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  • »Joel.Barish« ist der Autor dieses Themas

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1

Sonntag, 16. November 2014, 22:52

Zwei Tage, eine Nacht ~ Cotillard [Kritik]

Marion Cotillard im neuen Film der Dardenne Brüder. Sie spielt eine junge Ehefrau und Mutter, die droht ihren Job zu verlieren. Ihre Kollegen können in einer Abstimmung entscheiden, ob die von Cotillard gespielte Sandra ihren Job behält oder ob die Arbeit selbst jeder einen finanziellen Bonus behalten. Sandra versucht nun, ihre Kollegen zu bewegen, ihr den Job zu erhalten.

Trailer @ YouTube

BG-Kritik: Zwei Tage, Eine Nacht (Joel)

Schaut euch einfach mal den Trailer an. Da ist schon allerhand Gesprächs- und Diskussionsstoff, den der Film noch interessanter aufarbeitet.

Aktuell (noch) im Kino.
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Woodstock

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2

Sonntag, 16. November 2014, 23:02

Ist schon länger auf meinem Radar. Hast du ihn im Original gesehen?
¯\_(ツ)_/¯

  • »Joel.Barish« ist der Autor dieses Themas

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3

Sonntag, 16. November 2014, 23:13

Nein, leider nicht. Aber hey, die deutsche Synchroindustrie liefert in der Regel gute Arbeit ab. Ich kann mich jedenfalls nicht beklagen. :)
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4

Sonntag, 16. November 2014, 23:39

Ich wollte nur wissen, ob du den Akzent gehört hast.
¯\_(ツ)_/¯

Presko

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5

Samstag, 10. Oktober 2015, 11:35

Zwei Tage, eine Nacht - Marion Cotillard, Dardenne-Brüder

Zwei Tage, eine Nacht


Drehbuch und Regie
Jean-Pierre Dardenne
Luc Dardenne

Darsteller
Marion Cotillard
Fabrizio Rongione
Christell Cornil

Trailer
https://www.youtube.com/watch?v=yvS7_X8vDqA

Sandra arbeitet in einer Firma zur Herstellung von Solarmodulen. Wegen Depressionen war sie länger krank geschrieben gewesen. Kurz bevor sie an ihre Arbeit zurückkehrt, organisiert der Chef unter der Belegschaft in der Firma eine Abstimmung. Die Belegschaft müsse sich entscheiden, ob man die jährliche individuelle Prämie von je 1000 Euro ausbezahlt möchte, oder ob Sandra ihren Job behalten darf. Beides könne sich die Firma nicht leisten. Die Belegschaft kann mit diesem Wissen nun für oder gegen die Prämie stimmen. Eine klare Mehrheit stimmt für die Prämie, was Sandras Kündigung bedeutet. Sandra und eine Kollegin können den Chef später überzeugen, die Abstimmung noch einmal zu wiederholen, weil ein Vorarbeiter die Belegschaft vor der Abstimmung mit Drohungen unter Druck gesetzt hat. Ihr Ehemann und ihre Freundin überreden Sandra, welche noch zwei kleine Kinder hat, ihre Kollegen in den zwei Tagen vor der Abstimmung aufzusuchen und sie zu bitten, bei der Abstimmung gegen die Prämie zu stimmen, damit sie ihren Job behalten kann und somit, dass sie auf ihre Prämie verzichten. Für Sandra beginnt eine erniedrigende Odyssee.

Zwei Tage, eine Nacht ist die vielleicht stärkste Kapitalismuskritik in Filmform, die es bisher gegeben hat. Mit einer sehr simplen Ausgangslage zeigen die Dardennbrüder auf, wie tief die ökonomisierung bereits unser ganzes, soziales Leben, unser Beziehungsnetz durchdrungen hat und zu welchen Perversionen es führt. Dabei ist die Ausgangslage wirklich extrem simpel. Eine Frau geht von Person zu Person und sagt immer mehr oder weniger das gleiche Sprüchlein an und wartet auf die Reaktion ihres Gegenübers. Die einen reagieren mit Mitleid und rechtfertigen sich dafür, auf ihre Prämie angewiesen zu sein. Andere reagieren mit Wut, dass Sandra sie so unter Druck setzt und halten ihr Egoismus vor, wieder andere wollen ihr unbedingt helfen. All diese Zusammentreffen bergen kleinere und grössere Beobachtungen über das gegenwärtige Leben. Zudem ist Sandra eine hochspannende und sympathische Figur. Auf der einen Seite tief verunsichert und verletzlich, auf der anderen Seite durchaus auch stark und stolz. Die Beziehung zu ihrem Ehemann ist ebenfalls komplex dargestellt. Ihre Krankheit hat auch das Beziehungsgefüge zwischen ihnen ins Wanken gebracht. Immer wieder beschuldigt Sandra ihn, sie zu bemitleiden. Die Kameraarbeit ist hevorragend. Wir sind ganz nahe dabei und spüren den Druck, der auf Sandra lastet. Das alles würde nicht funktionieren ohne eine starke Hauptdarstellerin und Marion Cotillard hat mich total überrascht. In Hollywood konnte sie bisher in meinen Augen noch nie als echte, starke Charakterdarstellerin auftrumpfen, aber unter den Dardennes läuft sie zur Höchstform auf und leistet eine beeindruckende One-Woman-Show ab.

Ich bin ziemlich begeistert von dem spannenden, klugen Film.
9/10 (Tendenz nach oben)
Denen es gut geht, ginge es besser, ginge es denen besser, denen es weniger gut geht. Was aber nicht geht, ohne dass es denen weniger gut geht, denen es gut geht. Darum geht aus denen nicht besser, denen es nicht gut geht. Und darum geht es auch denen nicht besser, denen es gut geht (freie Übersetzung nach Mani Matter).

Jay

hat Lust nen Film zu sehen

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6

Samstag, 10. Oktober 2015, 15:28

Cotillard ist tatsächlich großartig in dem Film, und wie du es schon schön beschrieben hast, ist er eine sehr gelungene Kapitalismuskritik. Auch seine Beobachtungsgabe, wie sehr Loyalitäten untereinander auf die Probe gestellt werden, wenn das Wohl anderer auch an der eigenen Socke hängt.

8 / 10 wären es von mir.
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Samstag, 10. Oktober 2015, 16:56

Ich schließe mich größtenteils an, aber was mich halt an zwei Stellen enorm rausgerissen hat, war ein sehr konstruiert wirkender Moment im letzten Part des, ansonsten sehr authentischen, Films. Cotillard ist wunderbar! Der Rest ist auch sehr gut :)

Von mir wären es auch 8 / 10
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