Bigfoot und die Hendersons (Harry and the Hendersons)

Dr Knobel

Sie nannten ihn Aufsteiger
George Henderson hat es ziemlich eilig, nach dem Aussteigerurlaub im Grünen in die Zivilisation zurückzukehren. Er fährt mit Bleifuß. Plötzlich läuft ihm ein affenähnliches Wesen direkt vor den Wagen. Die Familie bestaunt irritiert das Ungeheuer. Der comic-versierte Sohnemann Ernie identifiziert es als sagenumwobenen Bigfoot. Eine Sensation wäre das schon und so liegenbleiben kann er auch nicht; also beschließen die Hendersons kurzerhand ihn mitzunehmen. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten erobert Bigfoot die Herzen aller Familienmitglieder. Doch auf die Dauer ist das Zusammenleben mit Bigfoot keine Lösung. Tollpatschig wie er ist, zerlegt er das Haus zusehends in seine Einzelteile. Presse und Fernsehen bekommen Wind. Außerdem ist ein Großwildjäger auf sein Fell scharf. Es muß dringend etwas geschehen...

Mag vielleicht der falsche Ansatz sein, aber who cares, notfalls bitte in einen anderen Thread verschieben und umbenennen.
Gestern nach Ewigkeiten mal wieder gesehen, und da ich kurz zuvor den AVATAR 2 Trailer sah, ist mir wieder einmal aufgefallen, wie sehr ich die gute, alte Handarbeit bei Masken, SFX, Actionszenen usw. vermisse. Unabhängig von der Qualität des Films glaube ich wirklich, dass es Filme gibt - nicht zwangsweise AVATAR - die davon profitieren würden, wenn man nicht für jeden Mist CGI einsetzt. Harry (Für den Baker übrigens mehr als verdient einen Oscar erhielt) in dem Fall ... ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass so eine Figur heute mit CGI in der Form funktionieren würde. Die Figur lebt im wahrsten Sinne davon, dass da ein Mensch drinsteckt, der der Figur Seele einhaucht. Das hat auch damit zu tun, dass die Darsteller am Set etwas haben, mit dem sie agieren und auf das sie reagieren können.

Hier mal ein kurzer Clip, wer den Film nicht kennt:


Nein, ich bin kein Gegner von CGI. Das Kino hat unglaublich von der technischen Entwicklung profitiert und viele Filme wären ohne CGI einfach nicht möglich. Aber ich glaube tatsächlich, dass es manchmal schädlich sein kann, wenn man alles machen kann und alles geht, weil man dann dass, um was sich eine Story/Film drehen sollte, einfach aus den Augen verliert. Weniger ist manchmal mehr.
Vielleicht passt dazu eine kleine Story rund um VAMPIRE von John Carpenter, auch wenn es nicht um CGI geht. Da sollte ein abgetrennter Kopf im Sand noch einige Sätze sprechen. Der verantwortliche SFX-Artist wollte einen Kopf bauen lassen, der per Funk "bedient" werden konnte. Carpenter hörte sich das an, jagte den Kerl davon und befahl im stattdessen Schaufeln zu besorgen. Ein paar Leute gruben ein Loch, der Schauspieler kletterte da hinein, das Loch wurde mit Sand zugeschüttet, bis nur noch der Kopf herausragte, und Carpenter nahm die Szene auf. Zeitaufwand: 4 h, Kosten 30 Dollar. Die andere Variante hätte mehrere tausend Dollar gekostet und hätte später nachgedreht werden müssen, worauf Carpenter einfach keinen Bock hatte. Wie gesagt: das passt nicht 1:1, weil es nicht um CGI geht, aber im Kern trifft es das ganz gut. Nehmt doch bitte CGI für das, was nicht möglich ist und macht alles andere auf die gute, alte Art und Weise, davon profitieren alle. Und in den meisten Fällen ist das auch noch günstiger, um ein weiteres Vorurteil aus der Welt zu räumen.

Aber andererseits ... vielleicht bin ich auch nur ein nostalgischer, alter Mann.
 

