The King ~ David Michôd, Netflix

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Nach WAR MACHINE hat David Michôd ein weiteres Mal für Netflix einen FIlm inszeniert: THE KING.
Und mit dem hat man Großes vor bei Netflix. Seine Weltpremiere wird der Film auf dem Festival in Venedig feiern, um anschließend im Herbst auf dem Streaming-Service verfügbar zu sein und man erhofft sich durchaus Oscar-Chancen für den Film.

Der Cast mit Timothée Chalamet, Robert Pattinson, Ben Mendelsohn, Joel Edgerton, Lily-Rose Depp, Sean Harris und Thomasin McKenzie kann sich auf jedenfall sehen lassen.
Inhaltlich handelt es sich um eine Adaption von William Shakespeares Henry IV, Part 1, Henry IV, Part 2 und Henry V. Darin verkörpert Timothée Chalamet König Henry, welcher nach dem Tod seines Vaters der König von England wird und sich in der Folge, trotz seines jungen Alters, den politischen Konflikten stellen muss.
 

Envincar

der mecKercheF
Das sieht richtig gut aus. Der Schauspieler der King Henry spielt, war mir bis dato gar nicht bekannt. Finde der hat ne super Aura.
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Na dann solltest du mal CALL ME BY YOUR NAME, LADY BIRD oder BEAUTIFUL BOY nachholen. :smile:
Außerdem wirst du ihn Weihnachten 2020 die Hauptrolle in Denis Vilneuves DUNE spielen sehen.
 

Woodstock

Z-King Zombies
Ich mag solche Filme. Mir hat auch Outlaw King gefallen. Netflix darf gerne mehr solcher Streifen produzieren.
 

Revolvermann

Well-Known Member
Hatte im Vorfeld ein paar weniger gute Kritiken gelesen. Man sollte vor einer Sichtung einfach keine Meinungen einholen, für ein möglichst unbefangenes Erlebnis. Shame on me.
Oder vielleicht doch?
Jedenfalls waren meine Erwartungen ein wenig gedämpft und was soll ich sagen? Der Film hat mich irgendwie an einer Stelle gepackt, die dafür vorgesehen war. Ein echter Slow Burner, aber entfaltet sich das Geschehen erstmal, ergibt sich eine Faszination für die Geschichte und Figuren, wie es so mittelalterliche Schinken nicht immer hinbekommen.
Wunderbar gefilmt und clever geschrieben, tragen allerdings vor allem die Schauspieler diesen Film. Allen voran Timothée Chalamet, der seiner schmächtigen Erscheinung und seiner verletzlichen Aura hier eine ungeahnte Härte verleiht. Keine Muskel-Macho-One-Liner-Kino-Härte sondern die echte, aufopfernde Härte eines Mannes, der ganz er selbst ist und sich von Niemandem vor den Wagen spannen lässt. Oder es zumindest versucht.
Joel Edgerton ist ebenfalls beachtenswert und Sean Harris darf endlich mal wieder mehr als Bösewicht-Reden in Mission Impossible halten.
Wirklich sichtlich Spaß an seiner Rolle hat übrigens Robert Pattinson und ich hatte ebenfalls richtig Spaß damit.
Sehenswert.
 

Puni

Well-Known Member
Ich fand den Film auch richtig gut. Wahnsinnige Atmosphöre, die man so in einem "Historienfilm" noch nicht erlebt hat. Erinnerte mich die ganze Zeit von der Inszenierung her an Ari Aster, total bösartig und ruhig, mit einem grandiosen Soundtrack und von einem wirklich herausragenden Timothée Chalamet getragen. Ich fand den ja schon in Call me by your Name Klasse, aber was er hier abzieht.. Wahnsinn. Wenn hier Netflix Oscar-Ansprüche stellen darf, dann definitiv für Hauptdarsteller und Kamera.
Bin immer noch sehr angetan von dieser einzigartig einsaugenden Stimmung. Angucken Leute! :biggrin:
 

Manny

Professioneller Zeitungsbügler
Auch gerade gesehen. Wenn der Chalamet so weiter macht, werde ich noch ein Fan.
Edgerton, Harris und Pattinson waren ebenfalls Klasse. Der Film sowieso.

