BG Heimkino Check: „Onward“ auf Blu-ray

3. August 2020, Daniel Schinzig

Ein neuer Pixar-Film ist immer gut. Mindestens. Trifft das auch auf „Onward“ zu oder ist er die berühmte Ausnahme von der Regel? Und wie gut ist die Heimkinoveröffentlichung aus technischer Sicht geworden? Dem sollten wir nachgehen.

© 2019 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

Dürfen wir vorstellen: Das zeitgemäße Fantasy-Gefährt.

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Die Animationskünstler bei Pixar sind wahnsinnig gut darin, bekannte oder scheinbar simple Prämissen weitderzudenken. So auch hier: Das typische Fantasy-Setting mit Magiern, Fabelwesen und Drachen erhält eine Revolution. Die Entdeckung von Strom sorgt dafür, dass Zauberei nicht mehr notwendig und erwünscht ist. Und so ist die Welt gar nicht mehr so weit von unserer Realität entfernt. Die altbekannte Fantasy-Umwelt hat sich zivilisatorisch weiterentwickelt. Gezaubert wird jetzt nur noch in Rollenspielen, Drachen werden als Haustiere gehalten, wilde Einhörner plündern als Plage die Mülltonnen des spießigen Vororts.

Wie selbstverständlich ist der jugendliche Elf Ian in dieser Welt großgeworden. Seine Abenteuer haben nichts mit Schatzsuchen oder Drachenjagen zu tun, sondern ähneln denen so vieler menschlicher Teenager: Versuche, die eigene Schüchternheit zu überwinden. Zu sich selbst und irgendwie einen Platz in der Welt finden. In Ians Falls kommt erschwerend hinzu, dass sein Vater schon in Ians frühester Kindheit verstorben ist. Als Vaterersatz dient der große Bruder Barley, doch mit seiner rumpeligen Art und Rollenspiel-Vernarrtheit ist er dem heranwachsenden Elf oft auch peinlich.

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Ein Hoch auf die Schüchternheit: Für Elfen-Teenager Ian Lightfoot ist es schon ein riesiges Abenteuer, Klassenkameraden zur Geburtstagsfeier einzuladen.

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Ein Geschenk zum 16. Geburtstag stellt die Welt der Brüder auf den Kopf: Ein Zauberstab, der den Kids vom Vater zugedacht wurde. Und mit dem versuchen sie, den Papa zurück in die Welt zu holen, um noch einen Tag mit ihm verbringen zu können. Doch es läuft nicht so ganz nach Plan, nur die untere Hälfte des Vaters erscheint. Um einen passenden Kristall für den Zauberstab zu finden und das geliebte Familienmitglied doch noch zur Gänze erscheinen lassen zu können, begeben sich Ian und Barley auf eine lange Reise. Möge die Quest beginnen.

Die ersten Trailer zum 22. Pixar-Film ließen viele potentielle Zuschauer skeptisch zurück. Zu wenig wirkte es wie ein Werk aus der beliebten Animationsschmiede hinter „Toy Story“ und „Findet Nemo“, eher erinnerte das Gesehen an die Abenteuer des Konkurrenten Dreamworks. Das lag vor allem an der Farbpalette, am Design der Charaktere und am Fantasy-Setting. Nur gut, dass ein Film nicht nur aus diesen schon im Trailer erkennbaren Attributen besteht. Denn auch „Onward“ bietet erneut eine ganz besondere emotionale Tiefe und – zumindest stellenweise – dieses wunderbare, einmalige Pixar-Feeling. Wenn ihr übrigens wissen möchtet, welche Zutaten Pixar-Filme aus unserer Sicht so besonders machen und welche der bisherigen Animationswerke besonders gelungene Pixar-Stellvertreter sind, lest doch mal unser Pixar-Special, das wir anlässlich des „Onward“-Kinostarts im März veröffentlicht haben.

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Mit einem halben Papa geht’s auf Abenteuer.

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Statt die Prämisse mit dem halben Papa für eine plumpe Slapstick-Show zu nutzen, scheut Regisseur Dan Scanlon („Die Monster Uni“) nicht davor zurück, die emotionale Tragweite dieser skurrilen Begebenheit zu erforschen. Ja, die nur vorhandenen väterlichen Beine werden natürlich auch für allerhand charmant witziger Szenen genutzt. Aber nie verkommt der absurde Comedy-Aspekt zum Selbstzweck. Immer wird deutlich, wie stark bei den beiden Brüdern noch immer der Verlust wiegt, wie groß gerade bei Ian der Wunsch ist, seinen Vater – und sei es nur kurz – kennenzulernen, Zeit mit ihm zu verbringen, wichtige Momente nachzuholen.

