BG Kritik: „Anaconda“

12. September 2010, Christian Mester

Bei einem Wissenschaftstrip auf dem Amazonas wird ein Forscher (Eric Stoltz) schwer vergiftet; schnell muss es zurück zur Zivilisation gehen, doch das Team (u. a. Owen Wilson, Jennifer Lopez, Ice Cube) darf sich zuvor noch mit einer monströsen Riesenschlange und einem nicht minder gefährlichen Jäger anlegen…

ANACONDA (1997)
Regie: Luis Llosa
Cast: Jennifer Lopez, Jon Voight, Ice Cube, Kari Wuhrer

Kritik:
Ein bisschen ist es verloren gegangen – die Exotik und das aufregende Erlebnis, in der wilden Welt der Natur unterwegs zu sein, insbesondere in wenig erschlossenen Bear-Grylls-Gebieten wie das der vielen Amazonas-Flussarme, die wer weiß wo hinführen mögen und sogar den legendären Schrecken vom Amazonas beherbergen könnten. Oder Danny Trejo als Floßfischer. Oder halt Danny Trejo, der von einer riesigen Anaconda verspeist wird.

Im Wust der unendlich vielen DVD-Tierfilmschrottfilme häutet sich Luis Llosas formidabler Anaconda mit der damals noch recht unbekannten Jennifer Lopez ins Spotlight und offenbart, dass nicht alles mit angreifenden Tieren ein haistürmender, donaldtrumpiger Trash-Angriff auf den guten Geschmack sein muss. Zwar bewegt sich seine liebenswert mit Animatronics und CGI umgesetzte Riesenblindschleiche überraschend unrealistisch schnell und schlummert nach erfüllter Mahlzeit eben nicht erst wochenlang verdauend vor sich her, um eben praktisch rasch weiter unterhalten zu können, aber all das stellt man in den Dienst heiterer Popcornstimmung, die er gekonnt lebhaft und abwechslungsreich füttert. Geschickt nutzt er typische Genreklischees, um die Reise durch den Dschungel zum action- und horrorlastigen Abenteuer a la Congo werden zu lassen.

Besonders gelungen ist ihm die Vermittlung des Dschungelfeelings, denn statt „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ heißt das Dauerschwitzerei dank drückender Hitze, lästige Käfer und Insekten an jeder Ecke, kriechende Krankheiten und bissiges, giftiges, oder auch rückratbrechendes Getier. Ein großes Plus ist die durchweg sympathische und namhafte Besetzung, in der Jennifer Lopez als klammschwitzende Forscherin und Oscar-Preisträger Jon Voight als bärbeißiger Schlangenfänger überzeugen und mehr als den Schatz der Sierre Madre finden. Die beiden sind so gut, dass der Film auch ganz ohne Schlange unterhaltsam genug geworden wäre. Ice Cube, der als Rapper, der zum Schauspieler wurde, eigentlich fehl am Platz ist, aber genau das auch als Figur braucht, ist ebenso wie Fast-Marty McFly Eric Stoltz, Owen Wilson, Kari Wuhrer und besagter Trejo passend an Bord.

Zwar gibt es keine Szenen, in denen Jennifer Lopez blümerant und ausgiebig schwimmen geht, doch die Parallelen zum alten Universal Klassiker sind nicht von der Hand zu weisen. Man schwimmt fraglos in ähnlichen Gewässern, und Llosa tut ein Gutes daran, es adäquat in die 90er zu übertragen.

Fazit:

Die Anaconda in „Anaconda“ mag sich nicht sonderlich realistisch verhalten, macht dafür aber gehörigen Spaß. Ice Cube, Owen Wilson und Jennifer Lopez schlängeln sich hier durch eine wirklich rasante Abenteuerstory mit einigen guten Horror- und Actionportionen, Jon Voight amüsiert als exzentrischer Schlangenjäger. Sehenswert!

8 / 10

Autor: Christian Mester

Dieser Filmenthusiast (*1982) liebt es, manchmal auch mit Blödsinn, Leute für Filme zu begeistern. Hat BG im Jahr 2004 gegründet und ist dann für Pressevorstellungen, Interviews und Premieren viel rumgereist, hat als Redakteur u.a. für GameStar geschrieben, war dann mal Projektleiter in einer Werbeagentur mit Schwerpunkt dt, Kinostarts und - schaut gerad vermutlich schon wieder was.

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