Tyler Rake: Extraction ~ Chris Hemsworth & Russo Brüder (Netflix)

Jay

hauptsache bereits gesehen
Teammitglied
Super ernst kann das nicht gemeint gewesen sein, mit den vielen Onelinern und absurden Szenen wie mit der Telefonzelle. Andererseits glaub ich auch nicht, dass es als so albern empfunden werden sollte wie es letztendlich wurde. Allein schon der Sprung vom Flugzeug...
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
In der TAZ wird das auch nochmal angesprochen:

Bangladesch bleibt eine Kulisse, wird gezeigt als Ort der Armut und des Drogenhandels, als Ort der stinkenden Abwässer. Die Kamera erschließt mit ihren Bildern nicht ein Verständnis, sondern Exotik, nicht Einsicht, sondern Marktaussichten. Die Kamera lügt nicht, sie enthüllt die Ideologie des Films und der Produzierenden, sie schafft Misstrauen, sie ist neokolonialistisch.

Dann ein Lichtblick, für Sekunden wird darüber gesprochen, wer hier eigentlich wen auf welche Art betrachtet: Der Junge bezeichnet sich selbst als Paket in „braunem Papier“, als würde der Film seine eigene Problematik reflektieren. Leider eine Floskel, die Alibi bleibt. Direkt danach spricht ein Freund Tyler Rakes von der Stadtbevölkerung als „Tiere“. Und am Ende sind sie alle nur Zeug*innen und Werkzeuge für einen weißen Heldentod, der dann zu allem Überfluss nur halbherzig bleibt. Am besten kommentiert der Film sich selbst: Some mythic shit.


Und ob nun gewollt oder nicht, der Film stellt hier etwas dar und entwirft einen Eindruck von einem Land bzw. einer Stadt. Ob nun zu Unterhaltungszwecken oder nicht ist dabei völlig egal. Und auch wenn man Geld aus Indien oder Arbeitskräfte hatte, heißt das ja nicht, dass man dann mit Land und Leuten filmisch so verfahren darf wie man will bzw. das man zumindest als Zuschauer ein wenig reflektierter an das Ganze geht ohne Hirn aus-Mentalität.
 

Cimmerier

Well-Known Member
Ich sehe solche Filme primär als Unterhaltung. Nicht einmal hatte ich während des Guckens das Gefühl, hier einen White Savior bei der Arbeit zu sehen. Was bedeutet das jetzt? Darf ich solche Filme nicht genießen, wie du es im letzten Satzteil implizierst?
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Impliziere ich nicht, nur das man eben so etwas nicht einfach abtun sollte. Aber das ist ja nichts Neues.
 

Cimmerier

Well-Known Member
Na ja, was heißt abtun? Ich finde, man muss es nicht größer aufbauschen, als Not tut. Revolvermann hat es ganz gut gesagt. Meinetwegen kann man den White Savior Vorwurf ansprechen, eine Agenda muss man daraus nicht stricken. Ich bin außerdem weiterhin der Meinung, dass bei dem Vorwurf eben Figuren wie Randeep Hooda oder David Harbour unnötigerweise ausgeklammert werden.
 

NewLex

Well-Known Member
Hab den Film noch nicht gesehen, aber zum Thema Indien und Bangladesch will ich was sagen. Bangladesch und Pakistan gehören für Inder zu den Erbfeinden! Das ist in etwas so wie USA zu Russland stehen. Es wird kaum einen Inder geben der ein gutes Wort über Pakistan oder Bangladesch verlieren wird und umgekehrt. Die beiden sind auch stark durch die Religion (Pakistan/Bangladesch=Muslimisch, Indien=Hinduistisch) getrennt. Wir haben indische Arbeitskollegen und bei einer Kultur-Schulung wurde uns das so direkt von ihnen gesagt.

Ich weis jetzt nicht wie das im Film aufgearbeitet wird, aber weil´s hier schonmal so rüberkam: Man sollte Inder und Leute aus Bangladesch oder Pakistan nicht über einen Kamm scheren.
 

Deathrider

The Dude
Ich muss gestehen den Film bislang noch nicht gesehen zu haben. Aber was meine bisherigen Erfahrungen mit Netflix Eigenproduktionen angeht, so könnte man wenn überhaupt eher eine linksliberale Gesinnung als Neokolonialismus und entsprechende Agenda unterstellen.