Danke an Gray-Fox und Revolvermann für den Tipp.
 

Woodstock

Z-King Zombies
Gestern mal gesehen. Es gab vieles das mir gefallen hat: Die Musik, die Inszenierung, die allgemeine schauspielerische Leistung und die allgemeine Stimmung. Das einzige Problem ist nur...

...absolut nichts davon ist so passiert. Ja, ich weiß, es soll eine Shakespeare Adaption sein aber hier fehlte so viel aus dem Material und gleichzeitig hat man es versucht halbwegs realistisch zu sein, dass ich es als Historiendrama bewerte.

  • Trial by combat wurde zu der Zeit zwar abgehalten aber sehr wahrscheinlich nicht zwischen Prinzen kurz vor einer Schlacht. Könige zu der Zeit gingen sogar meist dazwischen, wenn ihre vertrauten Nobelmänner so einen Mist veranstalten wollten.
  • Der ganze Mist mit der Erbfolge ist so nicht passiert. Henry V wurde König, als sein Vater zu krank wurde, fertig.
  • Henry V war ein Kriegstreiber und kein Friedenskind. Er wollte den Krieg mit Frankreich, da war er noch nicht mal König.
  • Es gab keinen Attentatsversuch durch die Franzosen. Es war ein Putschversuch der Engländer und die Falschen verloren im Film den Kopf.
  • Er landete in Frankreich als Eroberer und hat den Krieg angefangen.
  • Die Belagerung von Harfleur erfolgte mit frühen Kanonen und vielleicht mit Trebuchets (man weiß es nicht genau) aber Kanonen gab es. Überlegt mal im Film selbst, hat er ja die Kiste mit Kanonenkugeln füllen lassen und zurück nach Frankreich geschickt. Warum hat er sie nicht benutzt? Außerdem war die nicht mal so eben erledigt, die war extrem massiv und kostete vielen das Leben. Es gab richtige Gefechte, welche hier nicht gezeigt wurden.
  • Pattinson hat toll gespielt, aber der französische Kronprinz war nicht bei der Schlacht von Agincourt und starb zwei Monate danach.
  • Selbst wenn, die Nummer das er einfach mit dezenter Fanfare auf das Schlachtfeld marschiert, den König stellen will, ausrutscht und dann einfach abgestochen wird, war absolut lächerlich. Das wäre so niemals passiert und undenkbar.
  • Falstaff existierte nicht. Der ist aus Shakespeare. The King hat aber zu viel aus dem Shakespeares Stück weggelassen, um es als Shakespeare verkaufen zu können, daher nehme ich an, dass Edgerton sich eine schöne Rolle schreiben wollte. Ist ihm gelungen, machte den Film halt zu einem komischen Mischmasch.
  • Die Schlacht fand so nicht statt. Regen usw. okay aber in echt waren tausende dort vertreten, Schlamm wirkt nicht nur auf Pferde sondern auf alle die schwere Rüstung trugen und die Bogenschützen waren wesentlich wichtiger als hier dargestellt.
  • Der Plot von Henrys Vertrauten Henry in den Krieg zu tricksen passierte nicht. Das Henry einen seiner Vertrauten einfach so absticht, wäre undenkbar. Sowas passiert öffentlich, keiner würde ihm sonst je wieder vertrauen.
  • Das Henry die französische Prinzessin heiratet war seine eigene Idee und die gesamte Interaktion zwischen den beiden ist hahnebüchener Schwachsinn!
  • Erst sagt sie, sie kann kein Englisch, und plötzlich spricht sie perfekt englisch (also ist sie eine Lügnerin), dann stellt sie ihn als Idioten dar, macht ihn klein und behauptet, dass ihr Respekt verdient werden muss. Der Mann hat gerade deinen Vater gestürzt und dein gesamtes Land eingenommen. Diese Ehe ist ein politischer Vertrag, indem du so redest, könnte er dich hinrichten lassen und weiterhin tausende deines Volkes einfach abschlachten, bis sich eine andere franz. Nobelsfamilie findet, welche die Ehe eingeht. Nobeldamen wurden damals dazu ausgebildet um zu heiraten und damit Allianzen zu bilden. Es ist vollkommen undenkbar, dass sie so mit Henry gesprochen hätte. Zuerst vermutete ich, dass da moderne Politik mitgeschwungen ist und dann sagte sie „Jede Monarchie ist illegetim“. Mädchen du bist die Tochter des ehemaligen französischen Königs!!!! NIE UND NIMMER! hätte die das gesagt. Das ist Bullshit! Die ganze Szene war so dermaßen politisiert, dass ich kotzen könnte!
Ich habe nichts gegen starke Frauen, aber das ist ein Historiendrama also halte dich gefälligst an die verdammte Historie. Damals gab es das so nicht, fertig aus! Da wird nicht diskutiert, das ist einfach so, Punkt! Deine heutige Agenda gibt dir nicht das Recht, die tatsächliche Geschichte zu verfälschen. Und ja, es soll eine Adaption sein aber es ist bereits eine sehr lose und solche Filme sind stellenweise die einzige Informationsquelle für manche Leute, da erwarte ich wirklich mehr und das darf ich auch. Siehte Outlaw King. Bis auf ein paar Ungereimtheiten war der unterhaltsam und historisch korrekt.

