BG Kritik: „Battleship“

25. November 2019, Christian Westhus

Der Film zum Brettspiel-Klassiker. Oder so ähnlich. Während einer im Rahmen des Navy Fests veranstalteten Flottenübung stoßen Kriegsschiffe auf merkwürdige Artefakte, die aus dem Wasser ragen und sich bald als außerirdische Flugschiffe entpuppen. Die nicht eingeladenen Besucher legen bald alles in Schutt und Asche, während sie an einem Supersatelliten basteln. Unter einem Energieschild abgeschottet, sind der Heißsporn Hopper (Kitsch), sein Bruder Stone (Skarsgard) und japanische Kollegen die letzte Hoffnung gegen die Invasoren.

Battleship
(USA, Japan 2012)
Regie: Peter Berg
Darsteller: Taylor Kitsch, Alexander Skarsgård, Brooklyn Decker, Rihanna, Liam Neeson
Kinostart Deutschland: 12. April 2012

(Diese Kritik erschien ursprünglich zum Kinostart im April 2012.)

Warum viele Worte verlieren? Selbst diejenigen, die „Battleship“ freudig und ungeduldig erwarten, sind sich mehr oder weniger einig, dass ihnen anspruchslos auf Film gebannter Blödsinn bevorsteht. Hauptsache es kracht und knallt. Einhellig wird aufs gängige Prozedere bei Filmen dieser Art verwiesen, sein Gehirn vor Filmgenuss doch bitte abzugeben. Und so ist „Battleship“ – nach „Transformers“ die nächste Verfilmung eines Hasbro-Spiel(zeug)s – dann auch wie erwartet Schrott in Reinkultur. Es ist verdammt nochmal ein Film, der sich als Verfilmung von „Schiffe versenken“ verkauft. True Story. Da kann man doch kaum Qualitäten abseits von ausgewalzten Action- und Spektakelszenen erwarten. Und doch macht man es sich mit dieser Haltung zu einfach. Warum bitteschön soll uns eine annähernd nicht existente Behelfshandlung als Pinnwand für lieblos angeheftetes Tohuwabohu genügen? Es ist an der Zeit, der spätestens durch die Transformers-Filme losgetretenen Lawine substanzloser XXL Radau-Filme Einhalt zu gebieten. Eine unangebracht erfolgreiche Reihe dieser Pseudo-Actionfilme muss reichen. Das Gehirn nun bei jedem so kläglichen wie dreisten Versuch, der geistig jung gebliebenen Zielgruppe das Geld aus der Tasche zu ziehen, abzugeben, liefert Mal um Mal nur weitere Sargnägel fürs Sci-Fi-Actionkino. Auch pure Unterhaltungsfilme dürfen gewisse Standards erfüllen. Davon profitieren letztendlich beide Seiten.

Wie es aussieht, wenn diese Standards verfehlt werden, beweist nun „Battlefield“, der noch einmal herausstellt, warum Michael Bay bei aller berechtigten Kritik eben doch ein außergewöhnlich guter Regisseur ist. Klar, man könnte durchaus behaupten, dass diese vollkommen sinnbefreite und emotional uninteressante Zerstörungsorgie namens „Battleship“ kurzzeitig unterhält. Also ungefähr zehn Minuten. Das Design der Fremdlinge, solange sie die Helme aufbehalten, darf man sogar „cool“ nennen, wenn einem der Sinn danach steht. Regisseur Peter Berg („Hancock“) ergeht sich an Effekten, schneidet erfreulich übersichtlich und genießt es dabei, diverse kuriose Alien-Vehikel unbegründet und zerstörerisch durch die Gegend ziehen zu lassen. Die Story schaltet hier vollkommen ab, bemüht sich nicht einmal, den Aliens einen etwas genauer erläuterten Grund zu geben, warum sie auf unserem Planeten so rumstressen. Entsprechend wenig tangieren die 25.000 Toten in Hong Kong oder sinkende Kriegsschiffe mit X-tausend Mann Besatzung. Michael Bay dürfte den unfassbar teuren CGI-Schabernack lässig abnicken und sich entspannt zurücklehnen, da er genau weiß, wie man aus substanzloser Zerstörung immerhin Wucht und Energie herausholen kann. Bei „Battleship“ kämpfen klobige Zerstörer und Kriegsschiffe stumpf-brachial gegen ähnlich grob geschnitztes Gefährt von fremden Planeten. Und das ist reichlich schnell reichlich öde, auch wenn Komponist Steve Jablonsky und die Leute von den Sound Departments mit monströs lärmendem Krach das Gegenteil behaupten.

