Schreiben

Mestizo

Got Balls of Steel
Tyler Durden schrieb:
Wenn sie immer nur Bücher darüber lesen, wie schön die Welt sein könnte, werden ihre Ansprüche und Erwartungen an das Leben unrealistisch hoch, was zu Enttäuschungen und Depressionen führt.
Das mag im Einzelfall tatsächlich so sein, aber im Normalfall ist doch das Lesen von Unterhaltungsliteratur, völlig egal in welcher Form, eine Form des Eskapismus. Genau wie das Gucken von Filmen oder der Besuch des Theaters.

Man lässt sich kurzzeitig entführen und lässt einfach die Welt Welt sein. Der ein oder andere möchte dann einfach leicht und unbedarft genießen, der andere sucht den "Thrill" oder die Romanze. Aber genauso wenig wie ich nach einer Amokrunde GTA nicht in die Welt gehe und den Bezug zur Realität nicht mehr finde, gibt es das Problem für mich beim vermehrten Konsum von leichtgängiger Unterhaltung. Dass es mal Leute geben mag, die beim einen oder dem anderen den Bezug verlieren, steht außer Frage, aber das ist dann ja ein Typenproblem.
 

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
Tyler Durden schrieb:
Ich weiß ja nicht, was du beim Lesen einer Mordszene empfindest, aber ich finde das nicht so "faszinierend" (was bei dir schon fast nach "geil" klingt) und ich finde es nicht richtig, so etwas den Lesern zu unterstellen
.
Moment, die Implikation unterstellst du mir hier aber gerade. Ich schrieb "faszinierend"; schon bewusst an Spock angelehnt, der ungewöhnliche Lebewesen und Ereignisse erstmal distanziert und neutral als Wissenschaftler interessant zu beobachten findet. Nehmen wir nur mal als Beispiel die Beobachtung einer Löwenjagd.

- du kannst das Jagd- und Laufverhalten der Tiere faszinierend finden
- du kannst abfällig auf das Primitive beider Wesen herabblicken
- du kannst neutral verstehen, dass der Löwe halt nicht die Option hat, aus Mitgefühl nur noch Tundragras zu essen
- du kannst auf die Evolution der Großkatzen zurückblicken und dich drüber wundern, wie Löwen wohl in 500.000 Jahren aussehen
- oder ob es sie überhaupt in 100 Jahren noch geben wird
- du kannst es als spannend empfinden, ob die Beute aus ihrer Gefahrensituation entkommen kann
- du kannst es ebenso als spannend empfinden, ob der hungrige Löwe, der bei jeder Jagd Energie investiert, von der er nicht unendlich hat, Erfolg hat
- du kannst das Großkatzenverhalten mit deinen eigenen Erfahrungen mit Hauskatzen vergleichen
- du kannst dir vorstellen, wie es wohl wäre, in so einer Situation eine Antilope fangen zu müssen um zu überleben
- du kannst dir vorstellen, wie es wohl wäre, in so einer Situation einem Löwen entkommen zu müssen

usw. Da gibts viele Gründe, wieso man sich mit so einer Situation befassen können will, und ich glaube sich am Leid zu ergötzen oder schlimmer noch betrifft nur verschwindend gering wenige (mich schon mal gar nicht!). Da kann man nun wirklich nicht jedem Discovery Channel Zuschauer vorwerfen, sich ausschließlich aus moralisch fragwürdigen Gründen mit sowas auseinandersetzen zu wollen.

Natürlich hat auch das Grenzen. Wer sich ausschließlich Best Animal Kills Compilations auf Youtube reinzieht, ist ebenso nischenseltsam wie Gorehounds, die sich nur Splatterfilme reinziehen oder nur Splatterliteratur lesen.

Tyler Durden schrieb:
Es gibt zwar wirklich welche, die sowas "voll geil" finden und am liebsten Bücher lesen, die möglichst viel Blut und möglichst wenig Story enthalten. Aber so sind bei weitem nicht alle.
Wie unseren einen Studentenkollegen da :tongue: Ich verstehs nicht, vor allem nicht, wenn man sich auf sowas versteift. Aber so gehts mir mir vielen Dingen. Ich verstehe zb nicht, wie man sein Leben lang nur eine bestimmte Richtung Musik hören kann (sei es Brüllmetall oder Deutsch Hiphop), aber wer damit glücklich ist, soll das - sofern dadurch keinem geschadet wird - ruhig leben. Und wenns ein Faible für Romane mit Zwergenmisshandlungen ist.

