Weltpolitik (u.a. der Russland Ukraine Krieg)

Deathrider

The Dude
Das ist, wie ich finde, eine seeehr schwierige Prognose und ich wüsste echt gerne worauf der ex-MI6 seine Einschätzung stützt (gibt's da ne Quelle, @Manny?). Hauptsächlich ist mein Problem nicht bei der Frage angesiedelt "gehört das Arschloch weggesperrt?" (ob UN-Knast, Erdloch, Gulag, Klappsmühle, dem Mond oder einer klitzekleinen Insel inklusive Steinschlosspistole und einer Kugel... das lass ich jetzt mal offen). Vielmehr ist für mich die Frage: "Wer soll ihn da hin bringen?"... und vor allem wie? Selbst ein Trump hat es geschafft, einen Personenkult um sich aufzubauen der seine Vertrauten und andere Fanatiker dazu bringt ihn bis auf's Blut und teilweise sogar mit Waffengewalt (siehe 6. Januar 2021) zu verteidigen. Was hat ein Putin dann für innenpolitische Mechanismen installiert, die ihn an der Macht halten, von denenwir vielleicht nichts wissen?
 

Woodstock

Z-King Zombies
Das er nicht mehr lange bleiben kann, ist eigentlich klar. In Russland ist ein verlorener Krieg eigentlich das Ende des Chefs. Das wird hier nicht anders sein.

Putin hätte an der Siegesfeier entweder die Teilmobilmachung oder eine weitere Eskalationsstufe (Atom bla) anordnen müssen, aber er hat nichts davon getan. Warum? Es gibt mehrere Gründe, aber einer lautet sehr wahrscheinlich, weil er es nicht kann. Er hat nicht den Rückhalt dafür. Auch in einer Diktatur wie Russland braucht es seine "Stromg men", welche die Befehle bestätigen und umsetzen. Davon müssen alle zustimmen und sobald es einer nicht tut, muss dieser eigentlich putschen, um zu überleben. Das wollte Putin nicht riskieren, denn er weiß, das könnte er verlieren. Das bedeutet, er weiß, dass er nicht mehr genug Rückhalt für die nächsten Eskalationsstufen hat und wenn er das weiß, weiß es auch der Rest.

Blut ist im Wasser und die Haie kreisen bereits.

Zudem würde ihm eine Mobilmachung nichts bringen. Ein neues Panzerbattalion hat er frühestens in einem halben Jahr, eine neue Flugstaffel ebenfalls, neue Infantrieregimente in mindestens vier Monaten und ein neues Schiff braucht zwei Jahre. Das halten weder die Truppen vor Ort so lange aus, noch die russische Wirtschaft. An smart weapons ist nicht zu denken. Hier besitzt der Westen das Monopol (Taiwan) und die Russen nur Mangel...die haben sich auf westliche GPS Daten verlassen. Wie blöd kann man sein? Kein Wunder treffen die nichts!

Die aktuellen Erfolge der Russen werden womöglich vorerst die letzten sein. Die hatten sie nur, durch die Entlastung bei Mariupol und weil sie den Norden von Luhansk zum Teil aufgegeben haben. Sie versammeln gerade die letzten Reste, die sie haben. Danach ist erstmal schluss.

Odessa einzunehmen, ist illusorisch. Mariupol war keine Festung und wurde von Milizen verteidigt. Noch ein paar russische "Siege" in der Art und sie müssen aus Personalmangel kapitulieren. Odessa ist eine Festung, dort sitzen Truppen, Artillerie usw. keine Chance. Zumindest nicht so.

Der Osten der Ukraine ist exakt das gleiche Schauspiel wie im Zweiten Weltkrieg bei Kursk (ironischerweise etwas nördlich). Die Russen versuchen das Gleiche wie die Deutschen damals (einkesseln) und die Ukrainer verteidigen genauso wie die Russen damals. Die Russen haben die gleichen Nachteile wie die Deutschen damals. Der Plan ist bekannt, man erwartet den Angriff, man hat nicht genug und der Feind ist seit Wochen eingegraben. Spoileralert: Die Deutschen haben verloren.

Aktuell ist es sogar nich schlimmer. Der Feind ist seit Jahren eingegraben.

Russland kann nicht gewinnen. Gefährlicher russischer Bär hin oder her. Russe nicht unterschätzen, bla bla bla. Wären es zwei andere Länder in der gleichen Situation, würde man auch sagen, dass ist nicht zu gewinnen, da es einfach bestimmte Grundkonstanten gibt. Zum Beispiel braucht eine angreifende Armee immer mehr Leute als die verteidigende. Ein Ratio 1:3 ist das Mindeste. Bei einer eingegrabenen Stellung brauchst du 1:4 oder 1:5. Die Russen kommen aktuell auf 1:1,4.

Das ist nicht machbar, außer du hast etwas in der Hinterhand. Das haben die Russen aber nicht. Außer sie setzen Minöre ein aber das bringt ihnen auch nichts, wenn die Panzer schon vorher neue Luftfahrtrekorde aufstellen durch die präzise ukrainische Artillerie.

