Story XXI: Alter & Ego

Deathrider

The Dude
Das kommt wohl dabei heraus, wenn man das Mädel aus Hard Candy mit Hit-Girl und Rorschach kreuzt.

Wobei mir der Name "Remorse" (Reue/Gewissensbisse) im Zusammenhang mit der Person etwas verwirrend vorkommt. Hier haben wir aber eine mit ziemlich viel Ironie gespickte Story, was schonmal zu gefallen weiß (und das mit dem Namen vielleicht erklärt). Auch ausdrucksmäßig kann man hier, trotz der oft recht deftigen Wortwahl, nicht meckern.

Allerdings kommt sie einem ziemlich lang und durcheinander vor, weil so viel hin und her gesprungen wird und es ständig Einwürfe gibt (diese ähneln sich meistens auch noch). Das stört den Lesefluss etwas.
Es sind mir auch ein paar Dopplungen aufgefallen, wie diese hier:
Ich erinnere mich zum Beispiel recht lebhaft an eine recht lebhaft geschilderte Geschichte, wie sie in ihrer Justitia Robe durch die dunklen Straßen ging.

Schade, das mit dem Lesefluss, denn das Ganze wirkt auf mich ziemlich durchdacht und besitzt eine interessante Dynamik. Sie funktioniert einfach und ich glaube das ist die Hauptsache.



So... Zweite Story die ich in diesem Wettbewerb lese und gleichzeitig die zweite auf ansprechendem Niveau. Wenn auch nicht ganz makellos, in meinen Augen. Aber welche Geschichte ist das schon!?
 

Joel.Barish

dank AF
Teammitglied
Ähm... ja. Reichlich viel "geschredderter Kronjuwelen" und das Ganze auch noch unbekümmert serviert. Eigentlich mag ich Ich-Erzähler nicht so gerne. Finde das immer so ein bisschen einfallslos und simpel, wenn auch mit Möglichkeiten. Die wurden hier ganz gut genutzt. Ich muss gestehen, dass es eine Weile braucht, um zu kapieren, wie der Erzähler tickt und dass es wohl gar nicht gewollt ist, ihn als sympathisch oder objektiv zu sehen. Wobei - der erste Absatz gibt sich ja alle Mühe, die Fragen nach Objektivität zu unterdrücken.

Wie hier grell überzeichneter Gewalt-Feminismus auf ein bewusst simples und ironisches Machotum trifft, ist schon faszinierend. Das Ende wirbelt das Ganze noch mal wild durcheinander, denn so einfach kann man das wohl nicht kategorisieren. Ich weiß nur noch nicht, ob das so gut ist. Da hier aber so überdeutlich mit bewusster Provokation, mit Übertreibung und Sarkasmus gearbeitet wird, kann man sich eh nicht so sicher sein.

Der Einstieg zieht sich etwas, dafür ist z.B. die Idee mit dem Andersartigkeitssystem ganz faszinierend. Gerade durch die ganz bewusst subjektive und wertende Erzählart wird es recht spannend. Der Abschnitt über Justines Kindheit ist zwar ziemlich böse, durch die Wendung am Ende sogar noch böser, aber auch durchaus clever zwischen Möglichkeitsextremen. Mit dem Hin und Her in der Handlung hatte ich nicht so sehr Probleme. Eher hätte man z.B. die Aktion mit den Autoknackern auf ein, zwei Sätze reduzieren können. Ansonsten werden ja irgendwie immer zeitliche Ansätze geliefert, wo wir uns befinden. Und ein bisschen Denken schadet ja auch nicht. :wink:

Ach ja: So lernt man übrigens auch, welche Worte bei BG zensiert werden. Oder hast du das selbst zensiert? :ugly:
 

Deathrider

The Dude
Original von Joel.Barish
Und ein bisschen Denken schadet ja auch nicht. :wink:
Moment mal! Was soll das heißen? :knueppel:

Nein also, nicht falsch verstehen, man weiß schon immer wo man ist... Bloß kann man von einem Hauptkomissar erwarten dass er etwas anders strukturiert wenn er berichtet. :wink:

Das hier kam mir ein bisschen so vor wie wenn meine Omma mir nen Weg beschreibt: "Ja da musst du die Soundso-Straße lang und auf der linken Seite is dann die Straße wo die Helga gewohnt hat, da am Ende der Straße hat der ihr Mann doch das Geschäft gehabt, aber das is schon seit dreißig Jahren zu, ach das weißt du ja nicht, war ja noch vor deiner Zeit... Wie alt bist du nochmal?... Naja, in die Straße darfste aber net rein, sondern in die nächste, gegenüber vom..."