Eine Bekannte hat mir mal im Flirt offenbart, dass sie von mumifizierten Leichen erregt wird. Fand ich kurios und aus uns wurd dann nichts, aber wenn sie danach jemanden gefunden hat, der das ganz ähnlich sieht, cool für beide. Man kann ja ruhig seltsam sein, umso besser sogar zusammen, aber man muss immer damit rechnen, dass andere das eventuell nicht ähnlich sehen.

Tyler Durden schrieb:
Die Sachbücher über reale Mordfälle und Serienkiller (nennt sich True Crime) sind meines Wissens gar nicht so unbeliebt.
Aber nicht so beliebt wie fiktive Literatur.

Tyler Durden schrieb:
Aber jetzt im Ernst: ich glaube, dass solche Bücher die Leser nur kurzfristig "glücklich" machen, auf lange Sicht aber eher das Gegenteil bewirken. Während des Lesens tauchen sie in diese traumhafte Welt ein, wo das größte Problem eine Entscheidung zwischen zwei Verehrern ist und alles so gerecht ist, dass die Fieslinge immer ihre Strafe bekommen und die Guten am Ende belohnt werden. Dann legen sie das Buch weg und werden wieder mit der Realität konfrontiert, die danach nur enttäuschen kann.
Ich seh das eher so wie Mestizo. Ich glaube, die Leute, die sich zu intensiv in Film- / Buch- / Gamegeschichten begeben und außerhalb Probleme haben, haben so schon ein dringend zu therapierendes Problem. Bücher sollen bereichern und angenehmer Eskapismus sein. Wer aber wortwörtlich hinein flüchtet und den Kontrast zur Realität nicht erträgt, ist schon jenseits aller Autorenintentionen. Glaub nicht, dass irgendein Autor will, dass das passiert. Fasziniert sein, Fan sein, ja.

Klar, kann das Beschäftigen mit sowas gut tun. Mal 2h Zocken und die drohenden Prüfungen vergessen. Ins Kino gehen und mal den Beziehungsstreit vergessen. Mal nen Becher Ben & Jerrys allein verdrücken und sich mal kurz gut fühlen. Das ist aber denke ich ganz normal und in Ordnung. Ich glaube, dass es erst zum Problem wird, und immer nur auf Leserseite, wenn man psychische Probleme entwickelt und man sich dann an den Stoff klammert. Egal ob Lesestoff oder Klebstoff.

Tyler Durden schrieb:
Wenn sie immer nur Bücher darüber lesen, wie schön die Welt sein könnte, werden ihre Ansprüche und Erwartungen an das Leben unrealistisch hoch, was zu Enttäuschungen und Depressionen führt.
Ich würde dir entfernt Recht geben. Wenn 12jährige Mädchen immer nur Frauen wie Kim Kardashian, Heidi Klum und diverse Playmates und Topmodels sehen, sind das tatsächlich unrealistische Vorbilder mit fragwürdigen Einflüssen, die zu Enttäuschungen und Depressionen führen können. Aber auf Romane bezogen? Glaub nicht, dass es viele psychisch normale Leute gibt, die Liebesromane lesen und anschließend unerreichbare Wunschfantasien hegen.

Tyler Durden schrieb:
Wenn ein Buch zum Beispiel auf eine realistische Weise die Kinderprostitution oder blutige Diamanten thematisiert, dann ist die bittere Wahrheit natürlich nicht, dass es der fiktiven Figur X widerfahren ist, sondern dass diese Missstände tatsächlich existieren. In einem Liebesroman wird sowas selten thematisiert, weil es die schöne Illusion nur stören würde.
Und, ist das verwerflich?

Oder sagen wir so: wenn ich als Leser eine schöne Liebesgeschichte lesen will, mit witzigem Verlieben und leidenschaftlicher Beziehung, wie sollte man solche Gefühl in einer aufrüttelnden Story über Kinderprostitution und Blutdiamanten unterbringen?

Tyler Durden schrieb:
Mit "verdrängen oder verarbeiten" meinte ich: will man sich der Illusion einer gerechten, schönen Welt hingeben, oder will man mit den unschönen Dingen konfrontiert werden?
Ich denke, das sollte jedem selbst überlassen sein, wann er was will. Und wenn er eins davon ausschließt, ist das vielleicht schade, aber letztendlich jedem seine Sache.