© Universal Pictures

Worum geht es denn nun wirklich, also abseits von Aliens und Big Ba-Da-Boom? Da hätten wir Taylor Kitsch in der Hauptrolle, der jüngst noch auf dem Mars zum Helden avancierte. Als Lieutenant Hopper ist er ein abgebrannter Dickschädel, ohne Ansporn und Ziele im Leben. In einer leidlich amüsanten ersten Szene dürfen wir Hoppers ungewöhnliche Vorstellung von Romantik kennen lernen, denn jeder Held braucht eine Frau an seiner Seite, die um ihn bangen kann. Und jede Frau hat für unseren Helden in Filmen dieser Art einen männlichen Konkurrenten in Schlagdistanz. In diesem Fall ist das Liam Neeson, der hier in einer unbeschreiblich konturlosen Rolle als Navy Admiral den Vater von Brooklyn Decker gibt. Eben diesen gestrengen Daddy gilt es zu überzeugen, was sich als schwierig gestaltet, da Hopper ein unzuverlässiger Faulpelz ist, der ständig mit dem Kopf durch die Wand will. Er wirkt wie die unwesentlich erwachsenere Version von Sam Whitwicky aus „Transformers“. Also muss Hopper durch diesen Alienkonflikt wachsen. All das – nebst Druck durch Hoppers großen Bruder – reicht dem Film, um ein martialisches Feuerwerk abzufackeln. Es ist nicht Nichts und schon gar nicht so ein völlig aus den Fugen geratenes Gaga-Sammelsurium, wie es die „Transformers“ Fortsetzungen boten. Vielmehr ist es derart lieb- und formlos dahingerotzter Behelf, dass man regelrecht spürt, wie man hier als Zuschauer über den Tisch gezogen wird. Sams Eltern in „Transformers“ hatten wenigstens so etwas wie Charakter.

Peter Berg will Coolness um jeden Preis. So richtig „episch“ muss es sein und das an allen Ecken und Enden. Schon ein dämliches und unbedeutendes Fußballspiel fühlt sich an, als habe der Regisseur zu viel „An jedem verdammten Sonntag“ geguckt und auf Fußball übertragen. Im letzten Drittel aber dreht er völlig am Rad, montiert AC/DC zur albernsten Montage seit langer Zeit, schickt seine Protagonisten auf die absurdesten und unlogischsten Trips. Einfach mal so. Weil cool. Wie bekloppt werden Kommandos gebrüllt, jedes zweite Wort ist „Feuern!“ oder „Schießen!“, was entsprechend auch umgesetzt wird. Wie sich das Script hier zum Showdown und dort zur großen Entscheidung hangelt, muss man praktisch selbst gesehen haben, so beknackt ist es. Dem Film mangelt es dabei jedoch spürbar an Humor, um hier ernsthafte Witzabsicht zu unterstellen. Selbstironie war auch nie Michael Bays Stärke, doch auch dieser Punkt geht tendenziell an ihn. Bezeichnenderweise werden Peter Berg und „Battleship“ nur in einer Sache zu einer ernsthaften Konkurrenz, nämlich in Sachen Militärfetisch und Heroisierung von Militär und Kriegshelden. Hopper sagt einem kleinen Jungen zu Beginn, wie cool es doch sei, bei der Navy zu sein, wie cool es sei, die Geschütze zu bedienen. Und genau das dürfen wir uns dann im restlichen Film in allen Formen und Farben angucken. „Yvan eht nioj!“, wie es bei den Simpsons mal hieß.

Fazit:
Laut, wüst und sinnlos. Wie zu erwarten bietet „Battleship“ kaum mehr als das Allernötigste, um eine Handlung auf die Beine zu stellen. Was zählt sind Action, Effekte und Zerstörungen. Davon kriegt man dann auch reichlich, aber sonderlich viel Spaß dürfte man mit dieser protzigen Pro-Militär Chose und einem sensationell dämlichen Schlussdrittel nicht haben.

3/10

Autor: Christian Westhus

Ein echter Ostwestfale. Gebürtig aus einer kleinen Doppelstadt, die niemand kennt, studierte Literatur in einer Stadt, die es angeblich nicht gibt (Bielefeld). Arbeitet seit 2006 für BereitsGesehen, schreibt Kritiken und Kolumnen, gehört zum Podcast Team und ist einmal im Monat beim KultKino in Lippstadt zu sehen.

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