BG Kritik: „Fright Night“ (2011)

3. März 2018, Christian Westhus

3D-Remake des 80er Horrorkults gleichen Namens: Charley Brewster (Anton Yelchin) ist ein normaler High School Schüler, der mit Freundin Amy (Imogen Poots) und unkomplizierter Mutter (Toni Collette) unbeschwert seines Weges geht. Bis ein Kumpel behauptet, Charleys neuer Nachbar Jerry (Colin Farrell) sei ein Vampir. Brewster tut es zunächst als übersteigerte Fantasie seines hysterischen Freundes ab, bis er bald die Gewissheit hat. Vampir Jerry macht kurz darauf Ernst und Charley, Kumpel Ed, Amy und die Mutter sind mittendrin.

Fright Night
(USA 2011)
Regie: Craig Gillespie
Darsteller: Anton Yelchin, Colin Farrell, David Tennant, Imogen Poots, Christopher Mintz-Plasse
Kinostart Deutschland: 06. Oktober 2011

(Diese Kritik erschien ursprünglich zum Kinostart des Films im Oktober 2011.)

Bei all den Reboots, Spin-Offs, Prequels und halsbrecherisch in die Handlung gemogelten Quasi-Sequels hat man fast schon vergessen, wie ein waschechtes Remake aussieht. Als leicht verspätete Reaktion auf den abnehmenden Vampir-Hype rund um „Twilight“ und Co. versucht sich „Fright Night“ recht erfreulich daran, den nicht immer so einfachen Mittelweg zwischen Kopie und Eigenständigkeit zu treffen. Man will ja den Fans des Originals nicht total dreist vor die Stirn treten, sich aber auch nicht nachsagen lassen, keine eigenen Ideen zu haben. Dadurch ist das Remake häufig leider weder Fisch noch Fleisch, jedoch auch nicht so unsinnig oder ärgerlich wie viele andere Kollegen. Der „Fright Night“ Neuaufguss übernimmt das komplette Personal und die gröbsten Handlungsdetails, um die Geschichte mit einigen eigenständigen Twists und Veränderungen modernisiert neu zu erzählen. Herausgekommen ist ein recht unterhaltsamer, zuweilen witziger, aber auch absolut straighter Kurzweil-Horror fürs moderne Publikum, der allerdings zu selten wirklich Horrorfilm ist.

Gerade die Modernisierung ist oft schwierig, besonders wenn Kinder und Jugendliche involviert sind, die vor 30 Jahren einfach anders tickten als ihre gleichaltrigen Vertreter aus dem neuen Jahrtausend. Heute interessiert es schlicht nicht, wie weit Charley the Brews und Amy in ihrer Beziehung schon sind, wohl weil die Macher auch wissen, wie unzeitgemäß die „Unsicherheit vorm ersten Mal“ Masche auf die heutige Zielgruppe wirken könnte. Besonders, wenn die handelnden Personen beinahe schon erwachsen sind. So ist es kaum verwunderlich – wenngleich natürlich bedauerlich – dass der Film annähernd komplett frei von irgendwelchen Themen, Metaphern oder größerem Subtext ist. Das war beim Original von 1985 noch anders. Das Remake und zentral Nachbarvampir Jerry funktionieren weder als Metapher für Adoleszenz und erwachende Sexualität, wie es damals der Fall war, noch ist Jerry wirkliche eine sexuelle Bedrohung für Charlies Mutter und Freundin, noch ist er ein sexueller Rivale für Charlie selbst. Auch als Vaterersatz oder als Beispiel für eine Sorte Mann, die Charlie werden kann (nebst Peter Vincent und dem abwesenden echten Dad) jongliert der Film im besten Falle nur mit Andeutungen.

Colin Farrell hat in der Jerry-Rolle dennoch seine spürbare Spielfreude. Ständig wirkt er mit seinem unerhört engen Unterhemd und den etwas oberkörpersteifen Bewegungen wie ein Zuchtbulle auf Steroiden und verdreht die elegante Bedrohung des 85er Jerrys in eine maskuline Macho-Kumpel Bedrohung, die zumindest in der ersten Hälfte äußerst gut funktioniert. Eine Konfrontation zwischen Jerry und Charley in der Küche, wenn beide mit halb geöffnetem Visier einander begegnen, ist ein absoluter Knüller, der wirkungsvoll mit Genreerfahrungen, Vampirklischees und subtiler, augenzwinkernd humorvollen Bedrohung spielt. Leider gibt es nicht übermäßig viele dieser Szenen. Recht schnell und wie auf Knopfdruck lässt Jerry seine Fassade nämlich Fassade sein und wird zur eher eindimensionalen Bestie, die zu selten noch durch Farrells Charisma aufgelockert wird. Dafür übernimmt im weiteren Handlungsverlauf Peter Vincent, der von David Tennant wunderbar überdreht und launisch gespielt ist, oftmals aber auch eher erzwungen wirkt. An Peter Vincent merkt man, dass man sich beim Script zu selten wirklich traute, eigenständig zu denken. So weit wagte man sich dann doch nicht aus dem Fenster zu lehnen und auf den ehemaligen TV-Vampirjäger zu verzichten, der nun ein mystischer Illusionist in Las Vegas ist.