Außerdem gibt es nicht bloß eine illusorische gerechte Welt und unschöne Wahrheit. Ich kann ja nur für mich sprechen, aber in meinem Leben gibt es Spaß, Liebe, Freude, aufregende, unvergessliche positive Erlebnisse. Nicht nonstop, aber auch wenn gewisse Eckdaten vieler Liebesgeschichten (beide haben die perfekten Jobs, müssen nie aufräumen, haben riesige Wohnungen, sehen beide aus wie Models) stilisierte Extreme sind - wie in vielen Geschichten - sind die grundlegenden Kernelemente: intressante Leute kennenlernen, Spaß mit ihnen zu haben, sie ggfs zu begehren und ihnen näher zu kommen nichts irreal Illusorisches. Das ist also eigentlich weit weniger fake als die meisten Stephen King Romane, weil wir alle eher nie mit Rasenmähermonstern, Cyborgbären oder Spinnenclowns zu tun haben, aber durchaus mal verliebt waren.

Ist nicht gerade The Dark Tower weit größere Illusion als ein Fifty Shades of Grey? Mit S&M hatte ich persönlich nichts am Hut, aber da lieben sich zwei. Das ist mir näher und nachvollziehbarer als eine multi-dimensionale Sci-Fi-Western-Horrorstory. Beides Eskapismus. Keins davon schadet, beides legitim.
 

Tyler Durden

Weltraumaffe
Teammitglied
Wie ich schon zweimal sagte, ist es natürlich nicht verwerflich oder abwertend gemeint, wenn jemand nur "schöne" Bücher lesen will. Meine Mutter liest zum Beispiel nur solche Bücher, und ich versuche auch nicht, es ihr auszureden. Hauptsache, es macht sie (wenn auch nur vorübergehend) glücklich.

Bei einem anderen Punkt muss ich dir aber widersprechen. Nur weil eine Geschichte übernatürliche Elemente enthält, kann sie dennoch "realistischer" sein als ein Liebesroman, in dem so etwas (bei oberflächlicher Betrachtung) nicht vorkommt. Du nennst ja den Dunklen Turm als Beispiel - okay, nehmen wir das. Da kommen reiche Leute vor, die Kinder ausnutzen, um sich zu bereichern. Da werden Rassismus, Drogensucht, der zunehmende ökologische "Zerfall" der Welt thematisiert. Da sterben auch mal die "Guten", während die "Bösen" jubelnd weiterleben und uralt werden. In dieser Hinsicht ist es viel näher an der Realität als dein 50 Shades of Grey :wink: Mir ist vor allem wichtig, dass die Charaktere und ihr Verhalten glaubhaft dargestellt werden. Die Frage ist dann immer: WENN es wirklich solche übernatürlichen Dinge gäbe - würden die Menschen sich dann wirklich so verhalten? Viele verwechseln dann auch gerne mal "unlogisch" mit "unrealistisch" und vertreten die Meinung, dass in einer Geschichte mit übernatürlichen Elementen sowieso alles Quatsch ist und man ihnen deswegen keine Unlogik vorwerfen kann. Aber man kann, und ich mache es. Weil ein Roman voller "schicksalhafter Begegnungen", voller Zufälle, voller Widersprüche und undurchdachten Szenen in meinen Augen immer schwächer und unglaubhafter ist als ein übernatürlicher Roman, dessen Figuren wie echte Figuren agieren und reagieren. Lovecraft und Poe hatten zu diesem Thema einige Essays veröffentlicht und ich sehe das genauso wie sie: Selbst wenn man übernatürliche Sachen einbaut, sollten nur sie unnatürlich bleiben, aber nicht der ganze Rest. Nur weil in einer Story irgendwelche Vampire oder Zombies vorkommen, heißt das nicht, dass sie nicht realistisch sein kann. Es kommt immer auf die Umsetzung an. Das sollte immer "Realismus + Zombies" oder "Realismus + Vampire" heißen und nicht "Wenn hier sowieso schon solche Sachen vorkommen, brauche ich nicht mehr auf Logik oder glaubhafte Charaktere zu achten". Meine Empfehlung: Lies "Das übernatürliche Grauen in der Literatur" von Lovecraft.
Als Gegenbeispiel könnte ich Richard Laymon nennen. Er hatte ja eine Menge Bücher, in denen nichts übernatürliches vorkommt, aber die sind dermaßen unglaubhaft und lächerlich, dass dagegen sogar jedes Twilight-Buch realistischer wirkt. Und "Logik" bedeutet doch nur Folgerichtigkeit. Selbst wenn jemand "nur" Fantasy schreibt, sollte man dennoch darauf achten, dass diese erfundene Welt logisch aufgebaut ist und nicht voller Widersprüche steckt. Nicht, dass es im ersten Kapitel heißt: Die Zwerge sind größer als Feen, aber nicht so groß wie Drachen, im dritten Kapitel sind die Feen größer als Zwerge und am Ende sind Drachen plötzlich kleiner als die Feen. Sowas zeigt nur die Unfähigkeit eines Autoren, eine realistische Welt zu erschaffen.

