Once Upon a Time in Hollywood ~ Tarantino, DiCaprio, Pitt

oldjoe

Well-Known Member
Ich habe mir nochmal Gedanken über das Western-Thema gemacht. So wie es mir persönlich aufgefallen ist,
ist der ganze Handlungsstrang mit Brad Pitt als eigener Western der Hippie-Ära zu sehen, mit seinem Charakter als Hauptfigur. Leo's Karre ist sein Pferd, er hat Mokassins an statt Cowboystiefel, er trägt Handschuhe wenn er seinen Job auf dem Dach erledigt, Er fährt in die künstliche Westernstadt, um nach dem Rechten zu sehen, usw. Und er räumt kräftig auf. Zwischendurch wird immer wieder zu Leo rübergeschnitten, der ähnliche "fiktive Abenteuer" auf dem Set erlebt....
Das hat Tarantino in meinen Augen sehr geschickt angestellt, der Film trägt ja nicht umsonst seinen Titel.
 

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
Hinsichtlich der Figuren von Kurt Russell und Zoe Bell ist auch interessant, dass

Russell sagt, seine Frau (Bell) habe ein Problem mit einem vermeintlichen Frauenmörder (Pitt). In Death Proof war Russell selbst ein Frauenmörder, der von Bell getötet wurde. Und wie in Death Proof wird sie erst richtig sauer, als sie sieht, dass ihr Auto verkratzt wurde.
 

TheGreatGonzo

Not interested in Naval Policy
Teammitglied
Hab den Film gestern auch gesehen. On 35mm print! (Sah super aus) Musste den ganzen Film etwas sacken lassen und vermutlich sogar noch etwas mehr sacken lassen und dann noch mal sehen, um mir so richtig eine Meinung zu bilden, aber so fürs erste hat er mir doch ganz gut gefallen, auch wenn er ein bisschen eine Abkehr von dem ist, was Tarantino sonst mit ausgemacht hat. Waren viele und vor allem die letzten seiner Filme sehr dicht geplottet, ist dieser viel freier und plätschert meistens so ein bisschen vor sich hin, was keineswegs negativ gemeint ist. Der Film ist erzählerisch näher an Filmen von Richard Linklater wie Dazed & Confused (gleichzeitig einer von Tarantinos Lieblingsfilmen), wo es nicht darum geht einer groß angelegten, durchdacht konstruierten Handlung zu folgen, sondern ein paar Figuren kennenzulernen und ihrem Leben für ein paar Stunden, oder im Fall von OUATIH ein paar Tagen zu folgen. So gesehen währen die großen, überhöhten, endlosen Dialoge, die Tarantino oft (aber natürlich auch nicht immer) ausmachen hier auch ein bisschen fehl am Platz, dafür gibt es einige der schönsten (und meist wortlosen) Autofahrsequenzen in der jüngeren Filmgeschichte. Natürlich wäre es nicht Tarantino, wenn der Film nicht trotzdem vollgepackt wäre mit seiner Liebe fürs Kino, für Filme, natürlich für Western und für Los Angeles, das hier in großem Glanz präsentiert wird. Und für Füße. Viele haben sich im Internet über die vielen Szenen in denen Füße zu sehen sind beschwert, und gemeint, wieso Tarantino seinen Fetisch so offen zur Schau stellen muss. Persönlich kann ich mit Füßen von der Fortbewegung abgesehen auch nichts anfangen, aber ist nicht sowieso jeder Tarantinofilm ein Fetischfilm? Denn der Mann hat sicher nicht nur einen Fußfetisch, sondern auch einen fürs Kino, für alte (B-)Filme, für analoges Filmmaterial und jeder seiner Filme ist vollgepackt mit seinen persönlichen Vorlieben, und das, wo die meisten Filme immer unpersönlicher werden und nichts mehr zu sagen haben, ist das eigentlich eine gute Sache, ob ich mir nun ein paar nackte Füße ansehen muss oder nicht. Und trotzdem weht der Wind in diesem Film ein bisschen anders als in den anderen. War Tarantino nach Pulp Fiction noch der coolste Typ der neu aufkommenden Filmszene, werden seine Filme nach wie vor, vor allem mit coolen Typen und Dialogen, coolen Soundtracks und kultiger Gewalt in Verbindung gebracht, ist dieser eigentlich überhaupt nicht cool. Und klar, es gibt weiterhin eine verschachtelte, mit subjektiven Rückblicken gespickte Handlung, Erzähler (diesmal allerdings keine Kapitel), einen wunderbaren Jukebox-Soundtrack, aber wie Tarantino schon in Interviews erzählt hat, ist ihm bewusst, dass er auch ein bisschen den Anschluss an die modernen Sensibilitäten verloren hat, was ja irgendwie auch ganz normal ist, und so war schon The Hateful Eight ein bisschen melancholischer als man sonst von Tarantino gewohnt ist, OUATIH ist aber noch ein bisschen wehmütiger und trauriger. Natürlich auch eine Geschichte über einen Schauspieler, der den Bezug zur Aktualität verloren hat. Damit auch der erste Tarantino seit langem, dessen zentrales Motiv nicht Rache ist, auch wenn im Finale wieder eins seiner Lieblingsthemen, die Rache oder zumindest das Aufwiegen von getanem Unrecht durch Film im Mittelpunkt steht. Ich weiß nicht, ob Tarantino glaubt, dass Filme die Welt auf ihre Weiße ein bisschen besser machen können, Tarantinos Filme selbst machen die Welt in der sie spielen meistens ein bisschen besser, für die einen langweiliger Geschichtsreviosionismus, ich finde es nach wie vor faszinierend wie sich Tarantino innerhalb seiner Filme eine alternative Realität schafft, in der, trotz der ganzen Gewalt und dem vermeintlichen Zynismus, am Ende meist das Gute siegt. Und so wiederum funktionieren die Filme nur, wenn sie im Kontext der echten Welt und Geschichte stehen, wie sehr hätten die Mitglieder der Manson Family sonst ihr grausames Filmende verdient, wüsste man nicht, für welche Taten sie im echten Leben verantwortlich waren? Und auch nach dem obliagtorisch superbrutalen Finale bleibt der Film überraschend klein und persönlich, eine Geschichte über eine vergangene Ära und ein paar Leute darin. Auch wenn das Ende natürlich wieder die komplette reale Geschichte auf den Kopf stellt, ist es diesmal nicht das wofür sich Tarantino am meisten interessiert. Es ist ein Hangout- und Buddyfilm, ein letztes großes Statement darüber, nicht mehr zeitgemäß zu sein. Dementsprechend offen und bittersüß bleibt das Ende und so gesehen auch kein Wunder, dass Tarantino überlegt, nach diesem hier schon aufzuhören.
 

