Skin ~ Jamie Bell als Naziaussteiger für A24 und Oscar-Preisträger

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Guy Nattiv gewann dieses Jahr den Oscar für den besten Kurzfilm, der ebenfalls SKIN hieß, aber nun nicht die Vorlage für diesen nun genauso betitelten Film war. Das nur las Vorabinfo zum Filmemacher.
In seinem Spielfilm erzählt er die nun von wahren Begebenheiten inspirierte Geschichte von Bryon Widner. Mit rasiertem Kopf und zahlreichen Tattoos verschweigt er seine rechtsextreme Gesinnung nicht. Er ist Teil einer Gruppe, angeführt von seinen Zieheltern "Ma" Shareen (Vera Farmiga) und "Pa" Fred Krager (Bill Kamp). Doch als er die dreifache Mutter Julie (Danielle Macdonald) kennenlernt, ändert sich für ihn alles.


Kam am Donnerstag in die deutschen Kinos.
Konnte ihn vorgestern dann auch sehen, nachdem ich ihn auf der Berlinale, dort gab es Standin Ovations, leider erst verpasst hatte.
Generell finde ich den Film wirklich gelungen. Er zeigt subtil und gekonnt, wie solch rechtsextremen bzw. auch generell Gruppen mit extremistischen Prägungen, sei es links oder radikal-religiös, da geht das genauso funktionieren und vor allen Dingen rekrutieren. Immer wieder werden dafür kleine Momente eingestreut und mit Hilfe einer weiteren Figur auch gezeigt, wie das wohl ursprünglich bei Jamie Bells Charakter Bryon gelaufen sein muss. Leider ist sein Wandel, dann doch etwas plötzlich. Nicht aus der Luft gegriffen, aber der Sinneswandel geschieht relativ früh im Film, wo seine ursprüngliche Gesinnung dann gar nicht mehr ganz klar bleibt. Man muss sie als gegeben annehmen, ohne das wir ihn wirklich, bis auf die Eingangsszene wirklich als einen bedrohlichen Menschen wahrnehmen. Man versteht, wie er überhaupt in das Ganze Konglomerat geraten ist, aber man versteht nicht, wieso er nicht früher schon einen Wandel vollzogen hat oder die Dinge hinterfragte. Womöglich hat er das auch, aber dem Film gelingt es dies nicht zu vermitteln. Durch Einsatz von Filmmusik und einer guten Kameraführung ist der Film auch weniger spröde und trocken, wie das manch einer vielleicht befürchten würde. Der Ausgang des Films, darauf wird auch mit Zeitsprüngen aufmerksam gemacht, ist schnell klar und doch ist der Weg dahin spannend gespickt, vor allen Dingen um zu sehen und zu verstehen, wie die Menschen ticken. Der Hintergrund von seiner Figur und seinem jüngeren Äquvivalent mag etwas klischeehaft sein und doch ist es Teil des Problems.
Kleine Sehempfehlung, wenn der noch wo in eurer Nähe anlaufen sollte.
 

Dr Knobel

Sie nannten ihn Aufsteiger
Toller Film, dem ein wenig mehr Laufzeit gut getan hätte. Während jede Blockbuster-Nichtigkeit auf 3 Stunden aufgeblasen wird, muss SKIN auf zwei Stunden viel, manchmal zu viel leisten: Charakterstudie, Aussteigerdrama, Thriller, Liebesfilm. Widners Wandel wird z.B. zügig abgehakt, und wenn Bell nicht so eine ergreifende Leistung abgeliefert hätte, würden diese Schwächen noch wesentlich deutlicher ausfallen. Dazu kann man sich auch das eine oder andere Klischee nicht verkneifen.

Doch neben Bell sind auch Danielle Macdonald und Bill Camp herausragend und verleihen SKIN eine Tiefe, die das Skript nicht immer hergibt.
Nicht so berührend, wie er sein könnte, aber absolut sehenswert, exzellent gespielt und wirklich spannend.
Trotz der kleineren Mängel eine absolute Empfehlung.

7/10
 
Oben