Und du weißt ja, ich bin überhaupt nicht abergläubisch oder religiös oder esoterisch (alles Unsinn in meinen Augen). Aber trotzdem können übernatürliche Geschichten "realistischer" sein als natürliche, wenn sie glaubhaft und gut durchdacht sind.
 

Woodstock

Z-King Zombies
Kommt drauf an was ich schreibe und auf den Charakter. Auch die Zielgruppe ist wichtig. Ich finde, da muss man variieren können.
 

MamoChan

Active Member
Wie schreibt ihr eigentlich eure Geschichten oder Romane? Nutzt ihr Word? OpenOffice oder gar ein spezielels Programm für Autoren?

Ich schreibe immer mit OpenOffice. Es gibt ein Verzeichnis und darin eine Hauptdatei mit der Geschichte und weitere einzelne Dateien für Konzepte, Notizen, Charakterbögen und zwei weitere Datein als Sicherheitskopien.
Vor Jahren habe ich mal ywriter ausprobiert, aber irgendwie war das Programm nicht so meins. Hin und wieder habe ich mal daran gedacht ein anderes Programm auszuprobieren wie beispielsweise Scrivener, aber bisher war ich entweder zu faul oder zu geizig. :ugly:

Wie schaut es bei euch aus? :smile:
 

Woodstock

Z-King Zombies
Ich nuitze Office, Libreoffice und seit kurzen Papyrus Autor (durch Presko) aber ich hatte noch nicht die Zeit es groß auszuprobieren.

Open Office hat bei mir eine Zeit lang nur Ärger gemacht, da bin ich es losgeworden.
 

Tyler Durden

Weltraumaffe
Teammitglied
Früher benutzte ich OpenOffice, aber seit letztem Jahr schreibe ich mit LibreOffice.
Papyrus soll richtig gut sein, ist aber ganz schön teuer und mit der Demo-Version kann man nicht viel machen.
 

MamoChan

Active Member
Von Papyrus Autor habe ich auch schon einige sgehört, aber der Preis hat mich bisher abgeschreckt. Auch soll die Einarbeitung recht langwierig sein. Aus dem Grund habe ich mich auch noch nicht an die Testversion gewagt. Wie ist denn die Arbeit damit? Ist es eine echte Hilfe?
 

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
MamoChan schrieb:
Wie schreibt ihr eigentlich eure Geschichten oder Romane? Nutzt ihr Word? OpenOffice oder gar ein spezielels Programm für Autoren?
Generell Word, würd ich sagen.

Für Drehbücher hab ich lange Zeit Celtx verwendet, das ist nicht schlecht für kostenlos. Dann aber irgendwann mal Final Draft gekauft.
 

MamoChan

Active Member
Ist LibreOffice eigentlich sehr viel anders als OpenOffice? Ich ging bisher immer davon aus, dass die sich sehr ähnlich seien. :blink:

Mit Celtx arbeite ich auch sehr gerne, aber aus diesem Bereich habe ich mir auch noch keine anderen Programme angesehen. :squint:'
 

Rantman

Active Member
Ich nutze seit einem halben Jahr Scrivener und bin begeistert. Das Tool bietet so viele möglichkeiten zur Organisation dass es mir die Übersicht deutlich erleichtert. Kann jedem nur raten mal das Programm zu testen, man merkt mit wie viel Liebe zum Detail die Features entwickelt werden. Das ist für mich aufm Markt non plus Ultra für Autoren und hat für mich sehr viel zum positiven verändert.
 
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