Rocky Balboa

Herrscher über die Sülznasen
Vor ca. 2 Jahren haben wir den (wieder) gesehen, meine mittlerweile 15-jährige Tochter freut sich immer auf Filme der 80er und 90er, Bigfoot und die Hendersons gefiel ihr auch sehr gut, mir sowieso. Hätte mir aber gern 10-15 Minuten mehr gewünscht.
 
Zuletzt bearbeitet:

brawl 56

Ich bin auf 13 Sternen zum Tode verurteilt!
Mag vielleicht der falsche Ansatz sein, aber who cares, notfalls bitte in einen anderen Thread verschieben und umbenennen.
Gestern nach Ewigkeiten mal wieder gesehen, und da ich kurz zuvor den AVATAR 2 Trailer sah, ist mir wieder einmal aufgefallen, wie sehr ich die gute, alte Handarbeit bei Masken, SFX, Actionszenen usw. vermisse. Unabhängig von der Qualität des Films glaube ich wirklich, dass es Filme gibt - nicht zwangsweise AVATAR - die davon profitieren würden, wenn man nicht für jeden Mist CGI einsetzt. Harry (Für den Baker übrigens mehr als verdient einen Oscar erhielt) in dem Fall ... ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass so eine Figur heute mit CGI in der Form funktionieren würde. Die Figur lebt im wahrsten Sinne davon, dass da ein Mensch drinsteckt, der der Figur Seele einhaucht. Das hat auch damit zu tun, dass die Darsteller am Set etwas haben, mit dem sie agieren und auf das sie reagieren können.
Schön geschrieben und fasst es ziemlich gut zusammen, warum Kreaturenanzüge immer besser sind, als reines CGI.

Inzwischen ist die gekonnte Kombination von beiden das absolute Sahnehäubchen.
Alec Gillis und Tom Woodruff Jr. (Amalgamated Studios, ehemals Stan Winston Studios) und Legacy Effects sind da die momentanen Vorreiter.
Guillermo Del Toro setzt auch immer wieder auf die Kombination und siehe da, es hat ihm ebenfalls einen Oscar für den besten Film eingebracht. Pans Labyrinth und die Hellboys sind natürlich ebenfalls Paradebeispiele.

Und wenn es absolut puristisch werden soll, dann Mal schauen, was The Jim Henson Company bei The Dark Crystal: Age of Resistance gezaubert haben.
Ausnahmslos Puppen und Sets die mit CGI erweitert, aber niemals ersetzt worden sind.

Hach, einfach mein Lieblingsaspekt bei Thema Filme.
Danke für den tollen Thread :biggrin:
 

Dr Knobel

Sie nannten ihn Aufsteiger
Wo Du Gillis und Woodruff Jr. erwähnst und falls es dem einen oder anderen nicht bekannt sein sollte: Die haben für das Prequel THE THING alles in alter Manier entwickelt und so wurde es auch gedreht, alleine schon um Rob Bottin zu ehren. Im Nachhinein wurde das nahezu komplett mit CGI nachgedreht bzw. dadurch ersetzt. Ich habe alles hier, Entwürfe, Zeichnungen, Bilder vom Set. Das ist unglaublich, was die da gemacht haben und was schlussendlich daraus wurde. Als Turbine die Deluxe Edition von THING veröffentlichte, haben sie auch auf meinen Rat hin versucht, das gefilmte Material von Universal zu bekommen, um es als Bonus auf die Scheibe(n) zu packen. Es wäre unabhängig von der Haltung Universals, auf die ich hier nicht eingehen möchte, schlicht nicht möglich gewesen, weil dieses Material nur auf 35 mm vorlag und noch gar nicht bearbeitet war. man hätte es also selbst bearbeiten müssen, und das wäre finanziell halt nicht machbar gewesen. Die haben also auch ihre Erfahrungen gemacht und sind bis heute darüber gelinde gesagt sehr pikiert, weil gerade die Leute, die diese Effekte machen, wissen, wie wichtig es ist, das glaubwürdig und möglichst zeitlos zu gestalten. Und in der Hinsicht bin ich dann auch bei der Kombination von beiden Herangehensweisen, weil CGI eben praktischen Effekten helfen kann - und zwar am besten dann, wenn sie nicht auffällt. Und das gilt für alle Effekte.