Was mir an dem von Neo verlinkten Kommentar irgendwie missfällt ist dieser einseitige Blick wie liberales Filmemachen auszusehen hat (positiver Rassismus ist schließlich auch Rassismus). Stichwort Unterdrückung und Klassendenken (Kastensysteme).
Natürlich könnte man als Filmemacher gewisse Missstände so deutlich anprangern, dass es Schulmeisterlich wirkt. Aber wäre das nicht eher ein Zeichen neokolonialistischen Denkens? Da halte ich es schon für deutlich geschickter, Bilder sprechen zu lassen und nicht groß zu kommentieren.
 
Zuletzt bearbeitet:

TheGreatGonzo

Not interested in Naval Policy
Teammitglied
Man sollte nicht vergessen, dass Kritik äußern nicht heißt, den Machern böses zu unterstellen. Ich bezweifle, dass die Macher Rassisten sind, oder einen rassistischen Film machen wollten. Dass der Film aber gleichtzeitig dahingehend problematisch sein kann ist wieder eine andere Sache, und um darüber zu reflektieren gibt es auch Kritik und es ist nur richtig auch über sowas zu sprechen. Und nicht jeder Film der in gewissen Punkten problematisch ist, ist direkt schlecht. Ich finde, die Indiana Jones Filme bedienen sich extrem an problematischen Klischees und rassistischen Darstellungen nicht-westlicher Kulturen und Menschen. Ich denke nicht, dass die Filme deswegen schlecht sind, oder Spielberg und George Lucas Rassisten. Ansprechen und einordnen sollte man das aber trotzdem.
 

Cimmerier

Well-Known Member
Bin ich ganz bei dir. Daher aber auch meine Frage an Neo, ob man solche Filme trotz solcher möglichen Probleme nicht trotzdem genießen kann.
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Das musst du selbst für dich entscheiden. Ich habe ja nichts anderes als Gonzo geschrieben.
Der 'Genuss' beim Schauen ist ja von unterschiedlichen Faktoren abhängig und die sind bei jedem anders.
Viele machen sich bei EXTRACTION o.ä. Filmen keine Gedanken über irgendwelche ((un)gewollten) politischen oder ideologischen Tendenzen. Das ist völlig in Ordnung. Es wirkt nur manchmal so, dass eben genau diese es dann sind, die es nicht akzeptieren, wenn mal jemand tiefer graben möchte.
 

Cimmerier

Well-Known Member
Sieh es wie du willst, aber ich lese halt was anderes, wenn ich so einen Satz sehe:

[...]
das man zumindest als Zuschauer ein wenig reflektierter an das Ganze geht ohne Hirn aus-Mentalität.

Ich sträube mich zudem dagegen, mir nachsagen zu lassen, dass ich es nicht akzeptieren könnte, wenn jemand anderes tiefer graben möchte. Falls du mich damit nicht gemeint hast, war das Timing denkbar schlecht.
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Ich habe das weder auf dich bezogen, noch eine andere bestimmte Person.

Und zu meinem zitierten Satz. Das eine schließt das andere nicht aus. Man kann den oder einen Film ganz einfach genießen ohne Hintergedanken o.ä.. Aber, und hier wiederhole ich mich langsam, wenn man dann eben von anderen gewisse Beobachtungen liest, kann man die eben kommentarlos ignorieren oder sich kurz auch dahingehend Gedanken machen. Aber bei mir besteht der Eindruck, nicht hier im Forum, dass eben dann die Unterhaltungszuschauer sich oftmals auf den Schlips getreten fühlen und dementsprechend reagieren.
 

Cimmerier

Well-Known Member
Und ich wiederhole mich hier auch laufend. Aber da du hier irgendwie eine Nutzergruppe kritisierst, die gar nicht am Dialog teilnimmt, ist es halt etwas verwirrend, wenn man solche Kommentare liest. Da ist es schwierig, so etwas nicht auf sich zu münzen, weil man eben nicht kopfnickend alles unterstützt.
 