Bambi

hat verrückte Rehkitzideen
Wie gepostet , gestern drin gewesen ( O Ton) und ja ich gestehe es als erstes. So nach 70 Minuten hab ich einmal auf die Uhr geschaut. Weiß nicht woran es lag aber mir haben da schon seit einige Minuten die Augen gebrannt. Damain Lewis als Steve McQueen fand ich allerdings verschenkt.Der Film wusste aber durchaus zu unterhalten und mal ehrlich wann hat man Brad Pitt je so tiefenentspannt gesehen? Gebe den ganzen 9 von 10 Red Apples.
 

Envincar

der mecKercheF
Irgendwie wirkte der Film schon wie ein Abschied. Die meisten Tarantino Buddys hatten ihr Cameo und der ganze Film behandelt einen Abschied.
Würde mich generell TheGreatGonzo's Meinung anschließen. Das Ende hinterlässt einen leicht enttäuschten Beigeschmack, macht aber aufgrund der Märchenthematik einfach Sinn. Das Zukurzkommen von Manson finde ich ebenfalls schade. Gerade nach Mindhunter Staffel 2 hätte ich mir eine ausführlichere Manson Version von Tarantino gewünscht. Sei es drum. Gibt ja genug Material von dem Zwerg. Was mich aber schon irgendwie gestört hat, war der etwas zu kurzkommende Humor. Habe hier einfach ein wenig mehr erwartet. Die Gags waren nicht schlecht aber so richtig lustig fand ich es nur bedingt. Der Film wird definitiv von seinen zwei Hauptdarstellern getragen...ohne die Beiden wäre der Film vermutlich nicht einmal halb so gut wie jetzt.