Kennt noch jemand STORM WARNING? Da ist der Regen aus praktikablen Gründen digital eingefügt worden, weil man es für die Atmosphäre brauchte und aus unterschiedlichen Gründen nicht machbar war. Das fällt nicht auf, weil es dezent eingesetzt wird. So etwas meine ich. Braucht man CGI, weil es anderes nicht geht, dann ist es toll. Aber dann doch bitte möglichst sparsam einsetzen. Heute wird aber in meiner Wahrnehmung, und die ist fraglos auch nicht objektiv in diesem Punkt, einiges nur gemacht, weil man es machen kann und nicht, weil es der film oder die Szene braucht. Und das ist der falsche Weg.
 

brawl 56

Ich bin auf 13 Sternen zum Tode verurteilt!
Jup, das Desaster von The Thing ist echt traurig.
Gibt auch auf YouTube ordentlich Behind the Scenes Material von den Viechern:
Irre gute Arbeit! Und so verschwendet :sad:
Heute wird aber in meiner Wahrnehmung, und die ist fraglos auch nicht objektiv in diesem Punkt, einiges nur gemacht, weil man es machen kann und nicht, weil es der film oder die Szene braucht. Und das ist der falsche Weg.

Gute Beispiele sind Jurassic Park und Terminator 2. Anders konnte man es nicht umsetzen und genau deswegen hat man sich dermaßen ins Zeug gelegt um nur annähernd so gut wie die praktischen Effekte zu sein.

Und siehe da, schon hat man Effekte die den Zahn der Zeit überstehen.
 

Dr Knobel

Sie nannten ihn Aufsteiger
Ja, das haben die später eingestellt, weil die Fans halt auf die Barrikaden gegangen sind. Das zeigt schon sehr viel,aber nicht ansatzweise alles. Es ist aber eben auch kompletter Irrsinn gewesen, vor allem mit der Begründung. Zumindest teilweise schwingt das Pendel ja auch wieder zurück, du beachtest schon Beispiele.

Man könnte das auch ausweiten und über das Desaster des Wechsels von 35 mm auf digital sprechen. Natürlich hat das vor allem praktikable Vorteile,aber da ist auch ein Handwerk vor die Hunde gegangen, Kreativität und visuelle Handschrift sind verloren gegangen. Zudem tut der digitale Look vielen Filmen nicht gut. Für mich persönlich ganz bitter.

Allerdings geht es jetzt sehr weit weg vom Thread. :rolleyes:
 

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
Nicht schlimm :wink:

Ich bin da ganz bei euch und finde auch, dass zu viel zu CGI gegriffen wird. Simples modernes Beispiel: Blutbeutel und Mündungsfeuer. Früher hatte man diese schönen Squibs und anständige Platzpatronen, aber Dank CGI kann man die Kosten dafür und die obligatorischen Extrahemden für weitere Takes sparen. Man sieht es aber andauernd.

In der 3D Hochphase konnte ich den Trend zu CGI Hintergründen verstehen, da es in 3D weit besser wirken kann als echt gefilmtes. Aber die Zeit ist vorbei und sie greifen trotzdem weiter dazu, siehe Der Tod auf dem Nil.

Wenn das Compositing nicht gut arbeitet, sehen die Leute aus wie reingephotoshoppt. Leider arbeiten da nicht alle so präzise wie etwa beim vorbildlichen The Mandalorian.

Muss auch gestehen, dass ich diesen flachen glossy Look wie bei Jungle Cruise echt nicht mag. Das menschliche Auge lässt sich nicht leicht täuschen, und je echter es wirkt, desto leichter kann man sich reinversetzen. Deswegen sollten alle Monster etc spätestens in Nahaufnahmen oder bei Menschenkontakt Animatronics haben. Auch wenn es nicht ultra realistisch ausschaut, wirkt es.