Henry V wollten sie hier als König wiederwillen darstellen, der nie und nimmer Krieg wollte. Das kann ich verstehen. Das ist aber so als hättest man behauptet, dass Polen und Frankreich den zweiten Weltkrieg begonnen hätten und das Blumenkind Hitler sich nur verteidigen wollte. Damals war Gewalt alltäglich und die Gewalt, bzw. Feldzüge der Nobelmänner waren immer legitimiert dadurch das sie Nobelmänner waren. Gewalt war damals üblich und fand unterschiedliche Darstellungen in der Geschichte. Es wurde komplett unterschiedlich darüber berichtet, ausgehend davon wer die Gewalt verübt hat. Während einfache Menschen ihre Gewalt sorgfältig begründen musste, war es unter Städten eine normale Wohlstandverteilung durch aggressive Mittel und der Adel musste seine Gewalt überhaupt nicht begründen, denn er war der Adel. Heutzutage geht das natürlich nicht mehr. Heutzutage ist Gewalt geächtet.

Ich habe mal einen tollen Vergleich gelesen. Nach ihrer Gefangenname wird Jean D’arc natürlich verhört. In Luc Bessons The Messenger wirft man ihr vor, dass sie bei ihrem Feldzug Gewalt angewendet hat, das sie getötet hat. In den echten Unterlagen über Jean D’arcs Verhör wird die Gewalt nicht mal in einer Fußnote erwähnt, da es absolut normal ist in einem Feldzug Gewalt anzuwenden. Gewalt war zu der Zeit alltäglich, also ist auch ein Henry V der den Krieg gegen Frankreich beginnt eine gerechtfertigte Sache, da er die höchste adlige Position einnimmt und damit seine Taten gerechtfertig sind.

Yes, it’s fucked up. Live with it!

Aber heutzutage kannst du diese Figuren nicht mehr so präsentieren, da sich niemand mit dem Eroberer der das arme Frankreich angreift identifizieren will. Die Macht wird ihm aufgezwungen, der Krieg wird ihm aufgezwungen, denn das kommt beim Zuschauer an. Ironischerweise ist das ein Propagandatrick so alt wie die Monarchie selbst und er funktioniert heutzutage noch immer. :biggrin:

Alles schön und gut aber genau dieser Umstand, macht Henry in diesem Film zu einem passiven, schwachen Charakter der nie weiß was zu tun ist und ständig als Idiot dargestellt wird, obwohl er so überhaupt nicht war.

Das Einzige was ich wirklich recht historisch fand, war das Duell in Rüstung. Beide waren erschöpft, als er die Oberhand hatte, stoch er seinen Dolch in eine Öffnung unterhalb der Rüstung. Das passte. Dafür das beide aber jung, fit und dieser Art zu kämpfen ausgebildet waren, kam die Erschöpfung zu schnell und der Dolch zu spät. Außerdem waren die Schwerter falsch. Die Schwerter hätten Spitzer zualufen müssen, da du mit einem gewöhnlichen Hiebschwert nicht durch die Rüstung gekommen wärst.
 
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