@Joel.Barish deine Kritik gefällt mir auch sehr gut. Würde aber evtl. noch einen Punkt weniger geben 7/10, da die Kritikpunkte in Summe dann doch etwas stärker ausfallen.
 
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Woodstock

Z-King Zombies
Habe ihn auch gesehen. Hat mir gefallen. War ganz gut. Definitiv besser als der Letzte auch wenn Tarantino ruhiger wird. So eine richtige Geschichte wollte er glaub nicht erzählen, nur nostalgisch in den 60ern spielen.
 

NewLex

Well-Known Member
Gestern auch gesehen und für sehr gut befunden. Wie schon Hatefull 8 etwas zu lang, aber im direkten Vergleich besser! Ich hab auch kein Problem damit dass die Hippies nicht näher beleuchtet wurden, sondern wie ein Haufen Dorftrottel daherkommen. Tarantino wollte ihnen diese Bühne nicht geben und das ist auch gut so

Würde ihm auch eine 8/10 geben.

Edit: Das einzige das mich wirklich störte: Schon wieder ein Western-Szenario, wenn auch hier naturgemäß nicht den ganzen Film über
 
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Puni

Well-Known Member
Weiß echt nicht woher der Hippie-Hass hier kommt. :biggrin:

Joel deine Kritik beschreibt wirklich super was ich selber am Film gut und weniger gut fand und so wohl nicht hätte formulieren können, insbesondere was das "historische" Setting sowie Sharon Tate angeht. Der Film ist davo mal ab wirklich etwas besonderes, ein Film, der etwas magisches hat und den ich sofort nochmal gucken würde. Seit Christoph Waltz in IB ist Tarantino wohl kein so interessanter Charakter wie der von Pitt mehr gelungen, auch wenn man, ähnlich wie bei seiner Rolle in IB nie wirklich das Gefühl hat, dass Pitt sich in Gefahr befindet. Ich bin wirklich sehr angetan, andererseits aber auch enttäuscht wegen der verschenkten Chancen.

Ich hätte am Ende übrigens sehr gerne den System of a Down Song "Lost in Hollywood" laufen lassen, so richtig schön mit dem Holzhammer. :biggrin:

'You should've never trust in Hollywood.'
 

Driver

New Member
Weiß echt nicht woher der Hippie-Hass hier kommt. :biggrin:
Ich frage mich hier eher schon die ganze Zeit woher der Anspruch kommt das die Hippiebewegung doch größer thematisiert sowie in einem positiveren Licht dargestellt werden sollte. Das Thema hat vielleicht zu 10% einen Anteil daran was Tarantino auf die Leinwand bringen wollte. Der Fokus ist Hollywood.
 

TheGreatGonzo

Not interested in Naval Policy
Teammitglied
Leute, die sowas interessiert, können sich ein halbstündiges Gespräch zwischen Tarantino und Paul Thomas Anderson über den Film hier anhören.
 

blacksun

Keyser Soze
Seit Christoph Waltz in IB ist Tarantino wohl kein so interessanter Charakter wie der von Pitt mehr gelungen, auch wenn man, ähnlich wie bei seiner Rolle in IB nie wirklich das Gefühl hat, dass Pitt sich in Gefahr befindet.
Da muss ich dir widersprechen.
als Brad nach dem Alten in der Hütte sehen wollte, dachte ich, der kommt da lebend nicht mehr raus.