...gut, nicht ganz so schlimm. :squint: :ugly:

Bin ja schon still.
 

Joel.Barish

dank AF
Teammitglied
:biggrin:

Aber das Denken war doch gar nicht so auf dich bezogen, sondern eher als willkommene Herausforderung an den Leser, eben keine "Auf A folgt B" Geschichte zu bekommen.

Und ich weiß ja nicht wie viele Hauptkommissare du kennst, aber dieser hier scheint mir doch ein wenig... speziell. Jedenfalls ist er wohl nicht die Ausgeburt von Pflichtgefühl und Talent. :ugly:
 

Deathrider

The Dude
Original von Joel.Barish
:biggrin:

Aber das Denken war doch gar nicht so auf dich bezogen, sondern eher als willkommene Herausforderung an den Leser, eben keine "Auf A folgt B" Geschichte zu bekommen.
Ja, das is schon richtig. Aber bei mir konnte ich beobachten dass es Spannung aus der Sache nimmt, wenn man sich denkt "Jetz hasde mit A angefangen, jetz will ich erstmal wissen worauf das hinaus läuft, bevor du B und C da mit hinein verschachtelst".
Is ja jetz auch wurscht. Vielleicht sehen es die andern ja nicht so eng. :smile:

Original von Joel.Barish
Und ich weiß ja nicht wie viele Hauptkommissare du kennst, aber dieser hier scheint mir doch ein wenig... speziell. Jedenfalls ist er wohl nicht die Ausgeburt von Pflichtgefühl und Talent. :ugly:
Dann frage ich mich allen Ernstes wie der Mann HAUPTkommissar geworden ist. :wink:
 

3isKaLt

Strahlender Psycho
Na hier geht's ja vielleicht ab.
Irgendwie hab ich jetzt bock auf WATCHMEN, keine Ahung warum. :ugly:

Ich muss gestehen es hat schon ein paar Absätze gebraucht bis mir die Geschichte gefallen hat,
irgendwie war mir zuerst der Sinn dahinter nicht klar, aber dann machte es Klick und ich war im Bann von Justine.

Die Geschichte ist dreckig, voller Gewalt und nimmt kein Blatt vor den Mund, und das macht sie
realistisch und damit einfach großartig. Ist halt ein harter Übergang von "Aurora" zu dem hier, aber man kommt rein. :ugly:

Das Ende fand ich klasse und bitterböse, nur der Einstieg war mir eben ein bisschen zu langwierig. Aber ab
der Mitte musste ich zu grinsen beginnen und war auf den weiteren Verlauf gespannt. :wink:
 

Tyler Durden

Weltraumaffe
Teammitglied
Also ich fand diese Geschichte solide. Nur ein paar Kleinigkeiten, die mir nicht gefallen haben.
Der Einstieg war für mich nicht so gelungen, da er zu viel von Justine schwärmt und sich dabei so schwammig ausdrückt - noch bevor der Leser weißt, was da überhaupt vor sich geht. Danach wirds schon besser. Flüssig zu lesen und mit viel Ironie versehen. Und die Grundidee ist auch interessant.
Die Beschreibung ihres Kostüms fand ich aber seltsam, denn wie kann sie mit verbundenen Augen durch die Straßen laufen? :gruebel:
Ja, mir ist bewusst, dass Justitia (also di Göttin) so dargestellt wird, aber wenn mir bildlich vorstelle, wie sie mit einem Verband durch die Gegend läuft, muss ich grinsen (und ich glaube nicht, dass es an dieser Stelle gewollt ist).
Auch wurden für meinen Geschmack zu oft die Anführungszeichen eingesetzt. Kenn ihr diese Leute, die beim Reden so gerne jedes zweite Wort mit den Fingern in der Luft in Anführungszeichen setzen? Genauso wirkte dieser Erzähler auf mich. Ich finde, wenn man z.B. meint, dass ein Täter nicht wirklich ein Täter ist, dann muss man es eben anders ausdrücken. Ein paar mal in einer Geschichte kann man sowas noch machen, aber hier gibt es, wie gesagt, zu viele solche Stellen.

Insgesamt ist diese Geschichte aber trotzdem noch recht gut, denn die aufgezählten Schwächen sind Kleinigkeiten und nicht wirklich störend.
 

MamoChan

Well-Known Member
Hm, ich überlege nun schon recht lange, was ich zu dieser Geschichte sagen soll. Irgendwie werde ich nicht so ganz warm. Die Grundidee ist wirklich interessant und man hätte viel drauß machen können, aber... ich weiß nicht, wie schon gesagt, werde ich mit der Geschichte einfach nicht warm. :sad:
 
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