BG Kritik: „The Nun“

7. September 2018, Christian Mester

Irgendwann vor langer Zeit findet ein Kurier eine Nonne, die sich vor einem Kloster erhängt hat. Schnell schickt man einen abgebrühten Priester und eine junge, andere Nonne hinterher, um den klaren Klerus-Konflikt aufzuklären. Es stellt sich heraus, dass noch eine Nonne da ist – halt The Nun – die böse abbösen will.

© Warner Bros. Pictures

The Nun (USA 2018)
Regisseur: Corin Hardy
Cast: Demian Bichir, Taissa Farmiga, Vera Farmiga, Patrick Wilson

Bei Klosterfrau Melissengeist, waren Conjuring Teil 1 und 2 vielleicht stimmig. Und spannend. Und gruselig. Und schaurig. Kein Wunder also, dass mit dem Prequel Annabelle und dem holprig betitelten Annabelle: Creation, dem Prequel zum Prequel, zwei weitere, aber minderwertige Ableger folgten (wobei Annabelle: Creation fraglos größere Glocken läutete als Annabelle, aber dazu ein andernmal mehr). The Nun hält nun nicht viel von besessenen Püppchen und schickt stattdessen Püppchen Taissa Farmiga (im echten Leben die jüngere Schwester – Schwester, nicht Tochter – von Vera Farmiga) im Nonnengewand geschwind in ein zerklüftetes altes Klostergemäuer, um einen scheußlich aussehenden, verfluchten Kuttengeist aufzustöbern.

Die erweist sich als prinzipiell schauriges Scheusal, doch so fies Schwester Schande aussehen mag, so flach flattern ihre flauen Flügel. Demian Bichir aus Alien: Covenant und The Hateful 8 kreuzt und rosenkranzt sich als langweiliger Exorzistenverschnitt durch hüfthohes Weihwasser, während die jüngere Farmiga verschiedenste Register des erschreckt werdens durchläuft, dabei aber nichts von der stets kompetenten Präsenz ihrer älteren Conjuring-Schwester zeigen kann. Besonders schwach ist ein französischer Nachbarsjunge, der ein wenig Sexappeal mit reinbringt und immer mal wieder mit der Möglichkeit kokettiert, die Nonnenanwärterin zu vernaschen. Selbstredend macht der Film nichts aus dieser lockenden Sünde und hat auch sonst nichts über seine moralischen, inhaltlichen oder thematischen Elemente zu sagen. Es will ein simpler Schocker sein – nur, dass er schockierenderweise nicht sonderlich schockt.

© Warner Bros. Pictures

James Wan begann die Reihe einst mit Conjuring: Die Heimsuchung und Conjuring 2, die das Rad zwar nicht neu erfanden, aber alles Bekannte beachtlich einzusetzen wussten. The Nun ist wie schon Annabelle ein Ableger über eine weitere Dämonenanekdote, die die berühmten paranormalen Ermittler, die Warrens (Patrick Wilson und Vera Farmiga) zu ihren Akten legen konnten. Nach insgesamt 3 Ablegern zeigt sich leider, dass sie es bei der Hauptreihe hätten belassen sollen.

The Nun krankt in erster Linie daran, nur aus Konzepten zu bestehen. Ob es ein gruseliger Friedhof bei Nacht, kalte Kellerkatakomben oder Nonnenleichenberge sind – auf dem Papier sind es gruselige Gegenden, in denen sich das kirchliche Ghostbusterteam fiese Fights liefert. Leider fällt alles stets flach aus, denn Regisseur Corin Hardy weiß nichts aus den tollen, teuer umgesetzten Sets zu machen, die eigentlich Material für 1A-Geisterbahnmaterial hergeben müssten. Jedes Mal wenn das Nonnenmonster erscheint, mag man nur müde mit den Schultern zucken, und selbst faule Jumpscare-Tricks können nicht davon ablenken, dass The Nun nunmal nicht wirklich effektiv erzählt ist. Was bleibt ist Erstaunen darüber, dass so schaurige Schauplätze so gleichgültig lassen können.

Fazit:
Nun denn. The Nun sieht stark aus, hat aber unter der finsteren Nonnenhülle nur warme Luft zu bieten. Vermutlich müffelt diese sogar ein wenig, und wenn sie darüber grinst, wird’s wahrhaftig und wahrhaftig gruselig.

3,5 / 10

Autor: Christian Mester

Dieser Filmenthusiast (*1982) liebt es, manchmal auch mit Blödsinn, Leute für Filme zu begeistern. Hat BG im Jahr 2004 gegründet und ist dann für Pressevorstellungen, Interviews und Premieren viel rumgereist, hat als Redakteur u.a. für GameStar geschrieben, war dann mal Projektleiter in einer Werbeagentur mit Schwerpunkt dt, Kinostarts und - schaut gerad vermutlich schon wieder was.