Deathrider

The Dude
wenn man dann eben von anderen gewisse Beobachtungen liest, kann man die eben kommentarlos ignorieren oder sich kurz auch dahingehend Gedanken machen
Auch gerne Länger als "kurz", denn sich kritisch mit Kritiken auseinander zu setzen gehört zum Lernprozess ebenso dazu wie die Ausgangskritik zu verfassen. Sowas nickt man auch nicht einfach ab.

Aber bei mir besteht der Eindruck, nicht hier im Forum, dass eben dann die Unterhaltungszuschauer sich oftmals auf den Schlips getreten fühlen und dementsprechend reagieren.
Da ist es schwierig, so etwas nicht auf sich zu münzen, weil man eben nicht kopfnickend alles unterstützt.
Mir wurde auch schon unterstellt, ich könne keinen Film bzw. keine Serie genießen, weil ich mich kritisch damit auseinander setze und versuche zu ergründen warum ich etwas gut finde und warum etwas vielleicht nicht so gut ist. Dass man aber in manchen Fällen auch aus einer intellektuellen Auseinandersetzung mit etwas Spaß ziehen kann, ist nicht überall angekommen.
 

Cimmerier

Well-Known Member
Dass so etwas Spaß machen kann steht völlig außer Frage. Zuweilen habe ich da auch Interesse dran. Zu anderen Zeiten ist es mir dann doch etwas zuviel des Guten.
 

Dr Knobel

Sie nannten ihn Aufsteiger
Jetzt gesehen, und joar: Ein schönes Brett, der mir z.B. über weite Strecken besser gefallen hat, als z.B. JOHN WICK 2. Der Film lebte abgesehen von den ruppigen Fights und der angenehm "realistischen" Action insbesondere von der Atmosphäre der echten Sets. Seit langem endlich wieder ein Genrefilm, der "echt" wirkte und der tatsächlich nach „Blut, Schweiß und Tränen“ riecht. Das Paradebeispiel, warum echte Sets für Filme dieser Art in Bezug auf die Atmosphäre immer vorzuziehen sind.
Dazu ist das Ding passabel bis gut besetzt, Kamera und Schnitt überzeugen durchweg. Die Geschichte ist natürlich nicht mehr als ein Potpurri der gängigen Versatzstücke und Klischees und nimmt sich daher auch etwas zu ernst, was bisweilen etwas unfreiwillig komisch wirkt. Man hätte auch durchaus ein paar Minuten und/oder Story-Nebenzweige rauslassen und den Film somit auf knackige 90 Minuten bringen können. Das Finale kann auch nicht ganz mit mithalten und hätte gerne etwas spektakulärer ausfallen können.
Aber nun gut.

Für mich einer der besten Genre-Filme der letzten Jahre. Nicht fehlerfrei, aber es ist bezeichnend, dass so ein Brett mittlerweile im Kino in der Form nur noch in Ausnahmefällen denkbar ist, und sich auf dem DtD-Markt mit dem Budget nichtmehr rentiert. Da muss man schon fast froh sein, dass es Netflix gibt. Dass ich so einen Satz schreibe, hätte ich vor zwei, drei Jahren auch nicht gedacht.

7,5/10

PS: Aus dieser White-Savior-Diskussion halte ich mich lieber raus …
 

Woodstock

Z-King Zombies
Habe den Film noch nicht gesehen. Bin nur für die Diskussion hier. :smile:

Wenn nicht Chris Hemsworth, sondern Anthony Mackie die Hauptrolle gespielt hätte, wäre es dann ein Black-Savior Film und noch immer Neokolonialismus? Die Figur wäre ja noch immer US-Amerikaner (war er das? Hab den Film noch nicht gesehen).

Würde man dann trotzdem die Diskussion führen?

Wäre es kulturell sensibler für die Kultur des gastgebenden Landes, dessen Völkerrecht gebrochen wird, wenn die SEALs, welche die USA in den Nahen Osten schickt, um Staatsfeinde, ohne Prozess zu ermorden, muslimisch wären?
 

TheRealNeo

Well-Known Member
Teammitglied
Womöglich würde man die Diskussion trotzdem führen, andererseits gibt es eben für deine Szenarien, meine ich auf die Schnelle, keine (filmischen) Beispiele, was wiederum auch Bände spricht.
 
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