Außerdem überwachen die Ukrainer den Aufbau von Tunneln. Sind wir hier im späten Mittelalter oder was? Selbst im ersten Weltkrieg war das eine Ausnahmetaktik.

Putin gab den Blitzkrieg auf, um die Maginot-Linie frontal anzugreifen. Deppert!
 
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jimbo

ehemals jak12345
Putin fährt doch immernoch seine "Spezialoperation" oder nicht?
Daher darf er gar nicht alles an Kriegsgerät verwenden, weil es in Russland nicht (von allen) als Krieg betitelt wird. Vielleicht verliert Putin auch lieber eine Spezialoperation als einen Krieg. Soweit ich weiß hat Russland noch keinen Krieg verloren und darauf sind sie stolz. In wie weit das stimmt übersteigt meine eh schon mangelnde Kompetenz.
 

Woodstock

Z-King Zombies
Putin fährt doch immernoch seine "Spezialoperation" oder nicht?
Daher darf er gar nicht alles an Kriegsgerät verwenden, weil es in Russland nicht (von allen) als Krieg betitelt wird. Vielleicht verliert Putin auch lieber eine Spezialoperation als einen Krieg. Soweit ich weiß hat Russland noch keinen Krieg verloren und darauf sind sie stolz. In wie weit das stimmt übersteigt meine eh schon mangelnde Kompetenz.
Afghanistan. Der Erste Weltkrieg, der russisch-japanische Krieg, ...

Wenn wir was Aktuelleres wollen, so gelten die Tschetschenien-Kriege, Georgien und Syrien auch nicht so richtig als Sieg. Alles zerschießen, bis es nichts mehr geben kann, was sich wehrt, ist kein Sieg. Du eroberst Infrastruktur und nicht nur Land. Womit wollen die Russen das aufbauen? Das ist eine absolut dämliche Schrotttaktik und zieht nur Missmut in der Bevölkerung hervor....Wenn es noch eine gibt.

Aber ja, eine Operation zu verlieren ist das eine, aber ein Krieg was Anderes. Tatsache ist aber auch, dass es ab einer gewissen Menge an Verlusten egal ist wie man das Kind nennt, wenn es in den Brunnen fällt, ist es tot.

EDIT:
Es bestätigen sich immer mehr die Annahmen, dass die Russen die entführten Ukrainer in Umerziehungslager stecken. Wer da nicht mitmacht, landet im Gulag. Diese Regierung muss weg! Alle sogenannten "Strongmen" müssen ausnahmslos weg!

/Armchairhistorian-modus
 
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blacksun

Keyser Soze
Wenn es stimmt dass Putin todkrank ist, wie manche Medien behaupten, dann ist das mMn keine gute Nachricht.
Das könnte nämlich bedeuten, er will mit wahnsinngen Aktionen noch als glorreicher russicher Held in die Analen eingehen bevor er abkratzt.
 

Woodstock

Z-King Zombies
Laut geleakten Geheimdienstberichten, soll er noch drei Jahre leben... Ja, wer es glaubt.

Es heißt ja auch, dass Xi seinen Hirnaneurysma nicht operieren lassen möchte, da er befürchtet auf dem Tisch zu sterben oder entmachtet zu werden.
 

Tyler Durden

Weltraumaffe
Teammitglied
Ein - wie ich finde - sehr interessanter Beitrag von 2021, in dem sich Sorokin recht treffend über Putin äußerte.Mit der Sache in Kiew meint er natürlich nicht die aktuellen Ereignisse, sondern den Putsch vor einigen Jahren.
Ich war auch schon 2006-2007 über die Bücherverbrennungsaktion seiner Bücher schockiert. Die Videoaufnahmen schreiender, wütender Männer und Frauen waren ganz schön verstörend. Nur weil er in seinen Büchern "Norma" und "Himmelblauer Speck" Stalins Diktatur vorgeführt hat.In den neueren geht es ja eher um dystopische Visionen, die nun langsam Wirklichkeit werden. Vor allem die Distanzierung und Isolierung Russlands gegenüber dem Westen.
 

Tyler Durden

Weltraumaffe
Teammitglied
Schon das Neueste vom russischen Ex-Präsidenten Medwedew gehört (der inzwischen der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrats ist)?
Seine Reaktion auf die zweijährigen Gas-Verträge mit den USA war so, dass er meinte: "Wer sagt denn, dass die Ukraine in zwei Jahren überhaupt noch auf der Weltkarte existieren wird?" Das steht doch im Widerspruch zur offiziellen russischen Linie, dass sie nämlich die Ukraine "entnazifizieren", also befreien will. Bei ihm klingt das aber ganz danach, dass sie die Ukraine komplett einnehmen wollen. Fällt dieser Widerspruch der russischen Bevölkerung nicht auf? So gerne ich auch glauben würde, dass die meisten Russen gegen diesen Krieg sind und nur auf die Propaganda hereinfallen und glauben, dass die russische Armee wirklich etwas Heldenhaftes macht - leider sieht alles ganz danach aus, dass das nicht der Fall ist. Es gibt zwar einen Widerstand, aber der ist leider minimal und anscheinend befürworten die meisten diesen Krieg dann doch in einer Mischung aus Arroganz und Nationalismus. Dass ausgerecht diese Leute die Ukrainer und die Europäer immer wieder als Nazis bezeichnen, ist völlig realitätsfremd und selbstgerecht. Ich will gar nicht erst von den ekelerregenden Ansagen anfangen, die da im Staatsfernsehen laufen. Oder dass die Ukraine die russischen Gefangenen/Kriegsverbrecher zu lebenslanger Haft verurteilt, während die Kämpfer für die ukrainische Seite (die das Land vor den Angreifern verteidigt haben) von den "Separatisten" zum Tode verurteilt werden... Das spricht eigentlich schon für sich.

