kann ich nur zurückgeben.
Missionieren sollte sowiso nicht an erster Stelle einer Diskussion stehen. Das vergessen viele oft. Ein anregendes Gespräch kann allen Parteien nutzen.

"Nicht Sieg sollte der Zweck der Diskussion sein, sondern Gewinn." - heißt ein bekanntes Zitat. Ich weiß gerade nicht mehr von wem. Wer es wissen will kann ja googeln. ^^
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