© Walt Disney Studios / Dreamworks

Durch Peter Vincent halst sich das Remake auch eine Art Verpflichtung auf, selbstironisch und anspielungsreich das Horrorgenre Revue passieren zu lassen, denn der gute Peter trägt diesen Namen ja nicht einfach so. An alten Hammer-Horror mit zentimeterdicken Spinnweben und trashigen Horrormasken erinnert hier aber meist gar nichts. Querverweise und Genre-interne Witze sucht man bis auf ein nettes Cameo und viele Witze zu Beginn, Jerry könnte ein Vampir sein, vergebens. Dazwischen pflichtgemäß eine ironische Spitze in Richtung „Twilight“, sowie Amys niedliche Verwechslung der mythologischen Monster, wenn sie zur Waffe greift (eine zugegeben grandiose Szene), aber ansonsten gibt es nicht so viel zu holen für den Retro-Freund unter den Horrorfans. Der Film muss ja nicht zwangsläufig Hommage sein, aber jedes Mal, wenn man sich zu sehr dem Original annähert, schreit es danach. Insbesondere eben bei Peter Vincent, egal wie drollig und witzig Tennant auch ist. Warum er gegen Jerry zu Felde zieht ist wenig glaubwürdig, größtenteils nur damit zu erklären, dass er einfach dazu gehört. Aus einem anderen Film. Die emotionale Komplexität der Figur, die 1985 noch als aussortierter Ex-Star mit der Frustration seiner medialen Scheinidentität, sowie dem Fluch der Moderne zu kämpfen hatte, streift das Remake nicht mal. Wäre es nicht meta-witzig grenzgenial gewesen, Sarah Michelle Gellar zu einem Cameo und Joss Whedon um Erlaubnis zu bitten?

Evil Ed Darsteller Christopher Mintz-Plasse hat nach McLovin und Red Mist diesen Typus schon abonniert und kann hier nicht mehr viel leisten, auch wenn die schwierige Freundschaft zwischen ihm und Brewster durchaus ein paar gelungene Details parat hält. Amy, in der so sympathischen Gestalt von Imogen Poots, ist als Freundin austauschbar. Die Rolle ist nicht störend, bricht sogar ein Mal eine Lanze für Nerds, muss ansonsten aber nur in Gefahr geraten und gerettet werden. Und während die immer sehenswerte Toni Collette in der Rolle als Mutter routiniert überzeugt, sollte sich Anton Yelchin mal nach anderen Rollen umsehen, statt immer nur flache Teenager zu spielen. Als Charley ist er angenehm und glaubhaft genug, ohne sonderlich viel dafür zu tun. Er ist dem Script ausgeliefert und das hat Höhen und Tiefen, wenn es auch eigentlich einigermaßen Laune macht. Einzelszenen überzeugen, teilweise auch mit cleveren und bösen Einfällen oder einfach nur ein paar netten Erschreckern, bis sich das letzte Drittel glasklar als Actionfilm zu erkennen gibt. Der ewige Diskurs zu praktischen oder computergenerierten Effekten wird auch hier wieder aufkommen. Größere Verfehlungen gibt es keine, aber in steriler CG-Reinheit kommt auch kein Trash-Charme wie im Original auf. Was jedoch wohl auch nicht beabsichtigt war. Und was das 3D betrifft, braucht man angesichts der langweiligen Handhabung kaum mehr sagen, als dass der Film aber eigentlich nicht dafür gemacht ist.

Fazit:
Unterhaltsames Remake des in nahezu allen Belangen besseren Originals. Insbesondere Colin Farrell überzeugt, so lange man ihn lässt. Witzig, mit guten Einzelszenen und eigentlich nie langweilig, aber letztendlich nicht eigenständig genug, denn jedes Mal, wenn man sich dem Original zu sehr nähert, gerät der Film ins Straucheln. Kurzweilig unterhaltsam ist der Gruselcomedy-Vampir-Ritt dennoch.

5,5/10

Autor: Christian Westhus

Ein echter Ostwestfale. Gebürtig aus einer kleinen Doppelstadt, die niemand kennt, studierte Literatur in einer Stadt, die es angeblich nicht gibt (Bielefeld). Arbeitet seit 2006 für BereitsGesehen, schreibt Kritiken und Kolumnen, gehört zum Podcast Team und ist einmal im Monat beim KultKino in Lippstadt zu sehen.

Um an dieser Diskussion teilzunehmen, registriere dich bitte im Forum:
Zur Registrierung