Joe: Die Rache ist sein ~ Nicolas Cage [Kritik]

TheGreatGonzo

Not interested in Naval Policy
Teammitglied
BG-Kritik: Joe (Jay)

David Gordon Green lässt sich nicht lumpen. Nachdem seine Comedyphase (Ananas Express, Your Highness, Bad Sitter) eher nicht so gut ankam, meldete er sich mit der letzjährigen Tragikomödie Prince Avalanche zurück, der ihm den Regiepreis der Berlinale einbrachte. Seine nächsten zwei Filme sind ebenfalls abgedreht, einer davon ist dieser, Joe, ein angeblich sehr düsterer und brutaler Südstaatenthriller, in dem Nicolas Cage einen Ex-Sträfling spielt, in dem der 15 jährige Gary (Tye Sheridan, Mud) eine Vaterfigur findet.

Zum Trailer (Scheint aber nach der Hälfte ziemlich zu spoilern)

Green war für den Film auf den Filmfestspielen in Venedig für den goldenen Löwen nominiert, die ersten Kritiken sind überwiegend positiv. Einen deutschen Kinostart gibt es bisher noch nicht.
 

Dr.WalterJenning

Düsterer Beherrscher
Nicolas Cage is back! :thumbup:

Handlung:

Der Ex-Sträfling Joe (Nicolas Cage) trifft auf den 15 jährigen Gary (Tye Sheridan), ein verlorener Teenager, der ihn mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Diese Konfrontation endet entweder in Joes Erlösung oder in seinem Untergang...

Review:

'Joe' von David Gordon Green ist-, wie der Titel schon vermuten lässt, eine Charakterstudie. Die Charakterstudie eines Mannes, der von Wut und Rachsucht getrieben ist, diese Emotionen jedoch zum Wohl seiner Selbst unterdrücken muss und sie mit Hilfe von körperlicher Arbeit halbwegs zu kompensieren vermag.

Er wird von den Dämonen seiner Vergangenheit getrieben und diese schicken ihm den 15 jährigen Gary, der ihn um einen Job bittet und ihn auch bekommt.

Allerdings wird diese Entscheidung schwerwiegende Folgen für Joe haben...

Es ist einfach der pure Wahnsinn, wie viel Energie in Nicolas Cage steckt. Er fabriziert einen Flop nach dem anderen aber findet jedes Mal die Kraft, wieder aufzustehen und ein ums andere Mal eine Performance abzuliefern, die sowohl atemberaubend als auch fesselnd ist.

Auch wenn der dazugehörige Film noch so schlecht ist, Cages Schauspiel allein macht ihn sehenswert. Mal unbeirrt im Overacting-Modus, mal super cool aber stets mit der nötigen Portion Irrsinn in den Augen, bannt er beinahe hypnotisch die Aufmerksamkeit des Zuschauers.

Doch es existieren in jüngster Vergangenheit leider viel zu wenige Beispiele, in denen sowohl die Inszenierung, als auch Cages Spiel eine Symbiose bilden. Und genau diese Symbiose findet man in 'Joe'.

Der Film beginnt als leises, entschleunigtes Drama über einen gebrochenen, introvertierten Mann um dann ab ca. der Hälfte des zweiten Akts plötzlich und zusammen mit seinen Figuren zu explodieren.

Auf einmal hat man es mit einem handfesten, knallharten Rache-Thriller zu tun, wütend und kraftvoll wie sein Protagonist und die Wucht des Schauspielers, der wenige Minuten zuvor noch durch seine Stoik und seinen Minimalismus verzauberte.

Unterstützt wird Cage dabei vom bockstarken Jungdarsteller Tye Sheridan, der selbstredend nicht ganz das Vermögen und Selbstverständnis eines längst etablierten Mimen besitzt, jedoch auf dem besten Weg dahin ist.