The Shallows hatte einen wirklich gut gemachten CGI Hai. Dennoch wirkt der steife, nicht ganz anatomisch korrekte Der weiße Hai heut noch immer weit besser, gruseliger.
 

brawl 56

Ich bin auf 13 Sternen zum Tode verurteilt!
Leider arbeiten da nicht alle so präzise wie etwa beim vorbildlichen The Mandalorian.
Da machst du aber ein anderes Fass auf. Durch das LED Set "Volume" gibt es kaum noch Nachbearbeitung. Da werden komplett fertige Szenen rausgeholt, weil es inzwischen die technischen Möglichkeiten (bspw. Auflösung der LED Wände, Echtzeit-Rendering dank Unreal-Engine & Kopplung mit Kamerabewegung) gibt.
Natürlich hast du auch bei den Star Wars Serien einige "old school" CGI Szenen, aber ich denke du sprichst hier die neuen Möglichkeiten an.

Wie gesagt, da werden komplette Szenen direkt rausgeholt.
 

Dr Knobel

Sie nannten ihn Aufsteiger
Jo, da bin ich bei brawl, das ist nochmal eine andere Nummer und kann nur bedingt mit der o.g. Problematik verglichen werden. Aber auch da bleibe ich im Kern dabei, dass diese Technik nur dann angewendet werden sollte, wenn es nicht anders geht und/oder es einen Vorteil bringt. Und das ist auch nicht immer der Fall. Filme wie APOCALYPSE NOW, FITZCARRALDO und andere funktionieren, weil sie an echten Locations gedreht wurden und nicht vor einer "Leinwand", vor der man ein paar Kulissen hinstellt. Auch da geht wieder viel Handwerk und Kunst verloren, weil es nicht mehr darum geht, dass man mit den Gegebenheiten vor Ort (Licht, Wetter usw) klarkommen muss. Das Thema Beleuchtung war immer ein großes Problem und der Look von vielen Filmen aus den 70er-90er-Jahren ist auch deshalb so einprägsam und gleichzeitig so unterschiedlich, weil es einen großen Unterschied machte, wer da hinter der Kamera saß. Das waren große Künstler,, die ihren Stil über Jahre hinweg gelernt und perfektioniert haben. Als Beispiel sei nur Dean Cundey genannt, der mit vielen anderen Künstlern ein "Opfer" dieser Entwicklung war. Ein Film entstand immer schon in der Post Production, aber mittlerweile hat sich das immer mehr dahin verschoben, weil halt dort alles möglich ist, seien es Farbkorrekturen, Lichtverhältnisse usw. usw. Das ging früher so nicht, deswegen wurde noch wesentlich mehr Wert auf die Arbeit am Set gelegt. Da geht so viel verloren, sorgt aber visuell auch dafür, dass vor allem teure Filme, denen viel Geld für die PP zur Verfügung steht, sehr austauschbar geworden sind. Das ist nicht gut. Es geht nur noch bedingt darum, einen eigenen Stil zu entwickeln, sondern die ausufernden Möglichkeiten zu beherrschen und zielgerichtet anzuwenden. Das sind aber komplett unterschiedliche Ansätze.

Aber natürlich ist es gut, dass die Technik sich weiterentwickelt, nur die Balance geht immer mehr verloren.
 

Cimmerier

Well-Known Member
Herr der Ringe und Hobbit sind für mich auch Paradebeispiele dafür, wo CGI bei Letzterem fast schon zu Selbstzweck verkommen sind. Ein HdR wird auch noch in 20 Jahren seinen Mann stehen können, während der Hobbit in meinen Augen jetzt schon deutlich schlechter gealtert ist.
 

Dr Knobel

Sie nannten ihn Aufsteiger
Absolut. Man hat auch da Dinge gemacht, weil man es konnte und nicht, weil es besser war oder dem Film half.
 

