Casino ~ Scorsese, De Niro

Revolvermann

Well-Known Member
Ich liebe Godfellas auch. Wie gesagt, denn fand ich früher auch immer besser. Hatte Casino nur einmal gesehen. Gestern jedoch, bin ich sowas von darin versunken. Ich würde nun nicht mehr sagen das der weniger gut ist. Zusammen mit "Wolf of Wall Street" geben die eine erstklassige Trilogie wie ich finde. Wobei viele auch "Hexenkessel" mit in den Topf werfen. Den habe ich allerdings noch nie gesehen.
Allerdings gebe ich Diego in dem Punkt mit dem Auto recht.

Ich dachte mir direkt, wie man das so stehenlassen konnte? Der Film ist nicht aus den 60ern. Zumal es dann ja am Ende nochmal anders ausgeht. Das hätte man viel subtiler inszenieren können. Oder einfach aus einer anderen Persprektive, welche mehr Spielraum lässt.

Ansonsten ein grandioser Film. Schade das Pesci danach kaum noch was gemacht hat. Und dann waren unter den wenigen Sachen auch noch Filme wie "Der 100.000 Dollar Fisch". :ugly:
 

Diego de la Vega

Not Yet Rated
Teammitglied
Grad bemerkt, die Geschichte mit dem Einschlafen hab ich schon im Mai 2015 in den Thread geschrieben. :clap: Ich sollte mir einen Tag aussuchen, an dem ich extrem wach und motiviert bin. Dann versuch ich es wieder.
 

Argento

Member
Gestern zum vielleicht siebten Mal gesehen:

Wenn man sich einem Film wie CASINO schriftlich nähert, besteht stets die Gefahr sich in ödem Geschreibsel zu verlieren. Insbesondere, wenn man betont wie herausragend sämtliche Teilaspekte (Schnitt, Kamera, Drehbuch, Musik, Darsteller) des Films von Ausnahmeregisseur Scorsese in ein Meisterwerk überführt werden.

Deswegen nur ein paar kurze Anmerkungen:
Besonders bemerkenswert empfand ich bei meiner gestrigen Sichtung den Einfall Scorseses Delerues Komposition "Theme de Camille" gewissermaßen zum Soundtrack der kaputten Ehe von Ace (De Niro) und Ginger (Stone) werden zu lassen. Selbstverständlich kommt auch noch eine Metaebene hinzu, wenn man Godards Film DIE VERACHTUNG kennt, für den das Stück ursprünglich komponiert wurde und weiß, welche Themen in jenem Film verhandelt werden.
Ebenfalls aufgefallen ist mir, auf welch kluge und fast schon beiläufige Weise Scorsese den alltäglichen Antisemitismus darstellt, der seinem jüdischen Hauptprotagonisten entgegenschlägt. Am Ende ist Ace auch für seine Ehefrau nicht mehr "nur" ein Mann, den sie verachtet, sondern eben ein "jew bastard". So bezeichnet sie ihn vor Nicky (Pesci).

Herzstück des Films ist ohnehin die Geschichte von Ace und Ginger. Die Duelle, die sich aus ihrer völlig kaputten Ehe heraus entwickeln, sind von einer atemberaubenden Intensität und darstellerischen Qualität, die wohl nur mit jenen von Taylor/Burton aus WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOOLF? verglichen werden können.

Im Jahre 1995 wurden übrigens so herausragende Filme wie der hier besprochene CASINO, HEAT, NIXON, LEAVING LAS VEGAS, TWELVE MONKEYS, SIEBEN oder CROSSING GUARD veröffentlicht. Zum "besten Film" bei den Academy Awards wurde allerdings Mel Gibsons dümmlicher Historienschinken BRAVEHEART gekürt, der auf lächerliche Weise den Vorrang des Glaubens (an was auch immer) vor der Vernunft besingt, was in einer "Motivationsrede" gipfelt, die in sich selbst eigentlich schon eine Parodie darstellt. Vielleicht wurden aber auch die Schlachtszenen prämiert. Die sind handwerklich wirklich gelungen, aber dergleichen reicht nun wirklich nicht, um von bedeutender Kunst zu sprechen. Und bei CASINO, ja, handelt es sich um bedeutende Kunst.

"When you love someone, you gotta trust them.
There's no other way.
You've got to give them the keys to everything that's your's.
Otherwise, what's the point?
And for a while, I believed, that's the kind of love I had."
 
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