Traurig: Gary Poulter, seines Zeichens obdachlos, der in diesem Film den Wade spielt, verstarb kurz nach den Dreharbeiten. Dieser Mann hätte eine große Zukunft in Hollywood gehabt, denn bei allem gebührenden Respekt für Cage, dieser Laie spielt ihn in seinen vergleichsweise wenigen Szenen fast an die Wand. Bemerkenswert!

Man liest es bereits, 'Joe' ist superbes Schauspielkino und als dieses macht er alles richtig. Authentisch wie das Lokalkolorit der Südstaaten der USA und eindrucksvoll wie seine Bilder, markiert der Film einen Höhepunkt in der Vita des Regisseurs und des Hauptdarstellers.

Fazit:

'Joe' ist bärenstarkes Drama mit gelegentlichen, harten Thriller-Einschüben und anspruchsvolles Schauspielkino der Spitzenklasse zugleich. Ganz großes Kino!

9/10​
 
Das klingt super! Die ganzen positiven Kritiken überall lassen da schon ein wenig Vorfreude aufkommen :w00t:
Wann kommt der denn bei uns?
 

Dr.WalterJenning

Düsterer Beherrscher
@ Edgecrusher

Ein deutscher Starttermin ist leider noch nicht bekannt aber man kann sich den Film bereits via Video On Demand zu Gemüte führen, allerdings im O-Ton. :top:
 

Dr Knobel

Sie nannten ihn Aufsteiger
Habe jetzt schon von mehreren Seiten gehört, dass der gut sein soll. Dann muss ich mir den ja wohl doch einmal geben.
 

TheReelGuy

Active Member
Ich kann ihn auch ganz vorsichtig empfehlen. War mir vielleicht etwas zu umständlich, was die Metaphern oder die Bildsprache angeht, aber auf jeden Fall eine interessante und gute Entwicklung für David Gordon Green und auch Nic Cage. Wobei halt Tye Sheridan den Film schon enorm an sich reißt.
 

Dr Knobel

Sie nannten ihn Aufsteiger
Cage ist schon ein Phänomen. Obwohl seine A-Liga-Zeiten lange vorbei sind, und er aufgrund seiner finanziellen Lage scheinbar für alles zusagt, was halbwegs passabel bezahlt wird, und die Filme überwiegend auch nicht viel taugen, verleiht er selbst dem lahmsten B-Movie noch eine gewisse Klasse. Dass er, im Gegensatz zu Kollegen wie Seagal oder Willis, keine Arbeitsverweigerung betreibt, und sich mehr oder minder in jede Rolle wirft, spricht für ihn.
Und bisweilen haut er dann auch immer mal wieder einen Film raus, der aus der Masse seiner DtD-Werke herausragt. MANDY ist aktuell scheinbar ein solcher Kandidat, ein anderer ist JOE, der schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, aber erst jetzt gesichtet wurde.
Der Film ist äußerst zwiespältig und ganz sicher kein Feel-Good-Movie. Ein bisweilen skurriles Drama mit bissigen, humoristischen Elementen. Es passiert nicht viel, und dramaturgisch bleibt viel Luft nach oben. JOE lebt von seiner dreckigen Kleinstadt-Atmosphäre und einer durchweg tollen Besetzung, aus der Cage, der hier überraschend zurückhaltend agiert, herausragt. Der Trailer mag einen falschen Eindruck erwecken, denn Cage spielt hier nicht den Beschützer eines Jungen, das ist allenfalls ein Teil der Geschichte. Vieles bleibt unausgesprochen, wird nur angedeutet, was manchmal schade ist, da man einfach zu wenig erfährt. Doch eine Sichtung ist JOE zweifellos wert, wobei er zu unausgewogen, zu intensiv und zu ruhig für die breite Masse sein dürfte. Man muss aber einmal mehr Martin Keßler loben, dessen Stimme so perfekt auf Cage passt, dass man nur hoffen kann, dass kein Studio auf die Idee kommt, da mal einen Wechsel vorzunehmen.

(Knappe) 7/10
 
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