Angetrieben von dem Ziel, einen Verlust aus der Vergangenheit rückgängig zu machen, sorgt der Verlauf der Reise natürlich dafür, dass sich die beiden Elfenbrüder weiterentwickeln. Für uns Zuschauer werden allerhand rasante Situationen geboten, die hin und wieder auch in raffinierten Actionszenen münden. Für die beiden Protagonisten hingegen ist jede dieser Missionen ein wichtiger Schritt vorwärts auf dem Weg ihrere Initiierungsreise. Das ist Dramaturgie wie aus dem Bilderbuch und funktioniert einwandfrei. So sollte bei allen Lachern und rasanteren Szenen eines klar sein: Der Fokus von „Onward“ liegt auf den Charakteren, dementsprechend oft nimmt sich der Film Zeit für ruhige und gefühlvolle Szenen. Wer eine reine Slapstick-Show sehen möchte, ist hier falsch und sollte lieber Richtung „Minions“ schielen. So ist es nur folgerichtig, dass der Showdown zwar durchaus großes Spektakel bietet, dennoch aber vor allem die emotionale Entwicklung von Ian zu einem Ende bringt – und uns dabei emotional stark berührt. Die Mitarbeiter von Pixar wissen einfach, welche Knöpfe sie zu drücken haben.

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Über unsichtbare Brücken musst du gehen…

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Regisseur Dan Scanlon lässt natürlich auch nicht das satirische Potential der durch Technik weiterentwickelten Fantasy-Welt links liegen. Immer wieder erkennen wir Anspielungen auf unsere Realität. Dafür, dass die Dialoge zwischen Ian und Barley die richtige Dynamik haben, sorgen im Original Tom Holland und Chris Pratt. Und an dieser Stelle kann die deutsche Synchronisation nicht oft genug gelobt werden. Denn bei „Onward“ kam es, wie mittlerweile bei fast allen Animationsfilmen, nicht zur einer Promibesetzung, bei der etwa die Lochis auf den Lightfoot-Brüdern besetzt wurden. Stattdessen dürfen Christian Zeiger und Leonhard Mahlich den Protagonisten ihre Stimmen leihen, die Stammsprecher von Tom Holland und Chris Pratt.

So oft Promisynchros bei Pixar auch überraschenderweise funktionieren: Es ist einfach noch einmal eine ganz andere Hausnummer, echte, ausgebildete Synchronschauspieler auf den sympathischen Figuren zu hören. Zumal so auch die Originalidee mit Holland und Pratt auf gewisse Weise erhalten bleibt. Auch wenn es Wunschdenken ist: Bitte auch in Zukunft so machen! Und apropos guter Sound: Die Komponisten Jeff und Mychael Danna sorgen für einen wuchtigen Score, der sowohl klassische Orchesterklänge als auch harte-E-Gitarren-Sounds bietet. Fantasyscore trifft auf Rollenspiel-Metal.

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„Onward“ gibt es seit dem 23. Juli 2020 auf Blu-ray.

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Bei Blu-ray-Veröffentlichungen von Pixar-Produktionen ist eigentlich klar: Hier wild bildtechnisch das Beste vom Besten geboten. Und da macht „Onward“ keine Ausnahme. Farben, Kontrast, Schärfe: Alles auf ausnahmslos hohem Niveau. Nur schade: Eine 4K UHD des Films gibt es in Deutschland mal wieder nicht. So grandios die Blu-ray schon ausschaut, gerade so eine High-End-Produktion hätte auf dem allerneusten optischen Medium wahrscheinlich unsere Kinnladen auf den Boden klatschen lassen vor Begeisterung. Aber sei es drum: Die Blu-ray wird keinen meckernd zurücklassen. Und immerhin bleibt Disney noch der 3D-Blu-ray treu. Wer also noch 3D-BD-Player und 3D-TV hat, bekommt mit „Onward“ auf 3D-Blu-ray sensationelles neues Futter. Beim Bonusmaterial bewegt vor allem das Feature „Wie alles begann“. Hier berichtet Regisseur Dan Scanlon überraschend offen von seinem ganz persönlichen Lebensweg. Denn schon früh ist sein Vater gestorben und sein älterer Bruder war ein wichtiger Halt für den späteren Filmemacher. Spätestens hier wird klar, welch eine persönliche und ernstgemeinte Geschichte „Onward“ eigentlich erzählt.

„Onward“ – seit 23. Juli 2020 auf Blu-ray, 3D Blu-ray und DVD.

Habt ihr „Onward“ noch im Kino sehen können, bevor die Pandemie den Film leider viel zu schnell aus den Lichtspielhäusern verbannte? Oder eventuell im Autokino die Chance gehabt und genutzt? Und welche Pixarfilme stehen bei euch ganz hoch im Kurs? Verratet es uns wie immer im Forum.

 

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