Ich verstehe auch, wenn die ganzen Kriegsmeldungen vielen Leuten hierzulande inzwischen zu viel sind und sie nur noch wegschalten, wenn sowas kommt, Aber mir geht das schon an die Nieren. Ich kann nur hoffen, dass jeder einzelne Kriegsverbrecher irgendwann seine Strafe bekommt.
 

CPL386

Well-Known Member
Ich sehe das mittlerweile in dieser... öhm "logik":
Wenn die Ukraine komplett eingenommen wird, kann es da ja keine Nazis mehr geben, weil das dann ja alle Russen sind.
Und Russen sind ja schließlich keine Nazis...
So etwas Krudes hab ich leider schon öfters in Bezug auf "Nazis" gelesen. :sad:
 

Woodstock

Z-King Zombies
Medwedew hat auch mal von einem neuen Eurasien von Lissabon bis Wladiwostok gesprochen. Die russische Agenda ist eindeutig. Die Ukraine soll weg. Das Volk ebenfalls. Das Land "zu befreien" und eine Marionettenregierung zu installieren hat nicht geklappt, jetzt wird das Land erobert und gesäubert. Umerziehung oder verschwinden lassen.

Der Blitzkrieg hat nicht funktioniert, also wird Putin erst den Osten einnehmen und sich dann langsam bis in die Hauptstadt vorarbeiten. In den russischen Medien spricht man schon von einem zehn bis fünfzehn Jahre langen Krieg. Das Ziel ist es, den Krieg so allgegenwärtig zu machen, dass, selbst wenn Putin stirbt, es mit ihm nicht endet.

Dass die Bevölkerung aber komplett für diesen Krieg ist, kann ich mir nicht vorstellen. Die Armee selbst hat so hohe Verluste, so viele kündigen oder verweigern Befehle, so viele Generäle sterben und das Material ist nicht unendlich vorhanden. Es ist paradox. Viele Soldaten kommen vom Land, gleichzeitig kommen von dort die hohen Umfragewerte von Putin (sofern sie echt sind). Aber ja, 20.000 trauernde Mütter und Frauen, fallen bei 144 Millionen Einwohner nicht auf. Allerdings ist immer die Frage, wie viel das Volk eigentlich wirklich mitbekommt.

Dass die Russen die ausländischen Freiwilligen als Söldner ansehen und nicht als Kriegsgefangene ansehen, sondern als Verbrecher, haben sie angekündigt. Das entspricht nicht dem internationalen Gericht, aber das kann man von den Russen sowieso nicht erwarten. Es soll abschrecken. Keine weiteren ausländischen Kämpfer sollen mehr in die Ukraine.

Aktuell haben die Russen Gebietsgewinne, aber nur, weil der Ukraine die schweren Waffen fehlen. Das kann sich bereits im Juli ändern, wenn die nächsten Lieferungen in der Ukraine, samt ausgebildetem Personal eintreffen. Tatsache ist, die Ukrainer dürfen nicht aufhören, bis die letzten Russen aus der Ukraine vertrieben sind und alles, einschließlich der Krim, sich wieder in ukrainischer Hand befindet.
 

Deathrider

The Dude
Ich sehe das mittlerweile in dieser... öhm "logik":
Wenn die Ukraine komplett eingenommen wird, kann es da ja keine Nazis mehr geben, weil das dann ja alle Russen sind.
Und Russen sind ja schließlich keine Nazis...
So etwas Krudes hab ich leider schon öfters in Bezug auf "Nazis" gelesen. :sad:
Liest sich wie ein Gedankengang der durchaus authentisch so von einem Putinfunktionär kommen könnte.
 

CPL386

Well-Known Member
@Deathrider Stammt aber eigentlich aus meinen Nachforschungen bezüglich Entnazifizierung in Deutschland nach dem WK2, was mir später bei Kommentaren von Reichsbürgern, AfDlern und Querdenker untergekommen ist.
Irgendwie ist das alles immer dasselbe.
 

Mr.Anderson

Kleriker
@Tyler Durden

Zu der Sache mit Medwedew. Das ist nichts neues mehr, seit Putin sich vor zwei Tagen mit Peter dem Großen verglichen hat und auch nebenbei erklärt hat, dass die in Russland aufgehen soll. Er holt sich wie einst Peter der Große mit Schweden mit der Ukraine nur Land zurück, dass eh schon zu Russland gehörte. Einfach mal "Putin Peter der Große" googeln und du findest zahlreiche Berichte.
 
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