Dr Knobel

Sie nannten ihn Aufsteiger
Ich lese gerade ein altes Interview von Michael Ballhaus, der über seine Erahrungen bei WILD WILD WEST spricht, und das passt gerade so schön, weil es exakt das aufgreift, was ich oben bereits beschrieb/meinte - nämlich, dass bei den CGI-Bombast und der Digitalisierung die Verantwortung und die Kontrolle immer mehr von den handelnden Personen (Regisseur, Kamera, Schnitt usw.) weggenommen und verlagert wird. Und daher kommt dann dieser doch sehr einheitliche und austauschbare Look, weil es am Ende des Tages dann fast schon egal ist, wer hinter der Kamera sitzt.

"Es war nicht ganz meine Art zu arbeiten, weil eben doch sehr viele Einflüsse von verschiedenen Seiten kamen, die ich nicht mehr kontrollieren konnte. (...)Auf die endgültige Ausführung hatte ich gar keinen Einfluss mehr. Das wird ja alles im Computer hergestellt. (...) Große Teile des Films sind von meiner Arbbeit völlig losgelöst. (...) ich würde in Zukunft nicht mehr so gerne bei dieser Art Film mitmachen."

Das Interview ist von 1999 ... es ist also nicht besser geworden. Und das ist eben auch der Grund, warum Meister ihres Fachs, obwohl das mit dem Alter nichts zu tun hatte, quasi arbeitslos waren. Alles sehr unschön.
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Ich glaube das kann man pauschal nicht sagen, wenn man gleichzeitig, wenn wir bei der Kameraarbeit bleiben, die Arbeit von Greig Fraser, Hoyte van Hoytema, Roger Deakins, Rachel Morrison usw. bei effektlastingen Filmen anschauen.
Film bleibt Teamarbeit und wenn mit computergenerierten Effekten, ist der Austausch eben noch intensiver, eben auch nach dem eigentlichen Dreh.
 

Dr Knobel

Sie nannten ihn Aufsteiger
Wenn die CGI-Arbeit, und das ist häufig der Fall, aber nahezu komplett losgelöst, alleine schon aus Kostengründen in anderen Länder durchgeführt wird, dann ist das eine andere Nummer, und das hat nix mit Intensität zu tun. SFX während des Drehs und in der PP zu perfektionieren, das war schon immer heikel und war Teamarbeit. Mittlerweile sind aber handelnde Personen aus den unterschiedlichsten Gründenhäufig komplett aus diesem Aspekt raus, weil diese Arbeit losgelöst entsteht. Natürlich nach Vorgaben, natürlich mit Einfluss, aber nicht mehr mit der Aufsicht des Regisseurs wie früher. Es war schon immer so, dass Effekte von einer anderen Crew durchgeführt wurden, das ist nichts Neues. Die waren aber dann am Set, und die Ergebnisse haben Bestand und werden heute noch als Meilensteine gefeiert, siehe AMERICAN WEREWOLF, THE THING oder auch JURASSIC PARK.

Und selbstredend gibt es Unterschiede, und deswegen pauschalisiere ich ja nicht, weil ich im Eingangspost ja bereits schrieb, dass ich kein Gegner von CGI bin, und das Kino unglaublich davon profitiert hat. Wenn Du das dann zusätzlich nochmal einzeln erwähnt haben möchtest, bitte hier: Die "Kritik" bezieht sich nicht auf alle Effektfilme modernerer Prägung und bezieht sich nicht auf jeden Film, der bald in die Kinos kommt.
Ich werde nur von Jahr zu Jahr überzeugter, dass diese Absplitterung nicht gut ist, und es besser wäre, man würde sich wieder darauf konzentrieren, dass das was möglich ist, tatsächlich auch am Set umgesetzt wird.