6/10 für die etwas zu lange Zeitreise
10/10 fürs Finale
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8/10
 

Måbruk

Dungeon Crawler
War mir irgendwie klar, dass der mir nicht zusagen wird. Persönlich habe ich mich sogar bei keinem anderen Tarantino so gelangweilt. Dieses Showlaufen von irgendwelchen Stars und Hollywood selbst, hat mich schon immer eher gelangweilt und genau das wird hier fast durchgehend zelebriert. Zwischendruch dann auch noch diese unsinnigen Gewaltausbrüche, was bitte will man damit alles kompensieren? Damit wird der Film auch nicht besser.
Ja klar, gibt es auch eine ganze Menge positives zu erwähnen, aber insgesamt fand ich das Ganze einfach nur aufgesetzt, wenn auch großteils gewollt, und zu langweilig.
Wenn ich Hollywood erleben möchte, gebe ich mir lieber das wesentlich charmantere Inherent Vice, Mulholland Drive oder La La Land. Hätte Tarantino mal lieber einen richtigen Horrorfilm gedreht, der Angst und Schrecken verbreitet - kann er so etwas überhaupt? Ich wäre mir da nicht so sicher. Scheint ihm ja fast wichtiger zu sein, in jedem seiner Fime möglichst ausufernd seinen Fetisch zu zelebrieren. 5/10
 

Dr Knobel

Sie nannten ihn Aufsteiger
Jetzt nachgeholt und etwas ernüchtert. Klar, ich bin Tarantino-Fan durch und durch und daher ist die Erwartungshaltung an einen neuen Film immer sehr groß. Aber das ist nicht die einzige Erklärung für die Probleme, die zumindest ich mit dem Film habe.

Zuerst einmal wirkt er für Tarantino-Verhältnisse merkwürdig unausgewogen. Einige Elemente und Szenen sind komplett überflüssig, helfen weder der Handlung, noch der Atmosphäre oder den Figuren. Man könnte locker 20-30 Minuten rausnehmen, ohne dass etwas signifikantes fehlen würde. Auch die Verbindung zwischen den beiden Storylines ist unnötig, die "Nebenhandlung" rund um Tate hätte es nicht gebraucht; weder für die Haupthandlung rund um DiCaprio und Pitt noch für Margot Robbie, die hier so gut wie nichts zu tun bekommt. Bei jedem anderen hätte ich laut aufgejault und das als Marketing-Gag abgetan, um den Film in die Presse zu bekommen. QT hat das aber nicht nötig, daher bin ich etwas ratlos, was da in der Entwicklung passiert ist, oder warum er OUATIH so unnötig aufblähte. Ähnlich aufgesetzt wirkt das Finale. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich unken, dass das Studio ihm die Pistole auf die Brust gesetzt und die typische QT-Brutalität gefordert hat. Auch hier: Das hätte es nicht gebraucht.

Das klingt jetzt aber eventuell mieser, als es objektiv gemeint ist. Ihm gelingt einmal mehr eine perfekte Symbiose aus Bildern und Musik, die Atmosphäre Ende der 60er-Jahre inklusive einiger Nerd-Elemente fängt er brillant ein, und die Story rund um DiCaprio ist wunderbar, weil es auch perfekt die damalige Situation des US-Kinos und des aufstrebenden TVs abbildet. Da ist er in seinem Metier und Dank der genialen Performance von DiCaprio und Pitt ist das alles sehr unterhaltsam. Dazu immer wieder typische QT-Dialoge und Ideen - aber eben nicht so konstant und ausgewogen wie gewohnt. Ich hatte auch erstmals bei einem Tarantino-Film das Gefühl, dass die Schauspieler einige Schwächen des Skripts überspielten.
Natürlich wandert der in meine Sammlung und ist 70% des sonstigen Hollywood-Outputs massiv überlegen, trotzdem ist OUATIH in meinen Augen der schwächste Tarantino-Streifen und weist einige Mängel auf, von denen ich nie gedacht hatte, sie in einem seiner Filme zu finden.
Toll gespielt, eine faszinierende Grundidee, schöne Atmosphäre, aber viel zu lang, zu unausgewogen und bisweilen gar selbstzweckhaft.
Ein großes: Hm.

7/10
 

McKenzie

Unchained
Muss auch sagen, dass der bei schon nach der kurzen Zeit nicht übermäßig gut gealtert ist. Ja, er hat tolle Einzelszenen und schafft generell eine wohlige Atmosphäre zum einmal anschauen, aber inhaltlich hm. Ja, es plätschert großteil dahin, und gewisse Plotentwicklungen kann man leicht vorhersehen wenn man seine letzten 3 Filme gesehen hat.
 
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