Und dann gibt es selbstredend Unterschiede zwischen Effektfilmen, die einerseits darin liegen, dass CGI und Greenscreen eben nicht mit aller Gewalt eingesetzt werden, sondern als Unterstützung dienen, weil es häufig nicht anders geht. Zum Beispiel DUNE von dem von dir angesprochenen DoP Greig Fraser, wo die Crew aber tatsächlich trotz aller Einschränkungen und Probleme über den halben Erdball geflogen ist, um da vor Ort zu drehen, wo es nur irgendwie ging und eben nicht vor der Greenscreen drehte, sondern mit den Problemen vor Ort klarkommen musste. Dementsprechend ist dass das denkbar beste Beispiel, für die Umstände, die ich meine. Dasselbe bei Hoytema - Nolan ist bekannt dafür, dass er Dinge möglichst real umsetzen will, siehe TENET. Auch da: Du spielst mir da eher in die Karten, gilt auch für Deakins. Morrison ... bitte, die hat im Grunde einen Effektfilm gemacht, da muss man abwarten. Zudem beziehst Du Dich nur auf Kameraleute; klar, wegen der Zitate von Ballhaus. Ich beziehe es aber, siehe Eingangspost, auf den kompletten Prozess, sprich Regie, Produktion usw.

Also nochmal: Es passiert ja noch, und ich habe sogar das Gefühl, dass ein Teil der nachrückenden Generation die Zeiger der Uhr ein wenig zurückdrehen möchte oder zumindest verstanden haben, dass es besser ist, ein ausgewogenes Verhältnis hinzubekommen. Und das wäre mein Wunsch.
 

jimbo

ehemals jak12345
Bei den Konzeptzeichnungen sind doch wohl die Regisseure mit dabei oder?

Ich fänds auch gut, wenn die Regisseure zumindest mit der Chefetage der CGI-Abteilung mal über Idee und Gedanken des Regisseurs sprechen.

Bei Marvel wirds aber denke ich so sein, dass Marvel bestimmt wo das CGI hingeht und vielleicht sogar sagt, wie es werden soll. Vielleicht auch weil Regisseur keine Lust haben zuhören, das jenes und welches nicht machtbar ist.
Aber das ist ins Blaue raten.


Letzte Tage noch gelesen, dass das CGI an Qualität nicht zunimmt, weil man den VFX-Künstlern nicht die Zeit gibt, die sie eigentlich bräuchten, da am Releasedate nicht gerüttelt wird. Ich glaube VFX-Künstler geben eher ungerne was raus, womit sie selbst nicht zu frieden sind.

Bei einem Guillermo Del Toro kann ich mir nicht vorstellen, das er nicht eng mit dem VFX-Team zusammenarbeitet.

Mich würden da echt mal Einzelheiten zum Thema Regisseure und CGI interessieren.
 

Dr Knobel

Sie nannten ihn Aufsteiger
Bestimmte Studios arbeiten ja von sich aus immer mit den gleichen SFX-Studios zusammen. Entweder, weil sie im Hause angesiedelt sind wie bei Millennium - was ein großes Problem ist - oder aufgrund von guten Erfahrungen. Dann gibt es Auftragsregisseure, die da kein Wörtchen mitzureden haben. Auch die sprechen sich natürlich ab, aber teilweise sind da die Vorbereitungen schon längst gestartet, weil die SFX-Crew schon auf Basis des Drehbuchs und Absprachen mit Produzenten angefangen ist. Und solche Regisseure for hire, und das meine ich nicht abwertend, können sich dann auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und diktieren, was sie gerne hätten und von wem es wann und wie umgesetzt mit welchem Zeitfenster wird. Das sind alleine schon aufgrund der Vielzahl von Effekten bisweilen zwei völlig losgelöste Prozesse.
Dann gibt es natürlich Regisseure wie Nolan, Cameron, Jackson und del Toro, die einen anderen Stellenwert haben und ihre Projekte über Jahre hinweg vorbereiten, die teilweise selbst Effektstudios haben und von Beginn an jedem Detail beteiligt sind und zudem auch technisch beschlagen genug sind, um diese Arbeit zu begleiten. Viele sind aber nicht in der Position, kamen zu spät zur Produktion oder haben auch keine Ahnung davon.

Grundsätzlich ist es eben so, dass der Bedarf nach digitalem SFX gestiegen ist. Einerseits, weil die Filme entsprechend danach verlangen, andererseits, weil es durch Netflix, Prime usw. mehr Content gibt. Daher schossen und schießen SFX-Firmen wie Pilze aus dem Boden und es herrscht eine große Konkurrenz und das schlägt sich auch in einem Preiskampf nieder, bei dem viele nicht mehr mithalten können, siehe Rythm & Hues als prominentestes Beispiel. Kosten spart man durch geringere Löhne (Asien, Indien) und/oder durch einen knapperen Zeitrahmen, also arbeiten da nicht selten 200-400 Leute an einem Projekt. Wenn dieses Rad sich mal bewegt, dann ist da einfach nicht mehr viel zu machen, weil eben auch nicht eine SFX-Firma an Effekten arbeiten, sondern auch viele kleinere, die sich auf bestimmte Aspekte dieser Kunst (!) fokussiert haben. Da muss ein Rädchen ins andere greifen, sonst funktioniert da einfach nichts. Die SFX-Jungs wünschen sich ja sogar den Austausch mit dem Regisseur, doch aus organisatorischen und zeitlichen Gründen gibt es den häufig nicht. Und das alles passiert dann teilweise auf mehreren Kontinenten parallel, teilweise schon vor und während der Dreharbeiten. Änderungen, Anpassungen sind dann nicht mehr oder nur noch bedingt umsetzbar. Und das Studio wird einem bisherigen Videoclip-Regisseur was husten, wenn der plötzlich während der Aufnahmen feststellt, dass ein anderer Ansatz dann doch besser gewesen wäre, denn dann ist ein Großteil der eventuell schon vorhandenen CGI für die Tonne. Das ist alles wesentlich unflexiblerer geworden, da diese Prozesse wie schon gesagt nahezu losgelöst voneinander ablaufen. Es wird nicht unbedingt besser, da viele US-Firmen jetzt ihre Büros teilweise oder ganz schließen und nach Asien/Indien gehen, u.a. DNEG, MPC, Technicolor oder Framestore

Mir liegt es fern da rumzuknüppeln und alles schlechtzumachen, denn auch für TENET entstanden einige Effekte in Indien, da gibt es mehrere Beispiele, wo es wunderbar funktionierte. Aber in der Masse an Projekten sind das eher Ausnahmen und der Trend geht immer mehr dahin, möglichst viel durch digitale Effekte umzusetzen, was den eigentlichen Dreh an echten Sets, mit echten Kostümen und Masken weniger relevant macht, obwohl genau das nicht sein muss, weil vieles am Set umsetzbar ist, besser und glaubwürdiger aussieht, dem Regisseur und DoP mehr Freiheiten und Einfluss erlauben und unterm Strich sogar günstiger wäre. Nicht alles, was geht und machbar ist, ist auch sinnig und nötig. Nur darum geht es mir.

Edit: Dieser Zeit- und Kostendruck ist dann auch mitverantwortlich dafür, dass Leute wie Rick Baker keinen Bock mehr haben, siehe:

"Auch der Make-up-Teil wird langsam überflüssig. Ich mag es, Dinge richtig zu machen, und sie wollen es billig und schnell. Das ist nicht das, was ich tun möchte, also habe ich beschlossen, dass es Zeit ist, auszusteigen."

Und das ist der falsche Weg.
 
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brawl 56

Ich bin auf 13 Sternen zum Tode verurteilt!
Schön, wie du den Prozess beschreibst.
[...]weil eben auch nicht eine SFX-Firma an Effekten arbeiten, sondern auch viele kleinere, die sich auf bestimmte Aspekte dieser Kunst (!) fokussiert haben.
Das ist einer der wichtigsten Punkte bei CGI Produktionen.
Wenn man sich einen Abspann von einem aktuellen Blockbuster anschaut (Marvel Filme sind da gute Beispiele), dann bestehen diese 10-15 Minuten zum Großteil aus über 20-30 Effektschmieden. Und die meisten fokussieren sich auf einzelne Szenen oder Bestandteile von Szenen, wie Beleuchtung, Partikeleffekte oder weiß der Geier was für Aspekte.
Nur die ganz Großen, wie ILM und Weta digital z.B. stemmen sowas bei kompletten Szenen. Einige Studios haben sich auch nur auf CGI Charaktere oder Landschaften spezialisiert, digitale Matte Paintings usw.

Und alle arbeiten gleichzeitig, das muss organisiert und koordiniert werden, das ist eine irre Pipeline. Da können Regisseure nicht mehr viel lenken, weil so vieles voneinander abhängt.

Hab ich erwähnt, dass ich dieses Thema liebe? :ugly:
 

Dr Knobel

Sie nannten ihn Aufsteiger
Ich halte das Thema auch für hochspannend und interessant, sehe es aber eben auch kritisch, und das hat nur bedingt mit Nostalgie zu tun. Film war immer ein Gruppenprozess. Der Prozess früher lief aber eben doch gänzlich anders ab als heute und hat Auswirkungen auf alles Aspekte des Filmemachens. Einerseits gibt es grenzenlose Freiheiten, weil schlicht alles möglich ist, andererseits sind es genau diese Möglichkeiten, die alles verkomplizieren und die Verantwortung mehr und mehr vom Regisseur, DoP, Editor usw. wegnehmen. Ganz platt ausgedrückt: Kommen der Regisseur und der DoP am Set zu der Entscheidung, dass eine andere Einstellung besser für den Film wäre, geht das bisweilen einfach nicht, weil der dazugehörige Effektshot schon fertig ist, uind die Einstellungen dann nicht mehr zusammenpassen. Intuition, Flexibilität, Gespür dürfen dann einfach keine Rolle mehr spielen. Der Look eines Films wird nicht mehr durch das, was gedreht wurde diktiert, sondern durch das, was von zig Einzelspezialisten quer über den Globus verteilt, in Einzelarbeit entsteht. Das ist hochkomplex und man kann die Leistung dieser Künstler, und das meine ich wortwörtlich, nicht hoch genug loben. Das sind aber keine Filmemacher, sie verleihen einem Film keinen Rhythmus, keine persönliche Handschrift, keinen Stil. Sie fertigen Aufträge ab, hochprofessionell und meistens im Einzelergebnis beeindruckend, aber am Ende bleibt da häufig was auf der Strecke. Deswegen denke ich, dass es sinnvoller wäre, wieder mehr echte, praktische Effekte einzusetzen, sofern das machbar und qualitativ gleichwertig ist. Das ist es nicht immer, keine Frage. Häufig aber eben schon.
 

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
Ich kann da nur zustimmend nicken. Das ist wirklich so und auch schade, dass es nur noch wenig Interesse an praktischen Effekten gibt. Natürlich kann man praktisch nicht alles machen, aber was da möglich ist, trägt meist eine beachtliche Handschrift. Baker, Winston und Tippett zB sind Großmeister ihres Fachs und haben vieles Unvergessliches geschaffen.
 

jimbo

ehemals jak12345
SFX sind doch Sound Effects oder nicht?

Ich finde, dass z.b. Moon Knight schon einiges an guten echten Sets hat. Ich meine auch, dass im allgemeinen viele Explosionen noch echt sind. Kann aber auch sein, dass meine Erwartungen an echten Sets und Effekten einfach schon sehr niedrig ist. Das Problem was ich mit den echten Explosionen habe ist, dass sie fast immer gleich aussehen.

Ich frag mich ob es dem normale Kinobesucher überhaupt wichtig ist ob die Effekte nur mittelmäßig gut sind oder wirklich sehr gut.

Dann gibt's noch das perfekte CGI was man nicht erkennt und dafür bekommt man nicht so schnell Anerkennung, außer natürlich von anderen VFX-Artists.

Schade, dass Neill Blomkamp nicht mehr Eindruck im Business hinterlassen hat und mehr Filme gekommen sind die zeigen wie gut und realistisch CGI sein kann, zumindest bei anorganischen Materialien. Ist beim mir zu lange her, dass ich das organische CGI aus seinen Filmen bewerten könnte.
 
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